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5 unheimliche Popkultur-Referenzen in Thimbleweed Park, die ihr möglicherweise übersehen habt

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Sarah LeBoeuf
30. Okt. 2023
Als Thimbleweed Park im Jahr 2017 auf den Markt kam, wurde es von Fans und Kritikern als Hommage an klassische Point-and-Click-Adventures wie The Secret of Monkey Island und Maniac Mansion gefeiert. Diese Vergleiche sind kein Zufall – Thimbleweed Park wurde von Gary Winnick und Ron Gilbert, ehemaligen Mitarbeitern von Lucasfilm Games, entwickelt, von denen letzterer das Genre mit der Entwicklung der SCUMM-Engine revolutioniert hat.

Winnick und Gilbert haben sich jedoch nicht nur von klassischen Adventures inspirieren lassen. In diesem Krimi über einen Mordfall finden sich viele, oftmals gruselige popkulturelle Anspielungen. Manche sind offensichtlich, andere nicht, deshalb könntet ihr durchaus einige übersehen haben. Hier stellen wir euch fünf kulturelle Referenzen in Thimbleweed Park vor und erläutern, wie sie zur Atmosphäre des Spiels beitragen.

Die Wahrheit ist irgendwo da draußen

Thimbleweed Park beginnt damit, dass ein Ermittlerduo in die namensgebende Stadt kommt, um einen Mord zu untersuchen. Beide tragen ähnliche Namen – Agentin Ray und Agent Reyes –, könnten jedoch nicht unterschiedlicher sein. Agentin Rays feuerrote Haare spiegeln ihren Charakter wider. Sie stellt sofort klar, dass sie nur an der Lösung des Falls interessiert ist und keine Zeit für Verschwörungstheorien hat. Der dunkelhaarige Reyes dagegen ist aufgrund seiner tragischen Vergangenheit viel offener für die Existenz des Übernatürlichen.
5 unheimliche Popkultur-Referenzen in Thimbleweed Park, die ihr möglicherweise übersehen habt – Akte X
Schon mal irgendwo gehört? Wenn ihr in den 90er- und frühen 2000er-Jahren ein Faible für Krimiserien hattet, dürfte euch das bekannt vorkommen. Reyes und Ray sind eine klare Hommage an Mulder und Scully aus Akte X, zwei fiktive FBI-Agenten. Ersterer ist von der Existenz übernatürlicher Phänomene überzeugt, während letztere diesem Thema mit großer Skepsis begegnet. Das sorgt für bei ihren Untersuchungen für geistreiche Unterhaltungen und eine knisternde zwischenmenschliche Chemie. In Thimbleweed Park tauchen Mulder und S… – oh, Verzeihung, Reyes und Ray – gleich in den ersten Minuten auf und bestimmen damit von Anfang mit nichts als ihrem Aussehen und einem kurzen Dialog die Atmosphäre des Spiels. Von da an wissen wir, dass wir es mit einem schaurigen Geheimnis zu tun haben, das die Gesetze von Mensch und Natur übersteigt.

Plane es nicht, warte nicht darauf

Akte X ist nicht die einzige Kult-Fernsehserie, die die Entwickler von Thimbleweed Park inspiriert hat. Im Spiel finden sich viele nicht immer subtile Anspielungen auf die kurzlebige Serie Twin Peaks, in der es ebenfalls um einen FBI-Agenten geht, der einen Mord in einer kleinen (und seltsamen) Stadt untersucht. Außerdem haben Twin Peaks und Thimbleweed Park dieselben Initialen. Zufall? Eher nicht.

Nicht nur der Titel des Spiels enthält eine Anspielung auf die Mystery-Krimiserie von David Lynch. Abgesehen von Dialogen, die sich auf die berüchtigte Log Lady und einen bestimmten Monologe haltenden Kirschkuchenliebhaber beziehen, haben die Entwickler auch die spielbaren Charaktere mit Eigenschaften aus Twin Peaks versehen. „Sie sind alle seltsam, und man beginnt sich zu fragen, ob man ihnen vertrauen kann“, sagte Gilbert im Jahr 2017 in einem Interview. „Darin ist Twin Peaks wirklich sehr gut.“

Sei kein Thunfischkopf

Die Entwickler von Thimbleweed Park bezeichneten das Spiel von Anfang an als spirituellen Nachfolger zu Maniac Mansion, dem Spiel, durch das Gilberts und Winnicks zu Ikonen des Point-and-Click-Adventures avancierten. Maniac Mansion wurde ursprünglich 1987 veröffentlicht und war damals seiner Zeit voraus. Es bot eine Auswahl an spielbaren Charakteren mit jeweils unterschiedlichen Fähigkeiten, und es gab mehrere Enden zu erleben, die auf den Aktionen der Spieler beruhten. Maniac Mansion verwirrte die Spieler oft mit falschen Fährten, wie zum Beispiel einer Kettensäge, für die es keinen Treibstoff gibt und die daher nie benutzt werden kann. In den ersten Kapiteln von Thimbleweed Park gibt es eine ähnliche Kettensäge, die dieses Mal sogar einen passenden Namen trägt: „Chainsaw of Disappointment“ (Kettensäge der Enttäuschung). Und das ist nicht alles.

