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Redfall ausprobiert: Grillen und Pfählen in Massachusetts

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Brian Crecente
22. März 2023

Wie schon bei früheren Spielen von Arkane Studios gehört in Redfall zum kreativen Gebrauch von Spielmechaniken, der umgebungsbestimmte Erzählung und der stilisierten Grafik auch eine spannende Geschichte, die eine nähere Untersuchung wert ist. 

In Dishonored geht es um die Klasseneinteilung der Gesellschaft, Deathloop handelt vom Wesen der Zeit und in Prey sind Entscheidungsfindung und Bewusstsein zentrale Themen. Redfall ist ein Horrorspiel, hinter dem sich eine sehr aktuelle Metapher verbirgt.

Als wir kürzlich die Gelegenheit erhielten, den kommenden Open-World-Egoshooter und Vampirjäger-Titel Redfall auszuprobieren, bemerkte Harvey Smith, der Creative Director von Redfall, dass beängstigende gesellschaftliche Veränderungen einer Zeit sich auch im Horror wiederspiegeln.

„Wir erleben gerade eine Zeit, in der ein winziger Prozentsatz von Menschen historisch einmalige Rekordprofite einstreicht, während Flüsse austrocknen, Kalifornien von großflächigen Bränden und Überschwemmungen heimgesucht wird und es in den USA ländliche Gegenden gibt, in denen man das Wasser nicht mehr trinken kann“, sagt er. „Und man fragt sich: ‚Wann wird dieser winzige Prozentsatz von Menschen, die Privatflugzeuge und eigene Inseln besitzen, endlich damit aufhören?‘ Im Prinzip trinken sie das Lebensblut von vielen Menschen.“

Redfall enthält Smiths Antwort auf seine Frage: Sie werden nicht aufhören.

In Smiths Worten bedeutet dies, dass sie „als Aristokraten alt werden und sterben, ohne sich darum zu kümmern, was der nächsten Generation bevorsteht“. Doch in Redfall wird dieser Gedanke noch einen Schritt weiter geführt: Aevum, ein wohlhabendes Biotech-Startup-Unternehmen findet eine Möglichkeit, seine Kunden in Vampire zu verwandeln, um ihnen ein längeres Leben zu ermöglichen.

„Aevum ist ein wohlhabendes Startup-Unternehmen, das sich in einer Gemeinde niederlässt. Es ist auf Langlebigkeit und Gesundheit für seine reichen Kunden spezialisiert, und nutzt dafür das Blut anderer Menschen“, so Smith. „Viele Menschen möchten ebenfalls davon profitieren und werden zu einer Art Sekte des Unternehmens: ‚Bitte, verwandelt mich auch.‘“

Damit weist Smith auf einen erschreckenden Punkt der Fiktion von Redfall hin, nämlich dass Vampirismus eine bewusste Wahl, eine medizinische Behandlung ist, und die Menschen darum betteln.

„Die Leute müssen von sich aus kommen und sagen: ‚Bitte, mach mich zum Vampir.‘ Und dann wird ihnen erwidert: ‚Bring mir deine Nachbarn und deine Kinder.‘ Und wenn sie das tun, werden sie als Kandidaten in Betracht gezogen. 

Wir wollen damit ausdrücken, dass die Vampire in unserem Spiel eigentlich schon vorher Vampire waren. Die unterschwellige Botschaft ist, dass eine Elite von Menschen auf Kosten von allen anderen lebt. Technologie generiert unglaubliche Geldsummen und zieht sie aus anderen Bereichen ab. Diejenigen, denen die Infrastruktur des Internets und die Streaming-Dienste gehören, machen riesige Profite. Während die Musiker es schwer haben, werden die Betreiber der Infrastruktur, also der Apps und dergleichen, sehr reich.“

Wie bei allen Spielen von Arkane Studios ist die Botschaft nur für diejenigen, die daran interessiert sind, sie genauer in Augenschein zu nehmen. Im Vordergrund stehen spannende Action, präzise Steuerung und eine fesselnde, mitreißende Welt.

„Unsere Spiele sind immer mehrschichtig“, sagt er. „In Dishonored und Deus Ex sind politische Botschaften eingewoben. Aber man kann sie auch einfach als spannende Actionspiele betrachten. Die meisten Spieler reizt vor allem das Schleichen und Schlachten.“

Die Protagonisten

Unsere 90 Minuten in der fiktiven Inselstadt Redfall in Massachusetts waren nicht genug, um tiefere Einblicke in die unterschwellige erzählerische Botschaft des Spiels zu erhalten, aber sie boten reichlich Zeit zum Schleichen und Schlachten.

