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Ride 6 ist wie eine Enzyklopädie des Motorradrennsports – von Asphalt bis Offroad ist alles dabei

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Phil Iwaniuk
30. Jan. 2026
Trotz größtem Respekt vor den Parkplätzen der meisten Studios sind diese eher unspektakulär. Beim Hauptsitz von Milestone in Mailand (Italien) sieht das jedoch ganz anders aus. Außerhalb der Büros, in denen die am detailliertesten gestalteten Motorradrennspiele der Branche entwickelt werden, sind auf den Parkplätzen nur Motorräder zu sehen. Von Superbikes bis hin zu Rollern ist alles vertreten; Maxi-Enduros stehen neben Maschinen wie der Aprilia RS660 und der Honda CBR 1000RR. Das passt gut zu einem Studio, das die letzten Jahren an Ride 6 gearbeitet hat, ein Spiel mit über 340 Motorrädern im Kader. 

„Wir bieten eine breite Palette an Motorrädern, die den ganzen Markt repräsentieren“, erklärt Spielleiter Paolo Bertoni, bevor er begeistert von den Unterschieden in den elektronischen Hilfsmitteln zwischen der Aprilia Tuono, mit der er früher zur Arbeit fuhr, und der RS660, zu der er später zurückkehrte, berichtet. Es mag zwar offensichtlich erscheinen, dass das Studio hinter Spielen wie MotoGP, MXGP, Supercross und SBK sich für Motorräder interessiert. Aber wie tief diese Liebe geht, übertrifft dennoch alle Erwartungen. 

Diese Leidenschaft für Motorradrennen in all ihren Facetten ist es, was Ride 6 antreibt. Die Motorradtypen sind so vielfältig wie nie zuvor – von Motard über Bagger und Klassiker bis zu Naked Bikes und Enduros. Und dieses Mal hat Bertonis Team eine neue Möglichkeit gefunden, die Leidenschaft für all diese verschiedenen Arten des Motorradrennsports auszudrücken: das Ride Fest. 

„Mein Ziel war es, den Spieler in den Wettbewerb eintauchen zu lassen und ihn zum Protagonisten des Spiels zu machen“, sagt Bertoni. „Beim letzten Mal lag der Fokus hauptsächlich auf den Motorrädern ... In diesem Spiel wollte ich den Spielern das Erlebnis bieten, gemeinsam mit anderen Fahrern an einem Event teilzunehmen. Und zwar mit Champions“.

Wer sich im vierrädrigen Rennsport gut auskennt, dem dürfte das Festival-Konzept bereits am Horizont aufleuchten. Aber Milestone hat ein paar Tricks auf Lager, damit sich dieses Festival ganz neu anfühlt, und zwar mehr als nur die Wahl von besonders harten EDM-Songs. Ride 6 hat ein Fahrzeug-Äquivalent zu Bosskämpfen: zehn Champions aus verschiedenen Disziplinen im Motorradrennbereich, die alle darauf warten, vom Spieler besiegt zu werden. 
Ride 6 ist wie eine Enzyklopädie des Motorradrennsports – von Asphalt bis Offroad ist alles dabei – Ride Fest
„Wir haben also diese zehn Champions als Ziele der Karriere“, erklärt Bertoni. „Um zu einer Legende des Ride Fests zu werden, musst du die Champions herausfordern, besiegen, die Belohnungen einheimsen und so weiter“.

Das ist ein weiterer Vorteil des Festival-Konzepts in diesem Spiel, erläutert Bertoni. Der Spieler erlebt nicht mehr nur eine Sandbox wie in den Vorgängern, sondern echte Konkurrenz gegen Rivalen mit einem klaren, greifbaren Ziel: die Chancen freizuschalten, jeden einzelnen Champion zu besiegen, die Ausrüstung zu gewinnen und sich so den Titel zu holen. 

Das sind die zehn Champions: Troy Bayliss, Casey Stoner, James Toseland, Niccolò Canepa, Peter Hickman, Ian Hutchinson, Tyler O'Hara, Guy Martin, Thomas Chareyre und Skyler Howes. Für Motorradfans ist es eine verlockende Liste mit einigen echten Prominenten wie Stoner und dem Isle-of-Man-TT-Spezialisten und TV-Star Martin, aber auch mit weniger bekannten Highlights, die erneut Milestones echte Leidenschaft für das Thema zeigen. Troy Bayliss war Anfang der 2000er Jahre einer der wichtigsten Teilnehmer der Superbike-Weltmeisterschaften, bevor er zu MotoGP wechselte und nur einen Sieg einbrachte, weshalb sein Name weniger bekannt ist als der von Rossi oder Marquez. Für ein Event wie das Ride Fest ist er der perfekte Fahrer, denn „Streets won’t forget“. 

Die Auswahl dieses zehnköpfigen Champion-Teams hat mir bei der Entwicklung von Ride 6 am meisten Spaß gemacht, sagt Bertoni. 

