
Highwater ist eine düstere Roadtrip-Komödie in einer überfluteten postapokalyptischen Welt.

Und schon wieder haben wir es geschafft, Leute. Die Menschheit hat die Erde so zugerichtet, dass der einst blühende Planet jetzt unbewohnbar ist. Und anstatt zu versuchen, unsere Fehler auszubessern, machen wir uns auf zum Mars und ignorieren den gewaltigen Schaden, den wir angerichtet haben. Typisch Mensch!
Diese postapokalyptischen Geschichten kennen wir bereits. Wir haben sie schon so oft gehört, dass es fast schon absurd ist, aber genau dieses Gefühl hat Demagog Studio als Sprungbrett für sein Action-Abenteuer Highwater genutzt. Im Tonfall einer schwarzen Komödie findet Highwater das Absurde, das Schräge und das Skurrile in diesem Überleben des Weltuntergangs. Das Ergebnis ist ein bekannter dystopischer Schauplatz, aber mit einer völlig neuen Haltung demgegenüber.
„Es ist eine apokalyptische, optimistische Komödie“, erklärt Igor Simic, CEO und Creative Director von Demagog Studio. „Zu unseren Comedy-Einflüssen gehören Yes, Prime Minister, natürlich Monty Python und alles von Armando Iannucci. Aber am wichtigsten ist der Optimismus dabei. In Highwater geht es um Freundschaft und darum, auch in schwierigen Zeiten zusammenzuhalten. Es geht auch darum, wie seltsam es ist, dass die Menschen lieber eine Flucht zum Mars planen, als in Ordnung zu bringen, was auf der Erde passiert.“

In Highwater erfolgt die Notfallevakuierung zum Mars mithilfe einer Superrakete, die nur der Elite der Erde vorbehalten ist. Als normale Menschen habt ihr Pech gehabt und die Zurückgebliebenen müssen versuchen, in einer von einer Umweltkatastrophe verwüsteten Welt zu überleben.
Das scheint nicht sehr fair zu sein? Dem stimmt Nikos zu, die tapfere Hauptfigur von Highwater. Er will einen Platz in der Rakete und beschließt, die gefährliche überschwemmte Zone zu durchqueren, in die ummauerte Reichenstadt Alphaville einzudringen und sich an Bord der Rakete zu schleichen.
Nikos ist bei diesem Unterfangen jedoch nicht allein, da er unterwegs neue Freunde findet. Highwater ist im Wesentlichen ein Abenteuer im Stil eines Roadtrips auf dem Wasser einer bunt zusammengewürfelten Gruppe von Menschen, die alle ihre eigenen Hoffnungen und Bestrebungen haben. Letztlich haben aber alle das gleiche Ziel: ein Ticket fort von einem dem Untergang geweihten Planeten zu bekommen, der langsam im Wasser versinkt. Im Laufe der Reise werdet ihr die verschiedenen Charaktere besser kennenlernen.

Simic vergleicht die Erzählweise und das Gefühl von Kameradschaft und Freundschaft von Highwater mit dem Anime One Piece. „In gewisser Weise ist Nikos – der ebenfalls kurze Hosen und Flipflops trägt – wie Ruffy, aber in arm“, sagt er. Die Bande in Highwater hat sogar ein Boot, wenn auch nicht so beeindruckend wie das zuverlässige Piratenschiff des Strohhuts. Es handelt sich zwar nur um ein kleines, gelbes Schlauchboot, in das sich alle gerade so hineinquetschen können, aber es ist trotzdem ihr Zuhause. Mit diesem zuverlässigen Boot fahrt ihr durch die Wasserstraßen der versunkenen Welt von Highwater. Die Erkundung ist eine Kombination aus Open-World und geführten Pfaden, so dass ihr einfach eurer Nase folgen könnt, ohne dabei irgendwelche landschaftlichen Spektakel zu verpassen. Während ihr durch die verschiedenen Ruinen reist, werden auf eurer Minikarte Symbole für optionale Nebenquests in Weiß und für Hauptquests in Gelb angezeigt.
Mehr über die Geschichte des Untergangs der Erde könnt ihr durch die Umgebung, durch Gespräche mit anderen Überlebenden und auch durch unerwartete Passagiere (jeglicher Art) auf eurem Boot erfahren. „Das Bootsradio ist ebenfalls wie ein Charakter“, sagt Simic. „Hier werden mehrere Audio-Interviews mit Überlebenden abgespielt. Außerdem berichtet der Radiomoderator über die aktuellen Geschehnisse der Flut.“
„Es erinnert an das Radio in Grand Theft Auto, aber im Gegensatz zu Grand Theft Auto handelt es sich nicht um lizenzierte Musik, sondern um unsere eigene“, so Simic weiter. „Wir produzieren alle unsere Soundtracks im Haus, zwar mit externen Musikern, aber die Musik kommt immer von uns. Die Geschichten handeln von Menschen, die jetzt auf dem Mars leben, aber die Erde vermissen und deshalb in der Station anrufen – ein bisschen wie Meg Ryan in Schlaflos in Seattle.“

