
Warhammer 40,000: Space Marine 2 will ein vergessenes Spielgenre wiederbeleben

Wenn man dreizehn Jahre auf eine Fortsetzung wartet, ist das eine ziemlich lange Zeit, vor allem bei einem so schnelllebigen Medium wie Videospielen. Als Warhammer 40,000: Space Marine im Jahr 2011 veröffentlicht wurde, erlebten lineare Third-Person-Actionspiele gerade ihre Blütezeit und Genreklassiker wie Gears of War und Uncharted füllten die Regale. Rückblickend betrachtet war das originale Space Marine eines der letzten großen Spiele, das aus der Beliebtheit des Genres Kapital schlagen konnte, und von einigen wurde es sogar damals schon als etwas altmodisch angesehen.
Was bedeutet das für Warhammer 40,000: Space Marine 2, das – mehr als ein Jahrzehnt später – praktisch alleine dasteht, weil sich die Actionspiele inzwischen auf große offene Welten oder Live-Service-Multiplayer konzentrieren? Ist es damit auf dem heutigen Spielemarkt überflüssig und nur noch ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit?
Tim Willits, der Chief Creative Officer von Saber Interactive, ist da anderer Meinung. „Ich denke, das ist eher ein Vorteil für uns“, sagt er. „Space Marine 2 sticht gerade deshalb heraus, weil es in der heutigen Zeit etwas anderes zu bieten hat.“
Und obwohl Space Marine 2 im Großen und Ganzen die Struktur seines Vorgängers beibehält – blutige Action vor den typisch pompösen Kulissen von Warhammer 40.000 –, beschert es uns bedeutende Änderungen in der Spielweise, erweitert das Kampfsystem um neue Technologien und integriert Mehrspieler-Koop in seine Geschichte.
„Space Marine 2 ist zwar erst das zweite Spiel in der Reihe, aber es bietet ein völlig neues Spielerlebnis“, betont Willits.

Warhammer 40,000: Space Marine 2 führt die Geschichte von Titus, dem Captain der Ultramarines, fort, der im ersten Spiel auf der Fabrikwelt Graia gegen die Armeen der Orks kämpfte – dessen heldenhafter Sieg jedoch durch die Anschuldigungen seines eigenen Kameraden untergraben wurde, der ihn der Ketzerei bezichtigte. In Space Marine 2 erfahren wir, dass Titus aufgrund dieser Vorwürfe zum Lieutenant degradiert wurde. Nach zwei Jahrhunderten im Dienst der Deathwatch erhält Titus den Auftrag, einen neuen Trupp Ultramarines gegen die Invasion der Tyraniden in einem imperialen Sternensystem anzuführen.
In Anbetracht der langen Zeitspanne zwischen den beiden Spielen fragte ich Willits, wie Saber zu dem Entschluss gelangte, Titus' Geschichte fortzusetzen, anstatt mit einem neuen Protagonisten neu anzufangen. „Titus ist weit mehr als nur ein typischer Ultramarine“, sagt Willits. „Sein Ringen mit der vermeintlichen Abtrünnigkeit, seiner Identität und der Last seiner Erfahrungen macht ihn zu einem Charakter, der faszinierende Entwicklungsmöglichkeiten bietet.
Ein besonderes Element der Geschichte von Space Marine 2 ist Titus' Verbindung zu den beiden Ultramarines, die er anführt, Gadriel und Chairon. „Titus' Vergangenheit ist geheimnisumwoben und gibt uns die Möglichkeit, eine Dynamik zwischen ihm und seinen Kameraden zu entwickeln“, so Willits.
Gadriel und Chairon sind alles andere als Waffenbrüder und stehen ihrem neuen Lieutenant von Beginn an skeptisch gegenüber. Im weiteren Verlauf der Kampagne verstärken sich ihre Zweifel und Verdächtigungen zusehends und sie können diese kaum noch hinter ihrem Ultramarine-Kommandoprotokoll verbergen. Es ist eine überzeugende und sehr spannungsreiche Verbindung, die ihrer Zusammenarbeit eine außergewöhnliche Dimension verleiht, auch wenn sie alle für das Imperium kämpfen.

