
So macht Hazelight Studios aus Split Fictions genreübergreifendem Gameplay ein stimmiges Gesamtpaket

Wenn ihr schon etwas über Hazelight Studios' neuestes Spiel Split Fiction gehört habt, dann wahrscheinlich, dass das neue kooperative Action-Abenteuer eine geradezu unglaubliche Vielzahl einzigartiger Gameplay-Elemente bietet. Die geniale Prämisse von Split Fiction – bei der die angehenden Schriftstellerinnen Mio und Zoe in ihren eigenen fiktiven Geschichten gefangen sind – katapultiert euch in eine scheinbar endlose Vielfalt an Science-Fiction- und Fantasy-Szenarien.
Allein schon diese Genre-Dichotomie bereitet den Boden für ein Erlebnis, das euch genauso viel Zeit in weit entfernten Galaxien bietet wie unter mythischen Monstern. Doch auch wenn ihr euch auf Geballer mit Blastern und das Beschwören von Magie freuen könnt, kratzen diese genre-spezifischen Elemente nicht einmal an der Oberfläche der schieren Masse an einmaligen Mechaniken in Split Fiction.
Zwischen dem Surfen auf Sandwürmern und dem Ausweichen explodierender Sonnen bis hin zu rasanten Fahrten auf Lichträdern und dem Anführen einer Primaten-Polonaise werdet ihr kaum Gelegenheit zum Verschnaufen haben – und langweilig wird es ganz sicher nie.
Aber wie steht es um die Erzählkunst und Charakterausformung in Split Fiction? Geht diese einmalige Gameplay-Vielfalt auf Kosten einer zusammenhängenden Geschichte? Sind Zoe und Mio nicht mehr als Spielfiguren in einer aufgeblasenen Sammlung von Minispielen?
Ganz im Gegenteil. Trotz seines scheinbar unsystematischen Ansatzes setzt Split Fiction geschickt auf einige zentrale, sorgfältig ausgearbeitete Elemente, die alles zu einem stimmigen Gesamtpaket zusammenschnüren.
Im Grunde ein Plattformer mit starkem Fokus auf Puzzles
In dem aus acht Kapiteln bestehenden Spiel setzen Mio und Zoe eine schier unbegrenzte Palette an Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kräften ein. Fügt man der Mischung dann noch ein Dutzend Nebenquests hinzu – jede einzelne davon mit einzigartigen Eigenschaften ausgestattet – kann man sich darauf verlassen, dass es in der rasanten Welt von Split Fiction alle paar Minuten etwas Neues zu lernen gibt.

Aber während ihr dabei seid, ein furzendes Schwein zu kontrollieren, nachdem ihr erst Sekunden zuvor mit einem Laser-Lasso gegen einen Hammer schwingenden Boss angetreten seid, werdet ihr feststellen, dass diese Szenarien trotz aller Verschiedenheit einen gemeinsamen Nenner haben. Beide Herausforderungen (und so ziemlich jedes Ziel in Split Fiction) stellen eure Plattformer- und Puzzle-Fähigkeiten auf den Prüfstand.
Ersteres ist eine Kernmechanik der Spielschleife, da ihr selten mehr als einige wenige Schritte weit kommt, ohne zu rennen, zu springen, vorzustürmen oder euren Greifhaken zu benutzen. Ergänzt durch Doppelsprünge und Wallruns werden diese akrobatischen Aktionen regelmäßig für alles Mögliche eingesetzt – von schneller Fortbewegung bis hin zu komplexen Plattform-Herausforderungen.
Die Puzzles sind ebenso allgegenwärtig und fordern euch und euren Koop-Partner immer wieder dazu auf, neue oder bereits bestehende Fähigkeiten einzusetzen, um Hindernisse zu überwinden, euch durch anspruchsvolle Umgebungen zu bewegen und die Schwächen von Gegnern auszunutzen. Sie sind ein ständig präsenter Bestandteil des Spiels. Also auch wenn es sich so anfühlen mag, als würdet ihr immer wieder Neues unternehmen – besonders, wenn ihr von einem knallharten Cyber-Ninja zu einem furzenden Schwein übergeht – verankert Split Fiction diese scheinbar unzusammenhängenden Szenarien subtil in zwei vertrauten Genres.
Die Autorinnen verankern die Absurditäten
Ohne Zoes und Mios humorvolle Dialoge würde sich Split Fiction womöglich wirklich wie eine Sammlung von Minispielen oder zufälligen Herausforderungen anfühlen. Die häufigen Interaktionen der beiden Charaktere dienen nicht nur als regelmäßige Erinnerung an ihre ungewöhnliche Lage, sondern bieten auch Kontext für jedes bizarre Szenario, in dem sie sich wiederfinden.

