
Trails Through Daybreak II bringt verbesserte Kämpfe, mehr Perspektiven und Angeln

Wenn es eine JRPG-Reihe schon so lange gibt wie Trails, eine Unterreihe des noch längeren The Legend of Heroes, haben neue Spieler schnell Bedenken, wo sie überhaupt einsteigen sollten. Zum Glück hat in diesem Jahr ein neuer Handlungsbogen begonnen, dessen nächstes Kapitel folgt, wenn Anfang 2025 die englische Version von The Legend of Heroes: Trails Through Daybreak II erscheint.
Das neue Spiel schließt direkt an The Legend of Heroes: Trails Through Daybreak an und Toshihiro Kondo, Produzent des Spiels und Präsident des Entwicklerstudios Falcom, empfiehlt neuen Spielern, dieses zuerst zu spielen, auch wenn es nicht mit einem Cliffhanger endet, wie es bei früheren Folgen der Fall war. „Es ist schön, die Charaktere wiederzutreffen, die man mit all ihren persönlichen Fortschritten aus dem ersten Teil kennt, und im zweiten Teil zu erleben, wie sie gewachsen sind“, sagt er in einem Interview mit dem Epic Games Store.
Immerhin ist es eindeutig leichter, sich mit nur einem Spiel auf den neuesten Stand zu bringen, als mit zehn. Das erste Daybreak-Spiel bot einen besonders zugänglichen Einstieg, da sein Handlungsort, die Republik Calvard, multikulturelle westliche Gesellschaften und die für diese Gesellschaften typischen soziopolitischen Spannungen widerspiegelt. Der Zeitpunkt ist denkbar günstig, denn die Fangemeinde von Falcom außerhalb Japans ist dank der verbesserter Übersetzung durch Publishing-Partner NIS America gewachsen.

Daybreak spielt in einer bislang unbekannten Nation auf dem Kontinent Zemuria und setzt vor allem auf neue Charaktere – Figuren aus früheren Spielen kommen relativ selten vor.. Der neue Protagonist Van Arkride ist eine willkommene Abwechslung zu früheren Helden, idealistischen Jugendlichen, die als „Verbündete der Gerechtigkeit“ kämpften. „Als Spriggan kann Van in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft arbeiten, egal, ob er auf der Seite der Guten oder der Bösen unterwegs ist“, erklärt Kondo. „Das macht ihn zu einem ganz besonderen neuen Hauptcharakter der Reihe und diese Rolle gefällt mir sehr.“
Daybreak II folgt der Struktur des Vorgängerspiels. Ihr nehmt in der Stadt allerlei Aufträge an, ob es nun darum geht, Monster zu töten oder heikle Angelegenheiten diskret zu erledigen. Mit jedem Auftrag erhaltet ihr Punkte in einem Moralsystem, das aus drei Gesinnungen besteht: „Law“, das Gesetz, das für das Gute steht, „Chaos“, das Böse und schließlich „Gray“, die Grauzone. Man kann nicht alle drei Gesinnungen in einem einzigen Spieldurchlauf maximieren, was zu weiteren Spieldurchläufen einlädt. Aber dieses Spiel ist nicht einfach nur eine Fortsetzung des Calvard-Handlungsbogens, selbst wenn detailreicher Weltenbau und charakterbetonte Geschichten das sind, was Falcom-Fans von einem Trails-Titel erwarten. Es bietet außerdem viel mehr zu tun als in jedem früheren Spiel.
Zunächst einmal gibt es viel mehr Charaktere – eine Mischung aus bekannten Gesichtern aus dem Arkride Solutions Office und Charakteren aus früheren Trails-Titeln, darunter das mörderische Duo Swin und Nadia. Aber da Daybreak II nur wenige Monate nach dem Vorgängerspiel stattfindet, sind Vans Gefährten noch auf ihren eigenen Reisen unterwegs. Ihr müsst also erst mal die Gruppe wieder zusammentrommeln, und zwar in einer neuen Reihenfolge. Während das Originalspiel Daybreak damit begann, dass die Highschool-Schülerin Agnès an Vans Bürotür klopfte, ist es diesmal seine Jugendfreundin Elaine, die ihn darum bittet, mysteriöse Mordfälle aufzuklären, die angeblich das Werk einer Bedrohung sind, die als Crimson Grendel bekannt ist.
Mehr spielbare Charaktere bedeuten außerdem, dass die Geschichte von Daybreak II aus mehreren Zeitlinien und Gruppenkombinationen besteht, sodass ihr nicht auf Vans Perspektive beschränkt seid. Das klingt vielleicht so, als könntet ihr euren Lieblingscharakteren nur in bestimmten Kapiteln der Geschichte begegnen, aber es gibt auch noch den „Märchen Garten“ – einen optionalen endlosen Dungeon, den ihr mit einer Gruppe aus Charakteren eurer Wahl betreten könnt. „In den Spielen der Trails-Reihe gibt es viele tolle Charaktere. Wenn also jemand einen Lieblingscharakter hat, den er ausbauen und mehr einsetzen will, hat er hier die Chance dazu“, erklärt Kondo.

