
LEGO Voyagers ist ein physikbasiertes Koop-Rätselspiel, das an World of Goo und Katamari Damacy erinnert

„Wie fühlt es sich an, ein 1x1-Stein zu sein?“ Manche behaupteten, dass Videospiele diese existenzielle Frage nicht beantworten könnten. Doch das hielt das Team hinter LEGO Voyagers nicht auf, es trotzdem zu versuchen.
Vor vier Jahren veröffentlichte das dänische Indie-Studio Light Brick das Spiel LEGO Builder's Journey, ein Diorama-Rätselspiel mit glänzenden Kritiken, das LEGO in seiner einfachsten und spielerischsten Form einfangen sollte. „Die Hauptmechanik des Spiels war das Bauen mit LEGO-Steinen“, sagt Karsten Lund, Creative Director. „Dieses Mal geht es darum, wie es sich anfühlt, ein LEGO-Stein zu sein. Wie findet man sich in der Welt zurecht? Was kann ein LEGO-Stein eigentlich? Das war unser erster Prototyp.“
Wie sich herausstellt, fühlt es sich als kleinste Einheit von LEGO-Steinen ein bisschen so an, als wär man ein Schneeball, der einen pulvrigen Hügel hinunterrollt. Während man durch alle Level rollt und hüpft, bleiben andere LEGO-Steine an einem stecken, die in der Umgebung verstreut sind, wodurch man sich in größere und potenziell nützlichere Figuren verwandelt. Man könnte zum Beispiel zu einem langen Stock werden und so kleine Abgründe überwinden und Klippen erklimmen. Mit der Hilfe eines Scharniers könnte man auch zum Gewicht am Ende eines Pendels werden und so genug Schwung aufbauen, um einen Freund über eine kaputte Brücke zu schleudern.
Ach ja, LEGO Voyagers steht nicht ohne Grund im Plural. „Wir haben beobachtet, dass viele Spieler LEGO Builder's Journey zusammen gespielt haben, obwohl es eigentlich ein Einzelspieler-Spiel war“, berichtet Lund. „Deshalb entschieden wir uns, LEGO Voyagers auf zwei Spieler auszurichten, weil das viel mehr Spaß macht. Dann können sich die Spieler auch miteinander verbinden, zu einer langen Struktur aus LEGO-Steinen werden und so durch die Gegend purzeln.“
Die Steine der Spieler haben alle eine eigene Persönlichkeit, die durch einen einzigen Stein auf die Welt blickt. „Das Auge haben wir hinzugefügt, um ihnen etwas Charakter zu verleihen“, sagt Lund. „Wir wussten bereits, dass es einen LEGO-Stein mit einem Auge im Sortiment gibt, der für Kreaturen und so verwendet wird.“

In LEGO Builder's Journey ging es um die Beziehung zwischen Eltern und Kind und darum, ob sie genug Zeit damit verbringen, miteinander zu spielen. Als LEGO Voyagers zu einem Koop-Spiel wurde, lag es auf der Hand, dass es in der Story um Freundschaft gehen musste.
„Wir haben die Idee eingebaut, dass die LEGO-Steine davon träumen, Astronaut zu werden, was unserer Meinung nach ein ziemlich weit verbreiteter Wunsch ist“, erklärt Lund. „Viele LEGO-Steine wollen Astronauten werden, da bin ich mir sicher.“
Eine Reise zur Rettung eines verlassenen Raumschiffs klingt vielleicht wie eine kindliche Fantasie, aber als Lund die Themen von LEGO Voyagers beschreibt, wird deutlich, dass auch Erwachsene hier ihre Vorstellungen einbringen können. „Wir stellen offene Fragen, wie wir es schon in LEGO Builder's Journey getan haben“, erläutert er. „Wie bleibt man verbunden? Wie teilt man einen Traum, wenn man sich vielleicht etwas auseinanderlebt? Ich hoffe, dass sich viele Menschen in den Ideen wiederfinden, die in unserem Spiel vorkommen, und vielleicht danach ein Gespräch über diese Themen führen werden.“
Light Brick erzählt seine Geschichten nicht mit Worten, sondern durch Musik, die Umgebung und Gameplay-Szenarien, die bestimmte Emotionen in den Spielern hervorrufen. „Es muss viel getestet werden“, sagt Lund. „Und man muss herausfinden, was die Zielgruppe tatsächlich aus dem mitnimmt, was sie erlebt.“ Das Studio glaubt jedoch, schließlich eine Geschichte geschaffen zu haben, die zwar Fragen aufwirft, den Spielern aber nicht vorschreibt, wie sie sich fühlen sollen.

Wie man die Rätsel in LEGO Voyagers löst, wird den Spielern ebenfalls nicht vorgeschrieben. Die Physik ist der Freund der Spieler und lässt sich genau so spielerisch manipulieren wie die LEGO-Steine, die in der Gegend herumliegen. „Im Trailer kommt eine Szene vor, in der ein Spieler sein eigenes Katapult baut“, erklärt Lund. „Man kann es zunächst einmal ausprobieren. Sobald man aber merkt, dass man damit nicht weit kommt, muss man herausfinden, wie man größere Distanzen überwinden kann. Man kann jedoch auch mit anderen Methoden auf die andere Seite gelangen. Und wir würden gerne so viele verschiedene Lösungen wie möglich sehen.“
Lund hofft, dass sie damit die reale Erfahrung des Spielens mit LEGO-Steinen einfangen, und zwar auf eine dynamischere Weise, als es LEGO Builder's Journey getan hat. „Das Spiel beinhaltet immer noch Rätsel, weil wir immer noch der Meinung sind, dass Rätsel Teil der LEGO-Idee sind“, sagt er. „Zu versuchen, selbst Lösungen zu finden und Dinge auf seine eigene Art und Weise zu gestalten. Das ist ein großer Teil dessen, was LEGO so unterhaltsam macht.“
Es gibt eine etablierte Vorstellung davon, was ein LEGO-Spiel ist, basierend auf dem Erfolg der lizenzierten Filmparodien, welche von Traveller's Tales entwickelt wurden. „Es gibt viele tolle LEGO-Spiele, und ich denke, sie repräsentieren viele verschiedene Arten des Spielens“, sagt Lund. „Man kann zum Beispiel in die Rolle seines Lieblingscharakters schlüpfen, und das ist auch eine sehr wichtige Art des Spielens.“

Aber Light Brick möchte hiermit etwas anderes erreichen. „Wir versuchen, unsere ganz eigene Geschichte zu erzählen. Denn wir möchten, dass die Spieler komplett offen für die Interpretation dieses Universums sind. Es soll eine neue Geschichte sein. Eine Geschichte, die noch nie zuvor erzählt wurde.“
LEGO Voyagers ist jetzt im Epic Games Store verfügbar.