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Neil Jones spricht über seine „afro-mittelalterliche“ Fortsetzung „Aerial_Knight's We Never Yield“

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Ade Adeniji
7. Aug. 2024
Aerial_Knight's We Never Yield ist der Nachfolger des Debüt-Spiels Aerial_Knight's Never Yield des Entwicklers aus Detroit, das im Jahr 2021 erschienen ist. Aerial_Knight heißt mit bürgerlichem Namen Neil Jones und hat bereits Berufserfahrung im Einzelhandel und als Lehrbeauftragter, seine Lieblingsbeschäftigung ist aber, die Gaming-Welt um diverse Erzählungen zu bereichern.

Als er damit auf keine offenen Türen stieß, nahm er die Sache selbst in die Hand und gründete sein eigenes Indie-Gaming-Unternehmen, um die Geschichten zu erzählen, die ihm am Herzen liegen. Im Mittelpunkt von We Never Yield steht die Geschichte von zwei Brüdern, Wally (aus dem ersten Spiel) und seinem Zwillingsbruder Lone, die sich durch eine fantastische Version von Detroit kämpfen, um ihr Königreich zurückzuerobern. Im standardmäßigen Einzelspielermodus des Spiels müsst ihr das Kunststück vollbringen, Wally und Lone gleichzeitig zu steuern. Auf dem PC bedeutet das, dass ihr mit jeder Hand einen der beiden steuert.

Wir haben uns kürzlich mit Jones über Zoom unterhalten, um mehr über We Never Yield zu erfahren. Wir sprachen darüber, was ihn dazu inspiriert hat, seine einzigartige Runner-Parkour-Welt weiter auszubauen, über den fantastischen Soundtrack des Spiels, die Diversität allgemein in aktuellen Spielen und seine Hoffnungen für die Zukunft.

Die ursprüngliche Geschichte

Nach verschiedenen Ausflügen nach Los Angeles, San Francisco und Texas kehrte Jones schließlich in seine Heimatstadt Detroit zurück, schaffte es aber nicht, in der Spielebranche Fuß zu fassen. „Ich habe Bewerbungen an die gesamte Spielebranche geschickt, aber niemand war an mir interessiert, egal was ich vorzeigte … was ich jetzt kann, konnte ich auch damals schon“, sagt Jones. Um sich über Wasser zu halten, jobbte er im Einzelhandel, kam um 11 Uhr abends nach Hause und arbeitete jede Nacht mehrere Stunden lang an Never Yield.
Neil Jones spricht über seine afro-mittelalterliche Fortsetzung „Aerial_Knight's We Never Yield
Das erste Spiel entstand aus Liebe und Leidenschaft. Bei We Never Yield geht es laut Jones darum, diese Geschichte „zu Ende zu bringen“. Während das erste Spiel im Afro-Futurismus verwurzelt war und in einem Detroit spielte, das vielleicht 10 bis 15 Jahre in der Zukunft liegt, ist sein neues Spiel eher „afro-mittelalterlich“ und die schwarzen Protagonisten treten in einer stärker historischen Umgebung auf. Dabei nimmt er auch Bezug auf den Film Ritter Jamal - Eine schwarze Komödie aus dem Jahr 2001, in dem sich Martin Lawrence im England des 14. Jahrhunderts in einen ungewöhnlichen Helden verwandelt.

Die vollvertonten Stimmen der Protagonisten Wally (mit seiner Beinprothese) und Lone (mit seinen beiden Schwertern) und des Bösewichts Karmic verleihen der Welt zusätzlich Intensität. Jones füllt das Spiel mit Zugbrücken und Burgen aus dem Mittelalter und vermittelt trotzdem den Eindruck, dass man genauso gut irgendwo in einer Gasse in Detroit sein könnte. Die Liebe zur „Motor City“ ist auch hier wieder unübersehbar.

Allein gegen Chill

We Never Yield hat definitiv eine Lernkurve, und ihr solltet auf jeden Fall erstmal den Tutorial-Modus spielen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie ihr Wally und Lone mit beiden Händen auf der Tastatur steuert. „Beim ersten Mal spielt man sofort ziemlich schlecht“, sagt Jones und grinst. „Und dann denkt man: ‚Ah, ok, ich hab's verstanden. Ich muss bloß mein Gehirn so umprogrammieren, dass die eine Hand dieser Charakter ist und die andere der andere. Dann versuch ich mal, mich so zu bewegen.‘“ Ähnlich wie im ersten Spiel ist euer Charakter immer in Bewegung, er rennt weg und rennt immer weiter. Manchmal befindet sich die Kamera hinter euch, manchmal vor euch. Wally und Lone laufen nicht nur, sondern sind manchmal auch zu Pferd oder auf Motorrädern unterwegs.

