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Pomp, Pracht und Prügel: Die Evo 2024 ist eine Feier der Kampfspiele
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Jason Fanelli
Die Evolution Championship Series – oder kurz „Evo“ – ist ein jährliches Gaming-Event, das sich ausschließlich auf Kampfspiele konzentriert. Street Fighter, Mortal Kombat, Guilty Gear, Tekken und viele weitere Titel stehen im Mittelpunkt des Geschehens, und Spieler aus der ganzen Welt strömen nach Las Vegas, weil sie ein Stück Kampfspiel-Ruhm mit nach Hause nehmen wollen.
Die Evo 2024 stellte nicht nur einen eigenen Besucherrekord auf, sie war mit über 10.000 Einzelregistrierungen auch die bislang größte Einzelveranstaltung für kompetitive Spiele. Dabei steht nur die Hälfte des Las Vegas Convention Centers für den reinen Wettkampf zur Verfügung. In der anderen Hälfte wird in einer Messehalle, die der einstigen E3 das Wasser reichen kann, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Kampfspielen gefeiert.
Wir waren an einem heißen Juli-Wochenende in Las Vegas auf der Evo 2024, haben bei Matches zugesehen, uns mit dem Team unterhalten und Fatal Fury: City Of The Wolves angespielt. Mit Relikten der Vergangenheit, aktueller Action und Versprechen für die Zukunft ist die Evo ein Erlebnis, das jeden Kampfspielfan etwas benommen machen kann.
Die Evolution der Evolution
Nach Jahren im Mandalay Bay Convention Center und der Arena zog die Evo in diesem Jahr in die West Hall des Las Vegas Convention Centers um – den größten Veranstaltungsort, den dieses Event je gesehen hat. Mark „MarkMan“ Julio, der für die Geschäftsentwicklung der Evo zuständig ist, führt diesen Schritt nicht nur auf die Wettkämpfer, sondern auch auf die Fans zurück.

„Unsere Ticketverkäufe zeigen, dass mehr Besucher hierherkommen als Wettkämpfer, und das war bisher noch nie der Fall“, so Julio. „Ganze Familien kommen hierher. Die Leute reisen zusammen mit ihren Freunden an, und ich habe mit vielen gesprochen, die zum ersten Mal hier sind. Insgesamt war es ein großartiges Erlebnis.“
Es gibt nicht viele Communitys im Gaming-Bereich, die ihr Lieblingsgenre auf diese Weise feiern können. Tatsächlich glaubt Rick „TheHadou“ Thiher, der Geschäftsführer der Evo, dass das Wort Community nicht mehr ausreicht, um zu beschreiben, wie stark die Kampfspiele in den letzten Jahren gewachsen sind.
„Wenn man das Ganze global betrachtet, ist das Wort ‚Community‘ zu klein. Die Evo hat sich zu einem Zentrum einer eigenen Kultur entwickelt“, so Thiher. „Wir sind ein Sammelpunkt für ein Phänomen, das mittlerweile Jahrzehnte alt ist.“
Nach Thihers Ansicht ist die Evo zu einem solchen Treffpunkt geworden, weil sie es schafft, ein Gleichgewicht zwischen dem Wettkampf und der Feier von allem rund um Kampfspiele herzustellen.
„Ich glaube, es ist wichtig, an die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Kampfspiele zu erinnern, und die Resonanz, die wir dafür erhalten, ist eine Bestätigung“, erklärt er. „Ich kenne niemanden, der Bestätigung und Aufmerksamkeit nicht mag, und in Kombination mit einem Wettkampf schaffen wir ein Erlebnis, dessen einzelne Bestandteile zwar nicht einmalig sind, das in seiner Gesamtheit aber tatsächlich einzigartig ist.“
Halb Wettkampf, halb Messe
Der Aufbau des Las Vegas Convention Centers für die Evo 2024 verdeutlicht die oben erwähnte Balance zwischen Wettkampf und festlicher Veranstaltung: Die Fläche ist im Wesentlichen zweigeteilt. In der einen Hälfte befindet sich die Arena, ein Zuschauerraum mit 9.000 Plätzen für die Finalspiele jedes der acht Turniere des Events. Eine Kombination aus Sitzplätzen auf dem Boden und Sitzplätzen wie in einem Stadion – tatsächlich eine Anlehnung an den F1 Grand Prix von Las Vegas – schafft eine Wettkampfkulisse, die in Evo-Blau erstrahlt und den hier stattfindenden Meisterschaftsmomenten mehr als gerecht wird.
