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Interview zu Sniper Elite: Resistance: Tiefer hinter die feindlichen Linien

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Francisco Dominguez
6. Jan. 2025
Dieser Artikel wurde zuletzt am 13. Januar 2025 um 5:19 PM aktualisiert.
Bisher spielte Harry Hawker in der „Sniper Elite“-Reihe neben dem langjährigen Protagonisten Karl Fairburne als dessen zuverlässiger britischer Partner immer nur die zweite Geige. Mit Sniper Elite 5 aus dem Hause Rebellion betrat die Reihe erstmals französischen Boden und es verschlug Karl auf gefährliche Missionen an der Nordküste der Normandie, dem entscheidenden Schlachtfeld der Alliierten auf ihrem Weg nach Nordfrankreich und letztendlich zur Befreiung von Paris. Die Handlung des kommenden Titels Resistance verläuft parallel zu den Ereignissen von Sniper Elite 5 und diesmal kann Harry als Special Operations Executive der Wahl endlich beweisen, dass er mehr als ein gewöhnlicher Tommy ist.

Resistance dringt in kleinen, vom französischen Widerstand organisierten Zellen noch tiefer hinter die feindlichen Linien vor. Im Gespräch mit Epic Games verrät Lead Level Designer Beck Shaw, dass Harry den auf einem Hügel gelegenen Lyoner Stadtteil Fourvière infiltriert, Sprengstoffanschläge in den Alpen verübt, durch Burgen, Schlösser und Weinberge schleicht und Eisenbahnanlagen mit schwer bewaffneten Panzerzüge der Deutschen sabotiert, während er der geheimen Wunderwaffe der Nazis nachjagt.

Scharfschützen und Urlauber haben viel gemeinsam. Auf den immer größeren Karten von Sniper Elite eröffnen sich von den erhöhten Aussichtspunkten aus die spektakulärsten Ausblicke mit freier Sichtlinie, um deutsche Infanteriepatrouillen zu markieren und auszuschalten. Shaw geht es darum, atemberaubende Momente zu schaffen. So spielte zum Beispiel einer der beliebtesten Level von Sniper Elite 5 in Mont-Saint-Michel, einer tausend Jahre alten Abtei auf einer abgelegenen Insel (die übrigens auch als Inspiration für Minas Tirith in Peter Jacksons Herr der Ringe diente). „Viele Spieler erinnern sich noch daran. Viele Level von Sniper Elite: Resistance werden ebenfalls solche staunenswerten Momente enthalten“, sagt Shaw.
 

Die Perfektionierung der Zweiter-Weltkrieg-Sandbox


Dank der Größe der Karte hat das Design von Sniper Elite zunehmend freiere Formen angenommen und erlaubt den Spielern, verschiedene Spielstile und Strategien auszuprobieren, um ihre Ziele zu erreichen – unter anderem Stealth-Methoden, systematische Scharfschützen-Taktiken oder einfach brachiale Gewalt mit Raketenwerfern und Granaten-Spam. „Wir verteilen in jedem Level eine Reihe von interessanten Orten mit bestimmten Zielen, die die Spieler aus allen Richtungen erreichen können“, sagt Shaw. „Beim ersten Durchspielen stürmt man vielleicht mit brüllenden Waffen ins Getümmel. Beim nächsten Mal versucht man dann, sich heimlich und unbemerkt von hinten anzuschleichen, und nähert sich dem Ziel aus einer anderen Richtung. Bei einem weiteren Durchgang verlässt man sich auf sein Sniper-Gewehr und erledigt möglichst viele Feinde, bevor man sich dem eigentlichen Ziel nähert.“

Trotz ihres Ausmaßes bieten die weitläufigen Level laut Shaw Scharfschützen ganz bewusst nur begrenzten Schutz, damit sie es trotz ihrer Bemühungen, Schüsse mit Umgebungsgeräuschen oder dem Lärm von Stromgeneratoren zu übertönen, nie zu einfach haben. „Es gibt kein einziges Sniper-Nest, das rundum Deckung bietet“, sagt er. „Sniper-Positionen sind in der Regel immer von zwei oder drei anderen Sniper-Positionen aus einsehbar. Man muss also vorsichtig sein – nach dem ersten Schuss muss man sofort weiter, denn da die Kugeln und die Schussbahnen Spuren hinterlassen, weiß jeder sofort, wo man sich befindet.
Interview zu Sniper Elite: Resistance: Tiefer hinter die feindlichen Linien – Schuss
Das Snipen ist in den Spielen zwar realistisch, aber doch etwas übertrieben, um den perfekten Mittelweg zwischen realer Präzision und Schüssen wie in Arcade-Spielen zu finden. Die dichtgepackten Sandbox-Level sind bewusst nicht so riesig wie in Call of Duty oder PUBG, wo Schüsse über Entfernungen abgefeuert werden, bei denen die Kugel aufgrund der Schwerkraft längst den Boden berühren würde.
 