Natürlich gibt es auch eine übergreifende Handlung. Die beiden versuchen, ihren eigenen Geschichten zu entkommen, nachdem ein technologiegetriebener Verlagsdeal schiefgegangen ist. Diese Hauptgeschichte – die auch ihre sich entwickelnde Beziehung thematisiert – dient als roter Faden, der mit Zwischensequenzen und Dialogen im Spiel immer wieder aufgenommen und vertieft wird. Oft ist es aber ihr Small Talk, der den Spielern auf ganz natürliche Weise hilft, Sinn darin zu finden, dass sie gerade beispielsweise einen riesigen Katzenkönig in einem Eisschloss besiegt haben.
Wer aufmerksam zuhört, wird erfahren, dass alles, was euch über den Weg läuft – ganz egal wie verrückt es ist – mit dem Leben der beiden angehenden Autorinnen oder ihrer lebhaften Fantasie verbunden ist. Das frostige Flauschkätzchen ist beispielsweise die Manifestation einer frechen Katze aus Zoes Kindheit. Viele der Missionen bieten euch sogar abgelegene Sitzbänke, auf denen ihr wahlweise Platz nehmen und innehalten könnt, um Zoe und Mio bei ihren Gesprächen zuzuhören.
Zoe und Mio wissen Bescheid
Bei Split Fiction werdet ihr bei jedem Kapitel ins kalte Wasser geworfen. In einem Moment rettet ihr die Galaxie, im nächsten verteilt ihr Senf auf einem Hotdog, der kurz zuvor noch euer Teamkollege war. Zoe und Mio haben anfangs genauso wenig Ahnung wie ihr, stellen aber schnell fest, dass sie versuchen, in ihren eigenen Geschichten zu überleben.

Ihr Wissen dient den Spielern von Split Fiction als weiterer Realitätsanker. So seltsam und willkürlich die Umstände für euch hinter dem Controller scheinen mögen, die beiden Protagonistinnen fühlen sich in den von ihnen geschaffenen Welten wie zu Hause. Wie bereits erwähnt liefern Zoes und Mios Gespräche oft Kontext zur Welt, einem Charakter oder einem Wesen. Es ist jedoch ebenso spannend zu erleben, wie sie durch ihr Wissen über ihre eigenen Werke immer wieder Andeutungen darauf machen, was als Nächstes kommt.
Oft drücken die beiden Freude – oder Grauen – aus, wenn ihnen klar wird, dass ihre fiktiven Kreationen bald zum Leben erwachen könnten. Es ist beispielsweise einfach großartig, wenn Zoe den frechen Affen trifft, den sie und ihre Schwester sich als Kinder erträumt haben. Genauso unterhaltsam (und auch ein wenig unheimlich) ist es, wenn Mio darauf besteht, dass Zoe aus einem Flugzeug springt, von dem nur sie weiß, dass es explodieren wird.
Die „echte“ Welt existiert in der Geschichte
Der überwiegende Teil von Split Fiction entfaltet sich innerhalb der fantasievollen Welten, die Mio und Zoe erschaffen haben. Doch das Spiel verankert euch auch regelmäßig in der „echten Welt“ – und zwar mit Zwischenstopps bei Rader Publishing, dem ruchlosen Unternehmen, das für die Odyssee der Autorinnen verantwortlich ist.

Während ihr immer wieder in wunderliche Fantasiewelten und dystopische Sci-Fi-Alpträume entführt werdet, erinnern häufige Einblicke in Rader – wo die turbulente Reise der Protagonistinnen begann – daran, dass alles mit der „realen Welt“ des Spiels verbunden ist. Selbst wenn Mio und Zoe gerade gigantische Kreaturen erklimmen oder an hochgefährlichen Game-Shows teilnehmen, leben die zwielichtigen Gestalten, der sie dieses Chaos zu verdanken haben, parallel in einer echten (wenn auch futuristischen) Welt, die der unseren gar nicht so unähnlich ist.
Split Fiction ist jetzt im Epic Games Store verfügbar.