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In GTA Online gibt es filmreife Geschichten, die eine ganze Fortsetzung wert wären

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Jeremy Peel
29. Aug. 2025
Sobald Tony Prince in GTA Online auftaucht, um den schäbigen Nachtclub zu leiten, den ihr gerade mit eurem hart verdienten Geld gekauft habt, werdet ihr merken, dass er immer noch derselbe ist. Der einstige Star eines beliebten DLCs für GTA IV ist nach wie vor eine Größe im zwielichtigen Milieu. Allerdings wirkt er jetzt noch verzweifelter als früher. „Wir brauchen junge Leute, Geschiedene mit Midlife-Crisis und alle, die Party machen wollen“, schreit er den aus der Spielreihe bekannten Lazlow an. „Und sie sollen sich betrinken und tanzen. Aber bloß keine Selfies machen. Ob in den Achtzigern, Neunzigern oder jetzt – ich war schon immer der Boss und bleibe das auch.“

„Tony“, sagt Lazlow und grinst. „Du wirst dich wohl nicht mehr Gay Tony nennen können, weil es einfach nicht mehr politisch korrekt ist. Die Leute werden in den sozialen Medien ausflippen.“

Das ist eine typische GTA-Zwischensequenz – mit einer Prise Sozialkritik, einem provokanten Seitenhieb auf die sich wandelnden Wertvorstellungen und jeder Menge Geschrei. Die Szene wirkt in der Ära der Live-Services geradezu symbolisch. The Ballad of Gay Tony war der letzte Einzelspieler-DLC von Rockstar North. Es war ein traditionelles Erweiterungspaket mit einer Nebenhandlung, die sich zeitgleich mit den Ereignissen der Hauptkampagne von GTA IV abspielte – so wie die Klassiker Blue Shift und Opposing Force das ursprüngliche Half-Life erweitert haben.

Dann kam GTA Online und alles änderte sich. Es war egal, dass Steven Ogg, der Schauspieler aus GTA V, schon Szenen für eine Story-Erweiterung gedreht hatte, in der Trevor ein Geheimagent werden sollte. Rockstar setzte voll auf einen Multiplayer-Modus für Los Santos, der nonstop laufen sollte. Da die Veröffentlichung von GTA VI mittlerweile auf 2026 verschoben wurde, haben Einzelspieler der Reihe seit über einem Jahrzehnt keine neuen Inhalte mehr bekommen, obwohl sie früher alle zwei Jahre mit einer kompletten Fortsetzung rechnen konnten.

Lange Zeit gehörte ich zu denen, die sich nicht für GTA Online begeistern konnten. Um die gefeierten Raubüberfälle und storybasierten Missionen zu genießen, musste ich mich offenbar in ein chaotisches Los Santos begeben, in dem Spieler auf fliegenden Motorrädern jeden mit Drohnenangriffen bekämpften, der versuchte, sich mit Pizzalieferungen über Wasser zu halten. 
In GTA Online gibt es filmreife Geschichten, die eine ganze Fortsetzung wert wären – Auto
Doch dann entdeckte ich die nur auf Einladung zugänglichen Server für mich. Ich stellte fest, dass man GTA Online als Koop-Spiel ohne zufällige tödliche Explosionen spielen kann und nur dann in den PvP-Modus wechseln muss, wenn man Lust auf Autorennen hat oder um Fracht kämpfen will. In diesem Modus erwarten euch die Story-Missionen im Alltag von Los Santos, der durch Staus, Polizeisirenen und Telefonate von Passanten gekennzeichnet ist, bei denen es unter anderem um unerwartete Schwangerschaften geht.

