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Wie „Where Winds Meet“ chinesische Wuxia-Fantasie in die Open-World überträgt
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Alan Wen
Dieses Open-World-Action-RPG mit Live-Service lässt sich wohl am besten mit Genshin Impact vergleichen, verzichtet allerdings auf den Anime-Stil und setzt stattdessen auf ein realistischeres Ambiente. Statt einer Weltkarte mit verschiedenen Nationen erstreckt sich die Welt von „Where Winds Meet“ über mehrere Provinzen des alten Chinas. Diese Welt ist dabei ebenso atemberaubend wie die Darstellung Japans in Ghost of Tsushima. Es zeigt jedoch mehr als nur eine malerische Kulisse, da Everstone Studio in dieser Welt die beliebte Wuxia-Fantasie zum Leben erweckt.
Das Wuxia-Genre der chinesischen Literatur erfreut sich seit Langem großer Beliebtheit und erfreut Fans mit großartigen epischen Geschichten über die Abenteuer galanter Kampfkunst-Krieger im alten China. Zudem hat das Genre mit Filmen wie Tiger & Dragon und House of Flying Daggers mittlerweile auch ein internationales Publikum erreicht. Doch was genau umfasst die Entwicklung eines authentischen Wuxia-Spiels?

„Unser Ziel bestand von Anfang an darin, etwas wirklich Neues zu kreieren“, erklärt Chris Lyu, Lead Designer von Where Winds Meet, gegenüber dem Epic Games Store. „Die Blütezeit der Tang- und Song-Dynastien sowie die turbulenten Perioden der Drei Reiche, Yuan, Ming und Qing wurden schließlich bereits in unzähligen Werken ausführlich behandelt. Was wir bei unseren Recherchen feststellten, war, dass die Zeit der Fünf Dynastien und Zehn Königreiche ganz besonders faszinierende Aspekte mit sich brachten. Historisch gesehen war es eine Zeit großer Unruhen, angesiedelt zwischen dem Wohlstand der Tang- und Song-Dynastien – einer Zeit, in der das Chaos gerade abklang, der Wohlstand bereits in greifbarer Nähe schien, alte Helden in den Wirren des Krieges verschwunden und neue noch nicht auf der Bildfläche erschienen waren. Es ist diese Komplexität, die dieser Epoche ihren so einzigartigen Charme verleiht.“
Obwohl das Spiel im China des 10. Jahrhunderts spielt und auch von bedeutenden historischen Ereignissen dieser Zeit inspiriert ist, handelt es sich hierbei jedoch nicht um historische Fiktion, wie wir es beispielsweise von der Nachbildung des Japans der Sengoku-Zeit in Assassin’s Creed Shadows kennen. Das Wuxia-Genre findet oft in einem alternativen Universum statt, das parallel zur realen Welt existiert – dem Jianghu. Es ist daher auch dieser Begriff, der für die offene Welt in Where Winds Meet verwendet wird. Dies gibt wandernden Abenteurern, die in China „Youxia” genannt werden, die Freiheit, die Welt frei zu erkunden und auf diese Weise ihre ganz eigenen übermenschlichen Heldentaten zu vollbringen. Dabei kann man die eigenen Helden bereits von Anfang an mühelos Dreifachsprünge, Luftsprünge und Wandläufe ausführen lassen.
Das eigentliche Wuxia-Erlebnis manifestiert sich hingegen natürlich im Kampf, wo es zahlreiche Waffen zu erlernen und erwerben gibt, von Schwertern und Speeren bis hin zu Fächern und Regenschirmen, von denen jede ihren eigenen Spielstil mit sich bringt. Die Jianghu-Techniken, inspiriert von traditionellen östlichen Kampfkünsten – Kung-Fu – , sind jedoch das faszinierendste Werkzeug im Arsenal eines jeden Kriegers.