Das wird denjenigen unter euch bekannt vorkommen, die das andere Spiel von Demagog gespielt haben, Golf Club Nostalgia, ein Golf-Rätselspiel, das ebenfalls in einer postapokalyptischen Dystopie mit eigenem Radiosender spielt. Simic verrät uns, dass es noch jede Menge andere Verbindungen zwischen den beiden Spielen gibt. „Für alle aufmerksamen Beobachter und diejenigen, die mit Golf Club Nostalgia vertraut sind: Der Moderator des Piratenradios von Highwater begibt sich in die Rakete und benennt seine Station dann in ‚Radio Nostalgia‘ um, was Highwater zu einem Vorläufer von Golf Club Nostalgia macht.“
Dieses In-Game-Radio ist auch im dritten Spiel von Demagog zu hören: Der Parkour-Plattformer The Cub wurde Anfang des Jahres veröffentlicht und erzählt die Geschichte eines mutierten Jungen auf dem Mars. Alle drei dieser dystopischen Abenteuer haben einen melancholischen Unterton. Aber während sich in Golf Club Nostalgia und The Cub alles um wehmütige Einsamkeit dreht, sticht Highwater mit seinem Fokus auf Gemeinschaft und Komik heraus.
Lustigerweise trägt vor allem das Kampfsystem in Highwater viel zu seinem humorvollen Ton bei. Während ihres Abenteuers müssen Nikos und seine Freunde manchmal die Sicherheit der Wasserwege verlassen und an Land gehen, etwa um Vorräte zu finden, einem Überlebenden in Not zu helfen oder sich gegen gefährliche Gruppen wie die Soldaten von Alphaville zu wehren. Diese Begegnungen sind von den Schlachtfeldern von Into The Breach inspiriert, wo der begrenzte Raum ein kompaktes, puzzleartiges Spiel ermöglicht.

Oft werdet ihr sowohl zahlenmäßig als auch in Sachen Bewaffnung unterlegen sein. Um diese Kämpfe unbeschadet zu überstehen, müsst ihr taktisch überlegen, wie ihr die Umgebung nutzen könnt – und zum Glück habt ihr die Macht des Slapstick auf eurer Seite. „Man kann zum Beispiel eine Angel in die Hand nehmen und einen Feind so einrollen, dass er ins Meer fällt“, erklärt Simic. „Oder man kann das Blitzlicht einer Kamera benutzen, um einen Gegner außer Gefecht zu setzen. Und später könnt ihr feindliche Roboter hacken und zu eurem Vorteil nutzen.“
Diese Konfrontationen haben etwas von David und Goliath, aber vielleicht wäre ein Vergleich mit Tom und Jerry zutreffender. Die Komik ergibt sich aus dem zerstörerischen Chaos, das euren Handlungen folgt. Diese freche Art, Tumult zu verursachen, würde Buster Keaton und Charlie Chaplin stolz machen. Ein Feind mag mit Waffen und Rüstungen ausgestattet sein, aber wenn ihr einen Holzbalken umstößt, kann ihn ein großer Trümmerhaufen zu Staub zermalmen. Wenn euch die Ideen für Schabernack mit Dingen aus der direkten Umwelt ausgehen, könnt ihr einem Gegner auch einfach einen Schraubenschlüssel über den Kopf ziehen, was genauso befriedigend ist.
Die Kämpfe sind kompakt, finden aber in beeindruckenden Kulissen statt. Ihr kämpft in verlassenen Supermärkten, überwucherten Tankstellen, rostigen Fabriken und sumpfigen Hainen voller fremdartiger Pflanzen. Bei einer so überfluteten Welt besteht die Gefahr, dass sie, nun ja, hauptsächlich aus riesigen, langweiligen Wassermassen besteht, aber Highwater findet immer einen Weg, die Reise visuell interessant zu gestalten. Das Spiel bietet uns eine sehr farbenfrohe Postapokalypse – ihr habt euch hier für die landschaftlich reizvolle Route entschieden.

