
InFlux Redux ist die Überarbeitung eines Murmel-Rätselspiels und seit 11 Jahren in Entwicklung

Das Physik-Rätselspiel InFlux wurde erstmals vor 11 Jahren veröffentlicht und wurde seitdem dreimal überarbeitet. Aber keine dieser Überarbeitungen wurde jemals veröffentlicht.
Das ändert sich nun mit InFlux Redux, das Entwickler Joe Wintergreen „ein Remaster eines Remasters eines Remasters“ nennt. Die Überarbeitung von InFlux nutzt nicht mehr die Unreal Engine 3, sondern die Unreal Engine 5, und fügt neue Assets, neue Beleuchtung und einen neuen Physik-Code hinzu – es handelt sich also um eine generalüberholte Version des Originals aus dem Jahre 2013.
InFlux, das Produkt von Wintergreens Studio Impromptu Games – das in der Regel nur aus ihm besteht – ist ein Rätselspiel mit einer Murmel, das fesselnd, entspannend und überraschend faszinierend ist. Die Spieler übernehmen die Rolle einer merkwürdigen Kugel, die aus dem All auf eine wunderschöne Insel fällt. Wenn ihr euch durch die Landschaft bewegt, entdeckt ihr Gebäude aus Glas und Metall. Wenn ihr sie betretet, vergrößern sie sich zu weitläufigen und verzwickten Physikrätseln.
Bei vielen dieser Rätsel müsst ihr andere Kugeln beeinflussen, indem ihr die Ausrichtung und Schwerkraft des Gebäudes verändert, wodurch ihr sie durch Labyrinthe und über Hindernisse hinweg zu bestimmten Zielen führt. Wintergreen schrieb dem Epic Games Store in einem Interview per E-Mail, dass seine Inspiration nicht aus anderen Videospielen stamme, sondern aus echten Geduldsspielen, die man neigen muss, um einen Ball zum Ziel zu bewegen. So kommen einem auch viele der Rätsel in InFlux vor – nur viel schöner.
Auch, wenn es einem seltsam vorkommen mag, einen Klumpen außerirdischer Technologie durch eine Bilderbuchlandschaft zu rollen und sich in merkwürdige Gebäude zu begeben, deren Inneres größer als ihr Äußeres zu sein scheint, sind diese Scifi-Elemente nicht der Schwerpunkt von InFlux. Es geht vielmehr darum, Rätsel zu lösen und eine Welt zu erkunden, die im Großen und Ganzen ziemlich beruhigend und sorgenfrei ist. Laut Wintergreen ist die Atmosphäre „eher entspannt als fordernd“.

InFlux Redux ist vielleicht noch entspannter und beruhigender als das Original, was es der besseren Grafik und anderen Verbesserungen zu verdanken hat. Doch es war alles andere als einfach, diese Verbesserungen zu erreichen. Wintergreen scherzte, dass die Überarbeitung von InFlux nicht dadurch angestoßen wurde, „dass es einfach wäre, sondern dass wir dachten, dass es einfach wäre.
Ich dachte einfach, dass es schön und unkompliziert wäre, InFlux auch in Zukunft spielbar zu machen und zu unterstützen. Damit lag ich zwar nicht falsch, aber mir war nicht klar, wie lange das dauern würde, wenn ich das neben meiner normalen Arbeit mache.“
Am Ende sollte es Jahre dauern, was zum großen Teil daran lag, dass er an InFlux Redux zwischen anderen, bezahlten Entwicklungsaufträgen arbeitete – Arbeiten, die InFlux überhaupt erst ermöglichten. Wintergreen sagte, er habe bei der Arbeit an dem Spiel viel gelernt. Der Erfolg sei zwar nicht überwältigend, aber doch bedeutend.
„Als wir mit der Arbeit anfingen, war ich 20, hatte kein Geld, bekam Arbeitslosengeld, konnte kaum die Miete aufbringen und kam aus dem Modding der Source Engine, weshalb ich nicht wusste, wie Unreal funktioniert. Ich wusste, dass ich kaum Ressourcen hatte und nur schlecht programmieren konnte, was sich deutlich auf InFlux auswirkte“, sagte Wintergreen. „Es war ein Physik-Murmelspiel, weil ich nicht wusste, wie ich eine gute Spielerbewegung programmieren kann, und es war ein Rätselspiel, weil man in einem Level-Editor auch ohne Code Rätsel erschaffen kann. Es verkaufte sich gut genug, dass ich nicht mehr auf Arbeitslosengeld angewiesen war, und es kam so gut an, dass es mich auch heute noch aufheitert, wenn ich mir Fanpost darüber ansehe. Die Entwicklung hat drei Jahre gedauert, in denen ich sehr viel gelernt habe. Redux dauerte wesentlich länger. Insbesondere auch dank InFlux, wodurch ich Arbeit bekam und nur dann daran arbeitete, wenn ich Lust darauf hatte. Die Überarbeitung hat mir wirklich viel Spaß gemacht.“
Die Verbesserungen sind wesentlicher Natur. InFlux wurde mit der Unreal Engine 3 erstellt. Um das Spiel in die Unreal Engine 4 zu bringen – was der ursprüngliche Plan war –, gab es keinen Weg, die Assets oder den Code in die neue Engine zu übertragen. Das bedeutete, dass der gesamte Code noch einmal geschrieben werden musste, so Wintergreen, während alle Assets von Hand überarbeitet wurden, jedenfalls zu einem gewissen Grad.
Er kam zwar mehrmals einer Veröffentlichung von InFlux Redux nahe, doch je länger sich die Überarbeitung hinzog, desto stärker wurde sein Gefühl, noch mehr überarbeiten zu müssen.
„Ursprünglich hatte ich eine relativ einfache Überarbeitung geplant, bei dem das Spiel allein durch die Verwendung von [Unreal Engine 4] viel besser aussehen, sich besser anfühlen und besser funktionieren würde, die Grafik selbst aber dieselbe bleiben würde“, so Wintergreen. „Da ich immer nur in meiner Freizeit kurz an Redux arbeitete und alles neu schreiben und neu erstellen musste, dauerte das einige Jahre.
Ich hatte schon eine Version des Spiels, die für die Veröffentlichung bereit war, mit einem Trailer und allem Drum und Dran, aber dann kam etwas dazwischen, und als ich ein Jahr später wieder Zeit hatte, fand ich, dass die Überarbeitung noch nicht tiefgreifend genug war“, fuhr er fort. „Dann verbrachte ich einige weitere Jahre mit der Überarbeitung, mit schöneren Shadern, einer detaillierteren Welt usw. Als ich die dann fertig hatte, kam wieder etwas dazwischen.“ Als er sich erneut dem Projekt widmete, war es immer noch nicht wirklich fertig. Daher „überarbeitete [ich] die meisten Assets mit mehr Polygonen, setzte die Beleuchtung neu, fügte neue, auf Fotogrammetrie basierte Assets hinzu, was am Ende wirklich toll aussah. Doch dann kam wieder etwas dazwischen.“
„Als ich mich abermals dem Spiel widmete,“ sagte er, „überzeugte mich die [Unreal Engine 5], also überarbeitete ich wieder einmal alles, um Nanite, Lumen, virtuelle Shadow-Maps und andere neue Techniken nutzen zu können. Daher ist es mittlerweile ein Remaster eines Remasters eines Remasters.“

