
Shrine's Legacy ist eine nostalgische 16-Bit-Hommage, die der klassischen SNES-RPG-Formel einen Koop-Twist verleiht

Ein mutiger junger Held, ein geheimnisvoller Magier, magische Edelsteine und ein böser Lord, so schwer gepanzert, dass man sich fragt, wie er sich überhaupt bewegen kann. Schon mal irgendwo gehört? Shrine's Legacy, das Debüt von Positive Concept Games, greift viele Elemente auf, die Rollenspiele seit Jahrzehnten prägen. Der titelgebende Held Rio Shrine begibt sich auf eine Reise, um acht elementare Edelsteine zu sammeln und das Sword of Shrine wiederherzustellen – den Schlüssel, um den finsteren Aklor zu besiegen.
Doch allein loszuziehen ist gefährlich, und zum Glück müsst ihr das nicht, denn Shrine's Legacy bietet anders als viele der RPGs, die es inspiriert haben, sowohl einen Einzelspieler- als auch einen Koop-Modus.
Retro-Design trifft auf moderne Akzente
Mag die Grundidee von Shrine's Legacy auf den ersten Blick simpel wirken, so ist genau das gewollt. Entwickelt wurde die Idee für Shrine's Legacy ursprünglich aus einer Gutenachtgeschichte, die Creative Director Alan Gabbard seinem jüngeren Bruder erzählte. Inspiration holte er sich dabei aus der Erzählweise und dem Rhythmus von Final Fantasy und Avatar – Der Herr der Elemente.
Von Positive Concept Games als ein „SNES-inspiriertes Fantasy-Action-RPG“ beschrieben, vereint Shrine's Legacy die prägenden Elemente dieser Ära: Dungeon-Crawling, Rätsellösen und das clevere Kombinieren beliebter Features klassischer Genregrößen.

Mit einer Kickstarter-Finanzierung von fast 37.000 US-Dollar findet Shrine's Legacy seinen Platz in der Riege erfolgreicher Indie-RPGs – in guter Gesellschaft von Something Classics Quartet, Matthias Lindas Chained Echoes und Sabotage Studios Sea of Stars. Die Sehnsucht nach klassischen RPGs ist unübersehbar, egal ob rundenbasiert im Stil von Final Fantasy oder, wie Shrine's Legacy, actionreiche Puzzle-Abenteuer à la The Legend of Zelda: A Link to the Past und Secret of Mana.
Wie viele andere Indie-RPGs lässt sich Shrine's Legacy von den großen Klassikern inspirieren, bleibt dabei aber eigenständig, indem es moderne Einflüsse einwebt und altbekannte Konzepte neu interpretiert. Das Ergebnis ist eine natürliche Weiterentwicklung der beliebten RPG-Erlebnisse der 90er-Jahre. Das herausragende Merkmal von Shrine's Legacy ist sein Koop-Gameplay: Zwei Spieler können gemeinsam die Welt erkunden – oder ein einzelner Spieler wechselt flexibel zwischen Rio und Reima und ihren einzigartigen Fähigkeiten hin und her.
„Da so wenige RPGs überhaupt Koop anbieten, verschafft das Shrine's Legacy einen echten Wiedererkennungswert“, sagte Joseph Duke, Technischer Direktor und Mitentwickler des Spiels.

„Wir haben schon immer RPGs geliebt, die es euch ermöglichen, gemeinsam mit einem Freund zu spielen“, erklärten Duke und Gabbard in der Kickstarter-Kampagne von Shrine's Legacy. „Ehrlich gesagt finden wir, dass viel zu wenige RPGs – und moderne Spiele allgemein – euch diese wertvolle Möglichkeit bieten. Es war alles andere als einfach, Koop in eine Action-RPG-Engine einzubauen, aber es war uns wichtig, also haben wir es möglich gemacht.“
Ein Mash-up klassischer Einflüsse
Dank seines Mehrspieler-Action-Gameplays erinnert Shrine's Legacy stark an die neu belebte Mana-Reihe von Square Enix. Der jüngste Teil, Visions of Mana (2024), kombiniert ebenfalls 3D-Action mit RPG-typischer Erkundung und leichten Puzzle-Elementen, während ältere Klassiker wie Secret of Mana schon damals Koop-Multiplayer integrierten.
Langjährige RPG-Fans werden wahrscheinlich viele Ähnlichkeiten mit einer längst nicht mehr existierenden Trilogie von Action-RPGs aus den 90ern bemerken, die von Quintet für den Super Nintendo entwickelt wurden: Soul Blazer, Illusion of Gaia und Terranigma.
„Wir lieben diese Spiele, weil sie eine einzigartige Reihe von Action-RPGs auf dem Super Nintendo darstellen, mit packenden Geschichten über Tod und Zerstörung ebenso wie über Wiedergeburt und Schöpfung“, erklärt Duke und nennt Terranigma als einen der größten Einflüsse auf Shrine's Legacy, besonders im Hinblick auf das Kampfsystem.

