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Mail Time ist ein Cottagecore-Traum
S
Sarah Thwaites
Eure Aufgabe in Mail Time ist einfach: Überbringt einen Brief an eine geheimnisvolle Person, die irgendwo inmitten wuchernden Grüns verborgen lebt. Welchen Weg ihr nehmt, bleibt euch überlassen und ihr werdet dazu ermuntert, durch die sanften Hügel und Täler von Grumblewood Grove zu hüpfen.
Anfangs versuchte ich mich an Mail Time wie an einer anderen Indie-Perle, A Short Hike, und setzte ehrgeizig und kämpferisch alles daran, die wichtigsten Aussichtspunkte zu erreichen, um mir selbst zu beweisen, dass ich es schaffte. Leider verpasste ich dabei die Teekannenhäuser im Tal, die süßen Knopfrad-Fahrräder und die sammelbaren Flaschendeckel, die den niedlichen, organischen Stil von Mail Time ausmachen, der nichts mit langweiligen ästhetischen Klischees zu tun hat.

Wenn ihr Mail Time ausgiebig erkundet, werdet ihr viel mehr als eine Reihe von Missionen entdecken, auf denen ihr hin- und hereilt. Ich lief im Wald durch ein verschlungenes Labyrinth aus pastellfarbenen Blumen und setzte mich schließlich, um eine wohlverdiente Pause zu machen und mich über die kleine Rolle zu freuen, die meine sommersprossige Spielfigur in dieser wilden Welt spielte. In einem anderen Moment machte ich Screenshots von reizenden Häusern mit Wimpeln, die zwischen Geräten aufgespannt waren, und sammelte Eindrücke wie Seiten eines verlorenen Märchenbuchs. Die Ziele zu ignorieren und nur der Nase nach zu gehen, machte viel mehr Spaß.
Man findet sowieso alles, egal ob man danach sucht oder nicht, es gibt also wirklich keinen Grund zur Eile. Selbst wenn die Bewohner ausdrücklich betonen, wie dringend ihr Anliegen ist, verliert ihr nichts, wenn ihr euch dabei Zeit lasst – macht also ruhig einen Umweg.
Ich kann mir gut vorstellen, was die gutmütige Postmeisterin der Einführung des Spiels sagen würde, wenn sie mich am Flussufer sähe, wie ich den Vögeln zuhöre und völlig ungeniert meine Pflichten vernachlässige. Die einzige Ablenkung während meiner Meditation war der lautstarke akustische Hinweis eines Erfolgs, der mich dafür „belohnte“, dass ich so lange für diese schicksalhafte Zustellung brauchte.
Das Wäldchen wirkt zwar auf den ersten Blick dreidimensional, besteht aber tatsächlich aus 2D-Ebenen mit papierartigen Texturen für Pflanzen, Charaktere und Gegenstände. Die kleinen Stühle und winzigen Tische sehen nicht nur aus wie handgemacht, sie sind es tatsächlich und zwar von Indie-Entwicklerin und Creator Kela van der Deijl, deren feine Pinselstriche euren Horizont definieren.
Bei Cottagecore geht es darum, zum Greifbaren zurückzukehren und das Landleben zu genießen, aber die Ästhetik hat ihre Grenzen. Ein Bild von einem Appetithappen aus Sauerteig ist nichts im Vergleich zum Geruch von frisch gebackenem Brot. Mail Time ist eindeutig Cottagecore, aber es geht darüber hinaus, denn dank seiner handwerklichen Ursprünge schafft es etwas Strukturelles und Greifbares, in das die Spieler versinken können, um schöne Momente zu verbringen.
Mail Time ist im Epic Games Store verfügbar.