Neuigkeiten

Freud und Leid von Mortal Shell

D
Dave Tach
16. Nov. 2023
Mortal Shell ist ein Spiel, das euch mit vielen herausfordernden Momenten die Schweißperlen auf die Stirn treibt und gleichzeitig sehr viel Spaß macht. Aber wenn ihr sterbt, kann das ziemlich ärgerlich sein.

Denn bei gut gemachten Soulslikes, also knallharten Action-RPGs, gibt man sich meist selbst die Schuld, wenn etwas schiefgeht. Der Begriff „Soulslikes“ verweist auf die Dark Souls-Reihe des Entwicklers FromSoftware. Solche Spiele zeigen euch sowohl euer Potenzial als auch die Dinge, die ihr hättet anders machen können. Deshalb gibt man nicht auf und will es immer wieder neu versuchen. Und genau das tut ihr dann auch. Jedes Mal, wenn ihr probiert, euch durch die schwierigen Herausforderungen zu kämpfen, werdet ihr ein kleines bisschen besser.

Mit Mortal Shell hat das Entwicklerstudio Cold Symmetry eine Hommage an die Soulslike-Formel geschaffen, die die Stärken der Vorgänger aufgreift. Der Titel enthält außerdem intelligente neue Ideen und Wendungen, die ihn sowohl für altgediente als auch für neue Spieler interessant machen. Das Spiel zeigt euch seine Neuerungen schon zu Beginn.

Ihr betretet die düstere und gefährliche Welt von Fallgrim nackt, schwach und machtlos. Anfangs seid ihr lediglich mit einem gigantischen Schwert bewaffnet, das für einen einzigen unbeholfenen Hieb eure ganze dürftige Kraft beansprucht, aber Mortal Shell bietet euch schon früh eine Möglichkeit, euch zumindest kurzzeitig effektiv zu verteidigen: Mit der „Harden“-Mechanik könnt ihr euch in Stein verwandeln, an Ort und Stelle erstarren und euch so gegen einen Angriff verteidigen.
Freud und Leid von Mortal Shell – Kampf
Mit der Zeit erkennt ihr, dass „Harden“ nicht nur einen defensiven Vorteil bietet. Eure steinerne Panzerung zerbricht nämlich, wenn ihr getroffen werdet. Wenn ihr „Harden“ also mitten in einem Hieb einsetzt, schließt ihr diesen Hieb später als Antwort auf den Angriff eines Gegners ab. Mit diesem cleveren Trick könnt ihr Angriff und Verteidigung kombinieren und eure Kämpfe erhalten eine vierte Dimension: die Zeit. Diese Spielmechanik wirkt sich auf das gesamte Gameplay von Mortal Shell aus, auf alle Waffen und Panzerungen, die ihr benutzt. Ihr müsst lernen, auf Gefahren nicht nur mit Blocken zu reagieren, sondern sie vorherzusehen, euer Vorgehen zu planen und eure Feinde für ihre Attacken zu bestrafen.

Mortal Shell verzichtet auch auf die umständliche Verwaltung von Klassen, die in vielen anderen RPGs üblich ist. Anstatt Punkte in ein halbes Dutzend oder mehr unklarer Attribute zu stecken, gibt es jetzt Panzerungen („Shells“), die praktisch wie vorgefertigte Klassen sind. Mit jeder davon spielt ihr anders. Einige Panzerungen sind auf große Waffen spezialisiert, und ihr könnt die Wucht ihrer Angriffe bei jedem Hieb spüren. Andere wiederum funktionieren besser mit kleineren, schnelleren Waffen und ihr seid daher wendiger. Ihr könnt die Panzerungen wie Ausrüstung tragen und euch dadurch entweder auf eine spezialisieren oder zwischen ihnen wechseln. Je mehr ihr spielt, desto mehr lernt ihr und könnt die Bewegungen und Waffen jedes Charakters verbessern.

Außerdem belohnt euch Mortal Shell immer wieder für eure Neugier. Wenn ihr über die ganze Welt verstreute Gegenstände findet, wisst ihr anfangs nur sehr wenig über sie, aber je mehr ihr sie benutzt, desto besser lernt ihr sie kennen. Die Beschreibung der Gegenstände wird mit der Zeit erweitert, und ihr erfahrt mehr über ihren Nutzen und Zweck. Dadurch werden euer Wissen und eure Erfahrungen geschickt mit denen eures Charakters verwoben, und ihr lernt zusammen mehr über die Welt. So liefert das Spiel einen Ansporn, neugierig zu bleiben und verschiedene Dinge auszuprobieren. Gegenstände zu horten, bringt euch nicht weiter.

Aus großen Ideen werden Genres. Als Nintendo mit Super Mario Bros. das Genre der Plattformspiele einem breiten Publikum zugänglich machte, fügte SEGA dem Konzept eigene Ideen hinzu und erschuf so Sonic the Hedgehog. Auf dieselbe Art baute Cold Symmetry auf Dark Souls auf, um Mortal Shell zu entwickeln. Man könnte vielleicht sagen, dass der Unterschied zwischen Parodie und Hommage darin besteht, wie sehr man ein Spiel mag, und damit gehört Mortal Shell ganz klar in die Kategorie Hommage. Es ist ein anspruchsvolles und interessantes Action-RPG, das seine Spieler keinen unfairen Momenten aussetzt.

Kauft Mortal Shell im Epic Games Store.