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Fünf Gründe, warum Dishonored eigentlich eine Horror-Reihe ist

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Carli Velocci
28. Okt. 2024

Es gibt viele Horrorspiele, die gut zur gruseligen Jahreszeit passen. Eine Spielereihe, die dabei oft übersehen wird, ist Dishonored.

Arkane Studios und Creative Director Harvey Smith setzten 2012 mit Dishonored, das für seine hervorragende Stealth-Mechanik gelobt wurde, neue Maßstäbe. Allerdings ist die Reihe auch überraschend düster, voll subtiler Details und Ereignisse, die die Welt unvorstellbar grausam und unendlich gruselig machen – so die Rattenplage, die im ersten Dishonored die Stadt Dunwall heimsucht, das Geheimnis um den Outsider in der eigenständigen Erweiterung Dishonored: Der Tod des Outsiders oder sogar einfache Wale. Wenn ihr euch das Hintergrundwissen und die Geschichte dieser Welt genauer anschaut, werdet ihr vieles entdecken, das ziemlich verstörend ist.

Heute nennen wir euch fünf Gründe, warum Dishonored nicht nur für seine Stealth-Aspekte, sondern auch für seinen Horror gefeiert werden sollte – und warum ihr die Reihe in diesem Oktober noch einmal spielen solltet.
Dishonored – Konzeptgrafik vom Devourer in Pandyssien


Pandyssien


Trotz seiner Größe ist sehr wenig über den Kontinent Pandyssien bekannt. Diese enorme Landmasse östlich der Inseln, auf denen die Reihe spielt, wird nur in Notizen, Tagebüchern und Bemerkungen anderer Charaktere erwähnt. Dennoch ist dieses Rätsel für das Verständnis der Welt von Dishonored und der dunklen okkulten Magie der Reihe von entscheidender Bedeutung.

Eine ganze Anzahl von Expeditionen brach nach Pandyssien auf. Doch wie das Buch Die Geheimnisse von Pandyssien im Spiel berichtet, führten die meisten Versuche „zu Wahnsinn und Scheitern“. Allerdings waren einige wenige die Ursache für viele der großen Konflikte in Dishonored.

Als erstes wäre da die Reise von Anton Sokolov. Viele Männer starben auf dem Weg nach Pandyssien, beispielsweise an Vergiftungen, „die von einem Schwarm kleiner Fische verursacht wurden, die wie Vögel über die Wellen fliegen“. Andere kamen nach der Landung durch Schwärme von ameisenähnlichen Insekten und (vor allem) große Ratten ums Leben. Bekanntermaßen verursachte Hiram Burrows, der Bösewicht des ersten Dishonored-Spiels, die Rattenplage, um die Armen auszurotten, wobei diese Ratten ursprünglich aus Pandyssien stammten.

Dann gibt es noch Vera Moray, auch bekannt als „Granny Rags“. Sie und ihr einstiger Ehemann entdeckten während ihrer Zeit in Pandyssien Höhlenmalereien und Ruinen, die auf die Existenz des Outsiders – der Junge mit den schwarzen Augen – hinwiesen. Schließlich nahmen sie Kontakt auf, woraufhin Vera das Zeichen des Outsiders erhielt. Sie brachte diese geheimnisvolle Magie mit zurück, fertigte Runen aus Knochen an und verwandelte sich langsam in die gebrechliche Granny Rags, gegen die wir in Dishonored kämpfen müssen.  

In Pandyssien leben furchterregende Kreaturen wie das riesige Wesen namens Devourer, das aus dem Meer auftaucht und Schiffe zerstört. Da man als Spieler Pandyssien jedoch zu keinem Zeitpunkt besucht, werden wir nie erfahren, ob dies wirklich zutrifft. Ist es ein „Ort voller Wunder“, wie von der Akademie der Naturphilosophie behauptet, oder voller „Horror und Ketzereien“, wie die Aufseher sagen?

