
Blair Witch treibt euch an den Rand des Wahnsinns

Nicht das namensgebende böse Wesen sorgt in Blair Witch für Herzklopfen, sondern das wachsende Grauen, das an euren zunehmend zermürbten Nerven zehrt. Während ihr in diesem Psychohorror-Abenteuer in der Ego-Perspektive von Bloober Team die meiste Zeit durch einen dunklen Wald irrt, belastet euch stets das ungute Gefühl, das gleich etwas Schlimmes geschieht.
Ein nächtlicher Waldspaziergang klingt vielleicht nicht unbedingt schreckenerregend, aber das Szenario von Blair Witch hat mit idyllischen Landschaften wenig gemein. Ihr werdet als der ehemalige Polizist Ellis Lynch, der an einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet, in den berühmt-berüchtigten Black Hills Forest gerufen. Mit der Suchaktion nach einem verschwundenen Jungen beginnt der Alptraum unseres Protagonisten.
Die Geschichte spielt zwei Jahre nach den Ereignissen von Blair Witch Project, dem erfolgreichen pseudodokumentarischen Horrorfilm aus dem Jahr 1999. Doch auch ohne diese Vorkenntnisse sorgt die verstörende Umgebung dafür, dass euch das Herz schnell bis zum Hals schlägt. Mit stimmungsschürenden Details wie überwucherten Ruinen, verlassenen Eisenbahnwaggons und längst vergessenen Bunkern ist die Umgebung wesentlich ausgeschmückter als in typischen Videospielwäldern.
Auch wenn der Puls dank dieser visuellen Elemente bereits in die Höhe schießt, könnten sie in einem Waldgebiet durchaus glaubhaft vorkommen. Dieser Wald direkt außerhalb von Burkittsville, Maryland, birgt jedoch Details, die weitaus seltsamer sind. Neben all den schaurigen Filmanspielungen wie geschnitzten Talismanen und Wänden voller Handabdrücke entdeckt Ellis auch verstörende Polaroidfotos und Video-8-Kassetten, deren Inhalte jede Hoffnung auf friedliche Nachtruhe zerstören können.
Doch wenn euch ein grobkörniges Video eines wahnsinnigen Schaufelmörders kalt lässt, dann bringt euch vielleicht ein Marsch durch die gruseligeren Waldabschnitte aus der Ruhe. Ellis' Suche nach dem Jungen – und seine eigene Gemütsruhe – werden gelegentlich davon unterbrochen, dass der Wald aggressiv zum Leben erwacht. Äste brechen und stürzen krachend auf den Boden, Blätterhaufen wirbeln unter Einwirkung einer unsichtbaren Kraft umher und ein lockendes Flüstern klingt durch den peitschenden Wind und versucht, Ellis das letzte Bisschen Verstand zu rauben.

Von bösen Mächten gejagt und von seinem eigenen Verstand im Stich gelassen, scheint Ellis dazu verdammt, dasselbe Schicksal wie die Protagonisten des Films zu erleiden. Dank verschiedener einfallsreicher Gameplay-Mechaniken hat der Hauptcharakter jedoch noch eine Chance. Mithilfe eines Werkzeugarsenals, das direkt aus den 90er-Jahren stammt – einschließlich eines klobigen Handys und einer Video-8-Kamera –, könnt ihr euch gegen Monster zur Wehr setzen, Rätsel lösen und euch einen Weg durch die labyrinthartige Umgebung bahnen.
Eure größte Hilfe ist allerdings Bullet, Ellis' treuer deutscher Schäferhund. Ihr könnt eurem zuverlässigen Begleiter einfache Kommandos geben, doch er kommt auch gut allein zurecht und schnüffelt nach Hinweisen, entdeckt wichtige Interaktionen, die die Handlung vorantreiben, und lässt ein kehliges Knurren hören, wenn Bedrohungen außerhalb von Ellis Sichtfeld lauern.
Ganz gleich, ober er die paranormalen Gefahren des Waldes anbellt oder dessen Geheimnisse ausgräbt, erweckt Bullet nie das Gefühl, eine künstlich hinzugefügte Spielmechanik oder nur ein weiteres Werkzeug im Inventar zu sein. Er ist ein authentischer Gefährte und fügt sich organisch in die Geschichte ein. In vielen Spielen könnt ihr tierische Verbündete auf Gegner hetzen, doch die wenigsten geben euch einen Freund wie Bullet zur Seite.
Dass ihr ihm den Kopf tätscheln, die Ohren und den Bauch kraulen, und Leckerlis füttern könnt, gehört natürlich dazu. Wenn ihr auf psychologische Horrortrips mit einem pelzigen Gefährten an eurer Seite steht, solltet ihr dem schaurigen Wald von Blair Witch einen Besuch abstatten. Ihr könnt das Spiel im Epic Games Store kaufen oder auf eure Wunschliste setzen.