
Die Co-Moderatoren der DICE Awards sprechen über überraschende Jobangebote, das Hochstapler-Syndrom und einen Safe Space für Entwickler

Greg Miller wusste, dass er sich einen Sieg bei den Game Awards 2015 sichern würde. Er wusste jedoch nicht, dass er dort auch einen neuen Job finden würde.
Zu Beginn des Jahres hatte Miller zusammen mit ein paar Freunden eine unabhängige Produktionsfirma und ein Podcast-Netzwerk namens Kinda Funny gegründet. Ihre Videos und Podcasts drehten sich um Videospiele und Popkultur. Finanziert wurde ihre Arbeit hauptsächlich durch die Unterstützung ihrer Fans auf Patreon.
Und laut Miller zeigten viele der Leute, die ihn nach seinem Austritt aus IGN per Crowdfunding unterstützt hatten, ihre Anerkennung auch auf andere Weise. 2015 wurde er bei den Game Awards, wo bekanntermaßen die Crème de la Crème der Videospielbranche gefeiert wird, in der Kategorie „Trending Gamer“ (Aufsteigender Spieler) nominiert. Und da in dieser Kategorie die Stimmen der Fans zählen, wusste er, dass er gute Chancen hatte.
Miller wusste, dass er gewinnen würde, solange ihm nicht in letzter Sekunde die Fans von MonteCristo oder PewDiePie einen Strich durch die Rechnung machten.
Und dann war es tatsächlich so weit. Nachdem ca. 37 Minuten der zweistündigen Show vergangen waren, betrat Shawn Layden, der Präsident und CEO von Sony Computer Entertainment America, die Bühne und verkündete Millers Sieg.
Was anschließend passierte, brachte ihm einen neuen Job ein.
Da er sich seines Sieges sicher war, hatte Miller Zeit gehabt, sich vorzubereiten. Und dabei ging es ihm vor allem darum, die Aufmerksamkeit von sich abzulenken. In seiner Dankesrede zeigt er seine Anerkennung. Er zeigte sich dankbar. Und er war nicht gewillt, das Rampenlicht nur für sich zu beanspruchen.
Heute lacht Miller darüber.
„Damals gab es noch keine Zeitbeschränkungen für die Ansprachen“, erzählte Miller, „und ich stand da oben und ließ mich darüber aus, wie viel mir Spieleentwickler bedeuten und wie unfair es ist, dass ich einen Preis bekomme, während Hunderttausende von ihnen leer ausgehen. Dass die Leute nicht mal ihre Namen kennen. Und nicht wissen, was sie überhaupt tun.“
Etwa ein Jahr später meldeten sich Vertreter der Academy of Interactive Arts & Sciences (AIAS) mit einem Angebot: Miller sollte mit derselben Anerkennung und Wertschätzung die DICE Awards moderieren, die jährliche Feier, die von der Videospielindustrie für die Videospielindustrie veranstaltet wird.
„Ich dachte mir nur ‚Oh mein Gott!‘“, sagte Miller. „Das war natürlich eine große Ehre. Und so läuft das nun schon seit sieben Jahren, also acht Shows. Und dabei geht es darum, genau diese Menschen zu feiern. Ich finde, es gibt nichts Schöneres als den Leuten zu sagen: ,Hey Leute, das war echt gute Arbeit. Das ist eines meiner Lieblingsspiele. Das ist eure bisher beste Leistung! Und sie kommt von den Leuten, die sowieso schon geniale Spiele gemacht haben.‘“
Der DICE Summit

Die DICE Awards sind eine Veranstaltung der Academy of Interactive Arts & Sciences Foundation, die 2010 mit dem Ziel gegründet wurde, „durch Zusammenarbeit, Bildung und professionelle Entwicklung eine inklusive, weltweite Gemeinschaft von kreativen Köpfen und Unternehmen der interaktiven Unterhaltung zu fördern.“ Der Name des Events ist ein Akronym, das für „Design, Innovate, Communicate, Entertain“ (Design, Innovation, Kommunikation und Unterhaltung) steht.
