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Adoptiert einen Freund in „Nanomon Virtual Pet“, einem Desktop-Spiel in der Größe einer Discord-Benachrichtigung

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Nicole Carpenter
28. Juli 2025

Ich habe ein virtuelles Haustier adoptiert, das in einer überraschend weitläufigen Welt wohnt. Diese Welt befindet sich am unteren Rand meines Desktops – in einem Fenster, das kaum größer ist als eine Discord-Benachrichtigung. Nanomon Virtual Pet wurde von Oscar Brittain (auch bekannt durch Kardboard Kings) entwickelt und ist inspiriert von Tamagotchi-Spielzeugen, der zur Erstellung von Desktop-Haustieren verwendeten Engine DPet und zwei Digimon-Spielen: dem 1998 exklusiv in Japan veröffentlichten Digital Monster Ver. S: Digimon Tamers sowie dem von Fans erschaffenen DV Pet.
 
Es ist kein Spiel für zwischendurch, erfordert aber auch nicht zu viel von eurer Zeit. Tatsächlich ist es weniger stressig als der Versuch, ein echtes Tamagotchi am Leben zu halten. Brittain zufolge ist es weniger wie ein echtes Tamagotchi und mehr wie eure Erinnerungen daran, wie es war, ein Tamagotchi zu haben.

„Wie vermittle ich das Gefühl von Echtzeit-Stress, ohne die Leute wirklich zu stressen?“, fragt Brittain. „Wird das Tierchen hungrig, wenn man das Spiel nicht spielt? Muss man alle fünf Minuten im Spiel vorbeischauen? Ich musste Sachen designen, die sich anfühlten, als würden sie irgendwie in Echtzeit geschehen, ohne wirklich in Echtzeit zu geschehen.“
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Und so funktioniert Nanomon Virtual Pet: Man beginnt mit einem kleinen knubbeligen Haustier, das auf dem Bildschirm herumhüpft. Wie jedes andere virtuelle Haustier hat es Bedürfnisse. Es wird hungrig, durstig und traurig. Ich füttere das kleine Wesen mit Fleisch direkt vom Knochen, Pizzastücken und Milchkartons. Es macht Häufchen und ich entsorge sie. Gemeinsam machen wir Ausflüge an verschiedene Orte – Strände, Ruinen, Wälder voller Pilze –, wo wir Gegenstände sammeln, gegen andere Wesen kämpfen und Geheimnisse entdecken. So erhält mein Nanomon genug Erfahrungspunkte für Stufenaufstiege; aus dem winzigen weißen Knubbel wird erst ein etwas größerer, weißgrauer Knubbel und dann ein putziger kleiner Dinosaurier mit einer langen Zunge. Mein Nanomon hopst durch die Gegend und geht alleine Gassi, während ich nach meinen E-Mails sehe und vor mich hin tippe. Wenn mein Nanomon müde oder nach einem zu harten Kampf angeschlagen ist, schicke ich es nach Hause, damit es unter seiner Kuscheldecke ein Nickerchen machen kann.

Das alles fühlt sich tatsächlich so an, als würde ich mich um ein digitales Wesen wie ein Tamagotchi kümmern, aber ohne die ständige Sorge, dass es sterben könnte. Es gibt sogar ein eigenes Handbuch für Nanomon Virtual Pet, das in einer separaten Anwendungsdatei des Spiels enthalten ist. Brittain erklärt, dass sich dieses Handbuch beim Spielen aktualisiert – als wäre es ein Pokédex. „Die Entwicklung [des Handbuchs] hat mir gefallen, weil ich etwas so offen Nostalgisches und einfach Anspielungsreiches erschaffen konnte“, sagt er.

Brittain hofft, dass Nanomon Virtual Pet zu einem Spiel wird, das Leute dazu einlädt, jeden Tag mal vorbeizuschauen und es immer weiterzuspielen, ähnlich wie Animal Crossing: New Horizons während der COVID-19-Pandemie. Man muss das Spiel nicht mehrere Stunden pro Tag aktiv spielen, sondern kann darin einfach ein bisschen Zeit verbringen, nach seinem Haustier sehen und mit ihm die Welt entdecken. Ihr könnt Nanomon Virtual Pet einfach den ganzen Tag lang laufen lassen, während ihr an eurem Computer arbeitet. Euer digitales Haustier leistet euch Gesellschaft. Nanomon Virtual Pet gehört zu der wachsenden Zahl an Gelegenheitsspielen für den Desktop, die dazu gedacht sind, im Hintergrund zu laufen. Und genau auf diese Weise spiele ich es gerade. Mein knuffiges Nanomon nimmt einen kleinen Teil des Google Docs ein, in dem ich diesen Artikel schreibe. 
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In den letzten paar Jahren sind zunehmend mehr solcher Spiele erschienen, darunter Rusty's Retirement, das am unteren Rand des Desktops einen Landwirtschaftssimulator platziert, und Cornerpond, das euren Arbeitstag mit einem Angel-Minispiel bereichert. (Brittain erzählt, wie er in Panik geriet, als Rusty's Retirement 2024 erschien – es fühlte sich so an, als sei ihm jemand zuvorgekommen, obwohl er zu diesem Zeitpunkt schon seit gut sieben Jahren an Nanomon Virtual Pet gearbeitet hatte.)

Bei der Entwicklung eines Spiels, das kostbaren Platz auf dem Desktop einnehmen und im Hintergrund laufen soll, gibt es zwei besonders wichtige, vielleicht etwas widersprüchliche Punkte zu berücksichtigen: Es darf nicht zu groß sein, aber auch nicht zu klein. Es muss die richtige Stimmung erzeugen – und zwar eine gute –, damit Leute überhaupt wollen, dass es im Hintergrund läuft. „Ich weiß noch, wie ich mir irgendwann eine Discord-Benachrichtigung ansah und ihre Größe bemerkte“, erzählt Brittain. Und genau das inspirierte die Standardgröße des Spiels. (In den Einstellungen von Nanomon Virtual Pet könnt ihr festlegen, wie groß oder klein die Spiel-App angezeigt werden soll, je nach Größe eures Bildschirms.) Und dann gibt es da noch die von yoppi komponierte Musik, die das Spielerlebnis mit verträumten Ambient-Klängen untermalt. Brittain schickte yoppi ein paar Videos, für die er Musik haben wollte, vergaß aber, einen Build des Spiels mitzuschicken. „Lange Zeit dachte ich, yoppi hätte schon einen Build des Spiels“, erzählt Brittain. „Bis yoppi dann plötzlich fragte: ‚Darf ich das Spiel irgendwann ausprobieren?‘ Und ich dann so: ‚Was? Was meinst du denn damit?‘“

Brittain hofft, dass andere Leute das Gleiche machen werden wie er – nämlich das Spiel im Hintergrund laufen lassen, nur um dem Soundtrack zu lauschen. Natürlich könnt ihr euch den Soundtrack auch außerhalb des Spiels anhören, aber es ist ein netter Anreiz, nach eurem Nanomon zu sehen und einen Ort aufzusuchen, an dem euer Lieblingslied läuft. „Ich träume davon, dass Leute ein bestimmtes Lied erneut hören wollen und sich dann an den entsprechenden Ort im Spiel begeben, nur um diesem Lied zu lauschen.“

Nanomon Virtual Pet ist seit dem 24. Juni im Epic Games Store erhältlich.