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Seven: The Days Long Gone ist ein RPG, in dem ihr euch als Taschendieb für keine Seite entscheidet

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Jeremy Peel
23. Aug. 2023

In den meisten Open-World-RPGs gibt es einen Moment, in dem Hügellandschaften Städten weichen – einem gezackten Meer angewinkelter Dächer und belebter Straßen, in dem die Bewohner dicht beieinander leben. An diesem Punkt tauschen manche Spieler ihr Schwert gegen einen Dietrich ein, geben sich der Versuchung des Diebstahls als Kunstform hin und erkunden die Wohnungen der Stadtbevölkerung. 


Kein RPG verfolgt diese Fantasie so konsequent wie Seven: The Days Long Gone, ein wenig beachtetes Indie-Projekt aus Polen, das auf einer Gefängnisinsel in der fernen Zukunft angesiedelt ist. Natürlich bietet es Systeme für das Öffnen von Schlössern, aber auch für das Knacken von Tresoren und sogar das Einhacken in das staatliche Netzwerk von Frachtzügen. Das Spiel verfolgt ganz genau, wohin NPCs schauen, was sie hören können und was sich in ihren Taschen befindet – und auch, wie lange sie „schlafen“, nachdem ihr ihnen eins übergezogen habt.
Seven: The Days Long Gone ist ein RPG, in dem ihr euch als Taschendieb für keine Seite entscheidet – Höhe
Trotz der isometrischen Perspektive bewegt ihr euch in Seven ganz wie in Assassin's Creed. Ihr könnt Gebäude erklimmen, alternative Wege über Marktplätze und riesige Kirchen finden und euch von Rohren herab auf den Kopf eurer nichts ahnenden Gegner fallen lassen. Aufgrund des schwindelerregenden Leveldesigns und der ausgefeilten Simulationsmechaniken könnte man dieses Spiel genauso gut als immersive Simulation im Geiste von Thief oder Dishonored bezeichnen. Es gibt sogar eine Blitzfertigkeit (Flash), die ähnlich wie die Teleportationsfertigkeit (Blink) in Dishonored funktioniert und mit der ihr euch auf technomagische Art und Weise schnell aus Sichtweite bewegen oder schier unmögliche Sprünge vollführen könnt.

Das Team hinter Seven arbeitete zuvor bei CD Projekt Red an der Reihe The Witcher, was an vielen Stellen durchscheint. Ihr spielt zwar keinen Monsterjäger, sondern einen Ex-Sträfling, aber die Insel Peh wimmelt nur so von mutierten Tieren und verzweifelten Questgebern. Bei einigen Missionen spielt der „Sense“-Modus eine wichtige Rolle, mit dem ihr Fährten aufspüren könnt. Da wäre zum Beispiel die Mission mit der Bauerntochter, die den Biomancern versprochen wurde, sobald sie volljährig ist, aber nun mit ihrem Geliebten geflohen ist. Dann gibt es da noch die Infiltrationen, für die euch herstellbare Gadgets zur Verfügung stehen, von denen Geralt nicht einmal zu träumen gewagt hätte: Pfeile, die Kameras deaktivieren, Stromschlagfallen und Lachgas, das von einem verstoßenen Bürgermeister perfektioniert wurde, dem ihr mal einen Gefallen getan habt.

Hinter dem giftigen Ödland und bebauten Ackerland liegen geschäftige Siedlungen, die wie geschaffen für Raubzüge sind. Merkwürdige, von Relikten besessene Fraktionen haben Peh unter sich aufgeteilt, und euer Protagonist kommt mit ihnen allen in Kontakt – weiß es aber besser, als ihren Versuchungen zu erliegen. Seven glänzt ganz besonders durch seine Kombination aus einer ausgefeilten Welt und detaillierten Schleichmechaniken, etwa, wenn ihr euch mit der Rüstung eines Technomagi-Soldaten verkleidet und so unerkannt in den Außenposten der Soldaten lauft. Dabei handelt es sich nicht um ein durch die Handlung vorgegebenes Ereignis, sondern um eine der vielen Möglichkeiten, die die offene, freie Spielgestaltung, die das Studio Fool's Theory umgesetzt hat, möglich macht. 
Seven: The Days Long Gone ist ein RPG, in dem ihr euch als Taschendieb für keine Seite entscheidet – Reden
Vielleicht sagt euch der Name sogar etwas: Fool's Theory ist der Entwickler, der für The Witcher Remake ausgewählt wurde, eine moderne Neuinterpretation des ersten Spiels von CD Projekt Red. Wenn ihr wissen möchtet, warum das Studio ausgewählt wurde, dann spielt am besten Seven, mit dem das Team bewiesen hat, dass es umfangreiche Rollenspiele mit interessanten Neuerungen entwickeln kann. Es war eigentlich überfällig, dass das Studio entdeckt wurde, aber andererseits sind die Entwickler natürlich Experten darin, unbemerkt zu bleiben.