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Verwirrender analoger Horror hält Einzug bei Dead by Daylight
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Brian Crecente
Was aber passiert, wenn ein Spiel wie Dead by Daylight beschließt, in die subtilen, reflektierten, anhaltenden Ängste des analogen Horrors einzutauchen – in das Unbekannte?
Eine Tür in deinem Zuhause. Aber war sie schon immer da?
Einige unscheinbare Gänge in einem unscheinbaren Hinterzimmer, voll mit Dingen, die entsetzlich sein könnten – falls man sie jemals entdeckt.
Die gedämpften Geräusche einer fernen Kindheit schallen leise durch einen Raum, der nur durch den Bildschirm eines alten Fernsehers erhellt wird, auf dem statisches Rauschen zu sehen ist.
Das anfängliche Gefühl der Verwirrtheit oder der Nostalgie verwandelt sich in Orientierungslosigkeit und mündet letztendlich in eine Spannung; eine Spannung, aus der es kein Entrinnen gibt. Die Abwesenheit von Bedeutung, von einer klaren Vorstellung des Vorgefallenen, bietet der Fantasie genügend Spielraum, um Wurzeln zu schlagen – oft in ihren dunkelsten Formen.

Der analoge Horror ist eine relativ neue Variante des Grauens und hat sich aus der Found-Footage-Bewegung entwickelt, die durch Filme wie The Blair Witch Project bekannt wurde, dann aber durch YouTube-Kanäle und „Creepypasta“-Foren neues Leben eingehaucht bekam.
Man kann es bereits aus dem Namen herauslesen: Es handelt sich um eine Low-Fidelity-Optik, die oftmals mit geringem oder sogar nicht vorhandenem Budget produziert und über Kanäle übertragen wird, die an Röhrenfernseher, Überwachungsvideos oder alte VHS-Kassetten erinnern. Dieses Subgenre des Horrorfilms entwickelt sich auch weiterhin und bislang gibt es nur einen großen Film, der seine schleichende Ausbreitung in den Mainstream verdeutlicht: Skinamarink, der kontrovers diskutiert wird und beim Ansehen ein immer unangenehmeres Gefühl erzeugt.
Jetzt erweitert Dead by Daylight, ein auf den Grundpfeilern des Horrors aufgebautes Videospiel – und eines, das sich oft der bewährten und grausamen Schockeffekte bedient – sein Universum und streckt seine Fühler in dieses relativ esoterische Subgenre aus.
In Dead by Daylight schlüpfen die Spieler entweder in die Rolle eines Mörders oder eines der vier Überlebenden. Seit seinem Release im Jahr 2016 hat der Entwickler Behaviour Interactive die Anzahl der Charaktere auf beiden Seiten systematisch erhöht und gleichzeitig die Karten erweitert, auf denen sich die Killer an ihre potenziellen Opfer heranschleichen.
Am 12. März wird das neueste Kapitel des Spiels veröffentlicht: „All Things Wicked“ – mit einem neuen Setting, einem neuen Überlebenden und einem neuen Killer, die alle auf das Subgenre des analogen Horrors ausgerichtet sind.
„Wenn wir analog denken, dann an das Medium, die VHS-Technik und die Technologie der alten Schule“, so David Richard, Senior Creative Director von Dead by Daylight. „Wir haben uns davon inspirieren lassen, aber damit haben wir nicht aufgehört, darüber nachzudenken, was analog ist.
Ich finde, das Analoge macht gerade deswegen so viel Spaß, weil es so kryptisch und unergründlich ist. Dabei dreht sich alles um Themen, die einem Angst einflößen, aber man kann nicht genau erklären, warum das so ist. Man kann den Finger nicht in die Wunde legen und hat keine Ahnung, was da eigentlich vor sich geht, aber die Gefahr trieft förmlich aus allen Poren.“
Richard verriet uns weiterhin, dass es in der Natur des analogen Horrors liegt – sein Schwerpunkt auf das Unbekannte und dieses wachsende Gefühl des Grauens – das die Erstellung dieses besonderen Kapitels und seiner Bestandteile so schwierig gemacht hat.
„Die größte Herausforderung für uns ist, dass der analoge Horror größtenteils nachhaltig wirkt, also das genaue Gegenteil von dem, was wir eigentlich aus Dead by Daylight kennen, denn bei diesem Spiel herrscht normalerweise ein hohes Tempo und viel Spannung. Alles läuft in Echtzeit ab und das Geschehen entzieht sich unserer Kontrolle.“
Das Team von Behaviour war sich bewusst, dass sie ihr actiongeladenes Spiel so konzipieren mussten, dass die Spannung dauerhaft zu spüren ist, um in diesem Genre zu bestehen – sie mussten die Spannung ins Unermessliche treiben, bis sie unerträglich wurde.
Sie mussten auf Jumpscares verzichten, weil dieses Gefühl des zunehmenden Schreckens nicht aufgelöst werden durfte.
„Wir mussten viel Überzeugungsarbeit leisten, denn nicht alle hielten das für eine gute Idee“, sagte Richard. „Es war eine gewaltige Herausforderung, diese Atmosphäre in einem asymmetrischen Mehrspielermodus umzusetzen, in dem die Balance entscheidend ist.“