Die Preisverleihung ist der krönende Abschluss des DICE Summit, der dieses Jahr vom 13. bis 15. Februar im „Aria Resort and Casino“ in Las Vegas stattfindet.
Auf dem jährlichen DICE Summit treffen sich Videospielentwickler aus der ganzen Welt, um sich auszutauschen, Kontakte zu knüpfen, zu lernen und die Branche zu feiern.
Dieses Jahr gibt es ein Pokerturnier und eine dreistündige „Dungeons & Dragons“-Partie, die vom Entwickler von Baldur's Gate 3, Larian Studios, und dem D&D-Publisher Wizards of the Coast gesponsert wird. Außerdem gibt es einen Go-Kart-Wettbewerb.
Aber es gibt auch viele ernsthaftere Veranstaltungen.
Bei manchen geht es um den zunehmenden Einsatz von KI in Spielen und ob es sich dabei um etwas Positives handelt. Bei anderen um Zugänglichkeit, Finanzierung und die Veröffentlichung von neuen Spielen in einer Welt, in der schon so viele beliebte Titel existieren.
Und schließlich findet am Donnerstag, dem Freitag, 16. Februar, 05:00 Uhr MEZ im Ironwood Ballroom mit den Moderatoren Greg Miller von Kinda Funny Games und Stella Chung von IGN die Verleihung der 27. jährlichen DICE Awards statt.
Die DICE Awards

Die DICE Awards sind der Höhepunkt eines Branchenevents und unterscheiden sich damit von anderen Videospielpreisverleihungen. Wie Keighley uns kürzlich mitteilte, ist er das ganze Jahr mit den Game Awards beschäftigt und hilft dabei sogar Studios bei ihren Trailern, die sie beim Event zum Jahresende präsentieren wollen. Bei den DICE Awards gibt es keine Trailer. Es gibt auch keine Auszeichnungen für Kategorien wie „Trending Gamer“, da dies gar nicht der Aufgabe entspricht, die diese Show erfüllen will.
Die Regeln und Abläufe für die Abstimmungen bei den DICE Awards sind 16 Seiten lang und wurden vom AIAS-Vorstand ausgearbeitet. Sie wählen die Kategorien aus, nehmen die Einreichungen entgegen und reduzieren die Liste der Einreichungen dann auf durchschnittlich fünf Nominierte pro Kategorie.
Das ist nur ein Beispiel dafür, wie sich die DICE Awards von anderen Shows unterscheiden. Personen aus der Branche, die über einschlägiges Wissen und Erfahrung verfügen, geben bei jedem Schritt des Auswahlverfahrens ihre Stimme ab. Aktive Mitglieder der AIAS aus dem kreativen/technischen Bereich, aus der Wirtschaft und aus den Partnerorganisationen sind zum Beispiel in Kategorien wie „Game of the Year“ (Spiel des Jahres) und „Outstanding Achievement for an Independent Game“ (Bestes Indie-Spiel) stimmberechtigt, während Mitglieder aus dem kreativen/technischen Bereich auch über Auszeichnungen abstimmen können, für deren Beurteilung sie als Einzige qualifiziert genug sind. Spieledesigner und Produzenten können beispielsweise in der Kategorie „Outstanding Achievement in Story“ (Beste Handlung) abstimmen, während Sounddesigner und Musiker in Kategorien wie „Outstanding Achievement in Original Musical Composition“ (Beste Musikkomposition) ihre Stimme abgeben können.
Wenn die Game Awards so etwas wie die „People's Choice Awards“ sind, bei denen aufgrund von Meinungsumfragen die Popularität über den Gewinner entscheidet, ähneln die DICE Awards eher einer Oscar-Verleihung der Videospielindustrie, bei der die Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences – also Filmemacher – ihre Kollegen auszeichnen.
Das hört man auch am Tonfall der AIAS-Präsidentin Meggan Scavio, wenn sie darüber spricht.
