
Islets ist ein wunderschönes Metroidvania für ganz normale Spieler

Seid ihr kleine Mäuse, die auf den zerbrochenen Überresten einer zerstörten schwimmenden Insel leben? Dann habt ihr viel mit den Helden des unerhört schönen Metroidvania Islets gemeinsam. Die Insel von Islets wurde einst von einem riesigen Magnetkern zusammengehalten, doch im Laufe der Jahrtausende gerieten erst das Wissen um seine Wartung und Pflege und schließlich auch der Kern selbst – wie ein alter Mythos – in Vergessenheit. Sein Zerfall war unvermeidlich und die Insel zerbrach in einzelne schwimmende Teile.
Unser kleiner Mäusefreund will jedoch etwas dagegen unternehmen. Alle Stücke der ehemaligen Insel – die man jetzt eher „Inselchen“ nennen würde – werden von Monstern heimgesucht, und nun wütet das Böse überall. Zum Glück haben sich einige Mutige (und weniger Mutige) zusammengeschlossen, um die Teile wieder zu vereinen und die Ordnung wiederherzustellen. Du bist der Kleinste unter ihnen und deine Kameraden verspotten dich wegen deiner Größe und deinem seltsamen Flugboot – aber keine Sorge, du wirst es ihnen schon zeigen.
So beginnt eines der schönsten Plattform-Abenteuer, die ich je gespielt habe. Islets wurde mit extrem viel Liebe und Sorgfalt geschaffen, seine Animationen können es fast schon mit Studio Ghibli aufnehmen und sein Design ist an normalen Sterblichen orientiert. Dieses Spiel sehnt sich regelrecht danach, gespielt zu werden.
Ja, das ist eine implizite Anklage gegen all die Metroidvanias, die ihren dürftigen Inhalt mit einem extremen Schwierigkeitsgrad überspielen wollen (gut, jetzt nicht mehr implizit). Islets ist wirklich kein einfaches Spiel, aber es ist sehr zugänglich. Es möchte euch nicht frühzeitig mit unüberwindlichen Hürden in die Schranken weisen. Seine Bosskämpfe sind keine Belastungsproben für hartgesottene Hardcore-Spieler, sondern eher ausführlichere Begegnungen mit etwas schwierigeren Gegnern. Und ihr braucht zwar Upgrades, um einen Großteil der Spielwelt zu erkunden, aber ihr findet sie überall und reichlich.
Seine prächtige Grafik und das großzügige Design machen Islets sofort sympathisch. Es ist allerdings das geniale Inselkonzept, das euch wirklich in seinen Bann zieht. Zwischen den Teilen gibt es einen zentralen Knotenpunkt, an dem ihr mit euren Verbündeten interagieren könnt und der außerdem eigene Rätsel und sogar Bosskämpfe bietet. Hier könnt ihr auch Upgrades für euren Charakter und euer Schiff kaufen. Am wunderbarsten ist aber, dass es sich dabei um einen lebenden, sich ständig verändernden Raum handelt.
Eine weitere geniale Idee erwartet euch: Wenn ihr es schafft, zwei Teile der Insel zu vereinen, werden Pfade frei, die zuvor versperrt (oder zumindest sehr schwierig zu begehen) waren. Die Inselteile passen wie bei einem Puzzle zusammen und eröffnen euch neue Wege zu Kammern, die zuvor nicht zugänglich waren, oder sie enthüllen neue Abkürzungen und Geheimnisse – das riesige Gebiet wird also immer größer und faszinierender, je länger ihr spielt.
Islets erinnert uns andere in vieler Hinsicht an einen erfreulich fortschrittlichen Plattformer – ein deutlicher Gegensatz zu so vielen Spielen des Genres, die sich an ein sehr ausgesuchtes Publikum zu wenden scheinen. Es ist bezaubernd, einladend und ausgesprochen verständlich. Bisher fand das Spiel oft nicht die gebührende Aufmerksamkeit, hoffentlich gehört ihr zu denen, die es ins rechte Licht rücken. Dass dies das Werk einer einzigen Person ist, scheint fast unglaublich.