
Wie Sker Ritual den wellenbasierten Zombie-Shooter neu erfindet

Ich habe jetzt ein Dutzend Runden Sker Ritual gespielt gebe gerne zu, dass dieses dämonische Ritual nicht gut für mich läuft. Ich taste mich durch ein verlassenes Dorf, das direkt aus Bloodborne zu stammen scheint, und begleite ein Lamm zu einer Kirche, um ein Blutopfer zu bringen.
Die zombieartigen „Quiet Ones“ sind mir dicht auf den Fersen und schwingen Äxte, Keulen oder einfach ihren bloßen Fäuste. Ein Elitegegner mit einem Taucherhelm speit Laser aus seinem Mund und ich renne zwischen verfallenen Hütten vor ihm her, während ich mit meinem Erbsen-Revolver vereinzelte Gegner erledige.
Dabei lässt einer von ihnen ein Power-Up mit endloser Munition fallen und ich ändere meine Taktik, stürze mich mit meiner neu geladenen Schrotflinte auf sie und schaffe es, eine Bresche in die Horde zu schießen und zur Kirche zu fliehen. Dort rüste ich meine Waffen auf, lade nach und bereite mich auf die nächste Welle vor. Dabei hoffe ich, durch die Kills genug „Essenz“ für den nächsten MacGuffin zu erhalten, den ich brauche um weiter unten die Tür zum Kellergewölbe zu öffnen. Und weiter geht es in dieser schrägen Rube-Goldberg-Maschine aus Mord und Chaos, in der jede Runde eine neue Spielmechanik zu bieten hat.
Sker Ritual macht keinen Hehl aus seinen Inspirationsquellen, und das ist auch gut so. Der Stil des von Wales Interactive entwickelten Koop-Zombie-Shooters ist durchaus bekannt und erinnert an die düsteren Hallen von Left 4 Dead, das blutige Chaos von Killing Floor und ganz besonders an die unwiderstehlichen und süchtig machenden Zombie-Modi von Call of Duty. Aber Sker Ritual ist weit mehr als nur ein weiterer Vertreter eines bekannten Genres – es besticht durch seine einzigartige Ästhetik, verfügt über ein ansprechendes Leveldesign und wird immer besser.
Für Wales Interactive ist Sker Ritual durchaus ein Novum, was es umso beeindruckender macht. Das Studio ist vor allem für seine atmosphärischen und handlungsorientierten Mystery-Titel wie zum Beispiel The Shapeshifting Detective bekannt, in denen reale Videoclips oft ein wichtiges Element sind. Tatsächlich ist Sker Ritual der ungleiche Nachfolger des spannenden Horrorthrillers Maid of Sker, nur dass ihr dieses Mal mit einer elektrifizierten Donnerbüchse tatsächlich auf den gruseligen Kult der „Quiet Ones“ losgehen könnt. Dr. David Banner, Mitbegründer des Studios und Co-Director des Spiels, räumt ein, dass der Einstieg in das Koop-Egoshooter-Genre viel Arbeit für die Entwickler bedeutete, dass der Prozess aber natürlicher verlief, als es auf den ersten Blick scheint.

„Nach der Veröffentlichung von Maid of Sker hatten wir Lust, diese Welt und die Charaktere noch einmal aufzugreifen und weiterzuentwickeln“, sagt Banner. „Es sollte allerdings nicht einfach eine Fortsetzung werden, sondern ein Ausflug in ein anderes Spielgenre. Da eigentlich ein Einzelspieler-Horrorshooter geplant war, probierten wir es zuerst mit einem Ego-Shooter-Modus als kostenlosem DLC für Maid of Sker, um zu sehen, ob die Idee Anklang finden würde. Er gefiel der Community und wir beschlossen, daraus direkt ein neues Spiel zu machen – so entstand Sker Ritual.“
Obwohl der zunächst noch unbetitelte Sker-Nachfolger als Einzelspieler-Erlebnis begann, wurden die Ambitionen des Teams schnell größer. Die Entwickler wussten, dass ein Koop-Mehrspieler-Shooter viele unbekannte Herausforderungen mit sich bringen würde, das konnte sie jedoch nicht von ihrem Entschluss abbringen.
„Ich schätze … unsere Fans hätten eher mit einem weiteren Stealth-Horror gerechnet, aber im Team suchen wir immer wieder kreative und technische Herausforderungen“, so Banner. „Wir wollten unbedingt ein Online-FPS-Koop-Horrorspiel machen, auch wenn wir wussten, dass die Lernkurve für uns enorm sein würde. Im Grunde ist es unsere Version der klassischen Zombie-Koop-Shooter – so wie wir sie früher begeistert gespielt haben.“
Banners Kollege Richard Pring, ebenfalls Mitbegründer des Studios und Co-Director des Spiels, bezeichnet die Zombie-Modi von Call of Duty als die Hauptinspiration für Sker Ritual, merkt aber auch an, dass wellenbasierte Survival-Shooter gar nicht so häufig sind, wie man denken könnte. „Unserer Meinung nach konnten wir dem Genre eine Menge hinzufügen“, sagt er und ergänzt, dass sich das Team an beliebten Roguelikes wie Hades und ebenso an Metroidvanias orientierte, um das übliche Abschlachten von Zombies durch neue Mechaniken zu erweitern.
Dabei ist das „Wunder“-System von Sker Ritual sicherlich hervorzuheben. Alle paar Runden erhält man einen Wunderpunkt, mit dem man sich die Kräfte einer keltischen Gottheit seiner Wahl zunutze machen kann. Mit diesen Upgrades könnt ihr ähnlich wie in RPGs einen Build erstellen, der sich weiterentwickelt, während ihr euch durch die labyrinthischen Gänge eines Levels bewegt. Betäubt eure Gegner mit Blitzen aus eurer Waffe, erschafft einen Eisschild zum Schutz vor ihren Angriffen oder erzeugt einen Feuertornado, der die ganze Horde auf einen Schlag vernichtet. Stimmt euch mit euren Teamkollegen ab, um Fähigkeiten zu erhalten, die sich gegenseitig verstärken. In Verbindung mit Waffen-Upgrades, Power-Ups und sehr einfallsreichen Elitegegnern, die jederzeit auftauchen können, fühlt sich so jeder Spieldurchgang anders an.
Natürlich wäre es kein Survival-Shooter, wenn man nicht auch ein paar leistungsstarke Waffen hätte, die man auf die schlurfende Menge abfeuern kann – auch hier erfüllt Sker Ritual alle Erwartungen. Das übliche Aufgebot an AK-47, Jagdgewehren und doppelläufigen Schrotflinten ist mit dabei, aber ich verließ mich immer wieder auf meine treuen Armbrust, mit der ich die meisten Gegner mit einem einzigen Kopfschuss erledigen konnte. Wie zu erwarten, sind die Spezialwaffen hier besonders beeindruckend. Mein persönlicher Favorit ist der „Howler“. Das ist die bereits erwähnte Donnerbüchse, die elektrisierte Kanonenkugeln abfeuert, die durch den Raum hüpfen und dabei alles zerstören.