Mehrere Charaktere aus Maniac Mansion, zum Beispiel Dr. Fred und Schwester Edna, sitzen während der Zirkusnummer von Ransome dem Clown im Publikum. Ransomes Hamster lebt in seinem Mikrowellenherd, eine Anspielung auf eine altbekannte Kontroverse der Videospielwelt. Erschreckend ist auch, was aus Dave und Sandy geworden ist, deren Beziehung ein wichtiger Teil von Maniac Mansion war. Die beiden sind immer noch ein Paar und betreiben in Thimbleweed Park sogar ein eigenes Restaurant, aber als erfolgreiche Unternehmer kann man sie wohl kaum bezeichnen. Ihr Restaurant ist schmutzig, beide scheinen eher unglücklich zu sein, und Sandy überzieht Dave ständig mit Beleidigungen. Ist das der Dank dafür, dass er seine Freundin vor einem Gehirne stehlenden Meteoriten gerettet hat?

Wir alle schweben hier unten

Kehren wir einen Moment zu Ransome zurück. Er ist kein besonders sympathischer Clown, sondern eher verbittert und griesgrämig und mit einem schmutzigeren Mundwerk ausgestattet als ein Seebär mit Parodontose. Früher war er ein Publikumsmagnet im Wanderzirkus „Stupendous Brothers Traveling Circus“, doch diese Zeiten sind längst vorbei. Als Reyes und Ray in Thimbleweed Park die erste Leiche finden, lebt Ransome in einem Wohnwagen auf dem verlassenen Zirkusgelände. Wegen eines jahrzehntealten Fluchs kann er seine Clownschminke nicht entfernen … und zwar niemals.
5 unheimliche Popkultur-Referenzen in Thimbleweed Park, die ihr möglicherweise übersehen habt – Clown
Clowns haben seit jeher etwas Beunruhigendes an sich, aber Ransomes roter Luftballon, den er ständig in der Hand hält, sorgt erst recht für Gänsehaut. Dabei handelt es sich nämlich um eine Anspielung auf Pennywise, den furchterregenden Clown aus Stephen Kings Roman Es (und seinen verschiedenen Verfilmungen). Dies bestätigte Winnick indirekt, als er Thimbleweed Park als eine „Mischung aus Twin Peaks und Akte X mit etwas True Detective und einer Prise Stephen King“ beschrieb. Kein Wunder, dass Ransome in dem Mordfall zu den ersten Verdächtigen gehört.

Ich fürchte, das kann ich nicht zulassen

Falls ihr das Spiel noch nicht gespielt habt, wollen wir euch nicht zu viel verraten, aber im Folgenden könnte es passieren, dass wir euch ein wenig vorwegnehmen. Also überlegt euch, ob ihr weiterlesen wollt. Gegen Ende von Thimbleweed Park tritt die Spieleentwicklerin Delores gegen eine digitalisierte Version ihres Onkels Chuck an. Chuck hat sein Bewusstsein in einen Computer hochgeladen, um ein unsterblicher, allwissender Hybrid aus Mensch und KI zu werden. Zu seinem Pech erkennt Delores, dass sie den Computer abschalten kann, indem sie die Vakuumröhren entfernt.

Während Onkel Chuck heruntergefahren wird, hört er auf, sich über Delores lustig zu machen, und stimmt „Daisy Bell“ an, einen Schlager aus dem Jahr 1892 über ein Liebespaar auf einem Fahrrad, das für zwei Personen gebaut wurde. Chucks klägliches Trällern bei seiner Abschaltung erinnert an die böse KI HAL 9000 im berühmten Science-Fiction-Film 2001: Odyssee im Weltraum. Das Lied hat etwas Trauriges an sich, schließlich erkennen sowohl HAL als auch Chuck, dass ihre Zeit trotz ihrer scheinbaren Dominanz über Technologie und Sterblichkeit zu Ende geht. Das ist dunkle Ironie, denn „Daisy Bell“ war 1961 in den Bell Laboratories das erste Lied, das je von einem Computer gesungen wurde.

Ihr könnt Thimbleweed Park jetzt im Epic Games Store spielen.