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Darkwood ist ein Horror-Meisterwerk aus einer ungewöhnlichen Perspektive

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Steven Nguyen Scaife
26. Sept. 2023

Standbilder werden Darkwood nicht wirklich gerecht. Im Spiel erlebt ihr seine unheimliche Wildnis aus der Vogelperspektive, was alles eher fremdartig als beängstigend erscheinen lässt. Die meisten Spiele, bei denen man das Geschehen von oben verfolgt, mogeln ein wenig, denn sie setzen die Kamera leicht schräg, damit man die Gesichter der Charaktere sehen kann. Darkwood, verzichtet darauf und wir sehen nur die Hutspitze des Protagonisten.

Aber sobald ihr euch ein wenig mit dem Spiel beschäftigt, merkt ihr schnell, wie meisterhaft die Entwickler von Acid Wizard Studio die Perspektive und die visuellen Tricks manipulieren. Ihr schlüpft in die Rolle eines Mannes, der sich inmitten eines seltsamen Waldes wiederfindet, umgeben von hoch aufragenden Bäumen, die dank der Draufsicht unnatürlich groß erscheinen. Es passt zu der Geschichte, in der die Welt von einer unnatürlichen Wildnis verschlungen wurde. Von oben aus wirken die Bäume verstörend, wie Wucherungen auf der Haut oder verkrustete Wunden.
Darkwood ist ein Horror-Meisterwerk aus einer ungewöhnlichen Perspektive – Iiih
Am Anfang des Spiels versteckt ihr euch in einem Unterschlupf, in dem Dämpfe durch ein Röhrensystem strömen, um die Schrecken fernzuhalten, die nachts aus ihren Löchern kriechen. Um was es sich dabei genau handelt, bleibt natürlich zunächst ein Geheimnis. Wenn ihr aber bei euren Streifzügen durch den Wald und die zerstörten Gebäude nach Ressourcen wie Benzin für den Generator des Unterschlupfs sucht, wird die Atmosphäre immer beklemmender. Ihr müsst euch auf Schritt und Tritt vor den gewalttätigen Kreaturen hüten, aber auch vor verborgenen Bärenfallen oder Giftpilzen, die bei Berührung explodieren.

Abseits der bekannten Horrorelemente – begrenzter Platz im Inventar, knappe Ressourcen, gefährliche Kämpfe – vermittelt Darkwood die Spannung und das Grauen vor allem durch die Kameraeinstellung und das, was ihr nicht seht. Ihr nehmt das Sichtfeld eures Charakters als einen Kegel wahr, der von eurem Charakter ausgeht, wobei ihr je nach Tageszeit und Lichtverhältnissen unterschiedlich gut sehen könnt (das Kronendach der gewaltigen Bäume hält zum Beispiel das Sonnenlicht ab). Wichtige Elemente wie Gegenstände, Gegner und bestimmte Gefahren in der Umgebung seht ihr nur innerhalb des Sichtkegels, aber die eher statischen Elemente sind außerhalb des Kegels immer sichtbar: Möbel, Bäume, Türen usw.

Dass man diese anderen Details auf dem Bildschirm gelassen hat, erweist sich bei Darkwood als Geniestreich, denn so ist euer Blickfeld viel größer als bei First- oder Third-Person-Horrorspielen, ohne dass euch wirklich mehr Informationen zur Verfügung stehen. Das Spiel erinnert euch also ständig an das, was ihr nicht wahrnehmen könnt, und rückt die Bereiche in den Vordergrund, in denen etwas Schreckliches lauern oder sich sogar an euch heranschleichen könnte.

Das Sounddesign trägt viel zur beklemmenden Atmosphäre bei, denn knackende Zweige und raschelnde Blätter weisen manchmal darauf hin, dass jemand oder etwas in der Nähe ist, aber manchmal sind es auch nur harmlose Umgebungsgeräusche. Manchmal öffnen sich auch Türen oder es werden Möbel verrückt, auch wenn ihr nicht sehen könnt, was sie bewegt. Derartige Augenblicke sind nachts markanter, wenn ihr euch bis zum Sonnenaufgang in einem Versteck verbarrikadiert habt und euch nichts anderes übrigbleibt, als abzuwarten und in die Bereiche zu starren, die außerhalb eures Sichtfeldes liegen. Darkwood fängt die Atmosphäre des leeren Raums hervorragend ein und führt uns vor Augen, wie unser Verstand die Lücken füllt.