Vor Spielbeginn konnten wir erstmals den offiziellen Story-Trailer sehen, der einige Dinge hervorhebt, die die Spiele von Arkane Studios so beliebt machen: Erzählerische Umgebungen, die zur Geschichte beitragen, und Spielmechaniken, die auf kreative Art und Weise kombiniert werden können – all das in einer lebendigen, authentischen Welt.

Die Demo begann mit der Charakterauswahl. Smith wies auf die jeweils unterschiedlichen Fähigkeiten der vier zur Auswahl stehenden Charaktere hin. 

Remi De La Rosa ist eine Kampfingenieurin, die von einem Roboter namens Bribón begleitet wird, der an ihrer Seite kämpft. Ihre Fähigkeiten umfassen unter anderem, die Angriffe der Feinde auf Bribón zu ziehen, C4 einzusetzen und einen Versammlungskreis zu erzeugen, der die Kampfmoral stärkt, die Leute wieder auf die Beine bringt und eine mäßige Heilwirkung hat. 

Jacob Boyer ist ein ehemaliger Soldat, der sich nun als Auftragsscharfschütze verdingt und über ein Vampirauge und einen Psi-Raben verfügt. Er kann den Raben zu Erkundungszwecken aussenden, sich vorübergehend unsichtbar machen und hat Zugriff auf ein Geister-Scharfschützengewehr, das massiven Schaden anrichtet.
Redfall ausprobiert: Grillen und Pfählen in Massachusetts – Pfählen

Layla Ellison hat Biomedizintechnik studiert. Seit einem Unfall bei einem wissenschaftlichen Experiment verfügt wie über telekinetische Kräfte. Sie kann einen Schild erzeugen oder Leute mit einem telekinetischen Lift drei oder vier Stockwerke in die Höhe befördern, und sie hat einen Vampir-Ex-Freund namens Jason, den sie beschwören kann, für sie zu kämpfen – ganz im Ernst.

Devinder Crousley ist Kryptidenjäger und angehender Erfinder, der mit einigen seiner eigenen Erfindungen ausgerüstet ist. Er verfügt über einen elektrischen Speer, den er auf Feinde werfen oder in den Boden rammen kann und der Stromstöße verschießt. Außerdem hat er einen Transpositionierer (Translocator), den er werfen und zu dem er sich teleportieren kann, sowie eine Schwarzlicht-Kraft, also ein UV-Licht, mit dem er eine ganze Gruppe von Gegnern gleichzeitig attackieren kann.

In Redfall funktioniert die Schadensmechanik so, dass Vampire nicht einfach getötet werden können. Zuerst muss ihre Gesundheit so weit fallen, dass es möglich wird, sie zu pfählen. Dies kann entweder durch traditionelle Angriffe oder mithilfe von Feuer, Strom oder UV-Licht geschehen. Einige der Angriffe können Vampire versteinern, woraufhin ihr sie zerschmettern könnt. In anderen Situationen müsst ihr den Gegner zu Boden werfen und dann buchstäblich einen Pflock durch sein Herz treiben.

Dies führte Smith uns vor, während er uns auf die Vorschau vorbereitete. Er wies auch darauf hin, dass der Einzelspielermodus, den wir ausprobiert haben, auf viele verschiedene Arten gespielt werden kann. Ihr könnt die Insel erkunden und euch verlaufen, Vampirnester ausfindig machen und zerstören, Unterschlüpfe sichern, um später schnell zwischen ihnen zu reisen, oder interessanten kleineren Handlungssträngen und Geschichten nachgehen.

Neben den Vampiren, den gefährlichsten Gegnern des Spiels, gibt es noch andere Gefahren. Zum Beispiel haben sich die meisten überlebenden Menschen einer Sekte angeschlossen, die die Vampire verehrt, oder wurden in verschiedene andere Bedrohungen verwandelt.
Redfall ausprobiert: Grillen und Pfählen in Massachusetts – Patrouille

Die Sektenmitglieder durchstreifen die Insel wie eine Miliz auf der Suche nach Feinden. Wir stießen auch auf Menschen, die in „Blutbeutel“ verwandelt worden waren, Objekte, die eine Wolke von rotem Nebel freisetzen, der euch bei Kontakt Schaden zufügt. Ihr könnt sie nur zerstören, indem ihr sie aus sicherer Distanz versteinert und dann pfählt. 

Es gibt auch Vampirgötter und andere sehr mächtige Vampire, gegen die ihr euch bei euren Streifzügen behaupten müsst. 

Und schließlich hat das Spiel auch noch ein faszinierendes System, das veranschaulicht, wie die Vampirgötter euch beobachten. Je mehr Aktionen ihr ausführt, die ihre Aufmerksamkeit erregen, zum Beispiel die Zerstörung eines Nestes, desto mehr füllt sich die Anzeige, bis sie irgendwann voll ist.