„Wir freuen uns, jeden einzelnen unserer Finalisten bei den 27. jährlichen DICE Awards zu ehren“, sagte Scavio. „Jedes der ausgewählten Spiele hat uns mit seinem Einfallsreichtum und seiner technischen Innovation und Erzählkunst beeindruckt. Ein großes Dankeschön an alle Kollegen in der Jury, die ihre Zeit und ihr Fachwissen der Beurteilung und Auswahl der Nominierten gewidmet haben, an alle unsere Mitglieder, die sich die Zeit genommen haben, um für die Gewinner zu stimmen, und an unsere Co-Moderatoren Greg und Stella für ihre harte Arbeit bei der Moderation der Veranstaltung.“
Und damit kommen wir zurück zu Greg Miller, der gar keine Videospiele entwickelt, weshalb es auf den ersten Blick vielleicht seltsam wirkt, ihn als Moderator für ein solches Event auszuwählen. Doch es waren sein Charakter und die Einstellung, die er in seiner Dankesrede bei den Game Awards 2015 gezeigt hat, die das Interesse der AIAS geweckt haben. Man überlegte bereits, der Preisvergabe eine neue Form zu verleihen, und Miller passte mit seinem Verhalten perfekt in dieses Konzept.
Und so begann die Kollaboration. Miller schlug die Zusammenarbeit mit Mike Drucker vor, einem anerkannten Autor, der unter anderem für „The Tonight Show Starring Jimmy Fallon“ und, was vielleicht noch wichtiger ist, für „Up at Noon with Greg Miller“ schrieb.
Das erste Jahr stellte ihn vor viele Herausforderungen. Er musste den richtigen Ton finden und lernen, wie man als Moderator auf der Bühne agiert, was für ihn eine völlig neue Erfahrung war.
„Normalerweise mache ich ja nur Podcasts“, erläuterte Miller. „Ich kann also schimpfen, mich aufregen und tun, was immer ich will, und dann einfach eine Kehrtwende machen und mich darüber lustig machen. Und plötzlich lief es eher nach dem Motto ‚Also, das muss so und so laufen.‘ Und ich glaube, wenn man sich alle Monologe noch einmal ansieht, merkt man, wie ich mich da oben langsam wieder wohlfühle, und zwar nicht nur, weil ich dem Drehbuch problemlos folgen kann, sondern auch, weil ich ein gutes Maß an Improvisation finde.“
Eine neue Partnerschaft

Sowohl der allgemeine Ton des Drehbuchs als auch bei den spontanen Improvisationen gehen inzwischen auf sein Konto. Die Anfangsjahre sind vorbei. Dies ist Millers achtes Jahr als Moderator, und er kehrt mit einer Co-Moderatorin zurück, die nicht besser zu ihm und dem Ton der Show passen könnte: Stella Chung von IGN, dem exklusiven Streaming-Partner der DICE Awards.
Und Stella wurde auf Gregs Empfehlung eingeladen.
„Als Greg mich den DICE-Leuten empfohlen hatte, war ich sehr überrascht und dachte: ‚Ach, wirklich? Warum tust du das?‘ Und er meinte nur: ‚Ich finde, du bist sehr gut!‘ Und ich dachte mir nur ‚Okay, das ist echt cool.‘“
Chung war als Gast in den „Kinda Funny“-Shows aufgetreten und Miller war beeindruckt davon, dass sie genauso gut austeilen wie einstecken konnte. Er gibt offen zu, dass ein guter Teil seiner Online-Persönlichkeit einem Wrestling-Bösewicht entspricht – er ist ein Agent des Chaos, der vor allem mit der Person neben sich Unfug treibt. Chung ließ sich auf den verbalen Schlagabtausch ein und hielt sich dabei nicht zurück. Miller war davon begeistert und nannte sie ein „natürliches Babyface“ – eine Wrestling-Superheldin und die perfekte Ergänzung zu seinen Albernheiten.
Und so kam es, dass Stella Chung bei ihren ersten DICE Awards den Moderator der DICE Awards auf die Schippe nahm. Wenn sie darüber spricht, hört man ihr die Aufregung und Dankbarkeit an.
