
Jurassic World Evolution 3 führt Dinosaurierbabys, Terraforming, Quads und vieles mehr ein

Jurassic World Evolution trägt in sich einen Widerspruch. Jurassic Park ist ja im Grunde genommen eine Reihe von Katastrophenfilmen. Steven Spielberg wusste, dass der Film nicht halb so aufregend wäre, würde alles in John Hammonds Dino-Disneyland wie geplant laufen. Und doch beschäftigt sich die Managementsimulationsreihe von Frontier Developments damit, was vor den Geschehnissen des Films passierte: der Erschaffung eines (hauptsächlich) intakten Dinosaurier-Vergnügungsparks.
Andy Fletcher, Game Director von Jurassic World Evolution 3, ist für das Design des gefährlichsten Tierschutzprogramms aller Zeiten verantwortlich. Niemand versteht so gut wie er, dass eine Managementsimulation von Jurassic Park Biss haben muss – eine Prise unvorhersehbarer Gefahr.
„Das ist kein bloßer Streichelzoo“, wie er uns erzählt. „Das ist das Alleinstellungsmerkmal eines Jurassic-Spiels – die Bereitschaft, das Chaos als Teil des Spielerlebnisses zu akzeptieren.“
Dinokrise
Streichelzoos wie diesen gibt es ganz bestimmt nicht. Jurassic World Evolution bildet die Ästhetik der Filme nach und beschränkt euch nicht auf die Vogelperspektive. Ihr könnt euch direkt in die Action stürzen: In den Vorgängern konnten Spieler in einem Hubschauber einen entflohenen T. rex verfolgen und ihm genug Betäubungspfeile für eine ganze Herde Elefanten in die Haut jagen. In Jurassic World Evolution 3 könnt ihr jetzt auf einem Quad durch den Park rasen und die Zäune hautnah reparieren – im Idealfall, bevor die Indoraptoren ausbrechen. Die verbesserte Fahrzeugsteuerung bietet ein noch wilderes und aufregenderes Erlebnis.
Für Fletcher sind die ungewöhnlich dynamischen Mechaniken aus Action-Spielen unverzichtbar, um das Feeling des Jurassic-Franchise einzufangen, das stets Spannung verspricht, egal ob Spielberg oder Gareth Edwards hinter der Kamera steht.
„Diese aufregende Grafik- und Gameplay-Vielfalt, die aus der Gefahr entsteht, wollten wir unbedingt erhalten“, sagt er. „Das gehört zum Franchise. Es ist Teil davon, was wir sind, und der Welt, die wir erbauen.“
Das ist ein starker Anreiz – einer, den Spieler von Tropico 6, Planet Coaster und ihren Geschwistern sofort erkennen. Wer von uns hat schließlich nicht in Die Sims die Leiter aus dem Pool entfernt, um zu sehen, was passiert? In Jurassic World Evolution 3 ist es die irre Freude, wenn jemand von einem 60 Tonnen schweren Brachiosaurus plattgemacht oder von einem hungrigen Giganotosaurus verschlungen wird. Manche Spieler von Jurassic World Evolution laden sogar selbstgemachte Katastrophenvideos auf YouTube hoch, in denen sie einen ganzen Park voller gefährlicher Dinos auf panische Gäste loslassen oder Gladiatorenkämpfe veranstalten, um das mächtigste Raubtier zu ermitteln.
Für andere Spieler besteht der Reiz des Genres aber darin, die perfekte Ordnung eines gut geölten Parks zu beobachten. So fesselnd das auch sein mag, die traditionellen Freuden des Genres werden oft dann unterbrochen, wenn ihr zwischen verschiedensten Dinokrisen Feuerwehr spielen müsst. Diese Balance zwischen filmreifem Safari-Nervenkitzel und den Ansprüchen des Managementsimulatonsgenres lässt sich nicht einfach finden.

In früheren Spielen konnten weniger katastrophenversessene Spieler im Sandbox-Modus von Jurassic World Evolution Gefahren für Besucher deaktivieren, wodurch entflohene Dinosaurier keine arglosen Gäste verschlangen. Für Jurassic World Evolution 3 hat sich Fletcher aber zusätzlich neue Lösungen einfallen lassen, mit denen Spieler ihre Parks absichern können.
