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Vier Spiele zeigen euch das Universum zum Mindestlohn
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Julian Benson
Wenn ihr also das Universum sehen und dabei auf die hochglanzpolierte Perspektive eines Raumschiffkommandanten verzichten wollt, probiert einige der folgenden Spiele aus. Natürlich werdet ihr auf etwas Komfort verzichten müssen, aber dafür erhaltet ihr einen Blick auf die Zukunft, wie ihr sie in Star Trek sicher nicht finden werden.
Hardspace: Shipbreaker
In der Science-Fiction wimmelt es von glitzernden, eleganten Raumschiffe, aber was macht man mit ihnen, wenn sie ihre Glanzzeit hinter sich haben – wenn die oxidierten Rumpfplatten bei der kleinsten Schwerkraftwelle ächzen und stöhnen und euer Bordingenieur krank wird, wenn er sich zu lange im Reaktorraum aufhält? Selbst wenn ihr Millionen von Credits in die Reparatur eurer Rostlaube steckt, könnte sie nie mit den neueren Modellen mithalten. Dann lieber gleich das Ding komplett verschrotten.

In Hardspace: Shipbreaker seid ihr der arme Trottel, der auf Geheiß des Konzerns diese alten Schiffe zerlegen darf. Mit Laserschneider, Wurfhaken und gesteuerten Sprengladungen verwandelt ihr ganz allein Raumschiffe in ordentlich gestapelten Schrott. Alles, was wiederverwendbar ist, zum Beispiel alte Computer, Passagiersitze und Triebwerke schickt ihr mit der Barge zur Verwertungsanlage, um sie zu recyceln, und der Rest – also Rumpfplatten, Metallträger, Glashauben –, landet entweder im Prozessor oder Schmelzofen des Trockendocks.
Abwracken ist gefährliche Arbeit. Man kann leicht aus Versehen mit dem Laserschneider Kühlmittelleitungen durchtrennen oder vergessenen Treibstoff entzünden. Außerdem kann man sich in den verschachtelten Eingeweiden eines Schiffes verirren, bis einem der Sauerstoff ausgeht, oder – was noch wahrscheinlicher ist – einen Reaktor schmelzen und bei seiner Explosion verdampfen. Zum Glück habt ihr als Mitarbeiter der Lynx Corporation eure DNA hinterlegt, sodass ihr im Falle eures Ablebens rechtzeitig zur nächsten Schicht mal eben schnell geklont werden könnt. Euer Vorgesetzter setzt die Kosten dafür natürlich auf eure nächste Gehaltsabrechnung.
In vieler Hinsicht seid ihr ein armer Trottel, der in einem Vertrag gefangen ist und unter gefährlichen Bedingungen arbeiten muss, ohne jede Hoffnung, dabei jemals auf einen grünen Zweig zu kommen – die Geschichte des Spiels über gewerkschaftlich organisierte Arbeiter macht das deutlich. Aber Abwracken ist trotzdem ein spannender Beruf. Ihr beginnt eure Schicht vor einem riesigen, prozedural erstellten Raumschiff, das einen klaren Zweck hatte und jahrelang im Einsatz war. Vielleicht war es eine Bohrstation, ein Passagierkreuzer oder sogar ein militärisches Schlachtschiff. Aber wenn die Feierabendglocke läutet, ist davon nichts mehr übrig, ihr seid wie ein Piranha, der einen ganzen Wal mit Haut und Flossen vertilgt hat.
Citizen Sleeper
Wenn ihr nach einem geselligeren Job sucht, als in der Schwerelosigkeit zu schweben und verlassene Raumschiffe zu zerlegen, solltet ihr Citizen Sleeper in Betracht ziehen, ein Spiel, in dem ihr versucht, euch auf einer in die Jahre gekommenen Raumstation häuslich einzurichten. Auch diese Version bringt natürlich gewisse Nachteile mit sich: Als entflohener Cyborg auf der Flucht vor dem Konzern, der euch gebaut hat, kämpft ihr mit einem Körper, der euch im Stich lässt und ständig mit einem Serum versorgt werden muss, dass schwer aufzutreiben ist. Andererseits wartet jederzeit eine leckere Pilzpfanne nach Hausmannsart auf euch, es könnte also auch schlimmer sein.

