
Wie Escape Academy den Spaß von Escape Rooms im echten Leben einfängt

Das Flair echter Escape Rooms in einem Spiel einzufangen, ist eine ziemliche Herausforderung. Ein Großteil des Reizes besteht darin, dass man physisch im Raum präsent ist, anstatt ihn durch einen Bildschirm anzustarren. Doch Escape Academy kommt so nah wie möglich an das echte Erlebnis heran, ohne dass du nach draußen gehen musst. Es beginnt bereits damit, dass das clevere Tutorial absichtlich eine lausige Annäherung an das reale Erlebnis darstellt.
Dieser erste Raum soll eine Art Verlies sein, komplett mit einer armselig gezimmerten Attrappe, die an der Wand hängt. Doch das alles ist längst in Vergessenheit geraten, und der unaufmerksame Angestellte, der draußen wartet, bringt auch kein Leben in die Bude. Und selbst wenn der Ort noch in gutem Zustand wäre, in welchem Verlies gibt es denn Neonlichter und eine Wanduhr?
Aber Spaß beiseite, das „Verlies“ ist ein besonders raffiniertes Stück Spieldesign, das mit einfachen Rätseln beginnt, die dir die Mechanik auf subtile Weise beibringen, während sie perfekt zur heruntergekommenen Atmosphäre passen. Du hältst Dinge in deinem Inventar und studierst halbkryptische Codes auf Flyern, die dich auffordern, dir bestimmte Farben und Buchstaben anzusehen. Es gibt sogar eine Haftnotiz an der Uhr, die dir sagt, welche Uhrzeit sie eigentlich anzeigen soll, was signalisiert, dass Hintergrunddetails dieser Art manchmal wichtig sind.

Während du weiter Rätsel im Wartebereich des Ladens löst, erfährst du früh genug die Wahrheit: Das Ganze ist nur eine Tarnung, ein Prüfungsort, um Kandidaten für eine Elite-Schule für Escape-Room-Meister zu finden: die Escape Academy (die Direktorin selbst stellt sich als die verkleidete Angestellte heraus). Du wirst natürlich der neueste Schüler. Ab jetzt geht es ohne Stützräder weiter. Wie von den schrulligen Mitarbeitern der Akademie konzipiert, werden die Escape Rooms viel länger und schwieriger, ganz ohne hilfreiche Haftnotizen oder blinkende Anzeigen in der Benutzeroberfläche, die dich leiten könnten. Sie sind auch wie im echten Escape Room zeitlich begrenzt, was für zusätzlichen Druck sorgt. Deine nächste unmittelbare Herausforderung besteht darin, die Hinweise zu kombinieren, die den Namen der Direktorin enthüllen. Dieser Name dient als Passwort, und als erster Test musst du das Gerät ausschalten, das Gedächtnislöschgas in ihr Büro leitet.
Die Atmosphäre mit ihren überzeichneten Cartoon-Charakterdesigns und Abzeichen zur Markierung des Fortschritts erinnert ein wenig an Psychonauts, wobei ein rivalisierender Charakter, der Abzeichen sammelt, für einen Hauch von Pokémon sorgt. Obwohl ein Videospiel das greifbare Erlebnis eines echten Escape Rooms nicht ganz nachbilden kann, erlaubt das virtuelle Format die Schaffung von weit ausgefalleneren und beeindruckenderen Rätseln und Situationen. Manchmal öffnest du neue Bereiche mit einfachen Schlüsseln und ein anderes Mal benutzt du eine Kettensäge, um dich durch die Ranken zu schneiden, die einen Teil eines opulenten Gewächshauses blockieren (und dann musst du herausfinden, wo du mehr Benzin herbekommst, um die Ranken auf der anderen Seite zu durchsägen). In einem Abschnitt suchst du hektisch nach dem Gegenmittel für einen vergifteten Milchshake, und in einem anderen wirst du unter anderen potenziell gefährlichen Aufgaben aufgefordert, Leitern zu erklimmen, um vor ansteigendem Wasser zu entkommen – eine Zeitungsmeldung betont stolz, dass die Verletzungen an der Akademie in diesem Jahr um 30 % gesunken sind.
Die eigentliche Stärke von Escape Academy liegt – jenseits der Vielfalt seiner Rätsel – im einfallsreichen Kontext, wobei Codes, Rätsel und Hinweise in Dingen wie optischen Täuschungen, Verkaufsautomaten, Schmetterlingen und Toast versteckt sind. Sie sind außerdem allesamt um unterschiedliche Themen herum aufgebaut, sodass jedes Rätsel maßgeschneiderte Kunst, Animation und manchmal sogar neue Mechaniken mit sich bringt – in einem bewegst du einen Computerbildschirm-Avatar, indem du auf einer Tanzfläche herumläufst, während ein anderes Rätsel verlangt, dass du Handbücher durchblätterst, um Funkcodes einzugeben. (Dir wird der kleine Jingle beim Lösen eines Rätsels allerdings schnell vertraut vorkommen.)

