
Auf dem PC gibt es nichts, was an Fire Emblem so nahe herankommt wie Dark Deity

Dark Deity ist nicht nur Fire Emblem auf PC. Der Entwickler Sword & Axe baut auf Formeln von Strategie-RPG-Klassikern auf, wie beispielsweise Fire Emblem oder Final Fantasy Tactics, wodurch er eine kompakte Kampagne erschafft, die die Schwächen dieses Genres ausbügelt – etwa, wie einfach es ist, eure Charaktere aufzuleveln, das Hintergrundwissen nicht nur in geballter Form vermittelt zu bekommen, mühelos die Kämpfe zu genießen und Fehler zu machen, die bessere Konsequenzen haben.

Strategie-RPGs (SRPGs) sind wie Schach. Ihr stellt eure Charaktere auf einer rasterartigen Karte auf und bewegt sie dann so, dass ihr eure Ziele für das entsprechende Kapitel erfüllt. Im Falle von Dark Deity geht dies allerdings über das bloße Besiegen aller Gegner in einem Raum hinaus. Es kann sein, dass ihr innerhalb einer bestimmten Anzahl von Runden entkommen, eine Geisel befreien oder einen Schatz finden müsst. Eure Aufgabe ist es, mit diesen Szenarien im Hinterkopf Charaktere aufzustellen und Wege zu finden, eure Gegner vom Schlachtfeld zu fegen.
In Dark Deity beginnt ihr mit einem ansehnlichen Quartett bunt gemischter Gruppenmitglieder. Die vier Startcharaktere Irving, Garrick, Alden und Maren glänzen in ihrer entsprechenden Rolle dermaßen, dass ich sie das gesamte Spiel über in meiner Aufstellung ließ. Mit Alden konnte ich mich besonders schnell anfreunden, da er seinen Angriff oft verdoppeln kann – ein Luxus, in dessen Genuss nur die schnellsten Einheiten kommen. Irving, der Hauptcharakter, entwickelte sich im Laufe des Spiels zu einer meiner Einheiten, die am meisten einstecken können, und Maren zu meiner wichtigsten Heilerin.
Da ihr jede Menge Charaktere erhaltet, werdet ihr nicht zu allen eine Beziehung aufbauen können. Aber manchmal kann euch auch ein Charakter überraschen, den ihr links liegen gelassen habt. Mit Lincoln litt ich mehrere Kapitel lang, weil er mir als Tank wie eine der trägsten Einheiten vorkam, aber zum Glück hat er nach einem Klassenwechsel ein dringend benötigtes Angriffs-Upgrade erhalten.

Ihr könnt eure Einheiten auch durch optionale „Bonding Episodes“ (Bindungsepisoden) besser kennenlernen. Ich habe sie eine Weile ignoriert, weil ich es nicht erwarten konnte, die nächste Karte zu spielen. Nachteile hatte ich dadurch nicht. In Fire Emblem beeinflussen die Beziehungen direkt, wie gut eure Einheiten miteinander Synergien entwickeln und bieten enorme Werte-Boosts. Dark Deity bietet keinen solchen Anreiz. Wenn ihr euch einfach nur durch die Karten kämpfen wollt, könnt ihr das gerne tun.
Natürlich würde ich euch empfehlen, zumindest die „Bonding Episodes“ eurer Lieblingscharaktere durchzulesen. Ihr müsst euch die Liebesgeschichte zwischen dem sarkastischen Bogenschützen und der feurigen Schurkin zwar nicht durchlesen, aber wenn ihr es tut, erfahrt ihr viel. Vor dem letzten Kapitel habe ich mir den ganzen liegen gelassenen Dialog durchgelesen.
In Fire Emblem starten viele Spieler das Kapitel komplett neu, wenn eine ihrer Einheiten stirbt. Denn der dauerhafte Tod macht einen dauerhaft traurig, vor allem, wenn die Einheit einer der Lieblingscharaktere war. Dark Deity löst dies so, dass die Werte eurer gefallenen Charaktere gesenkt werden. So fühlt ihr euch vielleicht gerecht bestraft, aber nicht so sehr, dass ihr gleich das ganze Kapitel noch einmal von vorne durchkauen müsst. (Ihr könnt natürlich trotzdem versucht sein, den Wertemalus zurückzusetzen, wenn ihr gerne optimiert.)

Es lohnt sich, Dark Deity zu spielen, denn das intuitive taktische Gameplay verzichtet auf den Grind, den man aus anderen SRPGs kennt. Die Handlung, die Charaktere und das Kampfsystem greifen so gut ineinander, dass man das Gefühl hat, ein faires Spiel zu spielen, für das man etwa 30 Stunden braucht.