„Diese Techniken umfassen sowohl realistische Nahkampftechniken als auch Kampfstile, die physikalische Gesetze überschreiten und von poetischer Vorstellungskraft geprägt sind“, so Lyu. „So erfordert zum Beispiel der Dim Mak (Todesgriff) den Einsatz spezieller innerer Energietechniken, um aus der Ferne Kraft zu projizieren und bestimmte Punkte am Körper eines Gegners zu treffen, um ihn somit bewegungsunfähig zu machen. Dies könnte das erste Mal sein, dass eine solche Fähigkeit in einem Spiel authentisch umgesetzt wird, und wir hoffen, dass damit die Erwartungen der Spieler erfüllt werden.“
Schließlich stürzt ihr euch als erfahrene und aufstrebende Kampfkünstler nicht einfach mit Fäusten oder Klingen voran in eine unbekannte Umgebung. Zudem können diese Jianghu-Techniken nicht nur im Kampf, sondern auch bei der Erkundung eingesetzt werden. Tai-Chi kann beispielsweise sowohl dazu dienen, einen Gegner durch Umlenken seiner Kraft zu bekämpfen, als auch um Blätter mit einem Windstoß beiseitezufegen oder als Teil eines Rätsels in der Umgebung einen Wasserlauf zu verändern.

„Wir verfolgen eine ‚multiplikative‘ Designphilosophie, um ein komplexes Netzwerk aus vielschichtigen Erkundungsherausforderungen zu erschaffen“, sagt Lyu. „Einerseits bewahren wir die Wuxia-Atmosphäre und andererseits integrieren wir diese einzigartigen Kampfkünste mit Umgebungselementen – unter Kombination von Faktoren wie Zeit und Raum –, um ein tiefgründiges und durchweg fesselndes Erkundungserlebnis zu erzielen.“
Anstatt sich ausschließlich auf den Aspekt der Kampfkunst zu konzentrieren, bietet Where Winds Meet den Spielern auch die Möglichkeit, verschiedene Berufe auszuüben, z. B. als Gelehrter, Arzt oder Musiker, und Hunderte verschiedener Objekte und Komponenten frei zu gestalten und mit diesen etwas zu kreieren. Lyu erläutert weiterhin, dass diese ein integraler Bestandteil des Spiels und der Geschichte seien und nicht nur Nebenaktivitäten, die ggf. den Spielfluss verändern könnten.
„Unserer Ansicht nach ist Youxia kein Beruf – vielmehr handelt es sich um eine Identität und Lebenseinstellung. In unserem Spiel sind die verschiedenen „Berufe“ – wie Arzt, Musiker oder Handwerker – keine voneinander getrennten oder gegensätzlichen Entscheidungen auf dem Weg des Youxia, vielmehr bilden sie das Fundament, das die Reise eines Helden prägt. Wir hoffen, dass diese Erfahrungen ihr Verständnis der Wuxia-Welt bereichern werden. Als Arzt heilt man beispielsweise nicht nur Verletzungen, sondern stellt sich auch Feinden, die in Besitz tödlicher Gifte sind. Die Melodien eines Musikers können alte Geheimnisse entschlüsseln. Diese Berufe machen eure Präsenz in Jianghu authentisch und bedeutungsvoll. Ihr seid nicht einfach nur Kampfmaschinen – ihr seid lebendige Individuen mit Fähigkeiten, Hintergrundgeschichten und einem Leben, das mit der Welt um euch herum eng verflochten ist.
Zudem seid ihr auch keine Einzelkämpfer, denn Where Winds Meet kann man auch gemeinsam mit anderen spielen, sei es im Koop-Modus oder im PvP. Diese Welt gemeinsam mit anderen zu erleben ist jedoch nicht die einzige Möglichkeit, sich als Teil von etwas zu fühlen. So wie die meisten Kampfkünstler einer Schule und einem Meister angehören, könnt auch ihr verschiedene Sekten aufsuchen und euch ihrer Sache anschließen. Dazu kommt, dass ihr auf diese Weise neue Kampfkünste erlernen könnt. Dazu gehören Himmelsbrunnen, bei denen Ehre mehr bedeutet als Reichtum, oder Silbernadel, wo Bedürftige gegen Bezahlung Heilung erhalten, sowie viele andere. All diese Sekten sind so geheimnisvoll, dass es bereits viel Zeit und Erkundungen erfordert, um überhaupt herauszufinden, wie man sich ihnen anschließen kann.
Zwar bietet die Geschichte eine Art linearen Verlauf, bei dem gewisse Umstände dazu führen, dass der Held sein beschauliches Zuhause in der Startregion Qinghe verlässt und es ihn in die riesige Stadt Kaifeng (eine der alten Hauptstädte Chinas) zieht, jedoch ist die Welt so gestaltet, dass sie Freiheit zum Erkunden bietet, ohne dabei chaotisch zu wirken, betont Lyu.
