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Poosh XL beweist, dass auch ein Eine-Taste-Spiel komplex sein kann

J
John Walker
3. Jan. 2024

Roguelites sind derzeit groß in Mode, dennoch glaube ich, dass wir – die Gaming-Generation – die Brutalität der Arcade-Spiele vergessen haben. Diese riesigen Automaten erweckten den Eindruck, dass sie uns durch ihre entspiegelten Bildschirme beobachteten und zusahen, wie wir Leben um Leben verloren. Und natürlich haben wir jedes Mal brav eine weitere Münze gezückt.

Poosh XL ist ein Trip in diese Vergangenheit. In diesem Spiel erwartet euch gnadenloses plötzliches Scheitern und gleichzeitig der unwiderstehliche Drang, es gleich noch einmal zu versuchen. Das Konzept ist schnell erklärt: Über eurem kleinen Neon-Raumschiff schwingt ein langer Pfeil, wie ein auf dem Kopf stehendes Pendel hin und her, und wenn ihr klickt (bzw. die A-Taste drückt), fliegt das Raumschiff in die Pfeilrichtung. Sobald ihr gegen etwas stoßt – Wände, unbewegliche Objekte oder bewegliche Gegner –, habt ihr verloren. Und das war's. Ja, ihr steuert das Spiel tatsächlich mit einer einzigen Taste.

Das ist alles, was ihr braucht. Euer Pendelpfeil (Pendeil? Pfendel?) lädt sich zwischen den Sprüngen auf. Je länger ihr wartet, desto weiter ist euer nächster Sprung. Hektik ist also nicht notwendig. Klar ist es verlockend, so schnell wie möglich voranzukommen und weiterzuspringen, noch bevor eure letzte Bewegung zum Stillstand kommt. Damit stürzt ihr euch aber schnell in die Katastrophe, besonnenes und methodisches Vorgehen bringt euch weiter. Abgesehen von befristeten Bonusfertigkeiten, die ihr erhaltet, wenn ihr durch schwebende Gegenstände fliegt, gibt es keine zeitlichen Begrenzungen. Wenn ihr nicht gerade eine kurze Unverwundbarkeit oder zusätzliche Sprungdistanz ausnutzen wollt, solltet ihr euch also Zeit lassen.
01 Poosh
Jeder gescheiterte Versuch wird auf der Strecke mit einer Linie markiert, die euch ein Erfolgserlebnis verschafft, wenn ihr sie später überquert, und andererseits auch eure bisherige Bestleistung anzeigt. Das ist sehr motivierend, denn ein peinlich frühes Scheitern wird zu einer schnellen Aufmunterung, wenn ihr euch selbst übertrefft.

Die Ästhetik des Spiels im Stil von Geometry Wars ist kein Zufall. Es übernimmt verschiedene Ideen, z. B. Objekte mit Schwerkraftfeldern, und die grafische Darstellung ist knapp und klar. 

Neben dem Survival-Modus bietet das Spiel eine Reihe Herausforderungen, bei denen auf kürzeren Strecken gestoppt wird, wie lange ihr braucht, um das Ziel zu erreichen, beziehungsweise, falls es euch wie mir geht, wie lange ihr durchhaltet, bevor ihr aufgrund eurer angeborenen Ungeschicklichkeit scheitert. Manchmal habe ich den Eindruck, dass mein Unterbewusstsein absichtlich direkt auf das nächste Hindernis zusteuert.

Wenn ihr euch immer wieder erfolglos an einem Level versucht, versprechen diese Herausforderungen euch die aufmunternde Abwechslung, zwischendurch in einem anderen Level zu scheitern.

Das Wichtigste an Poosh ist, dass es auf jeden Fall eine Menge Spaß macht. Vielleicht klingt es zu vereinfacht, aber die Essenz von Arcade-Spielen ist: Macht es Spaß, mal eben eine Runde zu spielen? Und würden wir sofort die nächste Münze einwerfen? Poosh beantwortet beide Fragen mit einem großen JA! Ehrlich gesagt ist es schade, dass es weit und breit auf keinem Spielautomaten zu finden ist. Kann sich bitte jemand darum kümmern?