Zu Beginn von Citizen Sleeper erwacht ihr in einem Frachtcontainer auf der Eye, einem Handelszentrum am Rande des kolonisierten Weltraums. Ihr seid obdachlos, hungrig und pleite. Auch wenn die Eye schon bessere Tage gesehen hat, gibt es dort für einen Cyborg wie euch viele Möglichkeiten. Ihr könnt an den Docks Raumschiffe entladen, in der Biosphäre Pilze und Algen anbauen, in der Werft Schiffe reparieren oder, wenn ihr den Mumm habt, ein wenig Vollstreckungsarbeit für die Gangs leisten.
Viele Leute auf der Eye brauchen eure Hilfe, aber ihr könnt jeden Tag nur eine begrenzte Anzahl von Aktionen ausführen und Würfel bestimmen euren Erfolg. Während ihr euch mit mehr oder weniger Glück bemüht, immer neuen Bekanntschaften zu helfen, erfahrt ihr auch mehr über die Geschehnisse auf der Eye und die Gemeinschaften, die sich im äußersten Weltraum bilden und von denen die Regierung und die Konzerne im Zentrum der Galaxie nie etwas erfahren werden.
System Shock
Falls euch die Geschichte von Citizen Sleeper über ein Leben, das von geplanter Obsoleszenz bestimmt wird, dazu angespornt hat, euch gegen die Gier der Konzerne zu wehren, seid ihr vielleicht bereit, etwas von dem klassischen RPG System Shock zu lernen. Nachdem ihr bei dem Versuch erwischt wurdet, in einen Computer des TriOptimum-Konzerns einzudringen, werdet ihr, ein namenloses Cyber-Genie, von dem Unternehmen dazu gezwungen, SHODAN, die KI der Raumstation Citadel, zu hacken und ihre ethischen Beschränkungen zu entfernen. Um es kurz zu machen: Ihr erwacht sechs Monate später und Cyborgs unter dem Kommando der KI haben die Kontrolle über die Station übernommen und alle getötet, die anderer Meinung waren. Die Lektion ist ähnlich wie bei Citizen Sleeper und Hardspace: Shipbreaker: Traue keinem Konzern.

Ihr seid nun auf einer Raumstation voller Mutanten gefangen und müsst einen Weg finden, SHODAN – die jetzt die Erde mit dem Bergbaulaser der Station bedroht – zu deaktivieren und Citadel lebend zu verlassen. Wie der Name vermuten lässt, ist System Shock ein geistiger Vorgänger der BioShock-Reihe. Durchsucht die Raumstation nach Waffen, Ausrüstung und Audiologs, um die Oberhand gegen SHODAN und ihre Cyber-Mutanten-Armee zu gewinnen.
Auch wenn das ursprüngliche System Shock fast 30 Jahre alt ist, aktualisiert das Remake von 2023 geschickt die Benutzeroberfläche, Grafiken und Steuerelemente, um zu unterstreichen, wie gut das ursprüngliche Design und die Geschichte sich immer noch behaupten. Wenn ihr einen Eindruck davon bekommen möchtet, welche düstere Zukunft die Leute unter der Herrschaft von Konzernen erwartet, werdet ihr kaum etwas Besseres als System Shock finden.
Industries of Titan
Wenn ihr es nach dem Durchspielen aller oben genannten Spiele satthabt, ein Spielzeug der Konzerne zu sein, probiert es einmal andersrum und nehmt selbst die Fäden in die Hand. In Industries of Titan errichtet ihr auf einem fernen Planeten eine extrem ungesunde Bergbaustadt und besetzt sie mit Niedriglohnarbeitern, die ihr aus den inneren Welten herbeigekarrt habt. Ihr könnt sie in den Fabriken arbeiten lassen oder einfach an einen Schreibtisch setzen und auf Online-Werbung klick-farmen lassen, um euch Einnahmen zu verschaffen. Wenn eure Stadt eine gewisse Größe erreicht, zieht ihr euch den Zorn der örtlichen Rebellen zu, aber ein paar automatische Flaks werden damit spielend fertig.

In Industries of Titan ist euer riesiges Baugrundstück nicht unvorbelastet. Ihr errichtet eure Stadt auf der gescheiterten Kolonie eures glücklosen Vorgängers. Sendet eure Arbeiter in die Ruinen, um alle wertvollen Ressourcen auszuschlachten, bevor ihr die Trümmer abreißt und dort ein Kraftwerk platziert. Wenn euer Betrieb wächst und ihr anfangt, die örtlichen Ressourcen abzubauen und sie in euren Fabrikhallen in Kunststoffe und Produkte zu verwandeln, werdet ihr feststellen, dass die Luft in der Nähe eurer Öfen und Schornsteine etwas verschleiert wirkt. Wenn ihr nichts unternehmt, könnt ihr dabei zusehen, wie eure Bevölkerung an den Abgasen erstickt. Davon geht die Welt nicht unter – neue Arbeiter, die unbedingt in die Kolonien wollen, werdet ihr immer finden. Es wird sich aber verheerend auf eure Gemeinkosten auswirken, unterm Strich lohnt es sich daher, ein oder zwei Alibi-Krankenhäuser zu bauen.
Wenn man also einerseits diesen Spielen Glauben schenken will, hält die Zukunft für alle anderen außer dem oberem 1 % der Menschheit nicht Gutes bereit. Habt ihr aber andererseits schon mal darüber nachgedacht, es wie Bezos zu machen und mit nichts weiter als etwas Mut, Entschlossenheit und 250.000 Dollar Startkapital von euren Eltern in eurer Garage ein Unternehmen zu gründen? Auch ihr könntet zu dem oberen 1 % gehören und dieser ganzen Sci-Fi-Plackerei entgehen.