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Abubakar Salim spricht über sein erstes Spiel, den afrofuturistischen Plattformer Tales of Kenzera: ZAU
A
Ade Adeniji
ZAU erzählt die Geschichte eines jungen Schamanen, der in dem fiktiven afrikanischen Land Kenzera versucht, den Geist seines Vaters zurückzuholen. In einer der frühen Missionen erhält Zau Hilfe von dem weisen Kalunga, der ihn durch verschiedene Level mit eindrucksvollen Kulissen begleitet, die mit viel Liebe zum Detail geschaffen wurden. Zau springt an Klippen und Mauern in die Höhe, rennt durch Wasserfälle und erledigt seine Gegner mit einer Mischung aus Nah- und Fernkampfangriffen. Metroidvania-Plattformer sind nicht neu, doch seine lebendige Welt und Hintergrundgeschichte machen ZAU zu einem besonderen Titel in diesem Genre.
Das Spiel bedient sich zwar der traditionsreichen afrikanischen Mythologie, aber die Entstehungsgeschichte des Spiels hat viel persönlichere und spezifischere Wurzeln. Nach dem Tod seines Vaters entwickelte Salim zur Bewältigung seiner Trauer ein Spiel, um dessen Andenken zu ehren. Wir haben uns kürzlich mit Salim getroffen, um mehr über die Entwicklung von ZAU zu erfahren, darüber, wie das Spiel Bantu- und andere afrikanische Traditionen aufgreift und in das Metroidvania-Genre einbringt, und über seine Hoffnung, dass ZAU als Katalysator für eine breitere Palette von Geschichten in der Spieleindustrie dient.
Genesis
In seiner Kindheit interessierte sich Salim nicht sonderlich für das Fernsehen und kämpfte aufgrund seiner Legasthenie mit dem Lesen. Irgendwann kaufte sein Vater, ein Ingenieur, ihm ein Sega Mega Drive (in den USA als Sega Genesis vermarktet), mit dem beide viel Zeit gemeinsam verbrachten. „Wir haben wirklich viel zusammen damit gespielt. Es faszinierte mich sofort und ließ mich nicht mehr los“, so Salim.
Die Spieleentwicklung war nicht Salims erste Wahl, doch Geschichten zu erzählen war nach seinen eigenen Worten schon immer seine Leidenschaft. Er sammelte seine ersten Erfahrungen als Theaterschauspieler und wechselte danach zu Film und Fernsehen. Dann sprach er für Assassin's Creed Origins die Rolle von Bayek und ihm wurde klar, dass seine Zukunft in der Gaming-Branche lag. Nach der Arbeit mit Ridley Scott an Raised by Wolves war Salim bereit, diesen Schritt endgültig zu vollziehen.

ZAU ist eigentlich eine Geschichte innerhalb einer Geschichte. Während ihr Zau steuert, erlebt ihr die Geschichte auch aus der Sicht von Zuberi, einem kleinen Jungen, der in der nahen Zukunft in Kenzera lebt. Dabei ist die Entwicklung der Storyline im Spiel sehr interessant. Während der Handlung des Spiels werden die Geschehnisse von Figuren auf eine Art kommentiert, die an einen Comic erinnert. Damit will Salim verdeutlichen, dass sich das Ganze im Kopf eines Kindes abspielt, das Comics liebt.
Während ich das Spiel ausprobierte, war ich ständig auf Google unterwegs, um verschiedene afrikanische Bezüge nachzuschlagen und mehr darüber zu erfahren, Geht zu einem Patakatifu („Heiligtum“ auf Suaheli), ladet eure Energie auf bewegt euch dann von einem Level zum nächsten. Alles im Spiel scheint eine Geschichte und einen Hintergrund zu haben, und Salims große Hoffnung ist, dass ihr neugierig werdet und mehr über diese Kulturen und Überlieferungen erfahren wollt.