Beim Killer setze das Team auf die entstellte Gestalt eines grobschlächtigen Mannes. Sein ausladender Bauch geht nach oben hin in deformierte Schultern über, die unnatürlich in einen langgezogenen Hals auslaufen. Der Hals wurde so oft verdreht, dass sich die graue Haut wie bei einem Schraubengewinde abzeichnet. Das Ganze wird von einem deformierten Kopf gekrönt, in dessen Gesicht ein erschreckend breites Lächeln prangt. Spindeldürre Arme wachsen aus dem Körper und die winzigen Hände winden sich ständig – manchmal umklammern sie das Mordinstrument wie beispielsweise eine gewaltige Axt.
Bei der Konzeption des verstörenden Erscheinungsbildes des Charakters ließ man sich von einer Vielzahl von Quellen inspirieren, darunter der Horrorfilm Smile – Siehst du es auch? aus dem Jahr 2022, verriet uns Richard. Als das Team den Rahmen für seine Arbeit abgesteckt hatte, versuchte es, all diese Referenzen zu vergessen und konzentrierte sich darauf, etwas völlig Neuartiges zu kreieren.
Die künstlerische Gestaltung ist zwar verstörend, aber darum geht es bei dem Mythos des analogen Horrors nicht wirklich. Es geht vielmehr darum, zu was das Unbekannte fähig ist.
Die Kreatur bewegt sich schneller, wenn ein Überlebender verletzt ist. Sie kann Gift absondern, das die Überlebenden schwächen kann. Aber das Beste ist, dass das Unbekannte in der Lage ist, Halluzinationen zu erschaffen und unmittelbar zwischen ihnen hin- und herzuspringen, sodass man kaum erkennen kann, ob eine Kreatur der Einbildung entspringt oder man wirklich von ihr verfolgt wird. Die Überlebenden können diese Halluzinationen nur auflösen, indem sie ganz stillstehen und sie anstarren.
„Am meisten liebe ich an ‚All Things Wicked‘ die Idee, dass der Schrecken kein Ende nimmt“, freut sich Richard. „Dem Spieler bleibt keine andere Wahl, als stehen zu bleiben und sich darauf zu konzentrieren. Dadurch entsteht die Intimität des analogen Horrors, dieses Duell zwischen der Kamera (oder in diesem Fall dem Spieler) und dem Monster, das da lauert.“
Nicolas Barrière-Kucharski, der den Killer konzipiert hat, verriet uns, das Team sei bei der Entwicklung des Prototyps zufällig auf diese Mechanik gestoßen.
„Die Idee starrte uns förmlich ins Gesicht“, sagte er. „Es stellte sich die Frage: ‚Wie erzeugt man anhaltenden Schrecken?‘ Man muss ein Spannungsfeld schaffen und die Figuren damit verbinden – für den Killer ist das fantastisch, aber für den Überlebenden ist es erschreckend, weil er sich seinen Ängsten stellen muss.“
„All Things Wicked“, das heute veröffentlicht wird, umfasst auch ein neues Setting und einen neuen Überlebenden.
Sable Ward kommt ins Spiel und sucht nach ihrer vermissten besten Freundin. Sie durchsucht den Greenville Square und versucht herauszufinden, was ihr zugestoßen ist.

Der Greenville Square ist die neueste Karte des Spiels und umfasst den eigentlichen Platz und ein überraschend menschenleeres Kino komplett mit Imbissstand, Spielhalle und Kinosaal.
Richard war sich sehr wohl bewusst, dass die Verlagerung des Schwerpunkts vom bekannten Slasher-Subgenre hin zum analogen Horror viele überraschen könnte, aber letztendlich lässt sich das Team immer von den Wünschen der Spieler inspirieren.
„Ich würde gerne sagen, dass das Analoge eine Art Wette war, aber das stimmt nicht so ganz“, sagte er. „Wir wussten, dass sich unsere Community sehr darüber freuen würde. Es ist unglaublich gruselig. Es passt total ins Zeitgeschehen. Nach den Reaktionen auf die (ersten) Tests und die Marketingkampagne, die wir um diese Charaktere angelegt haben, werden wir höchstwahrscheinlich darauf zurückkommen.“
Ihr findet Dead by Daylight, „All Things Wicked“ und die restlichen Kapitel des Spiels im Epic Games Store.