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Dead by Daylight würdigt seine japanische Community und die Horrortradition des Landes
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Alicia Haddick
Für alle, die mit diesem Spiel weniger vertraut sind: Der Charme von Dead by Daylight beruht auf dem asymmetrischen Horror-Mehrspieler-Gameplay, das Spieler selbst neun Jahre nach der ersten Veröffentlichung immer noch in seinen Bann zieht. Ein Spieler schlüpft in die Rolle eines Killers, der Jagd auf die vier Überlebenden macht. Diese müssen ihrerseits vermeiden, entdeckt zu werden, während sie über die Karte verteilte Generatoren reparieren, um die elektrisch betriebenen Ausgangstore zu öffnen. Sobald ein Killer einen Spieler erwischt hat, muss er ihn auf einen von mehreren Opferhaken des Levels spießen, denn sein Ziel ist es, zu verhindern, dass die Überlebenden entkommen.
Über die Jahre hat sich das Spiel umfassend weiterentwickelt: Seit der Erstveröffentlichung im Jahr 2016 kamen über 60 Killer und Überlebende hinzu, jeweils mit jeweils eigenen Fähigkeiten und Talenten, mit denen sie die Aussichten auf einen Sieg vergrößern bzw. erschweren. Außerdem erlebte das Spiel über die Jahre zahlreiche Story-Updates, neue Level und allgemeine Gameplay-Verbesserungen. Dieser regelmäßige Fluss von neuen Spielinhalten sorgt dafür, dass die Attraktivität des Spiels nicht nachlässt und förderte sogar eine kompetitive Turnierszene, in der die besten Spieler um den Ruhm kämpfen.

Tadaima Japan (wörtlich übersetzt „Ich bin zu Hause, Japan“), fand am 12. März in Tokio statt und war nach sechs Jahren das zweite offizielle japanische Fan-Event von Dead by Daylight. Aus gutem Grund, denn in einem Land, in dem internationale Titel oft Schwierigkeiten haben, sich zu behaupten, erfreut sich das Spiel weiterhin eines überragenden Erfolgs. Dieser wiederum ist kein Zufall. Das Spiel wurde zu einem viralen Hit, nachdem es die Aufmerksamkeit japanischer Live-Streamer und der großen Horrorfan-Community des Landes auf sich ziehen konnte. Umgekehrt hat das Spiel bekannte Vorbilder aufgegriffen, was sich in einer Fülle von originalen Charakteren und Story-Updates sowie der Zusammenarbeit mit populären Produkten wie Castlevania, The Ring, Attack on Titan, Werken des berühmten japanischen Künstlers Junji Ito und erst kürzlich Tokyo Ghoul zeigt.
Aktuell ist Japan die Region mit der größten Anzahl aktiver Dead by Daylight-Spieler weltweit, doch der Erfolg des Spiels lässt sich nicht allein mit einigen japanisch-inspirierten Charakteren und bekannten Marken erklären. Das Fan-Event ist nur ein Beispiel dafür, wie das Team das japanische Publikum umsorgt und das Erlebnis rund um diesen Titel an diese fruchtbare Region anpasst. Bei dem Event „Tadaima Japan“ hatten die japanischen Fans die seltene Gelegenheit, nicht nur ihr geliebtes Spiel zu feiern, sondern auch Mathieu Côté und Dave Richard von Behavior Interactive zu treffen, seltene Konzeptzeichnungen des Spiels zu sehen und an einer Podiumsdiskussion teilzunehmen, bei der die Fans den Entwicklern Fragen zum Spiel stellen konnten.
„Horror ist universell und in Japan ist die Horrorkultur besonders stark ausgeprägt. Die Begeisterung für Dead by Daylight war von Anfang an spürbar“, so Côté, Head of Partnerships bei Behavior Interactive. Bei der Veranstaltung selbst ergab sich ein einzigartiger Austausch mit Fans, die von dem Spiel beeindruckt sind.
„Es gab viele [unvergessliche Interaktionen beim Event], aber zwei sind mir besonders in Erinnerung geblieben“, erzählt Côté. „Wir hatten die Gelegenheit, uns erneut mit einem Creator zu treffen, der ein beliebtes Outfit des Spiels entworfen hat: ‚The Elephant Clown‘.