„Man muss [bei bestimmten Schwierigkeitsgraden] den Wind berücksichtigen, aber es ist kein böiger Wind, der ständig die Richtung wechselt, sondern er ist während eines Spieldurchlaufs ziemlich konstant“, so Shaw. „Das heißt, man kann ihn einkalkulieren und seine Schüsse schnell an die Windverhältnisse des Levels anpassen.“
 
Das Stealth-Gameplay der Reihe haben sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt, man kann durchaus ähnlich wie in traditionellen Stealth-Titeln wie Metal Gear Solid spielen, sich in Ecken drücken, Gegner im Nahkampf ausschalten, Leichen in abgelegene Gassen schleppen oder mit Schusswaffen mit mittlerer Reichweite ein Blutbad anrichten. All das wird durch die neuen Fortbewegungsmethoden von Sniper Elite 5 unterstützt und ihr könnt in vielen Situation an Kanten hochspringen, klettern oder Seilrutschen verwenden.
 
Obwohl viele alternative Ansätze auf den ersten Blick vielleicht aufregender erscheinen, ist Shaw davon überzeugt, dass die „Sniper Elite“-Reihe ein Ass im Ärmel hat, das einen systematischen Sniper-Spielstil fördert: die Killcam. Dieses grausige Feature, ein krasses, aber lieb gewonnenes Markenzeichen der Serie, belohnt tödliche Sniper-Schüsse mit einer Zeitlupenwiederholung mit Röntgenblick, die den zerstörerischen physischen Schaden simuliert, den eure Kugel anrichtet. Der Schädel zersplittert, Augäpfel werden durchbohrt oder andere Körperteile zermatscht – wie Shaw bemerkt, zielen die Spieler gerne auf die detailgetreu nachgebildeten Hoden und genießen den eindrucksvollen Effekt, wenn Kugeln von den Knochen abprallen.
 
Das ist eine Extra-Belohnung dafür, wenn ihr beim Snipen eure Geschicklichkeit unter Beweis stellt. Ein Treffer aus 1.000 Metern Entfernung ohne Hilfe und mit aktivierter Schwerkraft- und Wind-Option ist ein Erfolg, der eine detaillierte Großaufnahme der explosiven Auswirkungen redlich verdient. Unter schwierigeren (realistischeren) Bedingungen können Missionen Stunden dauern, weshalb Shaw darauf verzichtet, auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad „Authentic“ zu spielen.

Ein Problem bei der Berücksichtigung aller möglichen Spielstile kann sein, dass die Spieler selbstgefällig werden, wenn sie einen Stil gefunden haben, der ihnen gefällt. Mit der Einführung der „Kill List“ holte Sniper Elite 5 die Spieler aus ihrer Komfortzone heraus und ergänzte jeden Level um einen Hitman-ähnlichen, maßgeschneiderten Kill, bei dem einem Ziel ein besonders gemeiner Tod zugedacht wird – zum Beispiel, indem man einen berüchtigten Giftmörder sein eigenes Gift kosten lässt.

Neben weiteren Zielen auf der „Kill List“ gibt es in Resistance die brandneuen „Propaganda“-Missionen. Sobald ihr eine solche Mission ausfindig macht, beginnt der Level im Zeitangriffsmodus von vorn und ihr müsst mit neuen Regeln möglichst viele Punkte für eine Online-Bestenliste sammeln. So könnten zum Beispiel nur Stealth-Methoden zählen und ihr verdient Punkte, indem ihr eure Enttarnung vermeidet, und erhaltet für jeden Stealth-Kill einen Zeitbonus. Es ist das jüngste Beispiel dafür, wie Rebellion die Spieler dazu bringt, die Flexibilität der möglichen Spielstile ausgiebig kennenzulernen.
 

Ein amerikanischer Held aus einem britischen Studio


Nach zwanzig Jahren der Reihe wird es höchste Zeit, dass auch Harry endlich glänzen kann. Da Rebellion ein britisches Studio ist, konnte ich mir die Frage nicht verkneifen, warum man sich für einen amerikanischen Protagonisten (mit deutschen Wurzeln) entschied. Diese Entscheidung fiel zwar vor Shaws Zeit, aber er vermutet, dass auf diese Weise zum einen Spieler aus den USA angelockt werden sollten, und es zum anderen eine clevere Möglichkeit war, in der Reihe eine große Auswahl von Militärtechnologien der Geheimwaffenabteilung der amerikanischen und der britischen Armee zu verwenden.