Auch spielerisch finden Fans der Quintet-Trilogie sofort vertraute Elemente wieder: In jedem Dungeon-Raum alle Gegner zu besiegen, wird mit Fortschritt belohnt. In Illusion of Gaia bedeutete das einen Werte-Boost und diente zugleich als Stufenaufstiegsmechanik. In Shrine's Legacy wiederum öffnen besiegte Gegner den Weg durch die Dungeons, indem sie Umgebungsbarrieren zerstören.
„[Die Idee für die Barrieren] kam uns, als wir darüber nachgedacht haben, wie man verschlossene Türen aus Zelda umsetzen könnte, jedoch mit mehr Vielseitigkeit, sodass sie sich je nach Umgebung des Dungeons verändern“, erklärte Duke. „Da viele unserer Dungeons im Freien liegen, war es so viel einfacher, Levels organisch fließen zu lassen, ohne für jeden Dungeon irgendeine Spezialtür erfinden zu müssen, die dort vielleicht sogar fehl am Platz gewirkt hätte.“
Und wie Duke lachend hinzufügte: „Es macht einfach Spaß, Dinge in die Luft fliegen zu sehen.“
„RPGs waren eine Zeit lang viel zu ernst“, sagte er und erinnerte an das Versprechen der Kickstarter-Kampagne von Shrine's Legacy, den Weird-Faktor wieder ins Gaming zurückzubringen.
„In den letzten Jahren gelingt es den Entwicklern wieder besser, das Skurrile in Spiele zurückzubringen, doch es dürfte ruhig noch mutiger werden, besonders im Hinblick auf surrealen Humor und Leichtigkeit“, erklärte Duke. „Darum haben wir auch abgefahrene Charaktere wie das Luchador-Trio der Hiroshi Bros eingebaut.“

Als weitere Einflüsse nannte Duke The Legend of Zelda: A Link to the Past für das Puzzle-Design, aber auch Überraschungen wie die rundenbasierten Final Fantasy IV und Final Fantasy V, vor allem für Tonalität und Setting, sowie Super Metroid für Weltdesign und Tutorialisierung.
Und was inspirierte die Bosse in Shrine's Legacy am meisten? „Hollow Knight“, sagte Duke. „Aber nicht unbedingt der Schwierigkeitsgrad – unser Spiel soll leichter zugänglich sein als Hollow Knight.“
Die Retro-RPG-Welle
Mit Shrine's Legacy reiht sich ein weiterer Titel in die aktuelle Flut erfolgreicher Retro-RPGs ein. Doch warum erleben Indie-Games mit kleinen Teams und überschaubaren Releases plötzlich so einen Boom?
Duke hat eine einfache Erklärung: die Wirtschaft.
„Die Leute wollen weiter neue Spiele spielen, aber sie können sich keine 70- oder 80-Dollar-Titel leisten“, sagte er. Stattdessen greifen Spieler*innen zu Indie-Spielen, die Qualität zu einem erschwinglichen Preis bieten. Dank ihres niedrigeren Einstiegspreises erreichen Indie-Games heute einen immer größeren Teil der Gaming-Community. Viele der meistgelobten Spiele der letzten Jahre – darunter Blue Prince, Balatro, Despelote und UFO 50 – stammen von Indie-Entwicklern.