Sonne und Mond
Zau hat zwei Masken, Sonne und Mond, die er aufsetzen kann und die ihm unterschiedliche Möglichkeiten im Kampf bieten. Wenn der Schamane die Sonnenmaske trägt, kann er leichte und schwere Feuerangriffe ausführen. Mit der Mondmaske hingegen wird alles eisig und dunkel, selbst seine Fernangriffe. Laut Salim stammt die Idee aus den Bantu-Kulturen, in denen die Sonne und der Mond das Leben und den Tod repräsentieren. „Es schien einfach logisch, diese Masken und Motive zu verwenden. Es ist wie ein Gleichgewicht. Das Leben ist das Gegengewicht für den Tod und der Tod ist das Gegengewicht für das Leben“, erklärt er.
Salims eigene Vertrautheit mit der afrikanischen Mythologie führt er darauf zurück, dass sie von klein auf in Familiengesprächen und in der Kultur um ihn herum zu seiner Welt gehörte. Er zeigt im Bücherregal hinter sich auf das Buch Indaba, My Children des südafrikanischen Autors Vusamazulu Credo Mutwa, eine Sammlung afrikanischer Volkmärchen über Schamanen, Mythen und Kultur. Nach seinen eigenen Worten ist Salim auch ein großer Fan von Kingdom Hearts und Ori and the Blind Forest, einem weiteren Metroidvania, das ihn bei seiner eigenen Schöpfung inspirierte. Darüber hinaus ist ZAU auch von der Dune-Serie beeinflusst.
ZAU verfügt über einen eindrucksvollen Soundtrack, der die Handlung begleitet und unterstreicht, wenn ihr Gegner besiegt und mit eurer magischen Maske vernichtet. Salim lobt dabei die Komponistin Nainita Desai, die bereits bei Spielen wie Modern Warfare II mitwirkte, sowie Rob Brown, den leitenden Sounddesigner bei Surgent. „Für mich, Nainita und auch Rob – unseren leitenden Sounddesigner – war es wichtig, dieses Gefühl einzufangen, das Aufeinandertreffen von unterschiedlichen Welten, Kulturen und Zeiten“, betonte Salim und verweist gleichzeitig auf das bekannteste und leicht übersehene Beispiel des Afrofuturismus der jüngsten Zeit, den Film Black Panther.

Es war ihm wichtig, dass der Soundtrack den Zusammenstoß des „modernen Amerika“ mit „traditionellen afrikanischen Klängen“ wiedergibt. Er verweist auch auf Spider-Man: Miles Morales, ein erfolgreiches Blockbuster-Spiel, das die Eigenheiten von Spanish Harlem zeigt, aus dem Morales stammt. „Da ist der Spider-Man-Soundtrack. Er klingt heroisch, nach Marvel und nach Spider-Man. Aber unter dem Einfluss von Miles und seiner Herkunft wird er zu etwas anderem. Manchmal funktioniert es, manchmal aber auch nicht, und das gefällt mir.“
Passenderweise lernte ich Salim am 156. Geburtstag von W. E. B. Du Bois kennen, dem Schwarzen Intellektuellen aus Harvard, ebenfalls ein früher Afrofuturist. Inzwischen erleben wir diese Art von afrofuturistischen Geschichten aber nicht mehr nur in Büchern und Filmen, sondern auch in Spielen. Und Salim hofft, dass ZAU zu einer breiteren Darstellung in den Medien beiträgt.
„Helden gibt es auch anderswo“, sagt er. „Das sollte man wahrnehmen und zelebrieren. Diese Meinung vertrete ich schon immer, aber ich wünsche mir, dass dieses Spiel als eine Art Einstieg in den Afrofuturismus und die Bantu-Geschichten dient. Es enthält schon sehr viel, aber es gibt noch sehr viel mehr zu erzählen. Ich hoffe, dass es Menschen, die so aussehen wie ich, ermutigt, zu sagen: ‚Ich kann auch solche Geschichten erzählen.‘“
Tales of Kenzera: ZAU kommt am 23. April in den Epic Games Store.