„Im diesem dritten Spiel können Parkmanager, die besonders viel Kontrolle und hochrangige Verwaltung haben wollen, Systeme einrichten, mit denen sie das Chaos ein bisschen besser unter Kontrolle halten können“, erzählt er. Zu diesen Systemen zählen Wartungsposten, die sich um die Notfallhilfe in einem festgelegten Umkreis kümmern, und Sicherheitskameras, die Alarm schlagen und ein Verfolgerteam losschicken, wenn ein Gehege durchbrochen wird.
Natürlich gibt es immer die Option, gänzlich auf solche Schutzmaßnahmen zu verzichten. „Wenn der Spieler sich selbst überlassen ist, kann er entscheiden, was für eine Art Park und Erlebnis er haben will“, so Fletcher. „Gerade im Sandbox-Modus, wenn ihr die ganze Gefahr und alle Bedrohungen durch Dinosaurier haben wollt, dann schraubt diese Werte hoch und findet heraus, wie es euch ergeht. Oder ihr könnt sie senken und euch auf die kreative Seite des Spiels konzentrieren, die Gehege eurer Träume bauen, ohne zu viel Angst um sie haben zu müssen.“
Ein Paradies für Paläontologen
Dinodrama wäre ja nicht besonders dramatisch, wenn die schrecklichen Echsen nicht glaubwürdig wären. „Wir alle sind Dinosaurier-Nerds“, sagt Fletcher über sein Team.
Er ist stolz, mit Jurassic World Evolution 3 den Filmen zuvorzukommen und eine neue Entdeckung aus den Badlands von Montana ins Spiel zu bringen: den Lokiceratops, der erst letztes Jahr als neue Spezies anerkannt wurde. Jurassic World Evolution 3 nimmt eine Vorreiterrolle ein und führt Spieler als ersten Aufenthalt auf ihrer Weltreise zur Ausgrabungsstätte Judith River Formation (wo er entdeckt wurde).

„Das ist ein wunderschöner, großer Ceratopside mit einem prächtigen, riesigen Kamm und asymmetrischen Hörnern“, so Fletcher. „Immer, wenn eine neue Dinosaurierspezies entdeckt wird und wir die ersten wissenschaftlichen Zeichnungen bekommen, kriegen wir große Augen und wollen sie unbedingt ins Spiel bringen. Wir wollen ein Gleichgewicht zwischen dem Vertrauten, das die Vielfalt der Dinos ins Spiel bringt, und den neuen und aufregenden Entdeckungen in der Welt der Paläontologie schaffen.“
Das Team von Jurassic World Evolution 3 ist stolz darauf, dass seine liebevoll nachgebildeten Dinosaurier sowohl äußerlich als auch in ihren Bewegungen den Vorbildern entsprechen. Die Dinos und ihre Lebensräume haben nie besser ausgesehen. Das liegt an unzähligen grafischen Fortschritten, die die Parks fast schon fotorealistisch anmuten lassen.
„Wir verwenden auf der Haut der Dinosaurier sogenanntes Subsurface Scattering, damit sie schuppig, fleischig und so realistisch wie möglich aussehen“, so Fletcher. „Fast, als könnte man die Hand ausstrecken und sie berühren.“
Trotz der umfangreichen Forschung und der Unterstützung von Steve Brusatte, dem Hauspaläontologen von Universal Studios, bleibt das Verhalten von Dinosauriern weitestgehend unbekannt. Gelegenheit, sie direkt zu beobachten, gibt es seit 66 Millionen Jahren nicht mehr. Das Team von Jurassic World Evolution 3 konnte sich nur auf Fossilien verlassen und ließ sich von der Natur für die Verhaltensmuster und Interaktionen der Dinosaurier im Spiel inspirieren.