Direkt außerhalb der Arena befinden sich die Haupt-Wettkampfbereiche, die aus Reihen von Tischen bestehen, jeder mit Monitoren und einer PlayStation 5 ausgestattet. Hier werden aus den über 5.000 Teilnehmern des Street Fighter 6-Turniers die sechs Besten ermittelt, deretwegen die Fans am Sonntag in die Arena strömen. Nach dem Abschluss der Turniere werden daraus offene Spielbereiche, in denen sich die Fans in Ruhe austoben können.
Die andere Hälfte der Evo sieht dagegen aus wie jede andere Videospielmesse. Reihenweise verkaufen Händler und Künstler ihre Waren. Gewaltige Messestände zu aktuellen und kommenden Kampfspielen laden Besucher dazu ein, sich einen der Controller zu schnappen. PlayStation – seit März 2021 Besitzer der Evo – hat einen Astro Bot-Stand aufgebaut, und zeigt das Spiel allen, die es ausprobieren wollen. Doch bis auf ein paar Ausnahmen konzentriert sich jeder Stand, jeder Verkaufstisch und jeder Künstler in diesem Kongresszentrum auf Kampfspiele.

Der vielleicht eindrucksvollste Bereich der Ausstellungsfläche ist das Museum, ein Stand, der die Geschichte des Genres mit Kunstwerken und Fight-Stick-Controllern aus mehreren Jahrzehnten feiert. Zu den Exponaten zählen das Original-Cover für die Super Nintendo-Version von Street Fighter 2, ein seltenes holografisches Poster von Marvel Vs. Capcom 2 aus japanischen Spielhallen von 1999 und selten gesehene Stücke aus Tekken 7 mit einem traditionellen japanischen Flair. Jesse „J-Ryu“ Yu, Künstler und Kurator des Evo-Museums, beschreibt die Emotionen, die diese Kunstwerke bei denjenigen auslösen, die mit ihnen aufgewachsen sind, mit einer cleveren Analogie: Rockmusik.
„Wer Rockmusik hört, denkt bei der Erwähnung eines bestimmten Albumcovers sofort an Led Zeppelin und den brennenden Zeppelin oder an die Beatles auf dem Zebrastreifen der Abbey Road“, so Yu. „Bei der Kunst von Kampfspielen ist es dasselbe: Der Gedanke daran ruft einen bestimmten Moment des eigenen Lebens in Erinnerung, er schafft einen Bezugspunkt und verkörpert die Verbundenheit mit diesen Spielen.“
Fatal Fury gibt Vollgas
Wenn der Wettkampf die Gegenwart repräsentiert und das Museum die Vergangenheit symbolisiert, dann trägt der Stand von SNK das Banner für die Zukunft der Kampfspiele. Hier hatten wir die Gelegenheit, FATAL FURY: City of the Wolves probezuspielen, die erste Fortsetzung der Kampfsportserie von SNK seit dem 1999 erschienenen Garou: Mark Of The Wolves.
