
Madden NFL 26 macht die Football-Simulation mit realen Daten noch authentischer

Neben dem Tod und Steuern gibt es wohl noch eine dritte Gewissheit im Leben: Jedes Jahr erscheint ein neuer Teil von Madden NFL, der langlebigen Football-Sim-Reihe von EA. Es ist ein fein abgestimmter, jährlicher Tanz – mit neuen Features, optimierten Systemen und einer festen Frist, wann die nächste Ausgabe auf dem Feld stehen muss. Und jedes Jahr ist die Frage: Wie viel kann man schaffen und trotzdem rechtzeitig zum Kickoff fertigwerden?
Wir sind zu EA nach Orlando geflogen, um genau das herauszufinden. Nach einem intensiven Tag voller Entwicklergespräche und Anspiel-Sessions steht die Antwort für dieses Jahr fest: eine ganze Menge. Mit einer massiven Erweiterung des Playbooks, KI-gesteuerten Spielern und Trainern, die realistischer denn je wirken, sowie dem größten Franchise-Modus-Update seit über zehn Jahren geht EA Sports Madden NFL 26 in die Vollen. Und dabei scheint jeder Deep Shot ins Ziel zu treffen.
Man spielt, um zu gewinnen
Clint Oldenburg, Produktionsleiter für American Football bei EA Orlando und selbst ehemaliger NFL-Profi, hat seine Finger überall bei Madden im Spiel. Besonders aber widmet er sich der möglichst authentischen Darstellung der Action auf dem Spielfeld. Während unserer Anspiel-Session nahm er sich die Zeit, unsere Fragen zu beantworten und uns die vielen Neuerungen näherzubringen.
Madden NFL 26 adressiert gezielt die größten Kritikpunkte der Community. Ganz oben auf der Liste: das Pass-Coverage-System. Das Team von EA arbeitet an einem feinen Gleichgewicht. Die Defense muss intelligent genug sein, um der Offense die Stirn zu bieten, aber auch nicht so sehr, dass sie wie hellsichtig unmögliche Plays spielt.
Dieses Jahr hält sich die Defense an das Prinzip „Ball sehen, Ball spielen“ – will heißen, dass ein Spieler den Ball nur dann abfangen kann, wenn er ihn wie im echten Football auch sieht. Natürlich können Verteidiger weiterhin versuchen, einen Pass mit ausgestreckten Armen zu verhindern, doch Top-Spieler wie Sauce Gardner werden jetzt auch situativ den Kopf drehen, wenn es darauf ankommt.
Neu an Bord: die sogenannten Custom Zones. Sie sind das Defensiv-Gegenstück zu den Custom Route Stems, die Wide Receiver seit letztem Jahr laufen können. „Damit erhält man an der Line of Scrimmage mehr Kontrolle und kann seine Zonen je nach Bedarf in die eine oder andere Richtung verschieben“, erklärt Oldenburg. „Das ist ein direkter Konter gegen Custom Route Stems.“
Die Custom Zones folgen demselben Prinzip wie ihr Offense-Gegenstück: Man wählt einen Verteidiger aus und legt vor dem Snap fest, wie tief dessen Zone sein soll – idealerweise genau auf Höhe einer erwarteten Route. In Kombination mit der neuen Funktion, Verteidiger gezielt auf In- oder Out-Breaking Routes anzusetzen, ergeben sich auf dem taktischen Schachbrett des Spiels viele neue, ebenso subtile wie wirksame Plays.
Beim Football entscheiden die Offensive Line und die Defensive Line darüber, wer gewinnt oder verliert. Deshalb hat EA gerade hier noch einmal nachjustiert und dem Blocking der Offensive Line eine Generalüberholung verpasst. Eine neue Ziellogik beim Pass Blocking sorgt dafür, dass Linemen die richtigen Gegenspieler blocken, wobei es natürlich immer noch einen Unterschied macht, ob euer Rookie-Tackler erkennt, dass er Myles Garrett blocken muss, und ob er es dann tatsächlich schafft. Immerhin könnt ihr ihm jetzt unter die Arme greifen, indem ihr den Schutz mit einem Antippen des rechten Sticks nach links oder rechts verschiebt. Darüber hinaus ist es jetzt möglich, einen Verteidiger freizusetzen, falls euch der Sinn nach Risiko steht, und Run Blocker können nun auch spontan ihr Ziel wechseln, was besonders laufstarken Offensiven zugutekommt.
