
Clash: Artifacts of Chaos ehrt das Vermächtnis des Studios mit einem raffinierten Perspektivenspiel

Kämpfen ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Die Zeno Clash-Reihe hatte dies von Anfang an verstanden und zeigte den unaufhörlichen Fluss blutiger Gefechte in der Ego-Perspektive. Clash: Artifacts of Chaos, der neueste Titel des Entwicklers ACE Team, bricht ganz unverblümt mit dieser Tradition – bis eine clevere Mechanik dem Vermächtnis des Studios die Ehre erweist, und zwar nicht als Kunstgriff, sondern als wirkungsvolle Erinnerung.
Als Third-Person-Action-Abenteuer entführt euch Clash: Artifacts of Chaos einmal mehr in das Land Zenozoik, einen surrealen Ort mit seinen eigenen stilistischen und inhaltlichen Regeln. Es ist leicht, sich bei der Erkundung der traumhaften Landschaften zu verirren. Die seltsam anmutenden Bewohner von Zenozoik haben allerdings eine andere Vorstellung davon, was es bedeutet, Besucher mit offenen Armen zu empfangen.

Als Kampfsportexperte Pseudo seid ihr auf einer langen Expedition für den Schutz eures Gefährten zuständig – doch allerhand zufällige Begegnungen machen euch unterwegs das Leben schwer. Es gibt zwar auch Nahkampfwaffen, aber das Hauptaugenmerk liegt auf Handgreiflichkeiten und kombiniert gezielten Bewegungen mit Schlägen und Tritten. Wenn ihr in den Kämpfen erfolgreich sein wollt, müsst ihr euren Fluss und eure Reaktionen beherrschen. Die Gegner werden euch von allen Seiten angreifen. Pseudos Körper schwingt bei jedem Treffer vor und zurück und weicht Gefahren schnell aus, wenn ihr direkt nach dem Angriff pünktlich reagiert.
Faustkämpfe sind in Clash nicht so starr wie in First-Person-Brawlern wie Condemned oder Breakdown. Dank des Einflusses des Kampfsports und der Möglichkeit, verschiedene Kampfhaltungen und Spezialangriffe zu kombinieren, geht es bei den Prügeleien in Clash nicht nur darum, zu überleben, sondern auch sich selbst darzustellen.
Auf die eine oder andere Art war dies allerdings auch in Zeno Clash schon so. Clash: Artifacts of Chaos unterscheidet sich nicht nur durch verfeinerte Techniken. Es ist die Third-Person-Perspektive, die eure Art, euch ins Getümmel zu stürzen, grundlegend verändert. Zunächst hatte ich befürchtet, dass diese Neuerung die Wirkung der eindrucksvollen Nahkämpfe von Zeno Clash mindern würde. Schließlich macht es die erweiterte Perspektive einfacher, vor Schlägen zu fliehen und besser zu erkennen, wo Gegner von der Seite angreifen könnten.
Doch als meine Angriffsleiste dann voll war, verstand ich auch die Absicht hinter diesem Perspektivenwechsel. Wenn ihr oft genug auf Feinde eingedroschen habt, erlaubt euch die Angriffsleiste in der Ego-Perspektive auf einen einzelnen Gegner loszugehen. Der faszinierende Ausblick auf Zenozoik schrumpft vorübergehend zu einem persönlichen Ring für einen Kampf der Titanen, wie es die Tradition verlangt. In einem Moment wechselt die Perspektive und eure Fäuste stehen im Vordergrund. Zwar stehen euch eure üblichen Angriffe und Bewegungen weiterhin zur Verfügung, aber alle anderen Charaktere ziehen sich zurück und überlassen die Arena diesem kurzen Einzelduell. Bei einem Treffer erklingt eine Musik, die mit jedem weiteren Treffer lauter wird. Und plötzlich seid ihr Teil eines Crescendos aus blutigen Knöcheln und gebrochenen Knochen.

Diese Duelle sind nicht einfach Show. Pseudos Angriffskraft steigt und wenn er unverletzt bleibt, kann er einen verheerenden Todesstoß ausführen. Vor allem aber sind sie eine Hommage – nicht nur an die früheren Werke von ACE Team, sondern auch an die Intimität des Kampfes.