„Bei kleineren Ceratopsiden sehen wir uns junge Nashörner und ihr Verhalten in der Nähe ihrer Eltern an“, erklärt Fletcher. „Andere Dinosaurier (wie der neue Zweibeiner Ornithomimus) sind näher mit Straußen und Emus verwandt, also sehen wir uns ihren Gang und ihre Bewegungen an. Wir erschaffen keine Monster – das waren echte Tiere, echte Lebewesen.“

Ein Jurassic Park-Film bringt in seiner Laufzeit nur eine begrenzte Menge Dinosaurier unter. Frontier muss sich nicht mit solchen Einschränkungen befassen, und deshalb findet ihr in Jurassic World Evolution 3 mehr als 80 verschiedene Spezies. In frühere Spiele haben sie Popkulturlieblinge wie Triceratops und Velociraptor sowie einige etwas unbekanntere Wesen (wie den beeindruckenden Quetzalcoatlus) oder Neuschöpfungen wie den berüchtigten Hybriden Indominus Rex aus Jurassic World eingebaut.
Natürliche Auslese
Ihr könnt euch Jurassic World Evolution 3 als das Äquivalent von Pokémon Gold und Silber der Reihe vorstellen. Nein, ihr werdet eure Paläontologen nicht in die Johto-Region entsenden, aber ihr werdet ähnliche Neuerungen finden, die Fans schon seit Jahren fordern: Babydinosaurier, Geschlechtsdimorphismus und natürliche Fortpflanzung.
„Jetzt geht es nicht mehr nur um individuelle Spezies. Es geht darum, wie die ganze Familie – Weibchen, Männchen und Jungtiere – miteinander interagieren, sie alle zu versorgen und sie mit anderen Spezies zusammenleben zu lassen“, so Fletcher.
Für das Jurassic-Franchise im Allgemeinen ist das ein großes Ding. Im ersten Jurassic Park gab es ausschließlich weibliche Dinosaurier, damit diese sich im (unvermeidlichen) Szenario der Flucht von Dinosauriern in die Wildnis nicht vermehren können – doch nach den Ereignissen von Jurassic World: Dominion aus dem Jahr 2022, als Dinosaurier beider Geschlechter auf die ganze Welt losgelassen wurden, änderte sich alles.

Deshalb können Spieler in Jurassic World Evolution 3 neben der traditionellen genetischen Herstellung auf neue Weise mehr Dinosauriern das Leben schenken. Platziert einen angemessenen Nistplatz, bringt zwei Dinosaurier unterschiedlichen Geschlechts in der fruchtbaren Phase ihres Lebenszyklus zusammen, und was passiert? Fletcher überspringt die Rede von den Bienen und Blumen und verwendet lieber Dr. Ian Malcolms berühmten Spruch: „Das Leben findet einen Weg.“
Für Jungdinosaurier waren in Jurassic World Evolution 3 umfassende Designänderungen nötig. Sie verhalten sich anders als ältere Tiere, jagen einander oft hinterher oder gehen aus Neugierde auf andere Spezies zu. Jede neue Generation stellt eure Gehege vor weitere Anforderungen, damit sie ein geeigneter Lebensraum bleiben. Sie haben Umgebungs- und Sozialbedürfnisse, die erfüllt werden müssen, ob nun Nahrungsquellen für Jungsauropoden, deren Hälse noch nicht ganz die Baumkronen erreichen, oder die Gesellschaft anderer Jungtiere, um sich zu sozialisieren. Wenn ihr das richtig macht, entstehen ausgeglichene Dinosaurier, die für Parkbesucher höchst ansprechend sind.
Vor Familienzwist ist aber keine Spezies gefeit. Einen T.rex vom Ei zum Erwachsenen großzuziehen, verschafft euch eine Attraktion, die garantiert ganze Mengen in euren Park lockt. Allerdings ist das wegen ihres Territorialverhaltens auch mit ganz bestimmten Herausforderungen verbunden. Wenn ein junger T.rex das Erwachsenenalter erreicht, steht ihr vor einem Problem. Das einzelgängerische Raubtier will keine Konkurrenz. Sein Unbehagen steigt, ebenso seine Aggressivität, und ihr müsst den Bestand verwalten, damit es nicht in Blut endet.