 „Dann beginnt eine Geschichte mit vielen roten Blitzen und ein besonderer Vampir namens „Der Turm“ (The Rook) beginnt, euch zu jagen“, so Smith. „Und wenn ihr es schafft, den Turm zu töten, gibt es eine fantastische Belohnung.“

Wir begannen unsere Spielprobe in einem weitläufigen Teil von Redfall, ein gutes Stück nach dem Tutorial, als unsere Charaktere bereits Level sieben erreicht und ein Exemplar von jeder Waffe hatten. Außerdem starteten wir mitten in einer Mission, die Smith als einen guten Vorgeschmack auf die Art von Missionen beschrieb, die euch in der Kampagne erwarten.

In der Mission „The House of Echoes“ geht es darum, Nachforschungen über einen der Gründer von Aevum, Peter Addison, anzustellen und Informationen über einen Vampirgott namens „The Hollow Man“ zu finden. 

„The Hollow Man“ ist einer von vier Vampirgöttern, die bei dieser Gelegenheit erwähnt wurden. Die anderen sind „Bloody Tom“, „Ms. Whisper“ und „Black Sun“. Glücklicherweise sind wir ihnen während unserer Spielsitzung nicht begegnet.

Spielprobe

Wir begannen unser Leben in Redfall als der Sniper Boyer mit seinem mystischen Raben in einem Unterschlupf, in dem es viele Möglichkeiten gab, Geld auszugeben, Karten anzuschauen, mit anderen Überlebenden zu chatten und – was vielleicht am wichtigsten ist – Munition für alle Waffen zu besorgen. Man kann drei davon ausrüsten, aber noch viel mehr mit sich führen. Gut mit Munition und Waffen ausgerüstet verließ Boyer den Unterschlupf und schickte seinen Raben los, um den Weg auszukundschaften. Wenn er auf Feinde trifft, werden diese eine Zeit lang rot umrandet. Alle Fertigkeiten des Charakters können beim Levelaufstieg verbessert werden. So kann zum Beispiel Boyers Rabe mit der Zeit lernen, Feinde zu erspähen und anzugreifen.

Die Waffen sind in verschiedene Kategorien unterteilt. Es gibt einfache Schusswaffen, die nur Kugeln verschießen, andere verschießen tödliche Pflöcke oder sogar UV-Strahlen. Die Karten bieten auch zahlreiche Möglichkeiten zur Interaktion mit der Umgebung, womit für gewöhnlich Explosionen, Feuer und Stromschläge gemeint sind.

Man hat bei einzelnen Kämpfen zwar selten das Gefühl, dass man seine Schüsse zählen muss, es kann aber trotzdem leicht passieren, dass einem die Munition ausgeht, sodass man schnell einen Unterschlupf aufsuchen muss, wo man seine Reserven im Handumdrehen auffüllen kann.  
Redfall ausprobiert: Grillen und Pfählen in Massachusetts – Kampf mit Addison

Die Stadt Redfall fühlt sich groß an, denn während man ungehindert umherstreift, lauern überall potenziell tödliche Begegnungen und neue Rätsel und Missionen.

Wie in jedem guten Open-World-Spiel kann man auch in Redfall leicht abgelenkt werden, selbst wenn man direkt zu einem wichtigen Ort einer Mission unterwegs ist. So stieß Boyer zum Beispiel auf dem Weg zu einem neuen geplanten Unterschlupf direkt daneben auf en Haus voller Vampire. Diese Begegnung, bei der wir über Dächer kriechen, durch Fenster die Untoten erschießen und schließlich das letzte Monster zur Strecke bringen mussten, nahm ein Drittel unserer vorgesehenen Spielzeit in Anspruch. Dennoch zeigte es auch, wie sehr das Spiel den meisten Vorgängertiteln von Arkane Studios ähnelt. Redfall ist ein gut durchdachtes Spiel, das euch gerade genug Spielraum lässt, eure eigenen Wege zu gehen und dabei entweder den Sieg zu erringen oder den vorzeitigen Tod zu finden. 

Die Räumung des Unterschlupfs eine Tür weiter ging zwar um einiges schneller, war aber mit allerhand Rätselraten verbunden. Boyer musste herausfinden, wie er in eine mit Fallen gesicherte Garage eindringt, um die UV-Lampen in der Nähe einzuschalten und schließlich über den Keller das Haus zu erobern. Es gab dabei keine großen Kämpfe, aber man musste doch etwas um die Ecke denken.
Redfall ausprobiert: Grillen und Pfählen in Massachusetts – Anwesen

Schließlich gelangte er über die Insel zu dem Anwesen, in dem diese spezielle Phase einer laufenden Mission stattfindet. Wir wollen nichts von der Geschichte verraten, aber es gab bei dieser Mission jede Menge Kämpfe, Handlung, Rätsel und Intrigen. Am Ende hatten wir unser Erfolgserlebnis und große Lust, die Geheimnisse der todbringenden Insel und ihrer vielen Vampire weiter zu ergründen.

