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Der Moment in STAR WARS Jedi: Survivor, der einem das Herz bricht
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Stephen Wilds
STAR WARS Jedi: Survivor ist eine trostlose Geschichte in einem Universum, das am mitreißendsten ist, wenn Trauer und Verlust im Vordergrund stehen. Das Spiel ist fünf Jahre nach seinem Vorgänger, STAR WARS Jedi: Fallen Order, angesiedelt. Cal Kestis ist von seiner vorherigen Crew getrennt. Gleich in der ersten Mission des neuen Abenteuers werden alle seiner unlängst gewonnenen Freunde brutal getötet. Harter Tobak, der auf den Rest des Spiels einstimmt. In diesen letzten Momenten auf Coruscant wird den meisten Spielern klar, dass der letzte noch verbleibende Verbündete, Bode Akuna, entweder den Heldentod sterben oder sich als Bösewicht erweisen wird. Beides würde schmerzlich sein und nicht ohne Spuren an mir vorbeigehen.
Bode, gespielt von Noshir Dalal, ist ein Revolverheld, der immer einen Spruch auf den Lippen hat und mit seinen beiden Blastern und seinem Jetpack an Boba Fett erinnert. Er ist gerissen und effektiv – genau die Art von Haudegen, den man sich bei einer Schießerei an seiner Seite wünscht –, aber er scheint auch ein Typ zu sein, der mit allen Wassern gewaschen ist und in der ganzen Galaxie Herzen bricht. Er ist ein bisschen so, als ob es A.C. Slater in STAR WARS gäbe, wenn auch nicht ganz so treu. Was danach geschieht, kann man sich schnell zusammenreimen. Einer seiner Sprüche, der schon fast wie eine Warnung klingt, ist mir besonders in Erinnerung geblieben: „Wenn du mit mir spielst, ist das Spiel von Anfang an manipuliert.“ Da verspürte ich zwar schon Gefahr, wusste aber, dass nicht sofort etwas passieren würde. Bis dahin mussten wir uns erst durch viele Schlachten im Weltall kämpfen – es dauert seine Zeit, eine entsprechende Beziehung aufzubauen.
Er ist eine Riesenhilfe. Er tötet Imperiale und ihr könnt seine Ausrüstung und Fertigkeiten einsetzen, um als Cal besser Hindernisse zu überwinden. Nicht nur bringt Bode Kestis bei, wie man einen Blaster verwendet, er versucht auch, seinem Kameraden bei der Eingewöhnung in sein neues Leben zu helfen. Er möchte, dass Cal nicht immer nur kämpft, sondern auch mal ein bisschen das Leben genießt, damit er weiß, um was er überhaupt kämpft. Und er drängt ihn, eine Beziehung mit Merrin einzugehen. Das hat mir gut gefallen, denn Cal kam mir zuweilen ziemlich verkrampft vor. Bode und ich kamen uns also näher, auch wenn schnell deutlich wurde, dass er ein zu toller Hecht für uns ist – zu gut, um wahr zu sein. Die beiden Figuren verstehen sich recht schnell ziemlich gut und Game Director Stig Asmussen meint, dass die beiden eine Beziehung „wie Brüder“ hätten.
Man erfährt schon früh, warum Bode dabei ist: Er verlor seine Frau namens Tayala und möchte seine Tochter, Kata, beschützen, die versteckt lebt. Das konnte ich gut nachvollziehen. Als mir klar wurde, dass es in seiner Geschichte darum geht, wie weit ein Vater zu gehen bereit ist, um sein Kind zu beschützen und ihm ein besseres Leben zu bieten, als es in diesem kriegerischen Universum eigentlich möglich wäre, begann ich, seine Motivation zu verstehen. Dafür ist Bode zu allem bereit und würde sogar die gesamte Galaxie in Gefahr bringen, wenn es darauf ankäme. Ich weiß nicht, ob ich ihm das übel nehmen kann.

Cals wiedervereinte Crew entdeckt einen Planeten namens Tanalorr, von dem weder das Imperium noch andere wissen. Doch Bode macht sich Sorgen, dass Cals Pläne für den Planeten dazu führen könnten, dass er nicht mehr geheim bleibt. Daher beschließt er, sich des Mittels, dort hinzukommen, einfach selbst zu bemächtigen, damit er und Kata ungestört auf dem Planeten leben können. Je mehr Leute die Crew auf den Planeten bringt, desto größer die Gefahr, dass das Imperium von Tanalorr erfährt. Also beraubt uns Bode dieser Option. Damit verschafft er sich Seelenfrieden, doch den Preis dafür müssen alle anderen zahlen. Auch hier kann ich ihn bis zu einem gewissen Grad verstehen.
Bodes Verrat schadet nicht nur Cal und der Crew, sondern vor allem auch dem Versteckten Pfad. Diese Gruppe, die sich dem Schutz derer verschrieben hatte, die von der Jedi-Auslöschung betroffen waren, verliert nicht nur ihre Basis und ihr Archiv, sondern auch die Möglichkeit, anderen zu helfen. Ich war darauf gefasst, dass er der Crew schaden würde, aber das ging dann doch zu weit. Ich hatte mich schon fast damit abgefunden, was er Cal bestimmt noch antun würde, aber dem Versteckten Pfad derart zu schaden, ging dann doch zu weit.