Warhammer 40,000: Space Marine 2 hat seinen Maßstab gegenüber dem Original erheblich ausgeweitet. Das ist auf den ersten Blick erkennbar, denn die Kampagne macht sich ausgiebig die maximalistische Architektur und Kriegsdarstellung von Warhammer 40.000 zu eigen. Die Kämpfe finden oft zwischen den hoch aufragenden gotischen Türmen der kolossalen Makropolen statt, und über die Schlachtfelder peitscht das Laserfeuer der imperialen Gardisten.
Aber der Maßstab ist auch mechanisch in das Spiel integriert. Das Kernstück dabei ist das, was Saber als „Schwarmtechnologie“ bezeichnet, die bereits in einem der früheren Spiele des Studios zum Einsatz kam: World War Z.
Die Schwarmtechnologie spielt in Space Marine 2 eine zentrale Rolle bei der Darstellung der insektenartigen Tyraniden mit ihrem Schwarmbewusstsein, denn sie ermöglicht es, Schlachten gegen Dutzende oder sogar Hunderte von Gegnern zu führen.
„Die Schwarmtechnologie gibt uns die Möglichkeit, sowohl feindlich Gruppierungen im Einklang reagieren zu lassen, als auch individuelle Einheiten mit eigenen KI-Systemen zu simulieren“, erklärt Willits. „Die Tyraniden starten zum Beispiel einen Angriff als große Gruppe, um anschließend aufzubrechen und unabhängig voneinander zu agieren, was einen dynamischen und realistischen Kampf ermöglicht.“

Die Gefechte in Space Marine 2 sind ein wahrer Augenschmaus. Oftmals seht ihr die Tyraniden schon lange, bevor ihr euch gegen sie in den Kampf stürzt, während sie zu Hunderten über entfernte Hänge strömen. Während sie sich nähern, klettern sie alle übereinander, um die Verteidigung des Imperiums zu überwältigen. Kleinere Feinde greifen in Gruppen an und größere Feinde stellen sich euch Mann gegen Mann in den Weg.
Die Tyranidenschwärme schaffen komplexe, hektische Schlachtfelder, auf denen es leicht unübersichtlich werden kann. Um mit ihnen fertig zu werden, braucht es daher ein ebenso komplexes Kampfsystem. Space Marine 2 übernimmt die Kombination aus Nah- und Fernkampf (sowie die grausigen Exekutionen) des Originals, aber der Schwerpunkt liegt auf der Massenkontrolle und Konterangriffen.
Zu den interessantesten neuen Kampffunktionen gehört der „Nahkampfschuss“ – damit könnt ihr nach perfekten Paraden oder Ausweichmanövern einen Schuss mit automatischer Zielerfassung aus eurer Seitenwaffe abfeuern. „Dies verleiht dem Spiel eine zusätzliche strategische Ebene und belohnt Spieler, die das richtige Timing und den reibungslosen Ablauf des Kampfes beherrschen“, sagt Willits.
Dank seiner Jahre bei id Software, in denen er an Titeln wie DOOM, Quake und Rage gearbeitet hat, kann Willits auf umfangreiche Erfahrung in der Entwicklung von Actionspielen, insbesondere im Genre der Ego-Shooter, zurückblicken. Er ist zwar nicht der Lead Designer von Space Marine 2 – diese Rolle besetzt Dmitry Grigorenko, der ehemalige Entwicklungsleiter von World War Z –, aber ich war neugierig, wie Willits' Erfahrungen seine Herangehensweise an Space Marine 2 beeinflusst haben und wie sich seine Kenntnisse des Ego-Shooter-Genres auf ein Third-Person-Actionspiel auswirkten.
„Meine Erfahrung bei der Entwicklung von Ego-Shootern hat mir eine solide Grundlage für fesselnde, rasante Spielerlebnisse verschafft, und dabei spielt es keine Rolle, wo die Kamera positioniert ist“, antwortet Willits. „Bei Space Marine 2 war es mir sehr wichtig, die Kernmechanik zu optimieren und das punktuelle Gameplay zu perfektionieren.“
„Eine straffe Gameplay-Schleife ist die Grundlage jedes großartigen Spiels“, fügt er hinzu. „Sobald diese sicher ist, kann man darauf aufbauen und weitere Ebenen hinzufügen, um das Erlebnis zu verbessern. Meine Erfahrung bei der Entwicklung von Actionspielen hat mich gelehrt, dass die Aktionen im Spiel, die sich wiederholen, – und wie viel Spaß sie machen – das gesamte Erlebnis bestimmen.“