Jeder, der die Zombies-Community von Call of Duty kennt, weiß, dass den Fans das Hintergrundwissen und die Easter Eggs genauso wichtig sind wie die Action selbst. In Sker Ritual kommt dabei die erzählerische Kompetenz des Studios voll zum Tragen. Auch wenn die „Quiet Ones“ wie Zombies umherwandern, sind diese maskierten Kultisten weitaus beunruhigender als alle anderen Untoten. Die meisten Endgegner in diesem Titel sind nicht nur die üblichen riesigen Monster mit schrecklichen Gesichtern. Freut euch auch auf interessant aufgemachte Bosse, wie zum Beispiel einen eleganten Gentleman mit Krawatte, der euch mit einer bizarren Mischung aus Energieangriffen und gespenstischen Ratten attackiert. Pring betont, dass das Team abgesehen von der unglaublichen Kreativität bei den Gegnern und dem Leveldesign auch verschiedene versteckte Geschichten eingebaut hat, die interessierte Spieler entdecken können.
Sker Ritual schaffte es von Anfang an, ein Publikum zu erobern, und Pring sagt, dass allein die Spielerfahrung zu sehr vielen Verbesserungen geführt hat. So hat das Team Hinweise der wachsenden Community unter anderem zum Design und zur Balance berücksichtigt. Laut Pring wurde zum Beispiel die KI eines teleportierenden Gegners erheblich verändert, nachdem sich die Spieler darüber beschwert hatten, dass er zu oft herumsprang, was zu einem frustrierenden Kampferlebnis führte. Auch die Bosskämpfe des Spiels sind mit der Zeit komplexer geworden.
„Einer unserer besten Endgegner ist für mich der neue ‚Canwyll Corph‘-Boss im [kostenlosen DLC-Level] ‚Haus der Verdammten‘“, sagt Pring. „Er setzt auf eine Kombination aus Umgebungsgefahren und einem Distanz-Timer und hält die Spieler mit immer neuen Moves auf Trab. Er ist also nicht nur ein riesiger Kugelfang, vor dem man weglaufen muss.“
Pring und Banner beschreiben die Entwicklung von Sker Ritual als eine Art „Aha-Erlebnis“ für das Studio, die umso beeindruckender ist, weil nur fünf Leute daran beteiligt waren. In der Tat ist Sker Ritual ein Beweis dafür, dass erfahrene Indie-Entwickler nicht nur in der Lage sind, Neues auszuprobieren, sondern auch mit den großen Studios zu konkurrieren, wenn es darum geht, ein spezielles Erlebnis zu bieten, das die Grenzen eines populären Genres noch etwas weiter verschiebt.
„Allen, die unser Spiel gekauft und uns unterstützt haben, möchte ich ‚Diolch yn Fawr Iawn‘ sagen, was auf Walisisch so viel wie ‚Dankeschön‘ heißt“, sagt Banner. „Es geht aber nicht nur um Downloads. Leidenschaftliche Indie-Entwickler finden es immer sehr befriedigend, wenn sich das Publikum für etwas begeistert, das man drei Jahre lang liebevoll hinter verschlossenen Türen konzipiert hat.“
Sker Ritual ist im Epic Games Store erhältlich. „Tides of Terror“, das nächste große Inhaltsupdate, kommt im Oktober.