Elf Jahre Fortschritt in Spieltechnologien sind auch in InFlux Redux zu sehen. Das Spiel ist voller beeindruckender Landschaften, von einem Sonnenuntergang am Strand bis hin zu Höhlen voller biolumineszenter Flechten und Tunneln, durch deren riesige Glaswände man den Meeresboden bewundern kann. Die Fortbewegung über die Insel, die als Schauplatz des Spiels dient, ist dank der Schönheit der Orte entspannend, aber ihr Realismus verleiht InFlux Redux einen Hauch merkwürdigen Erstaunens – ein Verlangen, noch mehr zu erkunden und herauszufinden, was es in dieser Welt so alles gibt.
Obwohl bestimmte Elemente, wie die Grafik und die Physik, überarbeitet und verbessert wurden, unterscheidet sich der Inhalt von InFlux von dem in InFlux Redux nicht sonderlich. Es gibt einige neue Elemente in der Überarbeitung, etwa Sammelgegenstände, die Konzeptzeichnungen freischalten, zusätzliche Fortbewegungsrätsel zwischen den Haupträtselräumen, einen strafferen Aufbau mehrerer Level sowie viele Verbesserungen des Spielkomforts. Aber Wintergreen meinte, dass er nicht zu viel habe ändern wollen. Beim Ausdenken von Rätseln, die für die Spieler korrekt funktionieren müssen, ziehen selbst kleine Änderungen zahlreiche Tests und Iterationen nach sich.
Dabei gab es noch einen weiteren Aspekt: Wintergreen war besorgt, dass er das zerstören könnte, was im Original so gut funktioniert hat, wenn er bestimmte Änderungen vornehmen würde.
„Es ist zwar schon 11 Jahre her, aber ich glaube, dass ich trotzdem noch nicht den nötigen Abstand zu InFlux habe, um sagen zu können, was gut daran ist – den Leuten, denen es gefällt, gefallen oft Dinge, die ich nicht erwartet hätte“, sagte er. „Das versetzt mich in eine etwas komische Lage, denn ich könnte ganz einfach die Dinge ändern, wenn ich eine ganz klare Meinung zu ihnen habe, weswegen ich mich manchmal bei Änderungen zurückhalten musste.“
Wintergreen erzählte, dass treue Fans ein wichtiger Grund dafür gewesen seien, dass InFlux Redux überhaupt entstand – und dass er über Jahre hinweg zwischen anderen Projekten daran gearbeitet habe.
„Die Fans haben mich zum Weitermachen animiert. Es gibt zwar nicht so viele von ihnen, aber sie sind sympathisch und lieben das Spiel wirklich. Dazu kam die Erkenntnis, dass viele Leute mein Spiel spielten, als sie Kinder waren und sich darauf freuen würden, es noch einmal zu sehen. Es ist zwar schon surreal, wenn ein Erwachsener dir sagt, dass er dein Spiel geliebt hat, als er 9 Jahre alt war, aber es ist auch eine große Motivation. Im Gegensatz zu Erwachsenen machen Spiele Kindern auf einer besseren, nicht übermäßig kritischen Ebene Spaß. Es gefällt mir sehr, zu wissen, dass InFlux eine derartige besondere Sache für jemanden war.“
InFlux Redux ist – in Wintergreens Worten – „irgendwann bald“ im Epic Games Store zu finden.