Er kam auf uns zu und erzählte uns, dass er nach dem Erfolg des Outfits in der Spielebranche Fuß gefasst hat und inzwischen schon für viele Spieleentwickler Konzepte entworfen hat. Er war uns sehr dankbar. Das war ein bewegender Moment, an den ich mich noch lange erinnern werde. Wir trafen auch ein paar liebgewordene ‚Fog Whisperers‘ persönlich wieder. Einer von ihnen, Velcra, unterstützt uns seit den ersten Anfängen, und er zeigte uns Fotos seiner Hochzeit im ‚Dead by Daylight‘-Stil Selbst seine Frau hatte im Spiel kennengelernt!“

Ein besonderer Grund für den Erfolg des Spiels in Japan ist, dass es darauf eingeht, wie das japanische Publikum seine Begeisterung für Medieninhalte auch abseits des Bildschirms zum Ausdruck bringt. Bei einem Spaziergang durch die belebtesten Straßen von Großstädten wie Tokio stößt man unentwegt auf eine Fülle von Fanartikeln und Produkten der wichtigsten aktuellen Animes und Medien. Dabei kann es sich um so einfache und naheliegende Produkte wie die physische Version eines Spiels oder Films handeln. Der digitale Vertrieb nimmt zwar auch in Japan zu, aber physische Medien erfreuen sich weiterhin einer weitaus größeren Beliebtheit als in anderen Ländern, weshalb Dead by Daylight im Laufe der Jahre in Japan zahlreiche physische Ausgaben erlebt hat.
Darüber hinaus erstreckt sich Japans Vorliebe für das Vergängliche auch auf Pop-up-Stores mit exklusiver Fanware und sogar auf zeitlich begrenzte Café-Menüs, die es Hardcore-Fans ermöglichen, die Welt einer geliebten Serie in den Alltag zu holen. Andere internationale Erfolge wie Apex Legends haben es geschafft, das anfängliche Interesse an ihrem Spiel in langfristige Beliebtheit zu verwandeln, indem sie sich diese besondere Eigenart der japanischen Fangemeinde zunutze machten. So lockt Nessie, ein kaum übersehbares Maskottchen des Spiels, die Fans auf die Straße, um bei jedem Pop-up-Event, das sie besuchen, Fotos zu machen, oft mit ihrem Lieblingsmonster im mitgebrachten Plexiglasrahmen.
Schlüsselanhänger an den Taschen der Fans verkünden ihre Gesinnung und geben ihrem Outfit eine persönliche Note. Dead by Daylight veranstaltet derzeit ein Café-Event mit dem treffenden Namen Entity Cafe und kann auf zahlreiche Pop-up-Stores zurückblicken, die in Japan erhältliche Fanartikel feilboten. Ein niedliches Kuscheltier oder Anime-artige Illustrationen von Überlebenden wirken wie ein Widerspruch zum düsteren Ton des Spiels. Aber in einem Land, in dem man praktisch nie jemanden ohne irgendein Plüschmaskottchen oder Schlüsselanhänger antrifft, ist das eine liebenswerte Art, seine Begeisterung für ein Spiel auch jenseits des Bildschirms zu demonstrieren.
Und sie sind wirklich niedlich.
„Ich schätze, der Unterschied liegt in Japans Fan-Kultur. In Japan benutzt man das Wort ‚Oshi‘, um einen eingefleischten Fan zu beschreiben“, merkt Côté an. „Ich bin absolut fasziniert von den vielen Möglichkeiten, die sich uns in Japan im Zusammenhang mit Gaming bieten. Unsere japanische Community, unser Verantwortlicher für das Merchandising und viele Leute in unserem Team sind daran beteiligt und helfen mit. Leider hatte ich keine Gelegenheit, selbst das Entity Cafe zu besuchen, aber unsere Mitarbeiter waren dort und es sieht fantastisch aus!“
Natürlich wäre das alles nicht von Bedeutung, wenn die Spieler die Lust am Spiel selbst verlieren würden oder wenn zukünftige Updates für die wachsende japanische Fangemeinde uninteressant wären. Auch hier hat das Team sorgsam darauf geachtet, bei der Entwicklung von neuen Inhalten die Erwartungen des japanischen Publikums zu berücksichtigen. Über die Jahre war das bei neuen Killern und Überlebenden deutlich zu sehen, von eigenen Updates, die von der japanischen Geschichte inspiriert waren, bis zur direkten Zusammenarbeit mit Klassikern des Horrorkinos. Ein Beispiel ist Sadako aus The Ring, die für die Welt von Dead by Daylight wie geschaffen ist, auch wenn ihre Anpassung für das Gameplay gewisse Schwierigkeiten mit sich brachte.

