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Hypnospace Outlaw ist die Black-Mirror-Scherbe des Gaming

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Alex Santa Maria
12. Jan. 2024
Wir leben in einer interessanten Zeit. Am Schnittpunkt zwischen analoger Vergangenheit und einer zwangsläufig digitalen Zukunft wird jede Tradition und Funktion des Lebens genauestens auf Effizienz, Kosteneinsparungen und Fortschritt analysiert. Das macht es Geschichtenerzähler schwer, eine Zukunft zu erfinden, die die Zeiten Überdauert. Es genügt ein Blick auf Black Mirror von Charlie Brooker, eine beängstigende Anthologie, die sich zu einer Checkliste unheimlicher zukünftiger Ereignisse entwickelt hat. Gerade erst berichteten die Schlagzeilen über Firmen, die den Schlaf ihrer Angestellten als Arbeitszeit berechnen wollen, und schon scheint digitale Traumverarbeitung der letzte Schrei zu sein, wobei Videospiele ihr eigene kleine Scherbe von Black Mirror vorzuweisen haben. In Hypnospace Outlaw aus dem Jahre 2019 könnt ihr selbst sehen, welche Zukunft uns mit rasenden Schritten entgegeneilt.

Dank des technologischen Wunders eines Kopfbandes können die Bewohner der alternativen Geschichte von Hypnospace Outlaw nachts im Web surfen, Kommentare posten und sich die angesagten Sounds der musikalischen Sensation Fre3zer zu Gemüte führen. Ähnlich wie das frühe Internet viel entdeckungsfreudiger und freier war als die heutige abgeschottete Social-Media-Landschaft, bietet Hypnospace viele Ecken und Winkel, die ihr erkunden könnt, selbst wenn ihr nicht der Erzählung des Spiels folgen wollt. Natürlich sind Erinnerungen an das Internet um die Jahrtausendwende mit AOL und Einwahl per Telefon hilfreich, aber selbst die neueren Generationen werden den Charme der gezeigten primitiven Vergangenheit verstehen.

Sobald ihr es dann doch schafft, euch auf die Handlung von Hypnospace Outlaw zu konzentrieren, spielt ihr als Web-Detektiv, der Verbrecher aus dem Hypnospace fernhalten soll. Seht ihr jemanden, der unbefugt von fremden Urheberrechten profitiert? Dann löscht seine Profilseite und erlebt, wie ihr in der darauffolgenden Nacht beschimpft werdet, weil ihr euren Job tut. Im Verlauf des Spiels lernt ihr die Geschichten von Hypnospace-Nutzern kennen und begleitet sie virtuell in ihrem Leben.
Hypnospace Outlaw ist die Black-Mirror-Scherbe des Gaming
Dank der Entwicklung zwischen den Zeitabschnitten des Spiels wird die Welt von Hypnospace zu einem lebendigen, aktiven Ort, der auch in eurer Abwesenheit weiterexistiert. Das ist keine geringe Leistung, doch Entwickler Tendershoot hat es mit der gleichen Grundausrüstung geschafft wie die Kinder, die damals auf GeoCities Cheatcodes austauschten.

Die Betonung der persönlichen Geschichten verleiht Hypnospace Outlaw dieselbe Wendung, die viele der besten Folgen von Black Mirror charakterisiert. Die Technologie der 90er Jahre und andere Elemente der damaligen Zeit schaffen eine vertraute Umgebung und machen die Botschaft des Spiels leichter verdaulich. Wenn man bedenkt, das Instant-Messenger damals noch in den Kinderschuhen steckten, ist die soziale Interaktion der Nutzer im Hypnospace wesentlich moderner, als man erwarten würde. Der Entwickler hat einiges zur frühen Nutzung zu sagen und darüber, warum das Web in den Jahren nach diesem neonfarbenen Wilden Westen eine kommerziellere Struktur entwickelt hat.

Natürlich muss das nicht eurer eigenen Interpretation entsprechen und das Spiel ist sicherlich auch ohne die Moral am Schluss der Geschichte erlebenswert. Dennoch werdet ihr es euch nach Hypnospace Outlaw sicherlich zweimal überlegen, ob ihr ein derartiges Kopfband für digitale Traumverarbeitung benutzt, wenn es auf den Markt kommt.

Hypnospace Outlaw ist im Epic Games Store erhältlich.