Die Macher von Ico, Shadow of the Colossus und The Last Guardian stellen ihren neuen Titel vor
Die berühmten Schöpfer von Ico, Shadow of the Colossus und The Last Guardian haben endlich ihr neues Spiel präsentiert und die lange Wartezeit hat sich gelohnt.
Der Weltpremiere-Trailer bei den Game Awards 2024 beginnt mit einer Stimme, die anscheinend in einer fremden Sprache einen Countdown herunterzählt. Dann ertönt etwas wie das Tosen eines Ozeans und während eine verhüllte Figur auf die Schulter eines riesigen Roboters klettert, nähert sich eine tiefschwarze, wogende Wand.
Der Protagonist klettert auf den Scheitel des Roboterschädels und der große Kopf löst sich langsam von den Schultern und reißt Kabel und ein Teil des Rückgrats mit sich, als er sich in die Luft erhebt.
Finsternis breitet sich aus und färbt die Luft grau und große Objekte schmettern gegen den zurückgelassenen Körper. Schließlich explodiert der Torso und verschwindet, während sich der Bildschirm schwarz färbt und das Logo von genDESIGN erscheint.
Das neue Spiel wird von Epic Games herausgegeben und ist im Epic Games Store sowie für PlayStation und Xbox verfügbar.
Schon seit Jahren spekulieren Fans über den nächsten Titel von genDESIGN. Erste Hinweise darauf, dass bei genDESIGN etwas im Entstehen war, gab es bereit 2018, als das Studio ein Bild zum neuen Jahr veröffentlichte, auf dem in der Nähe einer übergroßen handähnlichen Form eine weiße Figur auf einem Sockel zu sehen war. 2021 folgte dann eine Postkarte mit einer Gestalt unter einem merkwürdigen mechanischen Gebilde.
Diese spärlichen Hinweise zeigten zunächst sehr wenig – und es ist Jahre her, dass der letzte erschien –, daher ist es überaus spannend, endlich einen Blick auf das neue Projekt zu erhaschen.
Woher rührt der Hype? Für Spieler eines gewissen Alters ist genDESIGN legendär, auch wenn das Studio damals unter dem Namen Team Ico bekannt war. Unter der Führung des visionären Fumito Ueda hat das Team einen nachhaltigen Eindruck in der Gaming-Branche hinterlassen, obwohl es in über 20 Jahren nur drei Spiele veröffentlicht hat.
Ueda trat 2001 mit Ico ins Rampenlicht, einem Rätselplattformer für PlayStation 2, der ohne großes Aufheben das Medium Videospiel neu definierte. Obwohl sich der Titel nur schleppend verkaufte – nicht zuletzt aufgrund der berüchtigt schrecklichen Cover-Illustration in den USA –, erlangte er schnell Kultstatus.
Der titelgebende Held von Ico wird wegen seiner ungewöhnlichen Hörner in die „Festung im Nebel“ gebracht und dort gefangen gehalten, um geopfert zu werden. Ico kann sich befreien und trifft auf eine weitere Gefangene, eine faszinierende Frau namens Yorda, die eine fremde Sprache spricht und seltsame Fähigkeiten besitzt, mit denen sie übernatürlich versiegelte Türen öffnen kann. Leider hat es eine ganze Armee von Schatten darauf abgesehen, sie wieder in Ketten zu legen und Ico muss die Widersacher zurückschlagen, so gut er kann.
Ico galt zu seiner Zeit aufgrund des minimalistischen Ansatzes und der einzigartigen Atmosphäre als revolutionär im Rätselgenre. Die übersättigte Beleuchtung und die spärlichen Worte lassen die Festung ätherisch, fast kindlich wirken, wie ein fast vergessenes Märchen.
In Ico gibt es kaum Tutorials und noch weniger Hinweise – man muss sich auf Intuition und Logik verlassen, um voranzukommen. Sogar die Steuerung erfordert einiges an Experimentierfreudigkeit. In einem berüchtigten Beispiel hängt die Spielfigur an einer Kette und muss eine weit entfernte Plattform erreichen. Wenn man die Kreis-Taste gedrückt hält, kann man an der Kette schwingen, um schließlich den Sprung zu schaffen, doch man muss alle Tasten des Controllers ausprobieren, um das herauszufinden.
