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Die schmuddelige Mittelalterwelt und die Politik des Heiligen Römischen Reichs in Kingdom Come Deliverance II hautnah: Politik
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Francisco Dominguez
Nach 50 Stunden Spielzeit erreicht man Kuttenberg im Jahre 1403, welches mit einer unglaublichen Liebe zum Detail geschaffen wurde. Die Bauern gehen ihrem Alltag nach, Kaufleute preisen auf den Straßen ihre Ware an, Bürokraten stolzieren hochnäsig und herablassend herum – alles auf den mittelalterlichen, matschigen Durchgangsstraßen umgeben von malerischen Fachholzfassaden.
Doch das Abenteuer von Henry von Skalitz fühlt sich nicht nur nach einem romantischen Mittelalterfest an: Die riesigen Pferdeäpfel verunstalten die Straßen, vor mir huschen kleine, stinkende Ratten, es wird geschimpft und geschrien, und das Kampfsystem ist so komplex, dass ich es zu meinen Lebzeiten wohl nicht mehr meistern werde. Das Ergebnis ist schmuddelig und realistisch, bei dem Anblick vergeht einem sofort jede ritterliche Fantasie.
Apropos, vergesst Ritterlichkeit: Ich stecke knietief in der Scheiße, dem Dreck und der niederträchtigen Politik des Heiligen Römischen Reichs im Jahre 1403. Wenn das nicht nach 100 Stunden spaßigem RPG klingt.
Zurück in den Dreck
Tobi Stolz-Zwilling, globaler PR Manager von Warhorse, erzählt uns, dass der große Erfolg von Kingdom Come: Deliverance (über 6 Millionen verkaufte Kopien) dem Studio historische Türen geöffnet hat. So konnten sie die Stadt – einst Prags großer Rivale in Sachen Wirtschaft und kulturellem Einfluss – zum Leben erwecken und ein paar gegenwärtige Politiker erschrecken. „Als der Bürgermeister mitbekam, dass KDC2 in Kutná Hora spielt, war er total aus dem Häuschen – und verschaffte uns Zugang zu allen Archiven“, sagt Stolz-Zwilling.

Kurz nachdem ich die matschigen Straßen Kuttenbergs betrat, fand ich mich dank Henrys Titel aus dem letzten Spiel auch schon in einem Duell wieder. Aber erstmal ging es nur um Schwerttraining, Stolz und eine Wette von 200 Groschen.
Wie im Original gehören Schwerter auch hier zu den komplexeren Waffen, ein gut gesetzter Hieb muss die Verteidigung des Gegners durchbrechen und es braucht mehrere Stellungen, um zu siegen. Stolz-Zwilling witzelt über das Kampfsystem: „Es ist echt schwer zu meistern. Super. Leicht zu lernen? Wohl eher nicht.“ Er fügt hilfreich hinzu: Keulen und Äxte sind deutlich anfängerfreundlicher. Haut den Leuten einfach kräftig auf den Kopf, bevor ihr euch an die Schwierigkeiten der Schwertkunst wagt.
Irgendwie reichte mein unbeholfenes Schwingen aus, um dieses Duell zu gewinnen – und schon mischte sich der Stadtrat ein. Anscheinend ist meinem Widersacher, und einst bestem Schwertmeister der Stadt, Menhard der Schwertkampf strengstens untersagt – da brauchte es gutgemeinte, diplomatische Worte und eine Bußgeldzahlung meiner Seite, um ihm das Exil und mir eine unangenehme Reise an den Pranger zu ersparen.
Menhard lag die Ungerechtigkeit schwer im Magen, und da ich selbst ebenfalls um mein Erspartes trauerte, beschlossen wir gemeinsam, ihm das Waffenrecht wiederzubeschaffen, indem wir das Schwert der Bruderschaft entwenden und auf dem Rathaus präsentieren wollten. Dort oben dient das Schwert als Zeichen einer offenen Herausforderung, bei der alle um den Titel des Schwertmeisters kämpfen dürfen, Menhard eingeschlossen.
