Neuigkeiten

In der Apokalypse von A Plague Tale: Innocence verbirgt sich herbstliche Schönheit

M
Matt Cabral
11. Okt. 2023
A Plague Tale: Innocence spielt im Herbst des Jahres 1348 während der Französischen Inquisition. Das erfahren wir gleich zu Beginn des Stealth-Action-Abenteuers in einer Bildunterschrift. Aber der Zusatz „November“ wäre nicht nötig gewesen, weil man die Jahreszeit auch so auf Anhieb erkennt. An der beeindruckenden Eröffnungsumgebung des Spiels erkennt ihr sofort, dass ihr in der kuscheligsten Zeit des Herbstes unterwegs seid.

Aus dem vorangegangenen Titelbildschirm – auf dem sich Hunderte von sich windenden Nagetieren in einem schwach beleuchteten Raum zusammendrängen – hätte man das niemals herauslesen können, aber das gefeierte Spiel von Asobo Studio aus dem Jahr 2019 bietet stets auf Neue kunstvolle und stimmungsvolle Landschaftsszenen, die auch gut in ein klassisches Kunstwerk passen würden.

Nirgendwo erkennt man das besser als in den detailverliebten Herbstdarstellungen. Wie bereits erwähnt ist die Eröffnungssequenz des Spiels besonders eindrucksvoll. Die jugendliche Protagonistin Amicia spaziert mit ihrem Vater und ihrem treuen Hund Lion in den Wald. Unter den Füßen der drei raschelt das Laub und warmes Sonnenlicht fällt sanft durch die Baumkronen über ihren Köpfen. Die Farbpalette unterstreicht diese Stimmung zusätzlich: Die Rot-, Orange-, Braun- und Gelbtöne des Spiels umhüllen die gesamte Szenerie wie das bequemste aller Flanellhemden.

Diese unglaublich immersive Herbstszene wird fortgesetzt, als die drei tiefer in den Wald eindringen. In Echtzeit fallen die Blätter langsam von den Bäumen und die gebündelten Sonnenstrahlen erhellen malerische Flecken auf ihrem Weg. Wenn ihr eine Pause macht, um den Hund zu streicheln – oder die rustikale Schönheit eines Steingewölbes bewundert, das von der Natur zurückerobert wurde – lässt euch das nur noch mehr vergessen, dass es sich um ein Spiel handelt, in dem die Rattenplage so präsent ist wie dieses hübsche Laub.
In der Apokalypse von A Plague Tale: Innocence verbirgt sich herbstliche Schönheit – Lion
Als Amicia und ihr Vater zu einer Lichtung kommen, auf der ein atemberaubender Apfelbaum die Szenerie prägt, seid ihr dem Fotomodus des Spiels wahrscheinlich bereits völlig verfallen. Genau in diesem Augenblick überschlagen sich die Ereignisse und reißen euch aus eurer glücklichen Stimmung wie ein Folterknecht der Inquisition, der euch aus einem Bauernhaus auf dem Land zerrt. In den nächsten Minuten wird Lion von den infizierten Ratten unter die Erde gezogen und Amicias Vater wird vor ihren Augen hingerichtet.

Nachdem auch Amicias Mutter offensichtlich von einer langen Klinge durchbohrt wird, könnte man meinen, dass das Spiel nun darauf verzichten wird, unsere Sehnsucht nach gemütlichen Pullis, Milch mit Kürbiskuchengewürz und hübschen Kürbisarrangements zu bedienen. Doch selbst angesichts der heranstürmenden Soldaten der Inquisition und der drohenden Ratten-Apokalypse ist die Darstellung jener Tage vor dem Thanksgiving-Fest in A Plague Tale weiterhin hinreißend.

Nach dem grauenvollen Tod eures Hundes eilt ihr nach Hause, als euch ein besonders beschaulicher Anblick innehalten lässt. Zwischen einem alten Brunnen und einem mit Brennholz gefüllten Holzkarren erblickt ihr einen Mann, der fleißig Blätter zu einem großen Haufen zusammenharkt. Später, als sich Amicia und ihr kleiner Bruder vor den Feinden versteckt halten, von denen sie gnadenlos gejagt werden, seht ihr auf einem Tisch in der Nähe einen Haufen Kürbiskerne. Trotz der Spannung des Moments schweift die Fantasie bei der Vorstellung ab, wie sie auf dem Holzofen gleich daneben geröstet schmecken würden.

Das Spiel wird düsterer – im übertragenen wie im wörtlichen Sinne – und die malerische herbstliche Szenerie verwandelt sich in eine unheimliche, Unheil verkündende Kulisse. Doch seine mit Laternen erleuchteten Wälder, perfekt platzierten Raben und im Mondschein glänzenden mittelalterlichen Schlösser sind ebenso gespenstisch wie wunderschön. Sie sorgen dafür, dass ihr den Fotomodus mindestens so oft benutzt wie Amicias treffsichere Steinschleuder. Wenn ihr bei den verwesenden Pferdekadavern voller Ratten angekommen seid, werdet ihr allerdings auf die Kamera verzichten wollen – es sei denn, ihr plant, euer Halloween-Fotoalbum mit grausigen Albtraumbildern aufzufrischen.

A Plague Tale: Innocence ist jetzt im Epic Games Store verfügbar.