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Wie Vampire Survivors ein eigenes, merkwürdiges Genre namens „Survivor-like“ schuf
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Steven T. Wright
Vampire Survivors war nicht das erste Spiel, das man in das neue Genre „Survivor-like“ einordnen könnte. Manchmal werden Titel dieser Art auch als „Bullet Heaven“-, „Autoshooter“- oder „Wave Shooter“-Spiele bezeichnet. In Wirklichkeit wurde der Grundstein für das „Survivor-like“-Genre wohl eher von Magic Survival gelegt, einem Spiel für Mobilgeräte, das Luca Galante (der Entwickler von Vampire Survivors) als seine Hauptinspirationsquelle nennt.
Aber Vampire Survivors ist das mit Abstand erfolgreichste Spiel seiner Art. Ähnlich wie Demon's Souls und Return of the Obra Dinn, die für ihr jeweiliges Genre wegweisend waren, weist auch Vampire Survivors reichlich vertraute Elemente auf, ist aber hinsichtlich mancher wichtiger Aspekte so innovativ, dass es andere Entwickler zu ähnlichen Spielen inspirierte.
Bei Vampire Survivors handelt es sich um ein sogenanntes Auto-Attack-Spiel – etwas, das außerhalb des Mobile-Gaming-Bereichs relativ selten ist. Jede Waffe, die ihr während eines Spieldurchlaufs erlangt, funktioniert auf unterschiedliche Weise, und ihr könnt euch aussuchen, welche Waffen ihr verbessern (oder priorisieren) wollt, während ihr verschiedene Kombinationen ausprobiert. So führt zum Beispiel die Peitsche alle paar Sekunden automatische Angriffe in die Richtung aus, in die euer Charakter schaut – so könnt ihr viele Gegner auf einmal vernichten. Die „King Bible“ hingegen fliegt langsam um euch herum, tötet Gegner mit Fernangriffen und gewährt euch etwas passive Verteidigung.

Es gibt zwei scheinbar unbedeutende Design-Entscheidungen, die sich jedoch entscheidend auf das Gameplay von Vampire Survivor auswirken – und vielleicht auch auf seinen Erfolg. Besiegte Gegner lassen Erfahrungskristalle fallen, die ihr aufsammeln müsst. Das bedeutet, dass ihr euch gut überlegen müsst, wie ihr einen Level durchquert. Wenn ihr eine riesige Horde von Fledermäusen getötet habt, müsst ihr herausfinden, wie ihr all diese kostbaren Erfahrungspunkte rechtzeitig aufsammeln könnt.
Wer schlau vorgehen will, sollte außerdem unbedingt nach den Truhen Ausschau halten, die ab und zu erscheinen, denn diese versorgen euch nicht nur mit neuen Waffen für euren aktuellen Spieldurchlauf, sondern enthalten auch reichlich Münzen der Metawährung, mit der ihr zwischendrin neue Ausrüstung und Charaktere freischalten könnt. Truhen gewinnen zunehmend an Bedeutung, je mehr ihr das Spiel zu meistern lernt, da sie besondere „weiterentwickelte“ Versionen eurer Waffen enthalten können, ohne die manche der schwierigeren Herausforderungen in diesem Spiel nahezu unüberwindbar sind. Für diese „weiterentwickelten“ Waffen müsst ihr bestimmte Kriterien erfüllen – beispielsweise zwei Waffen mit demselben Charakter sammeln und eine davon auf die maximale Stufe bringen. Das macht das Gameplay noch vielschichtiger.
Was Vampire Survivors jedoch wirklich genial macht, ist die Art und Weise, wie es den Suchtfaktor von Roguelikes auf die Spitze treibt. Die Spieldurchläufe kommen ziemlich schnell zur Sache und haben kaum Leerlauf. Meistens dauern sie nur 15 bis 30 Minuten. Nach den ersten paar Leveln wird Vampire Survivors schnell schwieriger. Das bedeutet auch, dass euer „Build“ entweder in wenigen Minuten vervollständigt wird – oder gar nicht.
Und natürlich erinnern die glitzernden Animationen sich öffnender Truhen an die Dopaminschübe, die das Öffnen von Beutekisten in Gacha-Spielen oder sogar in Overwatch auslöst. Genau das macht dieses Genre so attraktiv. Auch fehlgeschlagene Spieldurchläufe fühlen sich nie wie Zeitverschwendung an, weil man ja trotzdem Währung gesammelt hat, die langfristig nützlich ist, weil man mit ihr neue Charaktere freischalten (und verbessern) kann. Es ist offensichtlich, wie und warum sich dieses süchtig machende Gameplay auch in anderen Spielen des Genres verbreitet hat.
Vampire Survivors gehört in eine Gaming-Nische, die in den letzten paar Jahren mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat: Spiele für die Mittagspause. Natürlich könnt ihr euch auch einen ganzen Abend lang in einem Survivor-like verlieren, aber das Genre ist für kurze Spieldurchläufe gemacht, die eure Aufmerksamkeit fordern, eure Reflexe auf die Probe stellen und genau so lange dauern, bis ihr zurück an die Arbeit müsst.

Was diese anderen Spiele angeht: Das Spiel, das neben Vampire Survivors wohl am meisten empfohlen wird, ist Deep Rock Galactic: Survivor. Darin grabt ihr euch einen Weg durch felsiges Terrain und hantiert mit noch mehr Ressourcen. Außerdem wäre da noch Karate Survivor, in dem ihr nicht mit Peitsche und Knoblauch in den Kampf zieht, sondern mit den Faustschlägen und Roundhouse-Kicks des Hongkong-Kinos der 80er-Jahre. Das cartoonhafte Brotato ist ein weiteres stil- und schwungvolles Survivor-like und sieht aus, als stamme es direkt von der Newgrounds-Website (wir meinen das als Kompliment).
Alles in allem kann man vielleicht darüber streiten, ob Vampire Survivors das Genre erfunden hat, aber es ist auf jeden Fall das beste Spiel dieses Genres und verdient eure Aufmerksamkeit. Das Entwicklungsstudio poncle hat reichlich DLC-Inhalte hinzugefügt, darunter eine offizielle Kollaboration mit Castlevania, seinem stilistischen Vorläufer. Sobald ihr einmal damit anfangt, kommt ihr mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit wochenlang nicht mehr davon los.
Vampire Survivors und seine zahlreichen DLC-Pakete sind im Epic Games Store verfügbar.