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In The Great War: Western Front werden Siege im Krieg teuer erkauft

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Brian Crecente
7. Apr. 2023

The Great War: Western Front ist eine ganz andere Art von Strategiespiel – von einem Studio, das einige der besten entwickelt hat. 

In Videospielen wird der Krieg oft auf den kleinsten gemeinsamen Nenner heruntergebrochen: Das einfache Schwarz-Weiß-Schema von Leben oder Sterben und Sieg oder Niederlage. Doch The Great War: Western Front betrachtet den Krieg als nuancierte Grauzone aus der Perspektive durch Schützengräben zerfurchter Schlachtfelder und des nationalen Willens, der Kosten in Gold sowie kriegsübergreifender Globalpolitik.

Sowohl Sieg als auch Niederlage sind mit Kosten verbunden, wobei eine Schlacht selten den Krieg entscheidet. Der Entwickler Petroglyph Games arbeitete eng mit den Imperial War Museums zusammen, um die Realität der Westfront des 1. Weltkriegs durch Archivbilder und ein besseres Verständnis des Zermürbungs- und Stellungskriegs einzufangen.

 


Lead Designer Chris Becker sagte, dass das für seine Arbeit am Strategiespiel Star Wars: Empire at War bekannte Team von Petroglyph das Spiel unter anderem aus einem tiefgreifenden Interesse an Geschichte und geschichtlich inspirierten Spielen entwickeln wollte.

„Im 1. Weltkrieg änderte sich der Umfang der Kriegsführung und der Kriegstechnologien in einer Weise, die die Welt noch nie gesehen hatte“, sagte er. „Durch unseren Hintergrund in der Strategiespielentwicklung sahen wir in den Taktiken der Grabenkriege die Chance, eine einzigartige Perspektive zu bieten, die die Spieler dazu bringt, auf diese Änderungen zu reagieren, und zwar sowohl mit rundenbasierter als auch mit Echtzeitstrategie. Die Entwicklung von The Great War: Western Front war für uns sehr spannend. Wir wollten es den Spielern ermöglichen, diesen entscheidenden Moment der Geschichte für sich selbst zu erleben und vielleicht sogar neu zu definieren.“

Besonders sticht heraus, dass das Spiel sowohl Gefechte in Echtzeit als auch rundenbasierte Gefechte bietet. Als Spieler übernehmt ihr die Kontrolle über die Alliierten oder die Mittelmächte. Als Kriegsgebietskommandanten könnt ihr in jeder Runde forschen, euch aus einer recht überschaubaren Auswahl an Einheiten versorgen und eure Einheiten verschieben, um Kriegsschauplätze zu verstärken, zu verteidigen oder anzugreifen. Kommt es zu einem Angriff, steht es den Spielern frei, den Ausgang automatisch anhand der Wahrscheinlichkeit eines Sieges bzw. einer Niederlage bestimmen zu lassen oder als Feldkommandant die Schlacht in Echtzeit zu befehligen. 

Als Feldkommandant erlebt ihr das Spiel als sehr viel traditionelleren Echtzeitstrategie-Titel, wenn auch mit ein paar interessanten Kniffen. Die Einheiten beruhen auf den historischen Gegebenheiten des 1. Weltkriegs und auf der Forschung, in die ihr investiert habt. Es kann also beispielsweise sein, dass ihr bereits Senfgas oder Panzer erforscht habt, was sich entscheidend auf die Schlacht auswirken kann.

In The Great War: Western Front werden Siege im Krieg teuer erkauft – Kriegsschauplatz
Konflikte beginnen mit der Möglichkeit, Schützengräben auszuheben. Diese grundlegenden Elemente des Krieges bleiben im gesamten Spielverlauf bestehen. Wenn ihr also später erneut am selben Ort kämpft, was sehr wahrscheinlich ist, findet ihr dieselben Gräben vor – allerdings könnten einige durch Mörserfeuer beschädigt oder durch Sprengstoff in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Je weiter der Kriegsverlauf fortschreitet, desto komplizierter wird das Labyrinth der Gräben, die ihr nutzen könnt oder umgekehrt bei euren Angriffen überwinden müsst.

Beobachtungsballons spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Lasst ihr sie aufsteigen, könnt ihr Teile des Schlachtfeldes aufklären, um die dort stationierten Truppen und deren Bewaffnung auszukundschaften. Im weiteren Spielverlauf werden Flugzeuge immer wichtiger, was euch zwingt, eure Beobachtungsballons höher aufsteigen zu lassen und wieder zu senken, damit sie nicht abgeschossen werden.

Bei der Verteidigung von Schützengräben und euren Angriffen darauf spielen auch Artillerie und MG-Nester eine große Rolle. Im letzten Schritt stellt ihr eure Einheiten auf. Dabei fließen verschiedene Vorteile ein, von der Staatsangehörigkeit der Truppen bis hin zu welche Einheiten ihr erforscht und verbessert habt.

