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WayForward geht mit „Yars Rising“ neue Wege bei der Videospielerhaltung
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Charlie Wacholz
Doch nach seinem explosionsartigen Erfolg auf dem Atari 2600 blieb es weitgehend ruhig um das Yars-Franchise. Neben einigen Remakes, in denen die Formel des Originals nur geringfügig verändert wurde, und einer von Fans entwickelten Fortsetzung, die Atari in den Nullerjahren mit einer Atari-Flashback-Veröffentlichung offiziell anerkannte, hat sich die Reihe in den letzten 43 Jahren kaum verändert.

Zumindest bis WayForward die Gelegenheit erhielt, bei Atari für die Entwicklung eines Metroidvanias zu werben, das im sogenannten „Yarniversum“ spielen sollte (so nannte es der Entwickler Warshaw, der bekanntermaßen seine Initialen HSW in dem berüchtigte Atari-Spiel E.T. the Extra-Terrestrial versteckte). Dieses Plattformer-Erkundungsspiel legt großen Wert auf Stealth und Story – und unterscheidet sich damit grundlegend vom Original, das als Weltraum-Shooter ausgelegt war. Ich sprach mit Game Director James Montagna darüber, wie Yars Rising dem Originalspiel seinen Tribut zollen wird, ohne einfach nur Altbekanntes zu wiederholen. Er erklärte mir: „Wir wollten Yars auf eine überraschende Weise neu erfinden, und zwar so, dass diese Fortsetzung an die Story des Originals anknüpft, gleichzeitig aber auch zu dessen Vermächtnis passt. Wir haben zahlreiche Easter Eggs und weitere Dinge eingebaut, die bei Fans des Originals gut ankommen werden.“
Zu dieser Neuerfindung gehört, dass sogar das Originalspiel selbst in Yars Rising auftaucht. Dabei handelt es sich weniger um eine Hommage und mehr um eine Kernmechanik: Spieler müssen eine umgerüstete und vollständig überarbeitete Version des Originals Yars' Revenge zocken, um bestimmte Türen zu hacken und zu öffnen. Natürlich hat WayForward das Ganze auf eigene Weise interpretiert.
„Wir sehen es weniger als ein Minispiel und mehr als zwei konkurrierende Spiele mit Hacking-Mechaniken und Metroidvania-Elementen“, erklärt Montagna. Er lässt auch durchblicken, dass es Crossover-Momente geben könnte: „Einige längere Hacking-Sequenzen beinhalten sogar Aspekte von und Anspielungen auf andere klassische Atari-Spiele, um etwas gänzlich Neues zu erschaffen.“
Bei diesem Ansatz zur Erhaltung von Videospielen geht es um viel mehr als um das Appellieren an leere Nostalgie. Aus heutiger Sicht sind die meisten Spiele für Atari 2600 – selbst die besten – für Neueinsteiger nur schwer zugänglich. Viele dieser Spiele bedienen sich eines Vokabulars, das modernen Gamern wahrscheinlich mehr Schwierigkeiten bereitet als die relativ glatt polierten Spielerlebnisse der heutigen Zeit – wer also nur das wieder aufwärmt, was es früher einmal gab, wird Neueinsteiger weder anlocken noch anlernen können. Demgegenüber dürfte es sich bezahlt machen, die bewährten Elemente von Yars in etwas gänzlich Neues einzubauen – besonders für ein Entwicklerstudio, dessen Erfahrung auf dem Gebiet von Metroidvanias für sich spricht.
WayForward und Atari halten sich noch recht bedeckt, was eine ganze Reihe von Einzelheiten und besonders die Frage angeht, wie genau sich Metroidvania-Fortschritt in Rising gestalten wird. Die Entwickler haben jedoch angedeutet, dass die Hacking-Mechanik eine Rolle dabei spielen wird. So hat Montagna beispielsweise ausdrücklich Folgendes erwähnt: „Wenn man im Hacking-Terminal eine Kraft erlangt, kann man diese Kraft in die Welt mitnehmen und dort einsetzen.“ Manchen wird es vielleicht nicht gefallen, wenn Hacking-Mechaniken und Erkundung im Metroidvania-Stil auf derart symbiotische Weise miteinander verbunden werden, aber für mich ist es eine einzigartige und kreative Herangehensweise an ein geschichtsumwobenes Genre, das nicht oft neue Impulse erhält.
Wenn die üblichen Erkundungselemente mit leichten Stealth-Mechaniken und einem an RPGs anmutenden Spielsystem kombiniert werden, könnte WayForward mit dieser Mischung auf bestem Wege zu einem unglaublich vielschichtigen, tiefgründigen Beitrag zu diesem Genre sein, der gleichzeitig eine ganz eigene Kategorie darstellt. Diese Vermutung von RPG-Systemen beruht allerdings nur auf einem sehr vagen Hinweis von Montagna – wie das fertige Spiel tatsächlich aussehen wird, weiß bisher niemand.

Doch damit nicht genug der Eigenwilligkeit: Yars Rising wird nicht das atmosphärisch düstere, unheimliche Spielerlebnis bieten, das man aus anderen Scifi-Metroidvanias wie Axiom Verge oder Metroid Dread gewohnt ist. Stattdessen verfügt es über einen Soundtrack, der von den vielseitigen Pop- und Funk-Klängen von Katamari Damacy und Jet Set Radio inspiriert ist. Da das Spiel in einer futuristischen Stadt angesiedelt und von Scifi- und Cyberpunk-Geschichten inspiriert ist, musste die passende Stimmung erzeugt werden. Daher wählte WayForward einen Musikstil, der von aktuellen Trends wie Vaporwave und der Neuentdeckung von City Pop beeinflusst ist. Montagna zufolge war kein Soundtrack von WayForward je so ambitioniert wie der OST für Rising, zu dem sehr unterschiedliche Musiker beigetragen haben.
Nach unserem Gespräch (und einer kurzen Vorführung von Yars Rising) bin ich extrem gespannt, was die Metroidvania-Veteranen im Team von WayForward für uns auf Lager haben. Freut euch darauf, Riesenkonzerne zu hacken, zu den Klängen futuristischer Funk-Hits abzuhängen und die Welt zu retten, wenn Yars Rising noch in diesem Jahr im Epic Games Store erscheint.