„Beim ersten Mal litt ich natürlich unter dem Hochstapler-Syndrom – ich hatte das Gefühl, dass ich gar nicht hierher gehöre. Aber nachdem ich mir die Witze und den Monolog angesehen hatte, dachte ich nur: ‚Oh, das ja cool, völlig anders, als was ich erwartet hatte.‘ Ich hatte mit einer sehr nüchternen und geradlinigen Show gerechnet, aber das war sie definitiv nicht.“
Die Teilnahme an der Konferenz und der Kontakt mit den Teilnehmern trugen wesentlich dazu bei, dass sie sich wohlfühlte und ihre Angst, fehl am Platz zu sein, überwand.
„Letztes Jahr, bei meinen ersten DICE Awards, dachte ich mir: ‚Hey, ich würde gerne bei den Panels dabeisein und mir ansehen, was da passiert.‘ Und es war wirklich schön, einige der Leute näher kennenzulernen, denn es gibt dort nicht wie bei anderen Messen „Meet and Greets“, bei denen man die Möglichkeit hat, Entwickler oder sonst jemand direkt zu treffen.
Es war sehr locker, alle waren außerordentlich nett und es war ein Safe Space für Entwickler“, sagte Chung. „Und ich glaube, das war das Wichtigste, was mir von den DICE Awards in Erinnerung geblieben ist. Alle fühlten sich respektiert und es war einer dieser seltsamen Momente, in denen man denkt: ‚Oh, was für eine schöne Zeit.‘
Alle respektieren einander. Jeder kennt irgendwie jeden. Und falls nicht, lernt man sich kennen. Und das war einfach wunderbar.“
Die „DICE Awards“-Show ist auch deshalb so anders, weil sie viel toleranter ist als andere Veranstaltungen. Sie nimmt die Realität und den Kontext des DICE Summit auf. Eigentlich beginnt die Show bereits eine Stunde vorher mit der Happy Hour. Die Tage, an denen man Kontakte knüpft und mit Meinungsverschiedenheiten in der Branche zu kämpfen hat, sind vorbei. Der Moment ist gekommen, zu feiern und fröhlich zu sein. Und Chung liebt es, dass sie ganz offen sagen kann, was alle auf dem Herzen haben.
„Man konnte darüber sprechen, was gerade in der Spieleindustrie passierte“, sagte sie. „Man konnte darüber Witze machen. Und wie Greg meinte, konnte man auch fluchen. Und was gibt es Schöneres?“
Es gefällt ihr sogar so gut, dass sie findet, dass andere Preisverleihungen sich eine Scheibe davon abschneiden sollten.
„Und nachdem ich das erlebt hatte, dachte ich nur: Warum macht man das nicht überall so? Ich will nicht schlecht über die Game Awards reden, als Streamerin und Zuschauerin hatte ich lange gedacht: ‚Oh, die Game Awards sind wirklich cool. So sollte eine Preisverleihung aussehen.‘ Aber als ich merkte, dass das Format der DICE Awards deshalb so interessant war, weil es sich auf die Leute konzentrierte, die unsere Spiele machen, und nicht auf diejenigen, die sie konsumieren, dachte ich, dass sie viel mehr Berechtigung haben, über die Spiele zu sprechen und für sie zu stimmen. Denn sie können viel besser nachvollziehen, wie viel technischer Aufwand dahintersteckt. Als Konsumenten haben wir keine Ahnung davon.
Wir reden nur über Videospiele und warum sie uns gefallen. Und ich dachte mir nur: ‚Das ist echt cool. Das sollte ab jetzt der Standard sein.‘“
Im Gespräch mit Miller und Chung wird deutlich, dass sie großen Respekt voreinander und vor der Branche haben, für die sie schon bald auf der Bühne stehen werden.
Ab Freitag, 16. Februar 2024 um 05:00 Uhr MEZ könnt ihr die DICE Awards live auf IGN miterleben und Greg Miller und Stella Chung scherzen und bestimmt auch fluchen hören.