Wie Jones erzählt, war es recht kompliziert, die Steuerung dafür zu entwerfen – erst recht bei neuen Plattformen wie der PS5 –, andererseits gibt es nach seinen Worten auch nicht viele andere Spiele, die es in diesem Umfang versucht haben. Besonders stolz ist Jones darauf, dass die vier Hauptcharaktere des Spiels sämtlich von Schwarzen geschrieben und vertont wurden. „Ich habe bis jetzt von keinem anderen Spiel gehört, dass das von sich behaupten kann.“

Selbst nach dem Erfolg von Never Yield musste Jones sich mit einem begrenzten Budget begnügen. In einer idealen Welt, so Jones, hätte er gerne noch ein Jahr länger daran gearbeitet, um es „100 % perfekt“ zu machen, aber das ist derzeit noch nicht möglich. Er ist froh, dass er diesmal zumindest genug Mittel hatte, um BetaJester Ltd in Großbritannien mit der Arbeit an den Funktionalitäten zu beauftragen, während er sich selbst ganz den künstlerischen Entscheidungen widmen konnte. Früher hatte er oft das Gefühl, auf einer einsamen Insel zu arbeiten.

Auch diesmal verlässt sich Jones wieder auf den Komponisten Daniel Wilkins, den er schon aus Schulzeiten kennt. Beide Schöpfer kennen die Realität, sich ihren Lebensunterhalt mit anderen Jobs verdienen zu müssen und nur nebenher Zeit für ihre Leidenschaft zu haben. Das erste Spiel hatte einen dynamischen Soundtrack auf Bandcamp und We Never Yield setzt diese Tradition fort.

Während Never Yield Jazz und Hip-Hop kombinierte, lebt das neue Spiel in seinen fantastischen Phasen von orchestralen Hip-Hop-Klängen und eher jazzigem Hip-Hop in den Detroit-Szenen. „Dan macht das einfach genial … Und wir arbeiten total gut zusammen. Wir sind ja praktisch in derselben Welt großgeworden, also Musik, Zeichentrickfilme, die Umgebung und so weiter“, so Jones.
Neil Jones spricht über seine afro-mittelalterliche Fortsetzung „Aerial_Knight's We Never Yield
Der Soundtrack von We Never Yield ist laut Jones bereits auf Bandcamp und sie planen, ihn eventuell sogar in Vinyl zu pressen. Das führt dazu, sagt er, dass manche Spieler erst über die Musik auf das Spiel stoßen.

Ein Blick in die Zukunft

Jones nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er über Diversität in heutigen Spielen spricht: „Die Spielebranche funktioniert so, wie sie eben funktioniert. Was zählt, ist das Geld“, sagt er. Aus diesem Grund fordert er auch die Spieler und Fans auf, mit ihrem Geldbeutel abzustimmen. „Wer diese Art von Spielen mag, sollte dazu stehen und sie unterstützen. Nur wenn sie gekauft werden, werden Publisher und große Plattformen darauf aufmerksam.“

Jones gründete Aerial_Knight, um genau diesen unterversorgten Markt anzusprechen, und glaubt, dass sein erstes Spiel viele richtige Töne getroffen hat, weil es sich völlig ungeniert auf dieses Thema gestürzt hat. Von We Never Yield erhofft er sich ähnliche Resultate. „Ich möchte niemanden ausschließen, aber gleichzeitig mache ich etwas sehr Spezifisches. Und ich schätze, das ist der Grund, warum es funktioniert“, sagt Jones.

Derzeit steckt Jones mitten in der Werbung für das Spiel, was ohne ein riesiges Team bedeutet, dass er alle Hände voll zu tun hat. Bei der Veröffentlichung des Spiels folgt er wieder dem gleichen Schema: Er bewirbt es, kümmert sich um Patches und steckt den Gewinn in sein nächstes Projekt. Er betont, dass sein nächstes Spiel über die Welt von Never Yield und We Never Yield hinausgehen wird.

Am Ende unseres Gesprächs erwähnt er, dass sein Name einer der wenigen ist, die erscheinen, wenn man „schwarzer Spieleentwickler“ googelt. Aber er weiß, dass es noch andere wie ihn gibt und nicht alle die Anerkennung und Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen. „Wer mehr Spiele mit ungewöhnlichen Charakteren will, und mit Charakteren, die aussehen wie man selbst, der sollte sie unterstützen“, betont er.

Aerial_Knight's We Never Yield ist im Epic Games Store verfügbar.