
RoadCraft: Extremes Off-Road, aber mit Katastrophenschutzmanagement

Die schlammigen Offroad-Simulationen MudRunner and SnowRunner von Saber Interactive sind der Bear Grylls der Fahrspiele: Die Elemente und das Gelände sind die Stars der Show. Frachttransporte und Baustelleneinsätze sind lediglich eine Ausrede, um in den herausfordernden Weiten Sibiriens, den Bergwäldern des Yukon und den Holzfällerlagern von Wisconsin in einer realistischen Nachbildung von Schwerlasttouren die eigenen Reifenspuren zu hinterlassen.
RoadCraft bietet die gewohnte detaillierte Fahrsimulation und dazu brandneue Fahrzeuge, neues Gelände sowie acht vier Quadratkilometer große Karten mit tropischen Regionen, Gebirgszügen, üppigen Wäldern und Sumpfgebieten, in denen die Spieler in der Kampagne Wiederaufbauarbeit leisten.
Ganz zu schweigen von einer wichtigen Neuerung: Diesmal seid ihr gleichzeitig Einsatzleiter und müsst mithilfe von Mechaniken der Management-Simulation ein Team von Katastrophenhelfern leiten, um zerstörte Einrichtungen wieder aufzubauen. Während ihr euch jederzeit nach Belieben ans Lenkrad setzen könnt (im Koop-Modus mit insgesamt bis zu 4 Spielern), müsst ihr euch außerdem darum kümmern, die erforderlichen Logistikketten zu planen, um entscheidendes Material dorthin zu liefern, wo es gebraucht wird.
Jeder Ort ist der Schauplatz einer Naturkatastrophe, und ihr müsst den Wiederaufbau organisieren. Laut Yann François, dem Marken- und Creative Manager des Spiels, verbindet der Spielablauf kindliches Spiel im Sandkasten mit dem erwachsenen Wunsch, humanitär aktiv zu werden und die Welt zu einem besseren Ort zu machen. In einer Demo-Vorführung während der gamescom zeigte François, wie die verschiedenen Elemente im Spiel kombiniert werden, um nach verheerenden Überschwemmungen einen zerstörten Hafen wiederaufzubauen.
Zuerst kommen die Aufräumarbeiten. Nachdem ihr mit einem Kran die beschädigten Schiffscontainer aus dem Weg geräumt habt, schafft ihr vom Hafen aus Verbindungen zu Transitpunkten, damit eure Lkw-Flotte das Material anliefern kann, das ihr braucht, um die Brücke zu reparieren, über die ihr zum nächsten Bereich auf der Karte gelangt. Leider ist das nicht so einfach: Wegen der vollgelaufenen Gräben zwischen dem Hafen und dem nächsten Transitpunkt bleiben die Räder der Lastwagen im Schlamm stecken und an Vorwärtskommen ist nicht zu denken.
In den früheren Simulationen von Saber musstet ihr die miserablen Straßenverhältnisse mit Geduld, vorsichtigen Lenkmanövern und hart erkämpften Upgrades überwinden. In RoadCraft könnt ihr die Umgebung direkt in Ordnung bringen.
François entscheidet sich für Sand, eines der vielen Elemente, die euch mit kompletter Physik versorgt zur Verfügung stehen. Nachdem er mit einem Kipplaster über dem ersten Schlammloch eine Minidüne abgeladen hat, reicht diese Lösung zwar, um mit mäßigen Schwierigkeiten und stotterndem Motor voranzukommen, eine problemlose Passage für den Konvoi ist es aber noch lange nicht. François wechselt zu einer Planierraupe, senkt die Schaufel, und verwandelt den Sand in eine ebene Fläche, auf der die Lastwagen leichter vorankommen.
Sobald er damit fertig ist wechselt François zur Einsatzansicht. Hier plant er die Route für einen Lastwagenkonvoi, der größere Mengen von Beton zu einer beschädigten Brücke transportieren soll, die dringend repariert werden muss. Zuerst setzt er entlang der Draufsicht der unbefestigten Straße eine Reihe von Markierungen. Die Streckenplanung muss freigegeben werden: Ein Testfahrer probiert sie aus, bevor der echte Einsatz beginnen kann. Nach einem Drittel des Weges bleibt der Lkw stecken. Die Expedition wird gestoppt. Zuerst muss die Strecke behelfsmäßig mit Sand befahrbar gemacht werden.
Bevor die Freigabe scheitert, startet ein Countdown. Man kann die Route umplanen oder eingreifen, bevor die Zeit abläuft. François kämpft gegen die Zeit, indem er noch einmal zum Bulldozer greift, um den Lkw aus dem Schlamm zu schieben, damit er die Freigabe bestehen kann. Er scheitert, seufzt, ändert die falsche Markierung und versucht es erneut. Das ist ein großartiges Beispiel für das unterhaltsame Chaos mit geringem Einsatz, das euch in dem Spiel erwartet. Wenn er in der Demo genug Zeit hätte, würde François zuerst die Teermaschine schicken, anstatt die Route zu ändern, um sie mit Asphalt für den Konvoi befahrbar zu machen.

Die bisherigen Simulationsspiele von Saber Interactive waren oft anspruchsvoll und sehr zeitaufwändig, vor allem in der frühen Spielphase. François glaubt, dass der Koop-Modus von RoadCraft den Spielern eine weitere Möglichkeit bietet, die Herausforderungen im Gelände zu meistern.
„Das Spiel wurde sowohl für Einzelspieler als auch für Koop-Spieler entworfen. Es ist eher aufgabenorientiert: Es gibt sehr spezifische Aufgaben, wie einen Kran zu fahren und zu bedienen oder Sand aufzuschütten“, sagt er. „Wenn man mit Freunden oder Fremden spielt, kann man selbst entscheiden, wie man spielen will. Das Spiel ist darauf ausgelegt, Aufgaben gemeinsam zu erledigen und dabei auch Zeit zu gewinnen, denn es kann sehr zeitaufwendig sein!“
François gefiel besonders die Spezialisierung im Koop-Modus, die durch den modularen Ansatz der Aufgaben möglich ist.
„Es war ziemlich lustig, weil es ein wirklich neuartiges Gameplay ermöglicht. Es ist wie ein Rollenspiel. Man kann sagen: ‚Gut, du fährst den Bulldozer, Sachen rumschieben liegt dir. Aber den Sand schütte ich selber auf, das machst du nicht gründlich genug.‘ Jedes Fahrzeug hat seine eigene Funktionsweise, man muss einfach umdenken und sich anpassen.“
Mit über 40 Fahrzeugen – von einfachen Lkws bis hin zu Gabelstaplern, riesigen Kränen und Grabenbaggern – bietet das Spiel eine enorme Vielfalt, mit der die Spieler ihre eigenen Wiederaufbaumaßnahmen erfinden können. Und als jemand, der eher irgendetwas umwirft als es aufzustellen, bin ich der geborene Bulldozer-Fahrer.
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