Nach ein paar Monaten hab ich irgendwie das Gefühl, mitten in einer geheimen Fortsetzung namens „GTA 5.5“ zu stecken. Dass Trevor mir wie der Teufel auf der Schulter ins Ohr flüstert und mich dazu verleitet, die falschen Leute zu bestehlen, ist nichts Ungewöhnliches. Zudem teile ich mir in der Innenstadt von Little Seoul mit Franklin ein heruntergekommenes Büro. Es handelt sich um ein wackeliges Betongebäude, in dem unsere Agentur für „Promi-Lösungen“ untergebracht ist – wir erledigen also die Drecksarbeit, für die sich Dr. Dre zu schade ist. Mein Vierbeiner Chop, dessen Fell mittlerweile voller grauer Haare ist, hat oben ein Bett. Es steht zwischen den Gold-Schallplatten, der Golfausrüstung und unter den Sprüchen an der Wand, die Franklins neues Lebensmotto verkünden („LOS SANTOS GEHÖRT DIR“). 

Es ist echt cool zu sehen, wie sich der ehrgeizige Neuling aus der GTA V-Kampagne zurechtfindet und dabei ein bisschen den Bezug zur Realität verliert, so wie Michael, als die ganze Geschichte vor zwölf Jahren anfing. Man muss schon etwas über Franklins Kindheitsfreund und Comedy-Partner Lamar schmunzeln, der sich mit NFTs oder „non-f***kable tokens“, wie er sie fälschlicherweise nennt, herumschlägt. Die fortlaufende Struktur von GTA Online entpuppt sich als Vorteil für die Erzählung, da bekannte Gesichter altern und neue, unerwartete Facetten offenbaren.

Dann gibt es noch einige unbekannte Charaktere, wie Vincent. Während dieser wortgewandte Polizist seinen bestechlichen Vorgesetzten Kaffee holt, plant er, sowohl das Kartell als auch die mit ihm unter einer Decke steckenden korrupten Cops auszurauben. „Es dürfte klar sein, dass ich mich als Gesetzeshüter nicht an bestimmten Geschäften beteiligen kann“, sagt er. „Aber wenn ich etwas bei der LSPD gelernt habe, dann ist es, dass man manchmal wegschauen muss.“ Viele GTA Online-Spieler sind ebenso fasziniert von Agent 14, dem leger gekleideten mysteriösen Mann mit den blutunterlaufenen Augen, der euch zwar mit dem Waffenhandel vertraut macht, aber dabei seinen Namen nicht preisgeben will. 
In GTA Online gibt es filmreife Geschichten, die eine ganze Fortsetzung wert wären – Gruppe
„Man verkauft seine Waffen an weltweit sanktionierte Akteure, sorgt für ordentliche Gewinne und macht sein Land stolz“, meint er. „Ich bin ein absoluter Experte auf diesem Gebiet, versprochen.“ Und dann: „Oh Mann, ich muss hier weg. Wir sprengen lieber morgen jemanden in die Luft. Ich meine … ich weiß gar nicht mehr, was ich meine. Egal.“ Agent 14 zieht zusammen mit Lester, einer festen Größe der Reihe, in euren ersten Raubüberfällen die Fäden. Die sind so spektakulär, wie man es euch erzählt hat, und lohnen sich wirklich. Daran ändern auch die ärgerlichen Rückschläge nichts, die euch während der mehrstufigen, perfekt choreografierten Missionen erwarten, die an Michael Mann und Mission: Impossible angelehnt sind.

Ihr müsst sie nur finden. Wenn man die mit Großbuchstaben markierten Orte auf der Karte besucht, wie man es von einem traditionellen GTA-Titel gewohnt ist, landet man schnell in einem Kreislauf aus sich wiederholenden Rennen und einfachen Gang-Aktivitäten. Allerdings dreht sich fast alles um den Besitz von Immobilien und sonstigen Vermögenswerten: die schicken Wohnungen, in denen Raubüberfälle geplant werden, das Kautionsbüro, von dem aus ihr unblutige Operationen durchführt, und das U-Boot, das ihr braucht, um zur privaten Insel Cayo Perico zu gelangen. 

Rockstar erschafft auch nach zwei Jahrzehnten noch richtige, storybasierte GTA-Missionen. Folgt einfach den Schreien von Gay Tony und ihr werdet in einen klassischen GTA-Titel zurückversetzt. 

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