
Sechs atmosphärische Songs versetzen euch in DEATH STRANDING in Stimmung

Wenn es um seine Leidenschaften geht, hält sich Hideo Kojima nicht zurück. Der bekannte Spieleentwickler behauptet, dass „70 % seiner Werke von Kinofilmen beeinflusst werden“, was durchaus nachvollziehbar ist. DEATH STRANDING DIRECTOR'S CUT spielt sich wie ein moderner Science-Fiction-Film – angefangen beim soliden Weltdesign und der vielschichtigen Handlung bis hin zu den furchterregenden Kreaturen und der halsbrecherischen Action.
Wie ein große Kinoerlebnis hat auch DEATH STRANDING einen coolen Soundtrack zu bieten. Egal, ob ihr einen verschneiten Berg erklimmt, per Seilrutsche einen verlassenen Steinbruch überquert oder euch einfach nur in einem Unterschlupf ausruht – das Spiel verfügt über jede Menge Songs, die einen einsamen Boten bei Laune halten und die Spieler begeistern.
Die Auswahl an Musik ist erstaunlich groß und reicht von ausgewählten lizenzierten Titeln bis hin zu eindringlichen Originalstücken des Komponisten Ludvig Forssell. Hier sind sechs der wichtigsten Tracks aus dem riesigen Repertoire von DEATH STRANDING, die euch garantiert unter die Haut gehen werden.
Spoileralarm: Ich werde zwar nicht allzu viel über die Handlung verraten, aber einige wichtige Themen und Gameplay-Momente vorstellen. Wenn ihr euch lieber überraschen lassen wollt, empfehle ich euch, DEATH STRANDING vor dem Lesen durchzuspielen.

1. „Don't Be So Serious“
DEATH STRANDING beginnt mit einem Monolog des Protagonisten Sam Porter Bridges (in der englischen Version von Norman Reedus gesprochen). Er schildert darin die Explosion des Urknalls, die die Welt erschuf und sie mit Leben füllte. Zuerst klingen Sams Worte friedlich, doch die Botschaft schlägt schnell um: „Und dann … kam die nächste Explosion.“
Während seine Worte verklingen, stimmt eine Montage auf das Spiel ein. Ein postapokalyptisches Ereignis, das als „Death Stranding“ bekannt ist, hat die Gesellschaft zerrissen und jeden Anflug von Gemeinschaft zerstört. Trotz dieses dramatischen Hintergrunds bewahrt die Welt ihre Pracht. Der Himmel leuchtet, während sich die Wolken verziehen. Die Berge erstrahlen in sattem Grün. Die Hoffnung ist gestorben, aber der Planet ist sehr lebendig.
Der Titel „Don't Be So Serious“ von Low Roar untermalt diesen Aspekt. Der Song, der die Eröffnungssequenz begleitet, beschreibt eine Scheidung, die der verstorbene Sänger der Band, Ryan Karazija, durchlebte, während er die Musik zu seinem Album schrieb. Karazija singt:
„Wake
Heavy pulse
Bloody eyes
Sweaty clothes
New routine
That I've learned
To understand and know“
DEATH STRANDING ist sicherlich keine Scheidungsgeschichte, aber erzählt zweifellos die Geschichte einer Trennung. Sam wurde vom sogenannten chiralen Netzwerk abgeschnitten und die Einsamkeit ist seine neue Normalität. Um die Welt wieder aufzubauen, muss er die Kommunikation mit seinen Mitbürgern wiederherstellen und die Verbindungen zwischen ihnen, die „Strands“, reparieren.
„Don't Be So Serious“ ist ein düsteres Stück, aber es besitzt ein tiefe Schönheit. Genau wie Sams Reise macht es Hoffnung auf eine Zukunft.