Auf den ersten Blick sind viele der Gebäude, die ihr zu Fuß erkundet oder an denen ihr mit eurem Boot vorbeifahrt, ein vertrauter postapokalyptischer Anblick, Relikte aus einer anderen Zeit, die völlig verfallen sind. Doch bei genauerer Betrachtung stellt man fest, dass diese Gebäude eine sorgfältig durchdachte Collage aus spezifischen Inspirationen sind.
„Ein wichtiger Einfluss war die modernistische Architektur Mitteleuropas, insbesondere des ehemaligen Jugoslawiens“, erklärt Simic. „Der Grund dafür ist, dass die Moderne an Fortschritt und Technologie und so weiter glaubte – aber schon jetzt hat all diese Architektur etwas Ruinenartiges und manches davon wirkt kalt, wie brutalistische Architektur. Dazu kommen gewisse Anspielungen auf das, was wir heute umgangssprachlich als Silicon-Valley-Ideologie bezeichnen und was im Grunde dieselben Ideen darstellt, nur mit mehr Biotech, KI und Weltraumforschung.“
Für Simic sind diese architektonischen Inspirationen mehr als nur Ästhetik. Sie haben eine historische Bedeutung sowie soziologische und ideologische Konnotationen. Bezüglich konkreter realer Gebäude erwähnt Simic den Hauptsitz von Apple in Palo Alto (entworfen von Norman Foster) als Vorlage für Alphaville, „eine runde Stadt mit einer riesigen Mauer“.
Er erwähnt auch den brutalistischen Genex-Turm in Belgrad (Serbien), der offiziell als Westtor bekannt ist. Der Genex-Turm ist ein kulturelles Wahrzeichen in Form eines 36-stöckigen Wolkenkratzers, der aus zwei Türmen besteht, die in den obersten Etagen über eine Brücke miteinander verbunden sind. Gekrönt wird diese Konstruktion von einem runden Bauwerk, das ursprünglich ein Drehrestaurant sein sollte. Ein riesiges „Tor“ aus Beton, das die umliegenden Wohngebiete überblickt – beeindruckend! Dieses Denkmal ist in allen drei Spielen von Demagog zu finden, einschließlich Highwater, da es für Simic auch eine persönliche Bedeutung hat.

„Es sieht natürlich cool aus, aber es ist auch ein Teil aus meiner Kindheit. Ich bin aufgewachsen in dem Viertel, in dem dieses Gebäude steht“, erklärt Simic. „Wenn Menschen eine Science-Fiction-Welt entwerfen, greifen sie normalerweise auf Tokio, Bangkok oder Hongkong und so weiter zurück. Meine Inspiration war eher, dass Jean-Luc Godard für seinen Film Alphaville in einem Vorort von Paris drehte und beschloss: ‚Okay, das ist Science-Fiction‘. Genauso wie bei Stanley Kubrick, der Uhrwerk Orange in einem Londoner Viertel drehte.“
„Ich dachte mir also, dass es sich authentisch anfühlen wird, wenn ich ein Viertel verwende, in dem ich selbst aufgewachsen bin, jeden Winkel kenne und einfach behaupte: ‚Das ist eine Science-Fiction-Umgebung‘“, fährt er fort. „Ich denke, das ist der Grund, warum Highwater so erfrischend ist, weil es nicht nur eine weitere Version von Tokio ist wie 90 % der Science-Fiction-Settings. Im Grund haben wir Teile von Neu-Belgrad unter Wasser gesetzt, und von dort haben wir dann weitergemacht.“
Das authentische und einzigartige Design von Highwater lädt dazu ein, von der Geschichte abzuweichen und die Open-World zu erkunden. An allen möglichen unerwarteten Orten verstecken sich beeindruckende Kulissen sowie ruhige Szenarien, um von euch entdeckt zu werden. Und es wird jede Menge Überraschungen geben. Laut Simic werden abenteuerlustige Spieler auf einige Wunder stoßen – darunter zwei riesige Statuen von einigen der Milliardäre, die aktuell Raketen bauen, um von der Erde fliehen zu können. Macht euch also bereit für plötzliche Schreckmomente.

Die PC-Version von Highwater wird außerdem mit zwei DLC-Geschichten veröffentlicht. Die erste folgt der Bande auf ihrem Weg durch die Alphaville Ark, eine lustige Version der Arche Noah, die euch durch jede Menge Räume führt, voller Fische, Tiere und Pflanzen, die alle darauf vorbereitet sind, mit der Rakete und ihren Passagieren die Erde zu verlassen. Die zweite Geschichte ist eine Art Fortsetzung im Kleinformat, die nach dem Start der Rakete spielt und in der die Spieler sehen können, was mit den auf der Erde zurückgebliebenen Menschen passiert ist.
Diese zweite DLC-Geschichte wird wohl sehr ans Herz gehen, denn sie berührt einen der melancholischeren Aspekte der Hauptgeschichte von Highwater, das schnulzige Herz im Zentrum dieser dystopischen Komödie. Nikos' Abenteuer birgt zwar Hoffnung, jedoch auch Verlust und Traurigkeit. Wie viele postapokalyptische Geschichten zeigt auch Highwater, dass es beim Überleben nicht nur darum geht, Unterkunft, Nahrung und Schutz zu finden, sondern auch um Beziehungen zu anderen Menschen in der gemeinsamen Not. Aber was ist, wenn man als Preis für die Hoffnung, ein besseres Leben führen zu können, diese Gemeinschaft verliert?
„Es klingt erst nach einem großen Abenteuer: Eine Gruppe von Freunden bricht auf und geht auf eine Reise“, erklärt Simic, „aber es ist auch irgendwie traurig, weil man andere Menschen aus seiner Gemeinschaft zurücklässt. Das hinterlässt einen bittersüßen Geschmack.“
Highwater ist jetzt im Epic Games Store verfügbar.