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Industria 2 entfernt sich mit biomechanischem Horror von den Half-Life-Einflüssen seines Vorgängers

K
Khee Hoon Chan
26. Mai 2025

Im Ankündigungstrailer von Industria 2 steigt die Protagonistin Nora langsam in eine verlassene Mine hinab. Ein Androide reißt eine Tür auf, taumelt auf ein flackerndes Licht zu und fällt auf die Knie. Als plötzlich rotes Licht den Androiden einhüllt, wird alles noch unheimlicher. Ein kreischendes metallisches Scheppern hallt durch die Höhlen, als eine gewaltige Maschine mit tentakelartigen Gliedmaßen auftaucht, den Androiden packt und ein Kabel in seinen Rücken einklinkt. Der Android erzittert – eine Energiewelle durchströmt seinen mechanischen Körper.

Und dann dreht sich die Maschine um und starrt Nora an.

Nach diesem Trailer könnte man meinen, dass auch das ursprüngliche Industria düstere Szenen mit biomechanischem Horror bereithielt. Das erste Spiel ist jedoch weitgehend frei von solchen Schreckmomenten – abgesehen von den seltsamen Robotergegnern, die aus dunklen Ecken trappeln und geistlos auf euch zustürmen. Das ursprüngliche Industria nahm sich das unheimliche Ravenholm aus Half-Life 2 zum Vorbild und schickte Nora durch die düstere, fiktive Stadt Hakavik – einen Ort mit von Ost-Berlin inspirierten, brutalistischen Bauten und verlassenen, grauen Betonstraßen.

Auch bei Industria standen Erkundung, Umgebungsrätsel und die surreale, apokalyptische Atmosphäre im Mittelpunkt – der Kampf spielte dabei nur eine Nebenrolle. „Die Gegner [im ursprünglichen Industria] funktionieren auf eine recht einfache Weise. Das gilt auch für die Waffen. Es gab nur vier davon. Ehrlich gesagt war es nicht sehr schwierig und keine große Herausforderung“, meint David Jungnickel, Mitbegründer und Art Director bei Bleakmill Games.

„Das erste Spiel basierte sehr stark auf Half-Life, und noch während der Entwicklung wurde uns klar, dass Half-Life ziemlich veraltet war. Es ist genial, wir lieben es trotzdem, sind immer noch riesige Fans, aber die Formel von Half-Life 2 ist jetzt schon über 20 Jahre alt“, fügt Steve Chapman, der andere Mitbegründer von Bleakmill, hinzu. „Nachdem wir das erste Industria fertiggestellt hatten, fiel uns auf, dass es beim Spieldesign allerhand Probleme gab, die wir beheben wollten.“
 Industria 2 – 2
Deshalb wählte Bleakmill Games bei Industria 2 einen neuen Ansatz und hat neben den Merkmalen von Ego-Shootern wie Half-Life auch Elemente von Survival-Horror-Spielen integriert. Als bekennender Fan klassischer Horrorfilme wie Das Ding aus einer anderen Welt erklärt Chapman, dass Horror einen maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung von Industria 2 hatte.

„Survival-Horror war einfach eine logische Ergänzung“, erklärt Chapman. „Im Spiel geht es um eine düstere Geschichte. Ich denke, es ist für Nora ziemlich ernüchternd – die Erinnerung an all das, was sie erlebt hat, zu begreifen, was sie angerichtet hat und welche Rolle sie in der Geschichte spielt.“

Doch Nora ist dem düsteren Grauen gegenüber nicht völlig hilflos. Während das Arsenal im ersten Spiel noch bescheiden war, kann Nora in Industria 2 ihre Waffen modifizieren und verbessern, um mechanische Gegner bequem zu eliminieren. Andererseits werden die Kämpfe im Nachfolger weniger einfach sein, denn das Studio hat das KI-System, das die Begegnungen mit den Gegnern steuert, komplett überarbeitet.

„Im ersten Spiel konnten euch die Gegner sehen und hören. Zu mehr reichte es bei ihnen nicht“, sagt Chapman. „Diesmal haben sie eine Art Liste mit verschiedenen Aufgaben und können eine ganze Reihe von unterschiedlichen Aktionen ausführen. Sie können mit der Umgebung interagieren. Sie können patrouillieren. Ihre Kampffähigkeiten sind viel umfangreicher als im ersten Spiel.“

Gegner zeigen auch Verhaltensweisen, die ihr ausnutzen könnt. „Es gibt im Spiel mehrere verschiedene Fraktionen. Sie können auch untereinander interagieren und es kann passieren, dass man auf Gegner trifft, die bereits in einen Kampf verwickelt sind. Eine dieser Fraktionen kann Hilfe anfordern und auch Hilfe von Teammitgliedern erhalten“, sagt Chapman. Dies bietet Spielraum für ausgefeilte Strategien. Eine weitere Szene im Trailer zeigt, wie Nora einen Schwarm roboterartiger Kreaturen zu einer Lampe lockt, damit sie die Gegner in der Nähe überwältigen können.

Man kann auch Sprengstoff herstellen, um mehrere Gegner gleichzeitig auszuschalten. „Das ist aber mitten im Kampf keine gute Idee“, fügt Chapman hinzu. „Das Spiel wird dabei nicht pausiert. Man muss sich Zeit nehmen und im Inventar etwas herstellen – und das sollte man am besten tun, bevor man in den Kampf zieht.“
Industria 2 – 3
Normalerweise ist Verletzlichkeit ein wichtiges Element von Horrorspielen, daher mutet die Entwicklung eines ausgeklügelten Kampferlebnisses eher seltsam an. Aber Jungnickel macht schnell klar, dass Industria 2 nicht nur ein Survival-Horror-Spiel ist. Es greift Elemente des Genres auf, um den Spielern eine fesselnde, emotionsgeladene Reise zu bieten. „Für mich ist es ein Abenteuer, das Action, eine fesselnde Geschichte, gruselige Momente, Knappheit und Spannung vereint.“

Dem stimmt Chapman zu. „Industria 2 hat den Stil der Einzelspieler-Ego-Shooter aus den 2000ern, aber es gibt auch ruhige Momente, in denen man einfach durch wunderschöne Landschaften spaziert.“

Das erste Industria war zwar kein klassisches Horrorspiel, doch seine verlassenen Gassen mit den Roboterpatrouillen, die darauf programmiert waren, Menschen wie Nora zu vernichten, vermittelten eine subtile, gruselige Atmosphäre. Dieser psychologische Horror – gemeinsam mit den biomechanischen Gegnern – wird Industria 2 laut Jungnickel noch wesentlich stärker prägen.

„Für das zweite Spiel wollen wir den eigenen Stil zwar beibehalten, wir wollen ihn aber weiter ausschmücken und dem Spiel eine Stimmung und Atmosphäre verleihen, die noch düsterer sind.“ Und das ist ihnen gelungen – so zumindest scheint es der parasitäre Roboter im Trailer, eine silbrige Monstrosität mit zahlreichen baumelnden Kabeln und tumorartigen metallischen Auswüchsen, anzudeuten.

Industria 2 soll noch dieses Jahr im Epic Games Store erscheinen.