Eine Reise nach Pandyssien wäre ein großartiger Grund, erneut in ein eventuelles Dishonored 3 einzusteigen, derzeit sind Aufzeichnungen, Skizzen und eine Karte aber alles, was wir haben.
Dishonored – Outsider
 

Das Nichts


Dishonored lässt euch gerne im Dunkeln tappen und nirgendwo ist es dunkler als im Nichts. Zwar landet man in den verschiedenen Spielen des Öfteren dort, doch die Ursprünge und die Existenz des Nichts werden nicht erklärt. Alles, was wir wissen, ist, dass dort der Outsider zuhause ist, dieses gottähnliche Wesen, das den Charakteren des Spiels übernatürliche Fähigkeiten verleiht, und dass dort manchmal Objekte und andere Wesen erscheinen – aber das war's auch schon.

Selbst einfache Fragen, zum Beispiel, wo dieses Nichts sein soll, werden nie vollständig beantwortet. Offenbar besteht eine Verbindung zu unserer Dimension, da die Wale gleichzeitig im Nichts und in der physischen Welt existieren. Aber wenn das Nichts wie der Ozean ist, existiert es vielleicht stattdessen unter oder hinter allem. Es könnte auch eine Art Jenseits sein, oder wie das Herz sagt: „Das Ende aller Dinge. Und der Anfang“.

Laut Smith nimmt das Nichts „die Eigenschaften der Zeit oder des Prozesses an, die es geschaffen haben“. Wenn das Nichts von der Zeit und der Gottheit, die in ihm wohnt, geformt wird, wie würde dann ein Nichts mit einem anderen Gott aussehen?
Dishonored: Der Tod des Outsiders – Steinerner
 

Gottheiten des Nichts


Das bekannteste allgegenwärtige Wesen in der Dishonored-Reihe ist der Outsider, ein blasser, schwarzäugiger und melancholischer Mann mit scheinbar unsterblichen Kräften. In Dishonored: Der Tod des Outsiders könnt ihr ihn zwar besiegen, aber lange Zeit wirkt er unergründlich und unirdisch.

Die Wirklichkeit ist tragischer. Wie in der Geschichte „Die Omelas den Rücken kehren“ von Ursula K. Le Guin war der Outsider eine Art Opferlamm. Der Kult des Outsiders, auch bekannt als die Steinernen, schuf ihn vor 4 Jahrtausenden mit einem Ritual, das auf einer vagen Prophezeiung beruhte, um die Leere im Inneren des Nichts zu füllen. Mittlerweile ist er für die Menschen die zentrale Figur sowohl des Zorns als auch der Hingabe.

Doch wie bereits von Smith erwähnt, verlangt das Nichts nach einer Gottheit. Hier kommt das Auge des toten Gottes (Eye of the Dead God) ins Spiel. Für mich persönlich ist eines der schrecklichsten Objekte in Dishonored ein riesiges, schwarz-rotes Auge, das sich auf Serkonos befindet. Allein ein längerer Aufenthalt in seiner Nähe kann euch besondere Fähigkeiten verleihen – oder euch in Stein verwandeln. Angeblich gehörte es der Gottheit, die vor dem Outsider existierte, aber was für ein Wesen war das wohl?
Dishonored – Ausgeweideter Walkadaver
 

Wale


Wale spielen für das Verständnis von Dishonored eine zentrale Rolle. Ob sie Walöl zur Energiegewinnung nutzen, die Knochen bleichen, um Runen herzustellen, oder einfach ihr Fleisch essen – fast alle Bewohner verwerten Wale auf die eine oder andere Weise.

Allerdings handelt es sich hierbei nicht um Wale, wie wir sie kennen. Auf den ersten Blick sehen sie ganz normal aus, tatsächlich aber hängen an der Unterseite ihrer riesigen Körper Tentakel. Außerdem haben sie magische Eigenschaften – wie wäre es sonst möglich, dass man aus ihren Knochen magische Runen herstellen kann?

Wale haben eine nicht näher erklärte Verbindung zum Nichts. Fast alles, was im Nichts existiert, schwebt starr in der Luft und Spieler können darauf springen. Es gibt dort nicht Lebendiges – einzig die Wale, die durch das Nichts schwimmen. Man fühlt sich, als würde man auf dem Meeresgrund stehen und hoch oben Wesen erblicken, die umherschwimmen, als wären sie aus einer anderen Welt.

