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Farbe, Charakter und Kampf: eine Demostunde mit Wuchang: Fallen Feathers
C
Charlie Wacholz
Bei der Welt von Wuchang werden die Gemeinsamkeiten allerdings wesentlich weniger: Sie ist lebendiger und bevölkerter als die Welten, die man normalerweise von Miyazaki & Co. erwarten würde. Auf den ersten Blick scheint das eine reine Äußerlichkeit zu sein, doch Fallen Feathers erhält dadurch eine völlig andere Atmosphäre mit enormem Potenzial.
Während meiner einstündigen Probedemo mit Fallen Feathers lief ich durch eine Stadt in Nöten, in der Banditen, ogerähnliche Monster und böse Geister ihr Unwesen trieben. Ich brach von einem leuchtend roten Tempel im Zentrum der Stadt aus auf. Kaum hatte ich ihn verlassen, wurde ich auch schon von einer gespenstischen Wache niedergemacht.
Auch gut, dachte ich mir, dann werde ich es eben woanders versuchen.
Ich lief einige Treppen hinauf und blieb immer wieder stehen, um mit überraschend vielen NPCs zu sprechen – alle vollständig vertont – bis ich plötzlich direkt vor einem Boss stand. Das Gesicht hinter einer Maske verborgen und in traditionelle Gewänder gekleidet, machte er mit seinem leuchtenden Stab kurzen Prozess mit mir. Ein paar Ausweichmanöver gelangen mir allerdings, die mir einen sehr angenehmen Unterschied zwischen der Mechanik von Wuchang und eher traditionellen Soulslikes offenbarten. Perfekt getimte Ausweichmanöver verschaffen einen kleinen Vorteil, indem sie die Zeit verlangsamen, sodass man die Chance hat, mit ein paar Treffern den Lebensbalken des Gegners zu reduzieren.

Ein sehr befriedigendes Detail in einer Situation, in der man oft allenfalls Erleichterung erfährt, denn oft genug sind Bosskämpfe wie eine geduldige Warterei auf eine Blöße, die man ausnutzen kann.
Als ich bei einem Schrein respawnte, der in Wuchang einem Leuchtfeuern oder Ort der Gnade entspricht, beschloss ich, der Stadt einen Besuch abzustatten. Ab diesem Moment kam Wuchang: Fallen Feathers richtig in Fahrt. Ich entdeckte einen neuen Weg – an dem kein gruseliger Geistertyp lauerte – und marschierte los. Ich spähte um Ecken und in Gänge, die aussahen, als gäbe es hier etwas zu entdecken, während ich Angriffen von giftspuckenden Ungeheuern auswich, die sich in Töpfen versteckten, und kleine Gremlins abwehrte, die hinter Ecken hervorsprangen und versuchten, auf meine Schultern zu springen. Nebenbei erledigte ich auch den einen oder anderen Banditen, der seinem unehrlichen Geschäft nachging.
Unterwegs begegnete ich fünf oder sechs verschiedenen NPCs, die sich in ihren Häusern versteckten oder von den Invasoren gefesselt worden waren. Sie lieferten mir Informationen, machten Witze – eine besonders angenehme Überraschung – oder baten mit einer Nebenquest um meine Hilfe. Eine geniale Bereicherung. Souls-Spiele sind für meinen Geschmack oft extrem einsam. Zusammen mit dem oft düsteren, gotischen Grafikstil verleiht das vielen Spielen dieses Genres eine bedrückende Atmosphäre.
Im Gegensatz dazu wirkt Fallen Feathers wie ein spannendes Abenteuer an einem lebendigen Ort, über den das Unheil erst vor Kurzem hereingebrochen ist. Dieser Eindruck wird durch die Beleuchtung und die farbenfrohen Umgebungen verstärkt, die eine wunderschöne Darstellung historischer chinesischer Architektur und Kultur schaffen.
Angetan von dieser reizenden Atmosphäre von Wuchang stolperte ich erneut über meinen alten Erzfeind – den schemenhaften Wächter. Mit neu gefasstem Selbstvertrauen schwang ich meine Lanze. Und wieder starb ich, diesmal aber, nachdem ich seinen Lebensbalken fast völlig geleert hatte – leider nur fast.

Erst bei meinem vierten Anlauf konnte ich ihn schließlich besiegen, diesmal mit einer Streitaxt. Ich erbeutete von ihm eine neue Rüstung, die ich sofort anlegte. In meiner schicken Belohnung begann ich, die Menüs zu durchstöbern, und stieß dort auf einen weiteren großen Unterschied zu anderen Soulslikes: einen Fertigkeitenbaum. Die meisten Knoten waren noch nicht aufgedeckt und ich wollte natürlich herausfinden, was meine neue Rüstung konnte, deshalb warf ich nur einen flüchtigen Blick auf das Menü. Bei diesem oberflächlichen Ausflug konnte ich erkennen, dass der Fertigkeitenbaum Verbesserungen für Ausweichboni, Ausdauerregeneration und meinen Lebensbalken enthielt. Einige Elemente schienen allerdings auch auf tiefergehende Veränderungen hinzuweisen. Der Fertigkeitenbaum war erstaunlich umfangreich, im kompletten Spiel wird es also noch sehr viel mehr zu entdecken geben.
Durch die fruchtbare Begegnung mit meinem ersten Mörder etwas übermütig geworden, beschloss ich, mir auch den zweiten vorzuknöpfen. Ich rannte ein paar Mal gegen den Boss an der Spitze des Turms an und begann, seine Angriffsmuster und das richtige Timing zu verinnerlichen. Der rote Lichtblitz kurz vor seinem Speerwurf entpuppte sich als grünes Licht und seine Sprüche klangen nicht mehr wie Spott, sondern eher wie Warnhinweise. Ich hatte allerdings nur begrenzt Zeit, also beschwor ich mit einem Verbrauchsgegenstand Hilfe in Form eines Freundes herbei.
Mein neuer Verbündeter drosch ordentlich auf den Boss ein, fügte ihm massenhaft Schaden zu und half mir, seine Taumelanzeige zu füllen, sodass er für eine gewaltige Stichattacke verwundbar war, die ein großes Stück seines Lebensbalkens auslöschte.
Viel weiter kam ich danach nicht mehr, aber ich hatte einen guten Eindruck von Fallen Feathers gewonnen und große Lust, seine Mechaniken ausgiebiger zu erforschen und viel mehr Zeit in dieser Welt zu verbringen. Ich bin sehr gespannt darauf, was Leenzee mit seiner so viel lebendigeren Welt noch im Ärmel hat, um Action-RPGs von derDark Souls-Sorte erzählerisch und strukturell zu bereichern.
Wuchang: Fallen Feathers soll noch in diesem Jahr erscheinen. Ihr könnt das Spiel jetzt im Epic Games Store auf eure Wunschliste setzen.