Laut Duke liegt ihr Erfolg vor allem daran, dass die Indie-Szene deutlich mehr Raum für Kreativität und Risiko bietet. „Teure Produktionen sind viel seltener bereit, Risiken einzugehen und kreative Projekte umzusetzen“, sagte Duke. „Je mehr Zeit vergeht, desto offensichtlicher werden die sich wiederholenden Designmuster, und das sorgt dafür, dass sich die Leute immer öfter nach etwas Einzigartigem sehnen.“
Viele dieser Spiele wurden außerdem von vergleichsweise kleinen Teams entwickelt, was in letzter Zeit auch zu vielen Diskussionen über die richtige Anerkennung von Arbeit in der Spieleentwicklung geführt hat. Titel wie Hollow Knight: Silksong und Clair Obscur: Expedition 33 wurden zwar offiziell von kleinen Teams produziert, beinhalten aber eine Menge ausgelagerte Arbeiten und Beiträge von Freelancern. Laut Duke, der die Arbeit von freischaffenden Künstler*innen und Mappern ausdrücklich würdigte, braucht es zwei Dinge, um mit einem kleinen Team ein Spiel zu entwickeln: Geld und Leidenschaft.
„Spiele wie Clair Obscur und Silksong haben auf jeden Fall reichlich von Ersterem“, sagte er. „In unserem Fall war es deutlich mehr Leidenschaft (mit einer Prise Wahnsinn) als Geld.“ Hätten wir mehr Geld gehabt, hätten wir auch mehr umsetzen können. Aber wir sind stolz darauf, was wir mit extrem begrenzten Ressourcen geschaffen haben.“
Mit einem bescheidenen Budget war die größte Investition für das kleine Team von Duke und Gabbard die Zeit. „Selbst wenn man nur die Phase zählt, in der das Spiel wirklich Form angenommen hat, haben wir fast ein Jahrzehnt unseres Lebens in diese Version gesteckt“, so Duke. „Der Weg, den wir eingeschlagen haben, ist nichts für schwache Nerven oder für Menschen, die einfach nur schnellen Erfolg wollen.“

Doch harte Arbeit, beeindruckende Kunst und brennende Leidenschaft sind nur der erste Schritt auf dem Weg zum Indie-Erfolg. Der Rest der Reise? Liegt in den Händen der Fans. Die offensichtlichste Art, wie Fans Shrine's Legacy unterstützen können, ist natürlich, es zu kaufen – aber Duke wies darauf hin, dass es viele weitere Möglichkeiten gibt, wie ihr euren liebsten Indie-Games dabei helfen könnt, das Publikum zu finden, das sie verdienen.
„Schon bevor ein Indie-Game erscheint, ist es unglaublich wichtig, es auf die Wunschliste zu setzen“, sagte Duke. „Und wenn ihr große Fans eines Indie-Games seid, unterstützt die Devs zusätzlich, indem ihr weitererzählt, wie sehr es euch gefallen hat!“ Macht Fan-Art, Fan-Fiction, Fan-Games und so weiter. Spielt die Demo oder Beta und gebt Feedback. Jeder dieser Beiträge hilft enorm.“
Shrine's Legacy schöpft aus den beliebtesten 16-Bit-Action-RPGs aller Zeiten und vereint sie zu einem Erlebnis, das zugleich voller Anspielungen steckt, seine Einflüsse respektiert, und dennoch etwas Neues und Lebendiges wagt.
„Ich glaube, allein die Tatsache, dass wir all das mit einem Kernteam von nur zwei Leuten geschafft haben, ist gleichermaßen wahnsinnig und beeindruckend“, meinte Duke.
Und wenn ihr mit Shrine's Legacy fertig seid, erwartet euch eine lebendige Community von Creators, die ähnliche Spiele erschaffen. „Infinite Alliance [erscheint 2026] ist das Ergebnis einer ganzen Reihe von Indie-JRPGs (darunter auch Shrine's Legacy), die gemeinsam an einem richtig coolen, rundenbasierten Projekt arbeiten“, sagte Duke, als er nach anderen Indies gefragt wurde, die den Fans seines Spiels gefallen könnten.

Von Shrine's Legacy über Quartet und Kingdoms of the Dump bis hin zu Geo Mythica – allesamt Titel, die Duke hervorhob – ist es eine großartige Zeit für Fans von Retro-RPGs.
Shrine's Legacy erscheint am 7. Oktober im Epic Games Store.