
A Short Hike ist geruhsam und bietet herrliche Aussichten

Bei A Short Hike geht es im Grunde nur darum, auf einen Hügel zu gelangen. Am es macht am meisten Spaß, wenn man diese Aufgabe so lange wie möglich hinauszögert.
Claire, eine junge Vogeldame, besucht ihre Tante im Hawk Peak Provincial Park. Claire wirkt etwas rastlos, während sie sich auf der Insel, auf der ihre Tante wohnt, die Zeit vertreibt und auf einen Anruf wartet. Leider hat sie unten am Strand keinen Empfang, weshalb sie beschließt, auf den Hawk Peak zu klettern, um bei der Gelegenheit hoffentlich auch die drei Balken auf ihrem Handy zu sehen.
Claire entspricht jedoch nicht dem üblichen Teenager-Klischee, das man aus solchen Situationen kennt. Sie ist kein trübseliges Kind und muss auch keine wertvollen Lektionen über die Glückseligkeit lernen, die man im Leben finden kann – Predigten dieser Art gibt es hier nicht. Sie ist bereits eine reife Persönlichkeit und macht sich wegen dieses Anrufs aus gutem Grund Sorgen. Niemand zwingt sie, den Berg zu besteigen – sie hatte es sowieso vor. Es besteht kein Druck und etwas Großartiges entsteht: Ein Spiel, bei dem man nur eine angenehme Person in einer angenehmen Umgebung sein ist.

Die Insel ist riesig und überall stößt man auf andere tierische Charaktere. Manche möchten sich unterhalten, andere wollen, dass Claire etwas für sie holt, andere bieten ihr Hilfe und Rat an. Das alles ist ein guter Anreiz, um die niedrigeren Lagen der Insel zu erkunden, ehe ihr euch an den Aufstieg macht. Ihr sucht Muscheln, grabt nach Schätzen und sammelt die wichtigste Ressource des Spiels: goldene Federn.
Wenn ihr diese Federn in eurer Tasche habt, fühlt ihr euch leichter und könnt höher klettern – so läuft das in diesem Spiel nun mal. Ja, ihr seid ein Vogel, und ja, ihr könnt fliegen, aber es ist trotzdem eine Herausforderung, immer höher zu steigen. Klettern ist die beste Art, dies zu tun, und das Spiel drängt euch zu immer höheren Aufstiegen, die mehr Ausdauer und damit mehr Federn erfordern.
Das Wunderbare bei diesem Spiel sind jedoch die vielen Ablenkungen, bei denen ihr etwa ein Rennen gegen ein Kaninchen lauft oder einen tollen Plastikspaten für einen Frosch besorgt. Hier gibt es keine Eile und ihr habt nie das Gefühl, dass ihr euch beeilen müsst, um eure Ziele zu erreichen. Bei diesem Spiel könnt ihr euch einfach auf der Insel entspannen und irgendwann auf den Gipfel steigen, bevor sich der Tag dem Ende neigt.
Die grafische Auflösung könnt ihr so niedrig und pixelig einstellen, wie ihr wollt, von riesigen Blöcken bis hin zu einer knackig scharfen Ansicht. Die klobigere Auflösung ist Absicht, aber sie hat eine Nebenwirkung: Wenn ihr um Ecken saust, kann euch schnell einmal übel werden. Es ist eine der seltenen Gelegenheiten, bei denen ein Spiel durch eine knackigere Grafik mehr Charakter gewinnt und die Niedlichkeit besser zur Geltung kommt. Das alles wird durch einen unterhaltsamen, lockeren Erzählstil unterstrichen, der zwar schrullig ist, sich aber nicht so anhört, als würden alle wie Fünfjährige miteinander reden.
Wenn ihr dann endlich auf dem Gipfel angekommen seid, habt ihr Freundschaften geschlossen, Rennen gewonnen, euch entspannt und die Flugmechanik in vollen Zügen ausgekostet. Und wenn der Wind weht, könnt ihr euch in die Lüfte erheben.