Auch die Defense Linemen und Linebackers wurden verbessert. Sie verhalten sich beim Run Fitting deutlich intelligenter und können Blocker nun gezielt lenken – das eröffnet viele Möglichkeiten: „Die erste Möglichkeit wäre, dass man jetzt einen Spieler ins Backfield schieben und so das Play stören kann“, erklärt Oldenburg. „Oder nehmen wir an, man stürmt als Linebacker los, um einen Outside Toss zu erwischen, und der Guard stellt sich in den Weg – man behält seinen Schwung bei und kann sich immer noch in Richtung Ballträger bewegen, während man blockiert wird.“

Daneben gibt es auf dem Spielfeld viele weitere kleine, aber wichtige Verbesserungen: Die Spielgeschwindigkeit wurde insgesamt neu justiert, sodass die Action jetzt deutlich schneller und flüssiger ist. Außerdem könnt ihr jetzt an der Line of Scrimmage Spieler auswechseln, was besonders hilfreich ist, da das Wear-and-Tear-System der College Football-Reihe von EA nun auch in Madden Einzug hält. Auch das Positionssystem wurde modernisiert – mit klar definierten Rollen wie Mike/Sam/Will Linebackern, einem dedizierten 3-Technique und sogar einer eigenen Long-Snapper-Position.
Authentizität als Markenzeichen
Madden NFL hatte stets den Anspruch, das realistischste 11-gegen-11-Football-Erlebnis zu bieten. Genau dieser Weg wird mit dem neuesten Titel konsequent weiterverfolgt, das beginnt schon bei den Trainern. EA hat dafür auf die Daten von Analysepartnern wie PFF und Next Gen Stat aus Jahrzehnten zurückgegriffen, um Begegnungen mit Größen wie Andy Reid so authentisch wie möglich zu gestalten.
„Wir nutzen die Play-Tendenzen jedes einzelnen Trainers“, erzählt Oldenburg. „Wenn Andy Reid in den letzten vier Jahren in Kansas City zwischen 6–10 Punkten lag, im 3rd Down und 4 Yards, und in der gegnerischen Hälfte, dann wissen wir, was er typischerweise macht. Und das gilt für alle 32 Teams.“
Wer die Trainer realistisch abbilden will, muss auch ihre Playbooks entsprechend anpassen. In Madden NFL 26 wurden über 1.000 neue Plays integriert – laut Oldenburg ein direktes Resultat des aktuellen Booms von Shifts und Motion. Und es geht nicht nur um das Passspiel: „In einer Liga, in der zuletzt 80–90 % der Plays aus Pass Plays bestand, erlebt das Laufspiel ein echtes Revival und man trifft auf Konzepte wie Bash, Counter Read, Power Read und so weiter.“

Eine der überraschendsten Neuerungen: Coach Speak ersetzt das altbekannte Ask Madden als Tool zur Play-Empfehlung. Dabei handelt es sich um ein System, das auf realen Play-Daten basiert und euch nicht nur sagt, was ein Coach in dieser Situation wahrscheinlich tun würde, sondern auch, warum er das Play wählt – alles mit generiertem Text im Stil des jeweiligen Trainers. Wer als die Lions spielt, darf sich auf aggressive 4th Down Plays freuen, und Steelers-Fans bekommen ihre Vorschläge à la Mike Tomlin serviert.
Für echte Authentizität braucht es allerdings nicht nur Trainer, sondern auch die Spieler selbst. Das Verhalten der Spieler wurde umfassend angepasst, um ihnen mehr Ähnlichkeit mit den realen Spielern zu verleihen, auf denen sie beruhen. Der Fokus liegt hier besonders auf den Quarterbacks. Neue Animationen, Wurfstile und typische Eigenarten – etwa Kyler Murrays tiefgeführte Scrambles – bringen mehr Persönlichkeit aufs Feld. Auch das Pocket Movement wurde überarbeitet: Quarterbacks können nun blitzschnell mit einem Antippen des rechten Sticks Jukes und andere Ausweichmanöver ausführen.
Abgerundet wird das Ganze durch ein grundlegend überarbeitetes Traits-System. Ganze 50 neue Traits bestimmen, wie Spieler sich auf dem Feld verhalten – wann beispielsweise ein Quarterback dem Pocket entkommt, wie risikobereit er bei Tight-Window-Würfen ist oder ob er sich entschließt zu scramblen. Wer als Josh Allen spielt, kann erwarten, dass er (ganz wie im echten Leben) mit gesenkter Schulter durch den Defensive Back durchgeht, wenn es um ein First Down geht.