Wie mir einst ein verstohlener Charakter zu Heimlichkeit riet: „Ein Mord kann die Stimmung vermiesen.“ Ich spulte also bis zur Nacht vor und katapultierte mich in den Rathaushof, wobei ich die Wache vermied (ohne eine Fackel zu halten, absolut verboten in der Stadt) und mir einen Überblick verschaffte, bevor ich mich durch eine offene Tür stahl. In Ego-Perspektive im Fackellicht durch die mittelalterlichen Zünfte zu schleichen, hat mich total an „Thief“ erinnert. Andere Spieler schlugen sich mit Handgreiflichkeiten und Verfolgungen durch Kuttenbergs Seitenstraßen durch – mein eigener Vorgang war zwar spannungsgeladen aber deutlich ruhiger.

Nachdem das Schwert oben auf dem Rathaus prangte, war meine Demozeit leider auch schon so gut wie vorbei. Aber der Auftrag selbst hatte gerade erst begonnen: Je nach Entscheidung und Herangehensweise kann er ganz verschieden weitergehen – wird man beispielsweise beim Stibitzen des Schwerts erwischt, erhält man vom Schiedsrichter eine Verwarnung und der Duellant der Bruderschaft eine bessere Rüstung.
Im Wald
Meine zweite Demo-Session entführt mich in den Wald: Eine malerische Szenerie am Anfang des Spiels, Welten entfernt von Kuttenbergs städtischem Schmutz – und selbst die ländlichen Gebiete des Vorgängerspiels sind kein Vergleich. Die digitale Schönheit Böhmens ist mittlerweile atemberaubend. Henry und Hans Capon fliehen vor Soldaten und finden sich in einer verlassene Hütte wieder. Beide sind schwer verfundet. Sobald sie in die Hütte sprinten, wird Henry ohnmächtig.
Nachdem Henry wieder bei Bewusstsein ist, bringt mir diese ruhigere Stelle des Spiels die Simulations-Aspekte bei – ich muss mich waschen, um annehmbar auszusehen (selbst im Mittelalter wurden Schöne besser behandelt), Suppe löffeln, um Energie zu erhalten und nach Kräutern suchen, um Hans mit einem Kamillen-Gebräu auf die Beine zu helfen.
So weit so ruhig ... wäre da nicht diese Soldatenleiche im Misthaufen, die anscheinend der Hüttenbesitzer dort hinterlassen hat. Dieser „tote Bastard“ spiegelt erneut den derben Realismus des Spiels wider. Ich suchte also beim Bach nach geeigneter weicher Erde, um sein Grab auszuheben. Gesicht waschen, essen, durch den Wald stapfen und in der Mittagssonne ein Grab schaufeln.
Hier sind alle Komponenten und Systeme versammelt, die das Original zu so einem fesselnden Erlebnis machten. Aber noch größer, toller und besser umgesetzt als je zuvor. Die neue Stadt, Schießpulver-Waffen und das Schmied-Minispiel unterstreichen, warum Kingdom Come: Deliverance II das Spiel ist, das Warhorse schon immer entwickeln wollte. Zum Beispiel ergeben die beiden Spielkarten insgesamt 25 Kilometer dichte, detaillierte, durchdachte Umgebungen – das vorherige Spiel war dagegen ein Witz.
Stolz-Zwilling meint, die Erfahrung ist in etwa so fesselnd wie ein gutes Buch (und das Script jetzt sogar länger als das von Baldur's Gate 3). „Man öffnet es und versinkt stundenlang in dieser Welt – ohne es überhaupt zu merken“, sagte er. „Genau das wollen wir erreichen, dass man das auf dem Bildschirm für tatsächlich möglich hält.“
Ihr könnt Kingdom Come: Deliverance II jetzt im Epic Games Store vorab kaufen. Das Spiele erscheint am 11. Februar.