Und damit enden seine Schandtaten nicht: Er ermordet Meister Eno Cordova und viele andere. Der Mord, der mich jedoch am meisten erschütterte, war der an Cere Junda. Sie war ein wichtiger Charakter im vorherigen Spiel und wird hier von Darth Vader getötet. Ohne sie hätte ich das erste Spiel nicht geschafft, und hier muss man ihre Sterbeszene spielen. Der Verrat Bodes trifft einen tief, was sich deutlich an Cals emotionaler Reaktion zeigt. Cere war von Anfang an dabei. Sie half Cal, seinen Charakter zu festigen, und konnte selbst einiges bewirken. Bode verursacht ihren sinnlosen Tod, indem er Informationen an seine Vorgesetzten im Imperium weitergibt und durch seinen Plan, alle im Stich zu lassen. Damit war bei mir der Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr wegsehen konnte. Ich konnte ihm seine Taten nicht mehr verzeihen. Nicht, nachdem er Cere auf dem Gewissen hatte.
Um seine Tochter, die er über alles liebt, zu beschützen, lässt Bode seinen väterlichen Instinkt zum Ansporn für seine Schandtaten werden. Wahrscheinlich wollte er uns gar nichts antun – zumindest rede ich mir das ein –, aber er muss sich schon vor langer Zeit damit abgefunden haben, welche Gewalt und Opfer sein Vorhaben erfordern würde. Und doch bieten ihm Cal und Merrin einen Ausweg. Den hätte ich ihm nicht mehr gegeben, denn ich wusste, dass es nichts bringen würde. Bode hat mich nicht nur hintergangen, sondern das Spiel zwingt mich später dazu, sein Untergang zu sein. Ich nehme einem Kind seinen Vater. Schon früh im Spiel wollte ich, dass er mich hintergeht, um zu sehen, wie sich seine Geschichte entfaltet, doch in diesem Moment war ich hin- und hergerissen. Ich stand kurz davor, einen Freund mit seinem eigenen Blaster zu erschießen.
Kata erlebt diese herzzerreißenden Ereignisse mit, und sie wirkt ziemlich verängstigt, als ihr Vater ihr fast wehtut. Doch damit nicht genug: Sie wird Zeugin seines Todes. Da konnte ich nicht anders, als mit ihr zu fühlen. So sehr Cal auch wollte, dass Bode den ihm angebotenen Ausweg annimmt – Kata wusste, dass sich der Mann, der sie aufzog, nach dem Tod ihrer Mutter zu sehr verändert hatte. Sie ist zwar jung, doch klug genug, um das einzusehen. Und ich musste es ihr gleichtun. Ich musste mir eingestehen, dass Bode nach dem, was er dem Versteckten Pfad, Cordova und Cere angetan hatte, nicht der Mann war, den ich zu kennen glaubte. Ich hatte erwartet, von einem klischeehaften Bösewicht, der seinen Schnurrbart zwirbelt, verraten zu werden, aber auf so etwas Bedrückendes war ich nicht vorbereitet.

Nach seinem Tod hatte ich viele Fragen. Wie würden sich die Verbrechen von Bode auf seine Tochter auswirken? Würde sie als Erwachsene Rache an Cal üben wollen? Würde die Verantwortung als Stiefeltern, die Cal und Merrin nun zugefallen war, ihre Beziehung noch weiter belasten? Wie viel näher hatte der Kampf gegen Bode Cal an die dunkle Seite gebracht? Ich hatte Fragen und keine Lust, mich um ein Kind zu kümmern.
Eigentlich wollte er seine Tochter beschützen, doch dadurch hatte er sie noch viel schlimmer verletzt. Sofern er nicht gerade als Macht-Geist zurückkehrt, um alles wieder ins Reine zu bringen, wird sie sehr mit diesem Trauma zu kämpfen haben. Jedes Mal, wenn ich Kata sehe – sie bleibt nämlich bei der Gruppe –, erinnert sie mich an Bodes Verrat und alles, was ich wegen ihm erleiden musste.
Rückblickend war der Verrat vielleicht vorhersehbar, doch das hat ihn nicht weniger schlimm gemacht. Er blieb mir lange im Gedächtnis. Ich denke noch immer daran, wie ich ihn zur Strecke gebracht habe und wie er mich zu meinen Taten gezwungen hat. Manche meinen zwar, dass in vielen Genres solche Konstellationen schon etwas abgegriffen sind, aber diese klassische Geschichte funktioniert aus gutem Grund, vor allem, wenn die Charaktere erstklassig geschrieben und die Zwischensequenzen hervorragend ausgeführt sind. Wir suchen immer nach Wendungen und versuchen, Überraschungen vorauszusehen. Dabei entgeht uns aber manchmal, was an einer Geschichte wirklich fesselnd ist.
Schließlich geht es doch um das Erleben, und in diesem Fall machte es mir nichts aus, schon vorher zu ahnen, dass Bode mich hintergehen würde, weil ich gespannt war, wie genau es geschehen würde. Als es dann so weit war, hat es mich gepackt. Bode war kein traditioneller Bösewicht. Er war eher jemand, der verletzt war und auf den falschen Weg geriet, weil er meinte, dass ihm keine andere Wahl bliebe. Das kann ich nachvollziehen. Ich glaube, andere Spieler auch. Er hat viel zur Handlung des Spiels beigetragen und ist einer der Gründe, warum ich sie nicht vergessen werde. Viele Leute werden damit angeben, dass sie wussten, dass der Verrat kommt, aber das echte Abenteuer war es, zu erleben, wie sich alles entwickelt hat, und über seine Taten nachzudenken. Das habe ich getan, weswegen Survivor nicht nur ein weiteres gutes STAR WARS-Spiel ist, sondern bei mir Spuren hinterlassen hat, auf die ich stolz bin.
STAR WARS Jedi: Survivor ist im Epic Games Store verfügbar.