Dies wirft viele Fragen über das Nichts auf. Laut Smith könnte diese Verbundenheit jedoch auf eine Verwandtschaft zwischen den Walen und dem Outsider zurückzuführen sein. Wale sind „Geschöpfe der Schönheit und der Traurigkeit, intensiv und wunderschön, wegen ihres Öls gejagt und brutal abgeschlachtet … aber in gewisser Weise auch magische Geschöpfe – Naturwunder, Spiritualität, Ästhetik“. Er geht nicht so weit, zu behaupten, dass dies die einzige Ursache dieser Verbindung sei, aber es lässt erkennen, wie einige wenige Details etwas so Unverfängliches wie „Wale“ in etwas weitaus Unheimlicheres verwandeln können.
Dishonored – Spion
 

Das Herz


Im Laufe der Dishonored-Reihe erhaltet ihr viele seltsame Werkzeuge, aber das Herz hinterlässt einen großen Eindruck. Wenn ihr es drückt, enthüllt es Geheimnisse über die Menschen und eure Umgebungen, die nur ein magisches Relikt kennen kann. Zunächst ist unklar, wer durch das Herz spricht, aber es wird mehrfach angedeutet (und in Dishonored 2 bestätigt), dass es sich um die Kaiserin Jessamine Kaldwin handelt, die zu Beginn des ersten Spiels ermordet wird.

Darüber, wie (und in welcher Form) sie im Herzen gelandet ist, können wir nur spekulieren, aber Smith bestätigt, dass sie erst dann frei sein wird, wenn niemand mehr das Zeichen des Outsiders trägt.

Das Herz wurde in Dishonored von den Spielern so oft benutzt, dass Arkane ihm in Dishonored 2 eine noch umfassendere Rolle zugedacht und es gleichzeitig in ein zweischneidiges Schwert verwandelt hat. Ihr könnt damit die Gedanken der Leute belauschen, aber sie können euch auch die falschen Informationen liefern. Ihr erfahrt etwas über ihre Hintergrundgeschichten, ihre Freizeitbeschäftigungen und ihre Beziehungen. Dies könnte darüber entscheiden, ob ihr jemanden tötet oder nicht – aber ob ihr euch vom Herzen manipulieren lasst, hängt von euch ab.
Dishonored – Blutfliegen
 

Horror im Hintergrund


Dishonored baut auf den Horror, und überall in der Welt sind kleine Portionen von Hintergrundwissen verborgen, die diese Absicht untermauern. Hier sind verschiedene eingestreute Details, die für sich allein genommen keinen Eintrag füllen würden.

Das „Great Burning“
In der Zeitlinie von Dishonored gibt es ein eigenes dunkles Zeitalter, das als das „Great Burning“ bezeichnet wird. Eine Nomadenarmee fiel über die Inseln her und plünderte sie, wodurch viele Aufzeichnungen vernichtet wurden. Das ist der Grund, warum der Kalender erst ab diesem Zeitpunkt beginnt. Wie es zu dieser Epoche der Gewalt kam, bleibt ein Rätsel.

Blutfliegen
Wirklich unangenehme Zeitgenossen! Sie bauen sich ein Nest in einem Menschen, um dann wie ein Xenomorph herauszuplatzen.

Das Fest der Fuge
Wusstet ihr, dass es in Dishonored auch eine Version von „The Purge“ gibt? In Gristol gibt es ein alljährliches Fest, das sogenannte Fest der Fuge, bei dem sich die Menschen bemalen und maskieren und alle Gesetze und Moralvorstellungen über Bord werfen. Genau wie bei „The Purge“ handeln sich Bürger quer durch alle Klassen dabei Probleme ein.

In Dishonored gibt es noch viel mehr zu entdecken. Wer sich die Zeit nimmt, die Notizen zu lesen und den Gesprächen um sich herum Aufmerksamkeit zu widmen, kann sehr viel über die Hintergrundgeschichte erfahren – einschließlich einiger Gruselgeschichten, über die ihr nachdenken könnt, während ihr eurem nächsten Ziel auflauert.

Dishonored, Dishonored 2 und Dishonored: Der Tod des Outsiders sind im Epic Games Store erhältlich.