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Commandos: Origins verpasst einem lange verschollenen PC-Klassiker ein Design im HITMAN-Stil

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Tom Regan
28. Aug. 2024

Die Behauptung, dass es ein langer Weg zu Commandos: Origins war, wäre eine Untertreibung. Als das letzte neue Commandos-Spiel veröffentlicht wurde lief gerade Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs in den Kinos. Meteora von Linkin Park eroberte die Albumcharts und was den sozialen Medien am nächsten kam, waren die Aufschreie, wenn man mit Freunden Fußball schaute.

Zum ersten Mal seit dem 2003 veröffentlichten Commandos 3: Destination Berlin bereitet sich die PC-orientierte Stealth-Serie darauf vor, die Spieler erneut hinter den feindlichen Linien abzusetzen.
Commandos: Origins – Gameplay 01
Als Kalypso, ebenfalls Publisher von Tropico, im Jahr 2018 die ruhende Lizenz für Commandos erwarb, gründete er das Entwicklerstudio Claymore Games zu einem einzigen Zweck – es sollte das ultimative Commandos-Studio werden. Jürgen Reusswig, bereits Veteran der Anno-Reihe, leitet das Team, das praktisch aus einer Eliteeinheit von hartgesottenen Commandos-Fanatikern besteht. Ihr Ziel? Die Strategie-Reihe soll ihre einstige Nischenrolle verlassen und größer und besser werden als je zuvor.

Als ich auf der gamescom hinter verschlossenen Türen mit Reusswig und Leveldesigner Gregor Frankenberg zusammensaß, fiel mir als Erstes auf, wie sehr Commandos: Origins der HITMAN-Reihe von IO Interactive ähnelt. Streng geheim wird ein Trio von Soldaten auf die von den Nazis besetzte Insel Guernsey geschickt. Die weitläufige Karte bietet eine Fülle von taktischen Möglichkeiten, während die Kamera über die stark befestigte Insel schwenkt.

Als Kind verbrachte ich unzählige Nachmittage damit, meine Spielzeugsoldaten im Garten aufzustellen und Plastikarmeen für eine Schlacht zu formieren, die ich aus Zeitgründen aber nur selten tatsächlich nachspielen konnte. Als Wiedergutmachung für meine verschwendete Jugend lässt Commandos: Origins diese Soldaten jetzt lebendig werden und langsam durch eine feindliche Umgebung kriechen, während ihr ihre verschiedenen Fähigkeiten einsetzt, um ahnungslose Feinde in die Falle zu locken. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, mit der Umgebung zu interagieren, z. B. könnt ihr auf ein explosives Fass schießen und so eine noch größere Explosion auslösen, unvorsichtige Wachen mit herabstürzenden Felsbrocken zerquetschen oder Holzstapel lösen, um eine Patrouille zu überrollen. Es gibt reichlich Methoden, Nazis zu ermorden, ohne dass andere Wachen Verdacht schöpfen.
Commandos: Origins – Gameplay 05
Commandos: Origins bietet sehr viel Freiheit“, so Frankenberg. „Wir übertragen das retrotaktische Gameplay des ursprünglichen Commandos in eine völlig neue und moderne Umgebung. Das ursprüngliche Spiel bot zwar eine gewisse Freiheit, aber nicht in dem Ausmaß, wie wir sie jetzt ermöglichen. Man kann die Mission auf verschiedene Arten angehen – nur geografisch, also indem man dem Gelände der Level folgt, oder aber indem man von den Zielen ausgeht, wobei jede Mission sich auf verschiedene Arten lösen lässt.“

Zusätzlich zu zahlreichen Teilzielen, die abgehakt werden müssen, verspricht Claymore Games, dass auf jeder Karte diverse Sammelobjekte versteckt sein werden, die neben dem klassischen Missionsbewertungssystem der Reihe einen weiteren Anreiz zum Wiederspielen bieten.

In der Guernsey-Mission, die ich sehen konnte, steuert der Spieler drei Soldaten, in anderen Leveln werden es sogar bis zu sechs sein. Dabei verfügt jeder Soldat über individuelle Fähigkeiten und um eure Ziele zu erfüllen und die Mission ohne Verluste zu beenden, müsst ihr taktisch zwischen den verschiedenen Einheiten hin- und herwechseln.
Commandos: Origins – Gameplay 04
Der „Green Beret“ kann klettern und sich im Dreck eingraben. Daher eignet er sich ideal, um Feinde zu überraschen und mit seinem Messer Wachen auszuschalten. Der „Sapper“ kann mit Sprengstoff wahre Wunder vollbringen und alle möglichen raffinierten Fallen aufstellen. Der „Marine“ kann schwimmen und sogar ein Schlauchboot benutzen, um den Stützpunkt zu flankieren und sich von einer anderen Seite zu nähern. Wem das kleine praktische Boot nicht genug ist, für den hat der persönliche „Scuba Steve“ von Commandos auch eine Harpune und ein Wurfmesser im Gepäck, mit denen der Marine lautlos auf größere Distanz töten kann – wonach er besagte Waffen allerdings wiederfinden muss.