Abgesehen von den schwärmenden Tyraniden ist die vielleicht wichtigste Neuerung bei Space Marine 2, dass man nicht mehr alleine kämpfen muss. „Space Marines kämpfen bekanntlich wie eine Einheit zusammen“, sagt Willits. „Dieses Teamwork wollten wir auch in Space Marine 2 schaffen, und so wurde der Mehrspieler-Koop zu einem der Kernelemente für das Team. Zusammenarbeit sorgt für zusätzliche strategische Tiefe, die das Spiel noch spannender macht und den Wiederspielwert erhöht, vor allem, wenn man mit echten Menschen spielt.“
Ihr könnt die Kampagne von Warhammer 40,000: Space Marine 2 entweder im Einzelspielermodus oder mit bis zu zwei anderen Spielern bestreiten, die die Rollen von Gadriel und Chairon übernehmen. Darüber hinaus gibt es noch den separaten, speziellen Koop-Modus „Operations“. Dabei wählt ihr unter verschiedenen Ultramarine-Klassen, von denen jede mit verschiedenen Fähigkeiten und Spezialisierungen aufwartet, um eine Reihe von individuellen Missionen zu erfüllen. Diese Missionen ähneln in Umfang und Aufbau denen der Kampagne, bieten aber dynamischere und weniger vorhersehbare Kämpfe, ähnlich wie etwa in Left 4 Dead.
Laut Willits war es bei Space Marine 2 eine der größten Herausforderungen für Saber, Einzelspieler- und Koop-Modus gemeinsam unterzubringen.
„Hierfür haben wir einen aktualisierten KI-Director entwickelt, der das Schlachtfeld ständig analysiert und das Verhalten und die Anzahl der Feinde an die Leistung des Spielers anpasst“, so Willits. Dieser Director macht sich in der Koop-Kampagne bemerkbar, wo größere und mächtigere Tyranidenschwärme die Ultramarines angreifen – und noch offensichtlicher wird er in „Operations“, wo er im Verlauf der sechs Missionen unterschiedlich starke Schwärme freisetzt und starke Tyranidengegner wie den Liktor erscheinen lässt, der sich unsichtbar machen und nichtsahnende Ultramarines aus dem Hinterhalt angreifen kann.
Eine interessante Besonderheit des Koop-Modus von Space Marine 2 besteht darin, dass sich maximal drei statt der üblichen vier Spieler ins Kampfgetümmel stürzen können. Willits erklärt, dass bei dieser Entscheidung die Gesamtbalance des kooperativen Spiels im Vordergrund stand. „Bei umfangreichen Tests haben wir festgestellt, dass drei Spieler das ideale Gleichgewicht im Kampf gegen die Tyranidenschwärme bieten. Damit wird eine Herausforderung geboten, die nicht zu leicht ist“, sagt er. „Außerdem kann man sich leichter mit zwei Freunden absprechen als mit drei.“

Ursprünglich sollte Warhammer 40,000: Space Marine 2 Ende 2023 erscheinen, aber dann wurde der Termin um neun Monate verschoben. Willits betont, dass hier wie beim Drei-Spieler-Koop die Balance im Vordergrund stand.
„Es erforderte viel Zeit und Mühe, die Action im Einzelspieler-, PvE- und PvP-Modus auszubalancieren“, sagt er. „Wie heißt es so schön: ‚Verspätet ist ein Spiel höchstens bis zur Veröffentlichung, aber schlecht kann es für immer sein‘.“
Schon früh in der Kampagne von Space Marine 2 unterzieht sich Titus einem Eingriff, der als „Rubicon“-Operation bekannt ist und der ihn in einen größeren, stärkeren und widerstandsfähigeren Ultramarine verwandelt. Dies spiegelt in vielerlei Hinsicht den Charakter des Nachfolgers aus dem Hause Saber Interactive wider: Ein alter Krieger für heutige Zeiten verjüngt – aufgefrischt, verbessert und kampfbereit.
Holt euch Warhammer 40,000: Space Marine 2 noch heute im Epic Games Store.