Zum Glück stehen euch für den Bau eines Parks, der sowohl für Dinosaurier als auch für Menschen gut ist, viele Hilfsmittel zur Verfügung. In Jurassic World Evolution 3 können Spieler dank der neuen Terraforming-Werkzeuge spektakulärere Parks bauen. Auf euren Befehl entstehen aus einer Ebene Plateaus, und tiefe Gewässer und atemberaubende Kulissen wie Wasserfälle schaffen herrliche Umgebungen für eure Megalodons und Plesiosaurier.

Diese verbesserten Werkzeuge ermöglichen naturalistische Safariparks, in denen Dinosaurier von natürlichen Felswänden und nicht von Metallzäunen umgeben sind. Das umgeformte Terrain wird auch dynamisch mit Texturen versehen, sodass Felsen und Flora natürlich angeordnet werden – es sei denn, ihr wollt lieber jeden einzelnen Stein selbst anpassen und an seinen perfekten Platz legen.
Und Frontier hat es Spielern einfacher denn je gemacht, ihre Schöpfungen zu teilen. Mit dem neuen Frontier Workshop können Spieler auf allen Plattformen selbstgebaute Parks, Gehege und Umgebungen teilen, sodass jeder sie verwenden kann.
Das Reich der Reptilien
Für jene, die sich ein etwas strukturierteres Spielerlebnis wünschen, gibt es auch eine Kampagne. Die Kampagne von Jurassic World Evolution 3 spielt nach der wohl umfassendsten Veränderung in der Geschichte von Jurassic Park. Wie erwähnt, sind in Jurassic World Dominion Dinosaurier in die Wildnis entkommen und haben die natürliche Ordnung auf den Kopf gestellt.
„An diesem Punkt in der Handlung von Jurassic gab es auf der ganzen Welt Dinosaurier. Es geht darum, wie wir mit ihnen zusammenleben, sie in unsere moderne Welt integrieren können“, erzählt Fletcher, der die neu eröffneten Möglichkeiten für die Reihe Jurassic World Evolution sofort erkannte. „Als allererstes fiel uns ein: Wir können die ganze Welt bereisen, wir können überall hin.“
Die Kampagne von Jurassic World Evolution 3 führt zahlreiche Schauplätze in der Umgebung von berühmten Grabungsstätten ein, die im Jurassic-Franchise noch nie zu sehen waren. Ihr könnt euch auf eine riesige Vielfalt an Biomen und Architekturstilen freuen, wenn ihr lange ersehnte Orte wie China und Japan bereist. Ein Level entstand sogar aus einer beiläufigen Bemerkung im ursprünglichen Roman vom Michael Crichton. Mehr als 30 Jahre später sehen wir endlich Jurassic Park Europa und seine Geografie: Eine Vulkaninsel vor der Küste von Portugal stellt euch beim Entwerfen eures Parks vor eine ganz besondere Herausforderung. Die meisten Schauplätze sind mit einzigartigen Herausforderungen verbunden, ob nun Saboteure oder frei wandernde Dinosaurier.
Und was wäre ein Jurassic Park ohne Jeff Goldblum? Zum Glück könnt ihr auf die Rückkehr von Dr. Malcolm zählen, denn Goldblum schlüpft wieder in die Rolle, die er von Anfang an gespielt hat. Natürlich ist Fletcher ein Fan von ihm. Manchmal ist es ein Fehler, die eigenen Helden kennenzulernen, aber keine Angst, dieser Hollywood-Superstar ist einer der wenigen Jurassic Park-Charaktere, die nicht beißen.
„Als wir in LA ein paar Promos für das erste Spiel gemacht haben, war ich hin und weg. Er hat sogar für uns gesungen, als wir Bilder mit ihm geschossen haben!“, schwärmt Fletcher, der weiß, dass er sich auf Goldblum als Synchronsprecher verlassen kann.
„Er kriegt es einfach jedes Mal perfekt hin. Er braucht keine Anweisungen von mir, um Dr. Ian Malcolm zu sein! Er kennt diesen Charakter in- und auswendig.“
Jurassic World Evolution 3 erstürmt am 21. Oktober den Epic Games Store.