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Legend of Grimrock bringt die vergrabenen Schätze des Dungeon-Genres ans Licht

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Jeremy Peel
8. Aug. 2023

Wir haben gute Neuigkeiten für euch! Eure fürchterlichen Verbrechen gegen die Krone wurden euch vergeben, die Ketten wurden euch abgenommen und ihr dürft den Kerker verlassen. Die weniger guten Neuigkeiten: Man hat euch auf dem Gipfel des Mount Grimrock ausgesetzt und ihr habt keine andere Wahl, als euch durch Dungeons voller Skelettkrieger, Fallgruben und grausamen Rätseln zu kämpfen – bisher hat das noch kein begnadigter Gefangener überlebt. Eure Freiheit existiert also nur auf dem Papier – dafür, dass sie Wirklichkeit wird, müsst ihr selbst sorgen.

„Ihr“ seid dabei genauer gesagt eine Gruppe von vier Gefangenen, nicht nur einer. Legend of Grimrock wurde im Stil von Dungeon Master und Eye of the Beholder geschaffen – Jahrzehnte alte RPGs mit einem charakteristischen Format. Ihr erlebt eure Erkundung zwar in der Ego-Perspektive, seid aber eigentlich eine Formation von vier Abenteurern. Außerdem könnt ihr euch nicht frei bewegen, sondern schreitet nur Feld für Feld voran und könnt euch nur um jeweils 90 Grad drehen. Trefft ihr dann auf einen Gegner – beispielsweise eine mordlustige Riesenschnecke –, beginnt ihr einen seltsamen Tanz: Ihr weicht ihr aus, versucht sie von der Seite anzugreifen und klickt die ganze Zeit hektisch auf die Waffensymbole, um Zauber zu wirken, Dolche zu werfen und Keulen zu schwingen.

Ein kurioses – sogar lachhaftes – Set von selbst auferlegten Einschränkungen. Aber dieser absichtliche Rückschritt verleiht Legend of Grimrock sein einzigartiges Flair. Dass ihr euch in den engen Dungeons nur um 90 Grad drehen könnt, bedeutet, dass ihr viel Zeit damit verbringt, die Wände zu inspizieren und nach verdächtigen Rissen oder Schaltern zu suchen, die vielleicht ein Tor öffnen oder einen versteckten Raum freigeben. 

Tatsächlich ist dies ein wunderbar fühlbares Spiel. Eine Druckplatte, die ihr aktiviert, indem ihr euch daraufstellt, funktioniert auch mit einem Gegenstand aus eurem Inventar. Ein einfacher Stein wird so zu einem mächtigen Werkzeug. Ihr könnt ihn werfen, um eine Platte auf der anderen Seite eines Fallgitters auszulösen oder einen entfernten Schalter zu bedienen. Bei einem der ersten Rätsel im Spiel müsst ihr einen funkelnden Edelstein in die Augenhöhle eines Grimassen schneidenden Gargoyles stecken. Der Moment, wenn ihr den Stein von Hand über den Bildschirm zieht, hat etwas an sich, dass euch das tief in die abstrakte und gleichzeitig stimmungsvolle Welt von Grimrock zieht.

Die Rätsel sind weitaus besser, als man das in Anbetracht des Genres von Grimrock erwarten würde. Es sind Bewegungsrätsel, die großzügig Gebrauch von Teleportern machen und damit eher mit Portal vergleichbar sind als mit allem, was man in den RPGs der 2010er Jahre finden könnte. Außerdem vermittelt Grimrock ein Raumgefühl, das dem Dungeon den Anschein eines wirklichen, zusammenhängenden Gebildes verschafft. Sogar der Sturz in eine Fallgrube kann ein Erfolgserlebnis sein, wenn ihr nach der Landung entdeckt, dass ihr dort unten zufällig einen Geheimgang gefunden habt. Dieses Gefühl, dass alles miteinander verbunden ist, teilt Grimrock mit dem in diesem Jahr veröffentlichten Remake von System Shock – was andererseits keine große Überraschung ist, wenn man bedenkt, dass beide Spiele ihre Wurzeln in der gleichen goldenen Ära der Dungeon-Spiele haben.

Das Spiel enthält viele Elemente von Hardcore-RPGs: Ihr müsst Rezepte für Zauber und Tränke durch Experimentieren herausfinden und auch die richtigen Nahrungsmittel auftreiben, damit eure Gruppe nicht verhungert. Ihr könnt sogar die Autokarte ausschalten, wenn ihr eure Dungeon-Karten lieber selbst mit einem Stift auf Millimeterpapier zeichnen wollt. Grimrock ist aber weit mehr als nur Nostalgietrip – es ist eine moderne Entdeckungsreise auf einer verschlungenen, längst vergessenen Straße, bei der ihr unterwegs auf Hilfe zählen könnt.