In dieser Demo stehen fünf der acht bisher enthüllten Spielcharaktere zur Verfügung:
- Terry Bogard, der langjährige Protagonist der Serie
- Rock Howard, Terrys Adoptivsohn und der biologische Sohn des Schurken Geese Howard
- Preecha, eine Muay-Thai-Expertin und Schülerin eines anderen Helden der Serie, Joe Higashi
- Marco Rodrigues, ein brasilianischer Kampfkunstmeister
- Vox Reaper, ein Straßenkiller und der einzige neue Charakter in der Demo
Im Kampf erinnert die grundlegende Mechanik an die eines normalen 2D-Kampfspiels: Jede Taste ermöglicht eine andere Angriffsstärke, das Steuerkreuz dient mit bestimmten Bewegungskombinationen für Spezialmanöver und mit der Zeit füllt sich eine Superanzeige, mit der man noch stärkere Angriffe ausführen kann. Fatal Fury: City of the Wolves verfügt jedoch über zwei Schlüsselelemente, die es besonders machen: das REV-System und S.P.G.

Das REV-System besteht aus verbesserten Moves, speziellen Kontern und vielem mehr, und das alles wird durch die bogenförmige REV-Anzeige repräsentiert. Wenn man diese Bewegungen ausführt, füllt sich die REV-Anzeige. Allerdings sollte man – anders als bei typischen Anzeigen in Kampfspielen – verhindern, dass sich die REV-Anzeige zu sehr füllt. In diesem Fall erreicht man nämlich einen Zustand der Überhitzung, der den Einsatz der speziellen Mechaniken unmöglich macht, und muss warten, bis sich die Anzeige wieder leert, ehe man erneut darauf zugreifen kann. Das ist ein geschickte Methode, den Spielern mehr Möglichkeiten zu bieten und gleichzeitig zu verhindern, dass diese dazu missbraucht werden, aus jedem Spiel ein REV-Fest zu machen.
S.P.G. (Selective Potential Gear) ist eine eher strategische Mechanik. Vor dem Match kann man ein Drittel seines Lebensbalkens für den S.P.G.-Bereich reservieren. Wenn sich die eigene Gesundheit während des Kampfes innerhalb dieses Bereichs bewegt, wird sie langsam regeneriert, die REV-Anzeige lädt sich langsamer auf und man kann unter anderem auf den stärksten Angriff des Charakters zugreifen.

Die Wahl des S.P.G.-Bereichs ist gleichzeitig eine spielbestimmende Entscheidung, noch bevor man überhaupt den ersten Hieb austeilt. Soll man lieber das volle Ende der Anzeige wählen, um den Gegner möglichst schnell zu überwältigen, oder vielleicht doch lieber das untere Ende, um sich eine Comeback-Möglichkeit zu sichern? Darüber wird der persönliche Spielstil entscheiden, und es sorgt in jedem Fatal Fury-Match für Spannung von Anfang an.
Der Kampf um die Zukunft
Die erste Evolution Championship Series wurde im Jahr 2002 an der UCLA in Südkalifornien veranstaltet und es standen nur drei Spiele zur Auswahl. Inzwischen hat sich die Evo zu einem Kronjuwel für Kampfspielfans gemausert, einer Oase mitten in der Wüste voller Kämpfe und Spielspaß quer durch eine Vielzahl von Franchises, die sich als zeitlos erwiesen haben. Angekündigte Spiele und mehr kommende Inhalten für bereits erschienene Erfolgshits versprechen eine strahlende Zukunft für das Kampfgenre.
Die Zukunft der Evo präsentiert sich ebenso leuchtend, denn sie hat sich als „Treffpunkt“ für Kampfspiele im Allgemeinen etabliert – und als Beispiel dafür, wie eine Videospiel-Messe in dieser Zeit nach der Pandemie aussehen kann. Die Organisation hat bereits neue Events in Los Angeles, Tokio und Frankreich angekündigt, und dazu den ersten Ausflug der Veranstaltung nach Singapur im Jahr 2026.
Die NFL hat den Super Bowl. Der Fußball hat seine WM. Kampfspiele haben die Evolution Championship Series. Wenn zukünftige Events so erfolgreich wie die Evo 2024 sind, wird dieses Kampfspiel-Festival Las Vegas noch viele Jahre lang beglücken.