2. „Fragile“
Die erste Person, die Sam auf seiner Reise trifft, ist Fragile. Die in der englischen Version von Léa Seydoux gesprochene Fragile rettet Sam vor einem mysteriösen Gestrandeten Ding (GD). Nachdem sie sich vorgestellt hat, bietet sie Sam einen Job in ihrer privaten Lieferfirma „Fragile Express“ an.
Vor den Ereignissen von DEATH STRANDING war Fragiles Körper einem massiven Zeitregen ausgesetzt, der extrem schnelles Altern verursacht. Sie erzählt ihm, dass ihr Geschäft schlecht läuft, erst recht seit diesem Vorfall. Später im Spiel wird sie zu einem wichtigen Transportmittel und hilft Sam, sich von einem Unterschlupf zum anderen zu teleportieren.
Trotz ihres gealterten Körpers versichert sie Sam: „Mein Name ist Fragile, aber so zerbrechlich bin ich nicht“. Sie belegt diese Aussage in DEATH STRANDING DIRECTOR'S CUT immer wieder und erweist sich für Sam als wichtige Verbündete, Vertraute und Freundin, während er versucht, das chirale Netzwerk wieder zum Laufen zu bringen.
Im ihr gewidmeten Song „Fragile“ wird deutlich, wie widerstandsfähig sie ist. Ludvig Forssell lässt das Stück mit düsteren Streicherklängen beginnen, die einer eindringlichen Synthesizersequenz Platz machen. Etwa in der Mitte des Stücks kehren die Streichinstrumente zurück und erfüllen die gedrückte Stimmung mit Leben. Forssell lässt das Lied mit zuversichtlichen Tönen ausklingen, als wolle er Fragiles unbeirrbaren Optimismus zum Ausdruck bringen.

3. „Mules“
„Mules“ ist jedes Mal dann zu hören, wenn Sam auf feindliche Boten trifft. Diese als MULEs bezeichneten Räuber sind skrupellose Boten, die sich aufs Stehlen und Horten von Materialien verlegt haben. Da es in DEATH STRANDING hauptsächlich um die Lieferung von Paketen geht, werdet ihr auf eurer Reise häufig mit diesen MULEs konfrontiert.
Auch wenn ein paar böse Zusteller euch vielleicht nicht aus der Fassung bringen, solltet ihr euch nicht täuschen, denn es steht viel auf dem Spiel. Wenn ihr versehentlich einen MULE tötet, riskiert ihr ein Leeresturz, bei dem die gesamte Umgebung explodiert. Schleicht euch also lieber durch die Reihen der MULEs, betäubt sie im Kampf oder entgeht der Gefangennahme. Das ist leichter gesagt als getan, wenn man kiloweise wertvolle Fracht mit sich herumschleppt.
Ludvig Forssell gilt als Meister atmosphärischer Musik, was seine Werke für DEATH STRANDING eindeutig belegen. „Mules“ ist ein Synth-lastiger, bassbetonter Track, der die Anspannung einer kritischen Begegnung fühlbar macht. Wenn ihr von sechs MULEs verfolgt werdet und überall Alarmsirenen ertönen, müsst ihr schnell handeln, um nicht alles zu verlieren.
Auch wenn es dabei um Leben und Tod geht, werden diese Begegnungen sehr unterhaltsam sein. Das haben wir Spieler größtenteils dem musikalischen Genie von Forssell zu verdanken.

4. „I'll Keep Coming“
Bei einem Spiel von Kojima darf natürlich auch eine große Enthüllung nicht fehlen, und DEATH STRANDING macht da keine Ausnahme. Nachdem Sam sich quer durch die Vereinigten Städte von Amerika gekämpft und im Namen der Einheit Hilfspakete ausgeliefert hat, erreicht er schließlich Amelies Strand. Dort erfährt er ihre eigentlichen Beweggründe – und die Wahrheit über Death Stranding.
Im Anschluss an ihr Gespräch bleibt Sam nachdenklich am Strand zurück, während der Abspann des Spiels läuft. Diese Szene wird musikalisch von „I'll Keep Coming“ begleitet. In diesem Titel von Low Roar geht es um die Willensstärke angesichts von Verlusten oder Niederlagen. Während ihr am Strand spazieren geht und die Wellen beobachtet, ertönt der Refrain:
„Soon I'll come around
Lost and never found
Waiting for my words
Seen but never heard
Buried underground
But I'll keep coming“
Dass Sams Reise beschwerlich war, wäre eine Untertreibung. Im Durchschnitt werdet ihr etwa 40 bis 60 Stunden brauchen, um DEATH STRANDING DIRECTOR'S CUT durchzuspielen. Und das ohne die zahlreichen zusätzlichen Lieferungen und Nebenaktivitäten. Wenn ihr dann endlich den Strand erreicht, habt ihr es ehrlich verdient, euch diese Credits anzuschauen.
Doch wie der Name des Liedes schon vermuten lässt, ist Sams Reise noch nicht ganz zu Ende. Es besteht immer noch Hoffnung, und es gibt noch einiges zu tun, um die Folgen von Death Stranding umzukehren. Genauso wie Karazija „I'll keep coming“ (Ich mache weiter) singt, wird Sam weiter für eine bessere Welt kämpfen.