„Die Schwierigkeit der Erkundung selbst wird zu einer natürlichen Form der Orientierung. Zwar könnt ihr gemächlich durch friedliche Regionen niedriger Level schlendern, eure Grenzen werden allerdings bei einem unvorbereiteten Vordringen in bestimmte Gebiete, in denen es von Meistern und Gefahren nur so wimmelt, schnell auf die Probe gestellt“, erklärt er. „Gleichzeitig bilden der Verlauf der Hauptgeschichte und die Beziehungen des Helden zu verschiedenen Fraktionen ein unsichtbares Netz, das auf subtile Weise zu einer organischeren und immersiveren Erfahrung führt. Dabei ist euch stets klar, wo das Herzstück der Geschichte liegt, ihr könnt aber dennoch frei entscheiden, wann und wie ihr euch diesem nähert. In dieser Welt kann es manchmal Teil des Reizes sein, etwas vom Wege abzukommen – und wenn ihr zur Hauptgeschichte zurückkehren möchtet, liegt der Weg immer direkt vor euch.“

Eine weitere Möglichkeit, mit der Welt zu interagieren, bietet das dynamische Jianghu-Begegnungssystem. Missionen erscheinen dabei ganz natürlich und spontan, während man die Welt für sich entdeckt, dabei Gerüchte durch Gespräche mit NPCs oder durch Belauschen von Unterhaltungen aufschnappt. „Dieses Gefühl des zufällig entstehenden Schicksals fängt den poetischen Geist des Wuxia viel besser ein, als es eine Aufgabenliste mit konventionellen Missionen jemals könnte“, fügt Lyu hinzu.
Denjenigen unter euch, die seit über einem Jahrzehnt Open-World-Spiele spielen, wird vieles in diesem Spiel sicherlich bereits vertraut vorkommen, angefangen von den altbekannten Dungeons bis hin zu Außenposten mit Gegnern, die je nach Level angepasst werden, bis hin zu Währungen und Materialien zum Verbessern eurer Ausrüstung. Leistet Where Winds Meet also mehr, als lediglich diese Konventionen mit eleganter Wuxia-Ästhetik zu verschönern? Natürlich.
„Das Wesentliche einer Open-World im Wuxia-Genre findet sich in der Immersion und Erleuchtung. Dadurch wird die Beziehung zwischen dem Individuum selbst und der Welt, die es umgibt, untermalt – es stellt die Interaktion zwischen dem Selbst, der Natur und dem sich ständig verändernden Jianghu dar“, sagt Lyu. „Unsere aus inneren Künsten, der inneren Kultivierung und Sekten bestehenden Systeme stellen nicht einfach nur Fähigkeitsbäume dar, sondern bilden vielmehr eine ganzheitliche Philosophie des Wachstums. Wahre Stärke entsteht nicht allein durch numerischen Fortschritt, sondern wächst aus einem tieferen Verständnis der Kampfprinzipien und dem Streben nach dem eigenen Dao – dem Weg.“
Zwar versteht sich das Spiel als echtes Wuxia-Spiel, es bietet jedoch überraschenderweise die Möglichkeit, die traditionelle galante Herangehensweise des Genres zu unterlaufen und stattdessen einen weniger edlen Weg einzuschlagen. „Die Fünf Dynastien und Zehn Königreiche waren eine Ära voller moralischer Ambivalenz und boten somit den perfekten Rahmen, um die Komplexität der menschlichen Natur zu erforschen“, erklärt Lyu. Das bedeutet jedoch nicht, dass hier eine binäre Entscheidung zwischen Gut und Böse getroffen werden muss. „Die Entscheidung für einen Weg des ‚Chaos‘ oder einen ‚weniger edlen‘ Weg stellt keine Ablehnung einer galanten Lebensweise, sondern vielmehr eine Erweiterung und Reflexion ihrer tieferen Bedeutung dar. Eure Entscheidungen werden sich auf eure Beziehungen zu wichtigen Charakteren auswirken und euren Platz in der Welt neu definieren.“
Da das Spiel heute, am 14. November, im Epic Games Store erscheint, müsst ihr nicht mehr lange warten, um selbst zu erleben, wie Where Winds Meet das Open-World-RPG neu definiert.