Das Ziel jeder Schlacht ist es, so viele Schlüsselstellungen wie möglich auf der Karte einzunehmen. Ihr beginnt mit der Hälfte davon, so wie der Feind. Außerdem verfügen beide Seiten über eine Basis. Wird sie eingenommen, bedeutet das mehr oder weniger das Ende der Schlacht.

Doch eine gewonnene Schlacht führt nur selten zu einem deutlichen Sieg. Jeder Kriegsschauplatz hat Sterne. Bevor ihr ihn einnehmen könnt, müsst ihr alle entfernen. Das heißt in aller Regel, dass ihr mehrmals angreifen und gewinnen müsst. Wartet ihr eine Runde, erhält der Ort einen Stern zurück. Es ist also überraschend schwierig, Geländegewinne zu erzielen. 

Hinzu kommt, dass sich die Anzahl der Soldaten, das Rückgrat jeder Armee im 1. Weltkrieg, von Beginn des Krieges bis zu seinem Ende kaum ändert. Ihr könnt zwar Panzer, Flugzeuge und Artillerie kaufen und verbessern, doch Soldaten könnt ihr nicht einfach kaufen. Stattdessen werden am Ende jeder Schlacht die gefallenen Soldaten entweder geheilt oder durch neue Rekruten ersetzt. Dies geschieht im Rahmen der Kriegskosten automatisch und kostet Goldreserven.

In The Great War: Western Front werden Siege im Krieg teuer erkauft – Cantigny
In The Great War ist Gold einer der wichtigsten Faktoren. Ohne Goldreserven könnt ihr weder Einheiten kaufen noch Angriffe durchführen. Ihr erhaltet es zu Beginn jeder Runde automatisch sowie ferner durch bestimmte Ereignisse in der Welt.

Zusätzlich müsst ihr euch auch um den Nachschub kümmern, mit dem ihr während der Kämpfe Käufe tätigen könnt. Während Gold für Käufe am übergeordneten Kriegsschauplatz ausgegeben wird, um Stellungen auszubauen, bestimmt der Nachschub, wie viele Einheiten ihr in Echtzeitschlachten aufstellen und wie viele ihr aus der Reserve anfordern könnt.

Der wichtigste Faktor des Spiels ist allerdings der nationale Wille (National Will). Ihr könnt das Spiel zwar gewinnen, indem ihr die Heimatregion des Feindes erobert (Paris oder Kreuznach), aber es ist unwahrscheinlich, dass es dazu kommt. Ihr werdet eher aufgrund von Kriegsmüdigkeit gewinnen. Dazu müsst ihr den nationalen Willen des Feindes auf null senken. Der nationale Wille beider Seiten steigt und fällt durch Siege in der Schlacht und Weltereignisse. Am Ende jeder Schlacht legt das Spiel auf Grundlage eurer Gesamtpunktzahl und der des Feindes den Sieger fest. Je größer die Differenz, desto höher fällt eure Niederlage oder euer Sieg aus. Die Möglichkeiten reichen von einer katastrophalen Niederlage (Great Loss) bis zu einem großen Sieg (Great Victory). Diese wirken sich jeweils auf den nationalen Willen aus.

Der Ausgang von Schlachten ist der Hauptbeeinflussungsfaktor des nationalen Willens, aber ihr könnt ihn auch mithilfe von Forschung stärken. Ab einem bestimmten Punkt des Kriegsverlaufes verlieren beide Seiten aufgrund von Kampfmüdigkeit automatisch einen Teil ihres nationalen Willens. Sollte eure Strategie erfolglos bleiben, endet das Spiel spätestens 1920 durch Kampfmüdigkeit.

Das Spiel enthält weitere interessante Elemente wie Wetter, Bodenerosion, Zufallsereignisse, das Zusammenspiel mehrerer Nationen auf dem Schlachtfeld und verschiedene Formen der Spionage. Im Allgemeinen geht es jedoch um Zermürbung, Tapferkeit und die Vermeidung von Verlusten oder Pyrrhussiegen.

Becker zufolge war dies einer der Hauptgründe für das Team, ein Spiel über den 1. Weltkrieg zu entwickeln.

„Der 1. Weltkrieg und die Art der Kämpfe an der Westfront boten einzigartige Taktiken, die wir in einem Strategiespiel aufgreifen wollten“, sagte er. „Dieser Krieg war als Zermürbungskrieg und für seine Schlachten um jeden Zentimeter bekannt. Dabei war der Ausgang der Gefechte nicht so eindeutig wie bei früheren Kriegen, und die ständigen Offensiven waren mit erheblichen Kosten verbunden, was selbst im Falle eines Sieges die Kampfmoral schwächte. Außerdem erforderte die fortschreitende technologische Entwicklung im Laufe des Krieges eine kontinuierliche Anpassung der Kampftaktik. Die Nachbildung dieser Art von Konflikten, bei denen die Spieler schwierige Entscheidungen treffen müssen, um ihre Ziele zu erreichen, und die Taktik der Schützengräben haben unserer Meinung nach ein einzigartiges Spielerlebnis geschaffen.“

In The Great War: Western Front werden Siege im Krieg teuer erkauft – Fähigkeitenbaum
Wir entschieden uns dafür, uns nicht nur auf den 1. Weltkrieg, sondern speziell auf die von 1914 bis 1918 bestehende Westfront zu konzentrieren, weil diese Konflikte einige der bedeutendsten technologischen Fortschritte zur Folge hatten, was wiederum ein fesselndes Gameplay ermöglichte.