Was Ico aber wirklich besonders macht, ist die ungewöhnliche Betonung der Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren, die in der einzigartigen „Händchen halten“-Mechanik zum Ausdruck kommt. Man hält einen Großteil des Spiels R1 gedrückt, um Yorda herumzuführen oder sie an die richtige Stelle zu rufen, um ein Rätsel zu lösen. Obwohl die beiden kaum miteinander kommunizieren können, müssen sie zusammenarbeiten, um sich durch die Festung zu bewegen. Ico kann ohne Yordas Hilfe die versiegelten Türen nicht öffnen und Yorda ist ohne die Unterstützung des Jungen den Schatten hilflos ausgeliefert.
Diese simple Prämisse löste bei vielen Spielern große Emotionen aus und die brillante Schlusssequenz ist bis heute unvergessen. Auch über zwanzig Jahre später ist der bleibende Einfluss von Ico in genialen Vertretern des Rätselgenres wie Inside und Cocoon noch zu erkennen.
Das zweite Projekt von Team Ico, Shadow of the Colossus, ist vielleicht auch das ambitionierteste. Wie bei Ico versteht man die dramatische Ausgangssituation auf den ersten Blick. Der rothaarige Held Wander muss sechzehn gigantische „Colossi“ niederstrecken, magische Kreaturen aus Stein und Fell, um seine Geliebte von den Toten zurückzuholen. Mit nichts weiter als einem Schwert und einem Bogen streift Wander auf der Suche nach seiner Beute durch das verbotene Land und ringt die Kolosse in rätsellastigen Kämpfen zu Boden, die sowohl logisches Denken als auch mutige Klettermanöver erfordern.
Shadow of the Colossus ist sogar noch offensichtlicher ein „künstlerisch wertvolles“ Spiel als sein Vorgänger, und der tollpatschige Held sowie die radikal leere Spielwelt faszinieren Spieler schon seit Jahrzehnten – der Titel gilt weithin als eines der besten Spiele aller Zeiten. Wenn ihr keine Lust mehr habt, in anderen Spielen einen Wegpunkt nach dem anderen abzuhaken, und das Spiel noch nicht kennt, ist es auf jeden Fall einen Blick wert.
Das letzte Projekt von Team Ico war auch das aufwendigste und über zehn Jahre lang in Entwicklung. Mit einem kleinen Jungen und seinem Gefährten, einer Art riesigem Vogel-Hund, als Hauptfiguren war The Last Guardian eine Weiterentwicklung des Kernkonzepts von Ico. Ähnlich wie Ico und Yorda müssen auch der Junge und sein Tier Trico zusammenarbeiten, um schwierige Situationen zu meistern, Bösewichte zu besiegen und merkwürdige Ruinen zu erkunden.
Der Hauptunterschied ist, dass es sich bei Trico um ein wildes Tier handelt, das den Befehlen des Jungen nicht immer gehorcht. Außerdem muss man sich um ihn kümmern, ihn mit Fässern voller Futter versorgen, Speere aus seiner Haut ziehen und ihn nach Kämpfen wieder beruhigen. Derartige Detailverliebtheit bei der Tier-KI und der Animation war für Videospiele völlig neu und The Last Guardian war so bahnbrechend und innovativ wie die früheren Titel von Team Ico.
Nachdem die anfängliche Entwicklung größtenteils bei Sony stattgefunden hatte, machten sich Ueda und das Team Ico selbständig und gründeten ihr eigenes, unabhängiges Studio, genDESIGN, um The Last Guardian zu verwirklichen. Dieser neue Trailer enthüllt, woran das Team in den letzten zehn Jahren gearbeitet hat. Wird das neue Spiel das Vermächtnis von Team Ico fortführen? Die Zeit wird es zeigen, doch das Projekt macht einen sehr guten ersten Eindruck.