Zu den amerikanischen Filmen, die ihren Weg in den schwarzen Nebel des Spiels gefunden haben, zählen Nightmare on Elm Street und Alien, deren Monster und Bösewichte mehr auf direkte physische Gewalt als den psychologisch-melancholischen Terror von The Ring setzen. Im Film ist Sadako selbst erst in den letzten Szenen zu sehen. Ihre Kräfte und die tödliche Bedrohung, die sie darstellt, sind weitaus beängstigender als jeder direkte Auftritt.
Im Spiel wird dieses psychologische Grauen mit telepathischen Kräften umgesetzt, und sie verbreitet selbst als Geist und ohne direkten Kontakt mit den Spielern Angst und Schrecken. Für einen überzeugenden Killer braucht es natürlich mehr als nur eine gute Idee. Zuallererst war die Zusammenarbeit mit japanischen Lizenzgebern nötig, wobei Sprachbarrieren überwunden und eifersüchtige Inhaber von Urheberrechten überzeugt werden mussten.
„Es war mir eine Ehre und ein großes Vergnügen, mit so vielen Inhabern legendärer japanischer Horrorlizenzen zusammenzuarbeiten“, so Côté. Der Erfolg des Spiels führte dazu, dass japanische Lizenzinhaber bereitwilliger sind, dem Team dabei zu helfen, neue Charaktere ins Spiel zu bringen. Kaneki aus Tokyo Ghoul ist nur das jüngste Beispiel dafür.
„Warum nicht?“, ist Côtés Antwort, wenn er auf die Wahl von Kaneki für das Spiel angesprochen wird. „Tokyo Ghoul ist absolut cool! Es ist blutig, brutal und wir fanden, dass die düstere Thematik und Ästhetik sehr gut passen.
„Die Aufnahme [des Tokyo Ghoul-Updates] in Japan war unglaublich. Diesmal ist es uns wohl gelungen, die Spieler zu überraschen. Wir haben vielfach gehört, dass die Fans nicht mit Kaneki als Killer gerechnet hatten. Das ist natürlich ein befriedigendes Gefühl, zu wissen, dass man seine Fans nach neun Jahren immer noch auf Trab hält. Bei der Aufnahme von Kaneki in Dead by Daylight sollte er so getreu wie möglich seiner Manga- und Anime-Version entsprechen, und ich schätze, mit seinem Kagune haben wir ein paar interessante Gameplay-Mechaniken eingeführt. Kaneki zeichnet sich als Killer vor allem durch seine unvergleichliche Geschwindigkeit und Bewegung aus.“

Der weltweite Erfolg von Dead by Daylight kam für viele unerwartet und vor allem das Team selbst hatte nicht damit gerechnet. Die anhaltende Beliebtheit des Spiels überall auf der Welt beruht auf der Kombination eines effektiven Grundkonzepts und der Vielfalt, für die das Team sorgt, sei es durch die Einbeziehung der Community oder die Erschließung neuer Möglichkeiten, Horrorklassiker aus allen Bereichen in das Spiel einzuweben.
Doch der wichtigste Grund für seinen Erfolg ist die Begeisterung für Horror in all seinen Formen. Insbesondere von japanischem Horror hat sich das Team direkt für Story-Kapitel wie „Shattered Bloodline“ inspirieren lassen und als Reaktion der Fans entstand eine solide und engagierte Wettkampfszene und sie verhalfen dem Spiel sogar zu einem Platz unter den besten 100 Spielen aller Zeiten der Fan-Liste von Asahi TV ! Eigentlich sollte es nicht überraschen, dass sich ein Land mit einer Horrortradition, die mit volkstümlichen Erzählungen von Yokai bis in die Edo-Zeit und weiter zurückreicht, für den übernatürlichen Grusel und Schrecken von Dead by Daylight begeistert. Dass das Team mit seinem Spiel derart erfolgreich war, dass es nun nach all den Jahren zurückkehren und sich mit den japanischen Fans treffen kann, ist allerdings nicht dem Zufall zu verdanken.
Die anhaltende Begeisterung, die Dead by Daylight in Japan genießt, lässt sich nur durch eine echte Würdigung der Horrortradition erreichen, selbst wenn sie sich gelegentlich in einem leckeren Kuchen manifestiert, der eher blutig als essbar aussieht. Und wie Côté betont: „Wir haben noch sehr viele Überraschungen auf Lager!“
Dead by Daylight ist mit seinem neuesten Kapitel, Doomed Course im Epic Games Store verfügbar.