„Wir wollten, dass Champions aus allen vertretenen Kategorien dabei sind. Der erste Name, der uns einfiel, war Stoner – der wichtigste Name im Geschäft. Und wir dachten uns: ‚Lass es uns einfach ausprobieren und sehen, wie es läuft.‘“

Obwohl Milestone seit über einem Jahrzehnt an zahlreichen lizenzierten Spielen mit echten Fahrern arbeitet, werden diese Fahrerlizenzen meist über einen Motorsportverband oder Eigentümer wie MotoGPs Dorna/Liberty Media erworben, der Lizenzen an alle teilnehmenden Fahrer in dieser Kategorie übergibt. 

Da es sich beim Ride Fest jedoch um ein von Milestone erfundenes Event handelt und es somit kein offizielles Aufsichtsgremium hat, musste das Team die Lizenzen für jeden Fahrer einzeln aufspüren. Dieser Prozess hat besser funktioniert, als es das Team von Bertonis erwartet hatte: „[Diesmal] mussten wir mit Manager jedes Fahrers sprechen, es war also viel schwieriger. Aber die meisten sind wirklich super entspannt und wir konnten gut mit ihnen zusammenarbeiten“.

Während dieser Gespräche zeigte sich ein unerwarteter Vorteil des Ride-Fest-Champions-Mechanismus, und zwar gaben die Champions wertvolles Feedback zum Spiel. 

„Wir hatten ein Telefongespräch mit Casey Stoner. Er gab uns einige Informationen über das Spiel, weil er Ride 5 gespielt hatte, und gab uns Tipps, wie man das Spiel, dessen Physik und so weiter verbessern könnte. Wir hatten das Glück, dass der berühmteste Name des Spiels es tatsächlich gerne spielte und gleichzeitig auch Teil davon war“. 
Ride 6 ist wie eine Enzyklopädie des Motorradrennsports – von Asphalt bis Offroad ist alles dabei – Kurve
Der zweifache MotoGP-Champion war jedoch nicht der einzige auf der Liste der zehn Personen, der sein Feedback mit uns teilte. „Auch Canepa kam letzte Woche ins Büro, um mit uns zu sprechen. Er ist ein wirklich netter Kerl. Er hat das Spiel ausprobiert und war total begeistert davon ... Es ist eine riesige Motivation für das Team, wenn sie Fahrer im Büro sehen, die das Spiel spielen und sagen: ‚Oh ja, das ist wirklich cool’. Er hat das Spiel schnell gelernt“.

Weit weg von seiner gewohnten Asphaltwelt platzierte das Team den ehemaligen MotoGP-, SBK- und Endurance-Rennfahrer Canepa auf eine Offroad-Strecke. „In der ersten Runde machte er einige Fehler“, sagt Bertoni. „Die zweite Runde war perfekt“. Es ist Beweis dafür, sagt Bertoni, dass Ride 6 sein Ziel erreicht hat und dass das Spiel schnell erlernt werden kann. 

Wie bei MotoGP 25, das letztes Jahr erschienen ist, bietet Ride 6 neben dem realistischeren und anspruchsvolleren Simulationshandling einen optionalen Arcade-Physik-Modus. Es verfügte über neuronale KI-Lenkung sowie Brems- und Beschleunigungshilfen, um allen – von Neulingen über jüngere Fahrer bis hin zu Menschen mit unterschiedlichen Zugänglichkeitsbedürfnissen – zu helfen, die mehr als 340 angebotenen Motorräder und 45 Strecken zu entdecken. Aber das aufwendigste Onboarding-System ist die Rider School. 

Eine der Optionen in der neuen 3D-Menüszene im Paddock-Stil von Ride 6 ist eine Reihe von Tutorials, die die Techniken und Inputs für verschiedene Streckenoberflächen und Motorradklassen erklären. Sie folgen einer einfachen Formel: anschauen, ausprobieren und antreten. 

Zunächst erklärt ein Anleitungsvideo, wie man eine Kurve fährt, wo und wann die Bremsen betätigt werden müssen und wie man das Gewicht des Motorrads richtig verlagert. Dann wird dem Spieler die Steuerung übergeben, damit er es selbst ausprobiert. 

„Es gibt auch eine Rangliste, damit du dich mit deinen Freunden messen kannst“, erklärt Bertoni. Es ist das erste Mal, dass wir eine Fahrschule auf diese Weise angehen, und ich denke, dass die Spieler dadurch wertvolle Einblicke ins Motorradfahren erhalten, die sie sogar im realen Leben nutzen können“. Natürlich nicht als Ersatz für einen Fahrlehrer, sondern nur als Ergänzung. 

Es gab noch kein Spiel in der Renngeschichte, das versucht hat, so viele Motorräder oder Fahrweisen in ein Spiel zu packen. Die Ride-Reihe hatte schon immer die enzyklopädische Qualität wie Gran Turismo sie für Autos hatte, aber Ride 6 geht noch einen Schritt weiter. Alle, die auch nur ansatzweise Interesse an den zweirädrigen Rennen haben, sollten sich den Release dieses Spiels unbedingt in ihren Kalender eintragen. Es verspricht viele Stunden voller Experimente, Herausforderungen und epischer Bosskämpfe gegen die Besten des Motorsports.

Ride 6 ist am 12. Februar im Epic Games Store erhältlich.