Tatsächlich gab es beide Elemente schon in Trails from Reverie. Aber da dieses Spiel im Grunde genommen nur ein Epilog in Spielfilmlänge war, der den Abschluss der Crossbell- und Erebonia-Handlungsbögen bildete, ist es eine gute Idee, diese Gameplay-Funktionen in einem anderen Titel neu einzuführen, der nicht ganz so viel Pflichtlektüre enthält.
Das Kampfsystem von Daybreak mit seinem hybriden System bedeutete eine radikale Veränderung. Es ermöglicht Spielern, zwischen Echtzeit-Action und rundenbasiertem Kampf zu wechseln – und zwar sogar während derselben Begegnung. Der Action-Teil wirkt im Vergleich zu Falcoms actionlastiger Ys-Reihe zwar eher etwas einfach, doch Kondo gibt zu bedenken, dass so viele spielbare Charaktere (zwischen denen man auch hin und her wechseln kann) dazu führen, dass „wir die Bewegungssets für einzelne Charaktere nicht so detailliert ausarbeiten können“.
Ich hatte die Gelegenheit, ein frühes Kapitel und den „Märchen Garten“ zu spielen, und konnte feststellen, dass die Kämpfe im Vergleich zum Vorgängerspiel wesentlich raffinierter sind, weil mehr Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Statt wilder Nahkampfangriffe könnt ihr auch magische Fernangriffe, sogenannte „Quick Arts“, einsetzen. Diese müsst ihr erst aufladen und sie kosten auch Energy Points (EP). Sie sind daher zwar eine willkommene Ergänzung, sollten aber mit Bedacht verwendet werden.
Obwohl ihr in Echtzeitkämpfen immer noch zwischen Gruppenmitgliedern hin und her wechseln könnt, gibt es in Daybreak II einen noch besseren Trick. Bislang konntet ihr mit einem perfekten Ausweichmanöver eine Leiste füllen, um dann mit einem mächtigen Angriff Feinde zu betäuben. Jetzt habt ihr nicht nur die Möglichkeit, das Gruppenmitglied wechseln, sondern könnt es auch gleich mit einem starken Angriff losschicken. Alles in allem wirkt das Action-System dynamischer und reizvoller. Für Fans von klassischen rundenbasierten Kämpfen wurde die Benutzeroberfläche in diesem Teil überarbeitet und die Reihenfolge in Runden ist nun leichter erkennbar.
Das vielleicht begrüßenswerteste neue Feature, das im Originalspiel Daybreak komplett fehlte, sind Minispiele. Das wichtigste Minispiel, das ich ausprobieren konnte, war Angeln – eine feste Größe in vielen klassischen JRPGs. Verglichen mit den Vorgängerspielen lässt euch diese Fortsetzung reichlich Freiheiten. Ich musste also nicht zu einer bestimmten Angelstelle gehen, sondern konnte meine Angel fast überall am Rand eines Kanals auswerfen, solange keine hohen Geländer im Weg waren. Darüber hinaus verspricht Daybreak II weitere Aktivitäten, darunter ein Cyberhacking-Minispiel, ein Kartenspiel, Basketball und mehr.

So begrüßenswert diese Aktivitäten auch sind – sie verleihen jeder RPG-Welt mehr Würze –, könnt ihr euch darauf verlassen, dass Trails Through Daybreak II auch jede Menge Hintergrundgeschichte zu euren Charakteren zu bieten hat, insbesondere durch sogenannte „Connected Events“. So könnt ihr mehr über eure Lieblingscharaktere erfahren oder in mehreren Spieldurchläufen nach und nach alles entdecken. Die Übersetzung dieser zusätzlichen Dialogtexte bedeutet natürlich einen größeren Zeitaufwand, aber da die Reihe ihre Fans gerade damit so begeistert, ist es die Wartezeit durchaus wert.
The Legend of Heroes: Trails Through Daybreak II erscheint am 14. Februar 2025 und ihr könnt es jetzt im Epic Games Store auf eure Wunschliste setzen. Falls ihr neu in die Reihe einsteigt, könnt ihr jetzt auch The Legend of Heroes: Trails Through Daybreak kaufen.