Das Team von Petroglyph wollte mit seinem Titel die Realität des Krieges auf authentische Art und Weise wiedergeben. „Die Spieler sollen das Gefühl bekommen, sich weiterzuentwickeln und die im Kontext des 1. Weltkrieges getroffenen Entscheidungen mitzubestimmen, um deren Tragweite zu spüren“, so Becker.

Im Laufe der Entwicklung wurden viele interessante Ansätze geprüft, und vor allem das Konzept eines Befehlshabers in zwei Rollen bot dem Team eine überzeugende Ausgangsbasis, sagte er. Die Grabenkämpfe waren der nächste große Entwicklungsschritt.

„Der Grabenkrieg ist einzigartig und sollte deshalb besonders eindrucksvoll sein. Daher standen für uns Planung und Strategie im Vorfeld der Schlachten im Fokus, damit die Entscheidungen der Spieler sich wesentlich auf die Schlachten selbst auswirken konnten“, so Becker. „Die von den Spielern entworfenen Grabensysteme und die sichtbaren Auswirkungen des Krieges auf die Landschaft bleiben auf den einzelnen Schlachtfeldern erhalten. Kehren die Spieler dann an den Schauplatz früherer Schlachten zurück, können sie auf ihren vorherigen Handlungen aufbauen.“

„Wir wollten, dass die Entscheidungen der Spieler als Kriegsgebietskommandanten an der ganzen Westfront Gewicht haben und ihnen schwierige Wahlmöglichkeiten bieten, die sich auf ihre gesamten Kriegsanstrengungen auswirken. Ihre Entscheidungen beeinflussen den nationalen Willen, der die Unterstützung für den Krieg in den Heimatgebieten anzeigt, und ihre Goldreserven, mit denen sie die durch den Konflikt erlittenen Verluste ausgleichen und ihre Wirtschaft stabilisieren können. Selbst bei einem Sieg entstehen Kosten, die die Spieler sowohl auf dem Schlachtfeld als auch im übergeordneten Kontext berücksichtigen müssen.“

In The Great War: Western Front werden Siege im Krieg teuer erkauft – Zeppeline
Um den 1. Weltkrieg möglichst realistisch darzustellen, musste das Spiel auf interessante Weise einen Zermürbungskrieg widerspiegeln.

„Die Spieler sollen den Kriegsverlauf und ihre eigene Weiterentwicklung direkt spüren können“, sagte er. „Es war uns wichtig, die Kosten dafür mit einzubeziehen. Die Spieler können Schlachten zu einem hohen Preis gewinnen und somit einen Pyrrhussieg erringen. Der Sieg ist eine Sache, doch die Art und Weise, wie er errungen wird, ist ebenfalls entscheidend. Sie müssen bei ihren Entscheidungen den nationalen Willen, die Goldreserven, den Nachschub, die Wiederauffüllungskosten und vieles mehr berücksichtigen.“

Das Team von Petroglyph fügte auch die Möglichkeit hinzu, sich in einer Schlacht zu ergeben oder einen Waffenstillstand zu erwirken – beides ist Teil eines Konzepts, das „kleine Siege“ genannt wird.

„Es geht darum, dass es im Krieg keine eindeutigen Sieger oder Verlierer gab“, so Becker. „Unter Berücksichtigung der Kosten können die Spieler entscheiden, ob sie weiter vorstoßen (was die Kosten erhöht, aber möglicherweise zusätzliche Ziele sichert) oder sich zurückhalten (was ihre Verluste verringert). Solche Entscheidungen mussten die Befehlshaber im 1. Weltkrieg tatsächlich treffen, und sowohl Waffenstillstände als auch Kapitulationen haben eine große Bedeutung für die Gesamtstrategie der Spieler.“

Auf diese Weise ist ein Spiel entstanden, in dem die Spieler die Kosten jeder Schlacht abwägen müssen, egal ob sie sie gewinnen oder verlieren.

„Wir wollten die Kosten mit den Handlungen der Spieler in Verbindung bringen und Ursache und Wirkung direkt spürbar machen“, sagte er. „Ein großer Sieg in einer Schlacht kann zum Beispiel den nationalen Willen erhöhen. Doch die dabei erlittenen Verluste beeinträchtigen wiederum nicht nur den nationalen Willen, sondern belasten in Form von Wiederauffüllungskosten auch die Goldreserven. Es gibt auch Ereignisse, Ziele und schwierige Entscheidungen, mit denen die Spieler im Laufe der Kampagne konfrontiert werden, und diese sind mit unterschiedlichen Auswirkungen verbunden, die sie abwägen und bedenken müssen.“

Das Spiel, das ihr jetzt im Epic Games Store kaufen könnt, bietet außerdem schnelle Gefechte, historische Schlachten und einen Mehrspielermodus.