Entscheidend beim Einfangen des Reizes eines Escape Rooms ist es, dass der Spieler sich durch einen offenen Raum bewegt und Rätsel in beliebiger Reihenfolge löst, anstatt einem offensichtlichen Pfad zu folgen. Jeder Raum ist gerade groß genug, um herumzulaufen, wenn du feststeckst, und nach Details Ausschau zu halten, die dir entgangen sind. Die Panik steigt, wenn du nur noch die zum Stöhnen anregenden Wortspiele findest, die erscheinen, wenn du ein Objekt untersuchst, das du anderweitig nicht verwenden kannst. Es gibt ein Hinweissystem, aber wenn du es benutzt, werden Punkte von deiner Endwertung abgezogen.
Wenn du alleine spielst, ist es ratsam, ein Notizbuch griffbereit zu haben. Damit kannst du unter Zeitdruck Informationen festhalten, wenn ein Rätsel verlangt, dass du dich an bestimmte Anweisungen erinnerst. Doch wo Escape Academy wirklich glänzt, ist der Mehrspielermodus, der geschickt den Nervenkitzel simuliert, der aufkommt, wenn man Freunden Ideen vorschlägt und/oder sie anschreit, weil sie etwas falsch machen. Du kannst dich auf die Kommunikation verlassen, anstatt auf ein Notizbuch oder das Auswendiglernen angewiesen zu sein. Zum Beispiel, indem eine Person die Statuen umordnet, während die andere einen genauen Blick auf die Gemälde wirft, die auf die richtige Reihenfolge hinweisen. Und natürlich könnt ihr anschließend im Erfolg eurer Zusammenarbeit schwelgen, während der Ergebnisbildschirm jedes Levels zeigt, welche Rätsel ihr auf dem Weg zum Ziel gelöst habt.
Ein digitaler Escape Room mag dir auf den ersten Blick überflüssig vorkommen – immerhin sind Escape Rooms im Grunde genommen zum Leben erweckte Videospiele-Rätsel – doch Escape Academy fängt die hektische körperliche Erfahrung und die einzigartigen Rätsel ein, die Live-Räume auszeichnen. In einem konventionelleren, sogenannten „intuitiven“ Spiel wären einige Hinweise und Anweisungen möglicherweise einfacher zu finden, aber wenn du dir etwas merken, aufschreiben oder einem anderen Spieler zurufen musst, verankert dich dies im Raum und verleiht diesem Gewicht – und damit wird er fast greifbar, anstatt gewichtslos und virtuell zu bleiben. Ebenso würde ein traditionelleres, iteratives Spiel-Design bestimmte Mechaniken ständig wiederholen, während Escape Academy völlig neue Wege beschreitet. Insgesamt erfasst das Spiel den schwer fassbaren Reiz des Neuen und Unvorhersehbaren, das dem realen Erlebnis innewohnt, und ebenso das Gefühl des Triumphs, wenn man es bis zum Ende geschafft hat.