Rebellion nimmt die Waffen sehr ernst. Mittlerweile hat die Serie eine treue Fangemeinde von Fans des Zweiten Weltkriegs, die Rebellions akkurate Darstellung zu schätzen wissen. Dabei ist das britische Waffen- und Rüstungsmuseum Royal Armouries mit seinem einzigartigen Wissen und der umfangreichen Sammlung von Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg eine wichtige Quelle. Nicht selten feuern die Audio- und Animationsteams des Studios echte Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg ab, um Audiosamples aus verschiedenen Entfernungen aufzunehmen.

„Aus der Ferne kracht es ganz gut, aber die Schüsse aus der Nähe dröhnen richtig herrlich laut. Ich glaube, die Abteilung funktioniert und sie werden jede Menge Spaß dabei haben.“ Shaw hält kurz inne, bevor er ein wichtiges Detail klarstellt: „Natürlich behandeln sie die Waffen sehr sorgfältig!“
Interview zu Sniper Elite: Resistance: Tiefer hinter die feindlichen Linien – Greifhaken
Eines seiner neuen Lieblingsbeispiele in Resistance ist das M1 Garand, ein halbautomatisches US-Gewehr, das General George S. Patton einst als „das beste Kampfgerät, das je erfunden wurde“ bezeichnete – vielleicht bewunderte er genau wie Shaw das gleiche befriedigende „Ping“ beim Abfeuern der letzten Patrone. „Viele Begeisterte der Geschichte des Zweiten Weltkriegs werden zustimmen, dass es auch eines ihrer Lieblingsgeräusche von Waffen ist“, so Shaw.

Mit dem französischen Widerstand als Kulisse kommt auch eine Sammlung neuer Waffen aus dem echten Arsenal der Résistance. Eine davon ist das Gewehr vom Typ Berthier 1916, das zu Harrys Primärwaffen gehört. Dieses ältere, überschüssige Repetiergewehr war eine effektive Allzweckwaffe, die bei der französischen Armee und den Einheiten des Widerstands wegen des Mangels an dem neueren, zuverlässigeren MAS-36 weit verbreitet war.

Ein Punkt, bei dem sich Rebellion sich nicht so sehr (tatsächlich sogar sehr wenig) an die Realität hält, ist die Individualisierung der Waffen. Während manche historische Waffen wie die britische No. 4 Mk1 in Sniper Elite 5 ihr eigenes speziell kalibriertes Zielfernrohr mitbrachten, das dieselbe Seriennummer hatte, bieten die „Sniper Elite“-Titel den Spielern jetzt die Möglichkeit, nach Herzenslust zu mischen und zu kombinieren. Die Schusswaffen verhalten sich alle unterschiedlich, aber sie können an den bevorzugten Spielstil angepasst werden: Wer gerne mit einer lauten Waffe wild um sich ballert, kann gerne ein größeres Magazin verwenden, um die Zerstörung länger auszukosten.
 

Duelle auf Distanz


Die „Sniper Elite“-Spiele bieten eine beeindruckende Auswahl an Multiplayer-Optionen. Die Kampagnen können im Koop-Modus für zwei Spieler, im PvP-Modus für 16 Spieler und im Koop-Survival-Modus gespielt werden. Nur wenige Spielereihen waren besser für ein Multiplayer-Feature geeignet, das durch Dark Souls populär wurde: Invasionen. Seit Sniper Elite 5 wurde diese asymmetrische PvP-Variante schnell zum Lieblingsmodus vieler Spieler und in Resistance darf sie natürlich nicht fehlen. Die Spieler können sich den Achsenmächten anschließen und die Herausforderung für Harry deutlich erhöhen, indem sie ihm nach dem Leben trachten und die feindliche KI in strategischen Positionen in erhöhte Alarmbereitschaft zu versetzen.
 
„Die Spieler der Achsenmächte können die KI allgemein zu ihrem Vorteil nutzen“, so Shaw. „Sie können die KI ermutigen, alliierte Spieler häufiger zu entdecken, allerdings können die Spieler der Alliierten auch einfach abwarten und versuchen, herauszufinden, wo sich die Invasoren der Achsenmächte aufhalten. Es ist eine Art Katz-und-Maus-Spiel und ich glaube, den Spielern macht es Spaß, sich gegenseitig aufzuspüren. Wenn man es schafft, vom Gegner nicht entdeckt zu werden, läuft er vielleicht an einem vorbei und man kann ihn hinterrücks erschießen oder erstechen.“
 
Diese Funktion erforderte bei der Gestaltung der Level eine neue Herangehensweise – für zwei Scharfschützen, nicht nur für einen.