Franchise im Fokus
Laut EA bringt Madden NFL 26 das größte Update für den Franchise-Modus seit einem Jahrzehnt. Das Ziel ist einfach: Jede Woche und jedes Spiel sollen sich einzigartig anfühlen. Am deutlichsten ist das bei der wöchentlichen Spielplanung erkennbar. Ab sofort habt ihr die Möglichkeit, eure Strategie gezielt an den nächsten Gegner anzupassen.
Dafür gibt es jetzt die Playsheets, eine brandneue Ergänzung zum Playbook, die zusätzliche Plays für Defensive und Offensive bieten. Ihr wollt eine schwache Secondary angehen? Dann bringt ein Playbook mit tiefen Pässen oder ein Playsheet mit Blitzangriffen mit, um eine anfällige O-Linie auszunutzen. Die KI-gesteuerten Trainer tun übrigens dasselbe: Sie analysieren euer Spielverhalten und richten ihre Gameplans darauf aus, eure Stärken zu entschärfen. So entsteht das für die NFL charakteristische strategische Katz-und-Maus-Spiel.
Wie viele Optionen euch zur Verfügung stehen, hängt davon ab, wie viele Trainertalente ihr bereits freigeschaltet habt. Ein erfahrener Trainer wie Kyle Shanahan wird deutlich mehr Asse im Ärmel haben als ein frisch erstellter Rookie-Trainer. Wer die Möglichkeiten clever nutzt, hat hier ein mächtiges Werkzeug zur Hand.

Das gesamte Spielerlebnis gestaltet sich darüber hinaus authentischer. Ihr habt die Möglichkeit, eure Spielstrategie mehr so zu planen wie das Team, für das Oldenburg früher spielte. „Wenn man in der NFL im Trainingscamp beginnt, hat man ein riesiges Playbook, aber niemand kommt auf die Idee, all diese Plays in einem einzelnen Spiel anzubringen“, erzählt er. „Man passt es jede Woche entsprechend den eigenen Stärken und den Schwächen des Gegners an. Genau das versuchen wir nachzubilden.“
Der verzweigte Verbesserungsbaum für Trainer ist Schnee von gestern. Er wurde durch ein brandneues System von freischaltbaren Trainerfähigkeiten ersetzt. Diese können mit Attributsboni die Leistung eurer Spieler verbessern, zusätzliche XP-Boni für bestimmte Positionsgruppen gewähren und vieles mehr. Diese Fähigkeiten lassen sich durch Upgrades weiter verbessern, entscheidend ist aber, dass man nicht alle gleichzeitig benutzen kann. Als Teil eurer allwöchentlichen Vorbereitung wählt ihr aus, welche Fähigkeiten ihr jeweils aktiviert.
Im Laufe der Saison sammeln eure Spieler „Wear and Tear“ an, was so viel wie Ermüdung oder Verschleiß bedeutet. Wie viel sie ausruhen, beeinflusst direkt hartnäckige Verletzungen durch Überbelastung, die die Spielerleistung beeinträchtigen oder sogar zu schlimmeren Verletzungen führen können, die den Einsatz der Spieler ganz unmöglich machen. Die Wahl des richtigen Trainerteams ist entscheidend, da diese beeinflussen, wie weit sich Spieler von Woche zu Woche erholen. Wie in der echten NFL zeigt jeder Matchup-Bildschirm nun Verletzungen an – so wisst ihr (und euer Gegner) schon vor dem Kickoff, wer am Sonntag möglicherweise nicht auf dem Spielfeld erscheint.
Countdown zum Kickoff
Im Gespräch mit dem Team von EA Orlando fiel nicht nur die Fülle an neuen Features und Gameplay-Verbesserungen in Madden NFL 26 auf, sondern auch die Haltung der Entwickler selbst. Da war Selbstvertrauen, ja fast schon Prahlerei zu spüren. Diese Leute sind überzeugt, dass sie an etwas Großem arbeiten, und nach dem, was wir von Madden NFL 26 selbst gesehen und gespielt haben, könnten sie damit Recht behalten.
Ihr könnt Madden NFL 26 oder die Madden NFL 26 Deluxe Edition schon vor der Veröffentlichung am 14. August im Epic Games Store vorab kaufen.