Es hat etwas gleichermaßen Beglückendes, Sektenanhänger niederzumähen und die von ihnen angebeteten Vampire zu grillen und zu pfählen. Während unserer Spielsitzung fühlten wir uns nur selten überfordert, und wenn doch, dann lag es meist an fehlender Munition oder schlechten taktischen Entscheidungen.

Anderthalb Stunden Spielzeit sind für ein so umfangreiches Spiel wie Redfall nicht viel, aber genug, um zu erkennen, dass es perfekt zu den anderen beliebten Werken von Arkane passt.

Left 4 Bled

Seit der ersten Ankündigung von Redfall wurde immer wieder versucht, das Gameplay und die Geschichte des Arkane-Spiels mit dem Vier-Spieler-Koop-Zombie-Shooter „Left 4 Dead“ in Beziehung zu bringen.

Es ist offensichtlich, dass Redfall absolut nichts mit Left 4 Dead zu tun hat. Wenn man alleine spielt, ist es kaum nachzuvollziehen, woher dieser Vergleich stammt. Wenn man sich zu viert in das Spiel stürzt, ist eine Verbindung schon eher erkennbar.

„Der Koop ist deutlich anders, wie man sehen wird“, sagt Smith. „Der Inhalt ist zwar der gleiche. Die Story-Missionen und alles sind identisch.

Aber es ist kaum möglich, Leute zu überzeugen oder ihnen klarzumachen, worum es in einem Spiel genau geht, solange sie es nicht selbst spielen können“, so Smith. „Sogar bei Videos fragen die Leute ‚Ist das jetzt Left 4 Dead oder was?‘. Dabei hat es nichts mit Left 4 Dead zu tun. Es ist wie ein Arkane-Spiel, in dem man Geschütztürme hacken, Schlösser knacken und verschiedene Zugangswege finden kann. Es hat eine ausgeschmückte Handlung, überall erzählt die Umgebung ihr Geschichte, und es gibt eine Kampagne. Einige Missionen können übersprungen oder in einer anderen Reihenfolge erledigt werden. Und wenn man obendrein eine weitere Person hinzufügt, und dann noch jemanden und noch jemanden, dann wird es immer weniger ein traditionelles Erlebnis und immer mehr ein Partyspiel, bei dem alle ausrasten."

Glücklicherweise, so Smith, sind er und das Team von Arkane daran gewöhnt, dass Fans bei der ersten Ankündigung eines neuen Titels voreilige Schlüsse ziehen und Vergleiche anstellen.
Redfall ausprobiert: Grillen und Pfählen in Massachusetts – Regenschirm

„Schon als wir Dishonored machten, sagten die Leute ‚Das ist wie ein BioShock-Klon‘. Ich dachte bloß ‚Wartet nur ab‘. Das war aber schon immer so. Als Ricardo und ich am ursprünglichen „Deus Ex“-Titel arbeiteten, hieß es, das wäre kein RPG. In einem RPG braucht man eine Gruppe, und das sind in dem Fall die Elfen.“

Smith vergleicht das Problem mit dem Versuch, Musik in Worte zu fassen oder „zu Architektur zu tanzen“.

„Es ist schwierig, es den Leuten zu erklären, aber sobald sie es selbst ausprobieren können, wissen sie, was gemeint ist“, sagt er.

Interessant dabei ist, dass Redfall und seine Macher etwas versprechen, was sehr nach zwei Spielen in einem klingt. Einerseits ist da das Einzelspieler-Erlebnis, das den allgemeinen Erwartungen an ein Arkane-Spiel entspricht, und dann gibt es den Koop-Modus, der sich mit zunehmender Teamgröße immer weiter von diesem Ansatz entfernt.

„Der Einzelspielermodus von Redfall erinnert garantiert an andere Arkane-Titel wie Deathloop, Prey und Dishonored“, so Smith. „Ob das Spiel auch noch wie eine immersive Simulation wirkt, wenn vier Spieler zusammenarbeiten? Ich vermute, eher nicht. Das Erlebnis wird anders sein. Wir sind da Kompromisse eingegangen.“

Die ersten Eindrücke des Einzelspielermodus von Redfall belegen Smiths Aussage: Dieser Arkane-Titel hat noch einiges mehr zu bieten, sobald ihr in einer Gruppe spielt.

Was der Koop-Modus bringt, muss sich erst noch zeigen, aber er verspricht viel Spaß.

Redfall erscheint am 2. Mai für Xbox Series X|S und den PC. Ihr könnt es hier im Epic Games Store vorab kaufen oder auf eure Wunschliste setzen.