„Wenn es einen erhöhten Aussichtspunkt gibt, befindet sich auf der anderen Seite der Karte auch einer mit freier Sicht auf den ersten, sodass man an keinem Ort wirklich sicher ist“, erklärt Shaw. „Beim Leveldesign berücksichtigen wir jetzt die Invasoren und achten darauf, dass beide Teams die gleichen Chancen haben.
 

Mehr als nur ein weiterer moderner Shooter


Seit den 2000er Jahren, als Der Soldat James Ryan und Pearl Harbor die Kinokassen füllten und Medal of Honor und Call of Duty zu den Bestsellern unter den Zweiter-Weltkrieg-Ego-Shootern zählten, hat diese Kulisse an Beliebtheit nachgelassen. Call of Duty bewegt sich jetzt in anderen Epochen und Medal of Honor ist für die meisten nur noch eine ferne Erinnerung.
 
Doch für Shaw hat diese Zeit aufgrund der Größe des Konflikts immer noch viel zu bieten. 20 Jahre nach dem Start der Reihe hat Sniper Elite kaum an der Oberfläche gekratzt: Die Spieler waren in Italien, Frankreich und Nordafrika, während Deutschland und Russland bereits in den ersten Spielen vorkamen.. Sowohl die Schauplätze und Szenarien als auch die Waffen und Technologien an den verschiedenen Fronten bedeuten, dass Sniper Elite noch für lange neue Inhalte neues Material finden kann.
 Interview zu Sniper Elite: Resistance: Tiefer hinter die feindlichen Linien – Zielen
Der Reiz des Szenarios liegt darin, dass der Krieg in dieser Epoche – bevor ferngesteuerte Drohnenangriffe und hochauflösende Satellitenfotos in entfernten militärischen Kommandozentralen organisiert wurden – eine mehr „menschliche“ Angelegenheit war. „Es war der letzte Krieg, bei dem alles greifbarer und persönlicher verlief, das letzte Mal, dass einzelne Soldaten hinter den feindlichen Linien für Chaos und Sabotage sorgen konnte“, so Shaw. „Das ist es, was die Fans begeistert. Es ist nicht einfach nur ein weiterer moderner Shooter. Viele der Mechaniken sind greifbarer und den Spielern gefällt es offensichtlich, dass das Gameplay nicht vor allem aus hektischen Schießereien besteht.“
 
Eines der wichtigsten Elemente des Zweiten Weltkriegs sind die Nazis, die beliebtesten Prügelknaben der Geschichte, wie Indiana Jones kürzlich in Indiana Jones und der Große Kreis schlagkräftig zeigte.
 
„Man kann mit ihnen machen, was man will, ohne sich dabei irgendwie schuldig zu machen“, sagt Shaw. Das Team hat jedoch auch darauf geachtet, die Realität eines Krieges widerzuspiegeln, in dem viele feindliche Soldaten eigentlich gar nicht kämpfen wollten. Mit Harrys Fernglas werden zunächst feindliche Stellungen und Alarmzustände markiert, doch eine längere Beobachtung offenbart mehr: ihre Waffen, ihre Ausrüstung und ihre tatsächlichen Persönlichkeiten, die in Form von Biografien dargestellt werden.
 
„Die Biografien geben den Feinden einen neuen Aspekt“, sagt Shaw. „Wir überlassen es den Spielern, bewusst zu entscheiden, was sie mit jedem einzelnen Gegner machen wollen, was wiederum unterschiedliche Spielstile und abwechslungsreiche Spieldurchläufe fördert. Man könnte jede Biografie lesen und sagen: ,Diese Typen haben den Tod verdient, sie sind einfach entsetzlich.‘ Man kann denselben Typen aber auch einfach eine überziehen und sie am Leben lassen, denn sie sind gar nicht so entsetzlich. Sie sind gegen ihren Willen hier, wie wohl die meisten Menschen.“

Sobald Harry Hawker auftaucht, werden sie jedenfalls nicht mehr lange dort sein, sei es, weil sie nach einem weiteren verheerenden Täuschungsmanöver den Rückzug antreten, sei es, weil ihre Schädel unter seinem Berthier zersplittern.

Sniper Elite: Resistance erscheint am 30. Januar im Epic Games Store.