Da es bei diesem Spiel vor allem darum geht, nicht bemerkt zu werden, gibt es natürlich ein Alarmsystem. Auf jeder Karte gibt es drei verschiedene Alarmstufen, und sobald ihr den Alarm dreimal ausgelöst habt, gilt für die gesamte Karte die höchste Alarmstufe und eure unglückselige Einheit hat die gesamte Besatzung des Inselstützpunkts auf dem Hals.

Es gibt übrigens eine Fülle von verschiedenen Gegnertypen, die ihr überlisten müsst. So sind die Wachen aufmerksamer als die gewöhnlichen Soldaten, und während Letztere leicht angelockt werden können, verlassen die Wachen ihren Posten unter keinen Umständen. Offiziere sind schlauer als ihre einfachen Untergebenen, und Scharfschützen … bedürfen keiner weiteren Erklärung.
Commandos: Origins – Explosion 01
Die Commandos-Reihe war ihrer Zeit in vielerlei Hinsicht voraus. Commandos erschien gleichzeitig mit zugänglichen Strategiespielen wie Age of Empires und Command & Conquer: Red Alert, wirkte dabei aber in einer Zeit, als der Schwierigkeitsgrad allgemein abnahm, wie der brutal herausfordernde Ausreißer des Genres. Mit Spielreihen wie Dark Souls, die gewaltige Erfolge feiern, und einer steigenden Beliebtheit von gnadenlosen Roguelikes ist die Ära der 4K-Titel geradezu prädestiniert, um diese extrem anspruchsvolle Taktikreihe wiederaufleben zu lassen.

Zwar kann der Schwierigkeitsgrad für jede Mission von Commandos: Origins individuell gewählt werden, aber die berüchtigte Erbarmungslosigkeit der Reihe ist jederzeit zur Hand. Falls ihr eine echte Herausforderung sucht, könnt ihr sogar wählen, jede Mission ohne Opfer zu beenden. Das bedeutet, dass ihr die Ziele wirklich schnell erfüllen müsst, bevor die gerade ausgeschalteten Feinde wieder zu Bewusstsein kommen.

Commandos: Origins ist zwar nach wie vor schwierig, inzwischen aber weniger frustrierend. Die große Veränderung? Alles ist erfrischend verständlich.

„In den 90er Jahren war Benutzererlebnis noch kein Begriff“, erklärt Reusswig. „Es war wichtig, das Benutzererlebnis, also Steuerung, Benutzeroberfläche und so weiter, an heutige Standards anzupassen. Das klassische Commandos-Erlebnis war nicht gerade benutzerfreundlich. Das war einer der Hauptpunkte, die wir verbessern wollten, und daher wirkt unsere Oberfläche auch viel moderner als die restliche Grafik, die mehr den klassischen Vorbildern ähnelt.“

Als nette Zugabe kann man jetzt direkt in die Action zoomen und die hochwertigen Charaktermodelle und -animationen bewundern, sodass die Spieler ihre cleveren Taktiken in voller Lebensgröße erleben können. Für Gameplay in Innenräumen wurde früher der Spielfluss durch lästige Ladezeiten unterbrochen, während der Wechsel auf derselben Karte jetzt nahtlos erfolgt.
Commandos: Origins – Gameplay 02
Worauf ich bei Commandos: Origins aber am meisten gespannt bin, ist der Koop-Modus für zwei Spieler. In diesem Modus können zwei Spieler lokal oder online ihre Angriffe im Team koordinieren und die anspruchsvollen Missionen gemeinsam erfüllen. Wenn ihr auf dem PC spielt und Lust dazu habt, kann sogar ein Spieler einen Controller benutzen, während der andere mit der Tastatur spielt. Das ist eine wirkliche Neuerung in einem traditionell einsamen Genre. Ob HITMAN oder Desperados, in der Regel sind Taktikspiele eher einzelgängerische Angelegenheiten. Daher ist die Möglichkeit, zu teilen und zu herrschen und das „Team“ in Teamtaktik zu verwirklichen, ein innovativer Schritt nach vorn für das Genre.

Wie mir gesagt wurde, wird Commandos: Origins 14 Missionen bieten, und nach den ersten sechs Missionen wird ein neuer spielbarer Charakter freigeschaltet. Gegen Ende der Demo konnte ich noch kurz einen Blick auf einige andere Schauplätze werfen, die genauso abwechslungsreich aussahen, wie Fans es erwarten würden. Von einer riesigen Wüste, die euer Trupp unbemerkt durchqueren muss, über einen Marsch durch arktische Gefilde bis hin zu einer Fahrt im Buggy über ein Flugfeld in Libyen ist jede Karte einzigartig. Zum Schluss präsentierten mir die beiden noch einige erweiterte Mechaniken und zeigten kurz eine Reihe Panzer und Kampfflugzeuge, die man entführen kann, sowie die übrigen drei Soldaten.

Nach einer langen Abwesenheit von 21 Jahren kehrt die knallharte Commandos-Reihe zurück. Ich bekam zwar nur eine kleine Kostprobe von dem zu sehen, was die Neuauflage zu bieten hat, aber wie es scheint, erwartet die Spieler eine erfrischende Fülle von taktischen Möglichkeiten.

Commandos: Origins soll noch in diesem Jahr im Epic Games Store erscheinen.