5. „BB's Theme“
Was wäre eine Playlist für DEATH STRANDING ohne ihr wichtigstes Stück? „BB's Theme“ ertönt in Episode 14, als Sam und Lou ihre letzte Lieferung überbringen. Nachdem ihr Capital Knot City ein letztes Mal verlassen habt, müsst ihr euch zu einer Verbrennungsanlage in den Bergen begeben. Diese liegt unweit des Ortes, an dem Sams Reise begann.
Auf den ersten Blick scheint es sich um eine gewöhnliche Mission zu handeln. Wie bei Kojima üblich, gibt es jedoch einen Haken: Ihr müsst diese Tour ohne die Hilfe eurer bewährten Karte erledigen. Zum Glück verfügt ihr über stundenlange Erfahrung und eine Vielzahl anderer Boten, die euch auf eurer Reise unterstützen.
Als Sam und Lou sich dem Stadtrand von Capital Knot City nähern, singt die Sängerin Jenny Plant ein sanftes Schlaflied, mit dem Mads Mikkelsens Figur, Cliff Unger, einst sein eigenes Baby in der Wiege beruhigte:
„See the sun set
The day is ending
Let that yawn out
There's no pretending
I will hold you
And protect you
So, let love warm you
'til the morning“
Während Sam auf dem Weg zur Verbrennungsanlage über Wiesen sprintet und einen Berg hinaufklettert, wird die Musik immer dramatischer und erreicht ihren Höhepunkt, sobald ihr das Ziel erreicht habt. Euch erwarten gemischte Gefühle – einerseits kommt Sam endlich am Ziel seiner Reise an, andererseits verabschiedet ihr euch von einer Welt, in der ihr unzählige Stunden verbracht habt.

6. „Death Stranding“
„Death Stranding“ ist in der zweiten – und wirklich letzten – Abschlusssequenz des Spiels zu hören. Der von der schottischen Band CHVRCHES interpretierte Titeltrack krönt ein ungewöhnliches Abenteuer mit einer atemberaubenden Synth-Pop-Ballade.
Leadsängerin Lauren Mayberry beschreibt eine Welt am „Ende der Zeit“. In dieser Welt besaßen die Menschen alles, um es dann wieder zu verlieren. Sie singt darin:
„Let's draw a line in the sand, keep it straight and narrow
We had it all in our hands, we begged and then we borrowed
What will become of us all at the end of love
When we've stopped looking up?“
Diese Bilder erinnern an den Moment, den Sam an Amelies Strand hatte, als er über die Vergänglichkeit des Lebens und die ständige Verheißung des Todes nachdachte. „Death Stranding“ spielt möglicherweise auf seine Geschichte an und ruft dazu auf, einen Schlussstrich zu ziehen und darüber nachzudenken, was passieren wird, „wenn wir am Ende der Geschichte zu träumen wagen“.
Jeder, der schon einmal DEATH STRANDING DIRECTOR'S CUT oder frühere Kojima-Titel gespielt hat, kennt seine Vorliebe für Symbolik. Dieses Spiel lädt dazu ein, es noch einmal zu spielen und dabei den Kontext zu überdenken, Theorien zu verwerfen und neue Einsichten zu gewinnen.
Wer keine Zeit dafür hat, kann sich vielleicht damit abfinden: Sams Geschichte ist im Grunde das, was man aus ihr macht. Das Spiel kann man auf jeden Fall genießen, ganz gleich, ob es einem Angst und Schrecken eingejagt hat, ob es einem durch die Pandemie geholfen hat oder ob es einfach nur ein malerisches Erlebnis war. Schnappt also eure Fracht, lauscht der Musik und erkundet die Welt.
DEATH STRANDING DIRECTOR'S CUT ist jetzt im Epic Games Store verfügbar.